09.02.2026
Die meisten Punkte aller Zeiten
Die Seattle Seahawks sind Super-Bowl-Champions und Kenneth Walker III ist Super-Bowl-MVP. In einem dominanten Sieg machten die Defense und das Laufspiel der Seahawks den entscheidenden Unterschied und brachten dem Team aus Seattle die zweite Vince-Lombardi-Trophy der Franchise-Geschichte. Doch im Schatten der großen Namen hat ein Spieler einen ganz besonders großen Anteil am Erfolg der Seahawks: Kicker Jason Myers.

Es ist die Nacht, von der jeder Football-Spieler träumt. Den Super Bowl spielen und gewinnen. Für Running Back Kenneth Walker III ging noch ein weiterer Traum in Erfüllung. Er erhielt die Auszeichnung des MVP im Super Bowl und krönte damit eine herausragende Performance. Doch in seinem Schatten steht ein Spieler, der lange Zeit im Spiel, wie der klar wichtigste Seahawks-Akteur aussah. Jason Myers erzielte nicht nur die ersten, sondern auch die meisten Punkte im Super Bowl.
Bei diesem Super Bowl rechneten viele vor dem Spiel mit einem defensiven Kampf zweier starker Defenses. Daher war es keine große Überraschung, dass in den ersten Quartern nur wenige Punkte fielen und kein Touchdown erzielt wurde. Doch in dieser Phase, in der die Defenses dominierten und die gegnerische Offense in Schach hielten, kam es bei den Seahawks besonders auf ihren Kicker Jason Myers an. Obwohl die Seahawks mehrmals tief in die Hälfte der Patriots kamen, ließen sie das letzte bisschen Glück und Durchsetzungsvermögen vermissen.
Doch die Seahawks wussten, dass sie auf ihren Kicker vertrauen können. Myers kickte in der ersten Halbzeit drei Field Goals und traf alle. In der zweiten Hälfte erhöhte der 34-Jährige noch auf 12:0 mit einem weiteren Field Goal. Damit war Myers der Einzige, der in den ersten drei Quartern des Super Bowls Punkte erzielte. Erst im vierten Quarter konnten die Seahawks ihren ersten Touchdown erzielen und legten später noch einen nach. Und auch im vierten Quarter blieb Myers ohne Fehler, verwandelte beide Extra Punkte und ein weiteres Field Goal. Mit insgesamt 17 Punkten erzielte er die meisten Punkte aller Spieler und über die Hälfte der Punkte des siegreichen Teams.
Myers unglaubliche Performance geriet allerdings durch Running Back Kenneth Walker III etwas in den Hintergrund. Der 25-Jährige war das Herzstück der Seahawks-Offense und sicherte den Seahawks besonders im letzten Quarter durch einige starke Läufe den Sieg. Walker beendete das Spiel mit insgesamt 161 Total Yards durch Runs und Catches. Ohne Walker hätte die Offense nicht funktioniert und seine harten Läufe verlängerten einige Drives des Teams aus Seattle.
Myers spielte aber nicht nur auf MVP-Niveau, sondern erzielte gleich zwei Rekorde im Super Bowl. Mit fünf verwandelten Field Goals ist er der erste Kicker, dem so viele Field Goals in einem Super Bowl gelangen. Den bisherigen Rekord von vier verwandelten Field Goals teilten sich verschiedene Kicker. Mit 17 erzielten Punkten stellte Myers gleich einen weiteren Rekord in der Super-Bowl-Ära auf. So viele Punkte konnte noch nie ein Kicker im NFL-Endspiel aufs Scoreboard bringen.

Sein Teamkollege und Special-Teams-Partner Michael Dickson sagte über Myers: "Er ist ein Elite-Spieler. Es ist wirklich cool zu sehen, wie viel Aufmerksamkeit er den Details widmet, und das zahlt sich aus. Außerdem ist es toll, mit ihm zusammen zu spielen. [...] Er hat diese Mentalität, und es ist wirklich cool, diese Erfahrung mit ihm zu teilen."
Myers überzeugte aber nicht nur im Super Bowl, sondern schon die ganze Saison über. Mit 206 Punkten erzielte er die meisten Punkte in einer NFL Saison jemals (inklusive Playoffs). Rekordhalter vor ihm war Chargers-Kicker LaDainian Tomlinson mit 198 Punkten in der Saison 2006.
Die Special Teams stehen im American Football selten im Rampenlicht. In Highlight-Videos tauchen maximal beeindruckende Kick- oder Punt-Returns auf, aber selten ein Field Goal oder ein Punt. Und dennoch kann ein guter Kicker das Spiel eines gesamten Teams komplett verändern. Durch das Vertrauen in den eigenen Kicker konnten die Seahawks Entscheidungen treffen, die sonst anders ausgefallen wären. Ein Team mit einem guten Kicker muss nicht zwangsläufig bei 3rd & Medium oder 4th & Short für das First Down gehen.
Sie können es in aller Ruhe mit einem risikoarmen Spielzug versuchen und im Falle eines Misserfolgs voll und ganz auf ihren Kicker bauen. Teams ohne einen guten Kicker neigen in solchen Situationen eher dazu, viel Risiko einzugehen und riskante Entscheidungen und Playcalls zu versuchen, die in einem Desaster enden können. Auch wenn gerade die erste Halbzeit der Seahawks nicht spektakulär aussah, war sie der Grundstein für den Erfolg des Teams: Ein fehlerloses und risikoarmes Spiel und das Vertrauen in den eigenen Kicker.
Mit Myers im Team spielten die Seahawks auf Sicherheit. Sie liefen den Ball bei 3rd & Long, brachten kurze Pässe an und spielten mit weniger Risikobereitschaft. Was ein wenig wie langweiliger oder sogar Angsthasen-Football rüberkam, war einfach nur der beste und sicherste Weg im wichtigsten Spiel des Jahres erfolgreich zu sein. Doch um diese Strategie fahren zu können, muss das Team an den eigenen Kicker glauben - und das taten die Seahawks. Myers zahlte dieses Vertrauen mit einer perfekten und fehlerlosen Performance zurück.
Neben Myers stand besonders ein weiterer Seahawk für Special-Teams-Liebhaber im Vordergrund: Punter Michael Dickson. Während Dickson eine sehr gute Saison gespielt hatte, untermauerte er diese Leistung im Super Bowl.
Dicksons Punts brachten die Patriots regelmäßig in schwierige Feldpositionen und selbst wenn das Punt-Team der Seahawks mit dem Rücken an der eigenen Endzone stand, war auf ihren Punter Verlass. Dickson puntete den Ball im Schnitt 47,9 Yards weit und zwang die Patriots dreimal zu einer Feldposition innerhalb der eigenen 20 Yards. Selbst beim letzten Punt, bei dem die Patriots alles auf eine Karte setzten und sogar ohne Returner versuchten den Punt zu blocken, platzierte Dickson den Ball perfekt innerhalb der 10-Yard-Line des Gegners.
Auch diese Stärke im Special Team verschaffte den Seahawks eine gewisse Ruhe in der eigenen Offense. Denn das Team um Head Coach Mike Macdonald wusste, dass aus jeder Feldposition ihr Punter die Situation entschärfen würde. Damit mussten die Seahawks gerade in der eigenen Hälfte überhaupt kein Risiko eingehen und konnten darauf vertrauen, dass Dickson die Patriots-Offense in eine unangenehme Feldposition zwingen wird. Neben seinen starken Punts war Dickson auch im Field-Goal-Team und fungierte als Holder. Damit hatte er ebenfalls großen Anteil an dem Erfolg von Special-Teams-Kollege Jason Myers.
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