09.02.2026
Super-Bowl-Sieger 2026
Die Seattle Seahawks sind zurück an der Spitze der NFL. Zwölf Jahre nach dem ersten Super-Bowl-Titel und lange nach der Ära der "Legion of Boom" krönt sich Seattle 2026 erneut zum Champion. Der Triumph im Super Bowl LX steht für die Rückkehr einer vertrauten Identität: defensive Härte, emotionale Wucht und ein einzigartiger Schulterschluss mit den "12s". Seattle ist wieder da - und schreibt seine Geschichte weiter.

Zu sagen, die große Besonderheit der Seattle Seahawks liege allein in ihrer Fanbasis, würde dem sportlichen Stellenwert dieses Franchises nicht gerecht. Vier Super-Bowl-Teilnahmen und zwei Championship-Titel, gekrönt durch den Triumph 2026, unterstreichen den nachhaltigen Erfolg der Seahawks in ihrer inzwischen 50-jährigen Geschichte.
Für einige der ikonischsten Momente haben dennoch die Anhänger gesorgt - bekannt als "The 12s". Szenen wie der legendäre "Beastquake" gehören längst zur DNA dieses Klubs. Doch dazu später mehr.
1976 im Zuge der NFL-Expansion gegründet, sind die Seahawks fest in der Stadt an der Westküste verwurzelt. Nach schwierigen Anfangsjahren im Mittelmaß der Liga wird 1996 der Versuch des damaligen Besitzers Ken Behring, das Franchise nach Los Angeles zu verfrachten, erfolgreich abgewehrt.
Es ist der Startschuss für bessere Zeiten: Microsoft-Mitbegründer Paul Allen kauft das Team, die Seahawks bekommen ein neues Stadion, und mit Mike Holmgren wird ein Trainer installiert, der in sieben von zehn Saisons eine positive Bilanz zustande bringt.
2006 führt diese Entwicklung bis in den Super Bowl, der jedoch verloren geht. Begleitet von einigen kontroversen Schiedsrichterentscheidungen unterliegen die Hawks den Pittsburgh Steelers 10:21. Zwei Jahre später endet die Ära Holmgrens als Head Coach in Seattle, mit der Verpflichtung von Pete Carroll beginnt 2010 ein neues Zeitalter.
Zurück zu den Fans und dem legendären "Beastquake". In der Wild-Card-Round 2010/11 empfangen die Seahawks die Saints aus New Orleans. Vier Minuten sind noch auf der Uhr, Ballbesitz Seattle bei einer Führung von 34:30.
Running Back Marshawn Lynch, bekannt dafür, dass er lieber kolossal durch die Gegenspieler hindurch anstatt grazil an ihnen vorbeiläuft, setzt zum Spurt an. Er aktiviert seinen gefürchteten "Beast Mode". Über 67 Yards durchbricht Lynch die Defensivreihen, lässt sämtliche Tacklings an sich abprallen, verteilt Stiff Arms und springt zu guter Letzt lässig in die Endzone. Touchdown Seahawks!
Die Fans reagieren mit einer solch frenetischen Wucht, dass der Jubel Ausschläge auf Seismografen auslöst. Lynchs Aktion, gefolgt von den Reaktionen auf den Rängen, verursacht Bodenvibrationen. Das "Beastquake", also eine Mischung aus Beast und Earthquake (Erdbeben), ist geboren.

Diese legendäre Szene steht exemplarisch für die Hingabe der "12s", die sich mit den Rivalen regelmäßig duellieren, wer die höchste Dezibelzahl auf die Anzeigetafel bringen kann. Heimfans allein können keine Spiele gewinnen, aber sie können sie beeinflussen.
Fehlstarts, verschossene Field Goals, erzwungene Timeouts, weil die Kommunikation des Auswärtsteams unter der schieren Lautstärke im Stadion nicht zu bewerkstelligen ist - da ist so einiges möglich.
Die erfolgreichsten Jahre der Seahawks sind eng mit einem Mannschaftsteil verbunden: der "Legion of Boom". Ein Spitzname für die knallharte Secondary, also die hintere Verteidigungsreihe auf dem Feld, bestehend aus den Cornerbacks Richard Sherman und Brandon Browner sowie den Safetys Kam Chancellor und Earl Thomas.
Knallharte Hits (Boom!) sind an der Tagesordnung, die Legion jagt Ball und Gegner zugleich. Von 2012 bis 2015 stellt Seattle die Nummer-1-Defense der Liga, was zugelassene Punkte betrifft.
Und dennoch gehen die Hawks für viele Experten 2014 als Außenseiter in den Super Bowl XLVIII. Denn auf der Gegenseite wartet mit den Denver Broncos rund um Quarterback Peyton Manning die pure offensive Dominanz dieser Spielzeit: Fast 460 Total Yards und knapp 38 Punkte pro Partie.
Beste Offensive gegen beste Defensive - was im Vorfeld als ultimativer Showdown auserkoren wird, entwickelt sich zu einer Machtdemonstration Seattles. Bereits nach zwölf Sekunden bringt ein verunglückter Snap der Broncos Seattle die ersten Punkte ein. Ausgerechnet zwölf.
Zur Halbzeit steht es 0:22, Manning wirft zwei Interceptions, eine davon wird vom späteren Super-Bowl-MVP Malcolm Smith für einen Pick Six zurückgetragen. Nach der Halftime-Show von Bruno Mars trägt Percy Harvin den Kickoff über 87 Yards zum Touchdown zurück. Spätestens jetzt ist klar: Die Seahawks holen ihre erste Championship.
Seattle legt zwei weitere Touchdowns nach, erzielt von den Undrafted Free Agents Doug Baldwin und Jermaine Kearse. Das 43:8 geht als eines der einseitigsten Super-Bowl-Duelle in die Geschichtsbücher ein.

Ein Jahr später ist Seattle zurück im NFL-Endspiel. Gegen die New England Patriots um Tom Brady wird es ein Duell auf Augenhöhe, das erst in den Schlusssekunden entschieden wird - durch einen Play Call, der das Franchise bis heute verfolgt.
Nach einem spektakulären Catch von Jermaine Kearse stehen die Hawks an der Ein-Yard-Linie. 26 Sekunden sind noch übrig. Mit Marshawn Lynch im Backfield scheint die Entscheidung klar - doch Carroll und sein Staff wählen einen Passspielzug. Russell Wilson wird von Malcolm Butler abgefangen. Interception. Game over.
Auf den grandiosen Super-Bowl-Sieg folgt die bitterste Niederlage der Klubgeschichte - und elf Jahre später die späte Erlösung. Kaum ein Absatz beschreibt die Gefühlswelt der Seattle Seahawks und ihrer Fans, der "12s", treffender. Viel Herzblut, große Momente - und Drama in Reinform.
Denn 2026 gelang den Seahawks im Super Bowl LX genau jene Revanche, auf die Seattle so lange gewartet hatte. Der Weg dorthin war wie gemacht für die Dramaturgie dieses Franchises: zwei Playoff-Siege gegen direkte Rivalen aus der eigenen Division, das Finale im Levi’s Stadium - dem Wohnzimmer des Erzfeindes - und dort ausgerechnet der Triumph gegen die New England Patriots, jenes Team, gegen das Seattle elf Jahre zuvor eines der schmerzhaftesten Endspiele der NFL-Geschichte verloren hatte. Diesmal jedoch mit dem besseren Ende für die Seahawks.
Die Seahawks haben Charakterköpfe hervorgebracht, Ecken und Kanten gezeigt, sich manchmal selbst im Weg gestanden. Ihre Fans lieben und verfluchen sie zugleich - und fiebern doch in jeder Phase mit.
Ist das nicht genau das, was Sport ausmacht?
Die Playoffs-Quote der Seattle Seahawks liegt bei 42 Prozent. Das Franchise ist in Seattle, Bundesstaat Washington, beheimatet. Die Stadt zählt 816.600 Einwohner (geschätzt 2025). Gespielt wird im Lumen Field mit einem Fassungsvermögen von 68.740 Plätzen. Gegründet wurden die Seahawks 1976; andere Standorte oder frühere Namen gab es nicht. Auf Instagram folgen dem Team 3,7 Millionen Fans. In bislang 50 NFL-Saisons qualifizierte sich Seattle 21-mal für die Playoffs, stand vier Mal im Super Bowl und gewann zweimal den Titel - 2014 und 2026. Im Super Bowl LX haben sie nach elf Jahren die Chance auf die Revanche ergriffen und die New England Patriots mit 29:13 bezwungen.
Head Coach 2025/26: Als Nachfolger des legendären Pete Carroll, der 14 Jahre an der Seitenlinie stand, trat 2024 Mike Macdonald (38) sein Amt an. Er wollte von Beginn an eine neue, eigene Ära prägen und gilt als Defensive Mastermind, der gegnerische Quarterbacks mit überraschenden Konzepten und variablen Aufstellungen regelmäßig aus dem Rhythmus bringt. Bereits seine erste Saison schloss Macdonald mit einer verheißungsvollen 10-7-Bilanz ab. In seiner zweiten Spielzeit setzte er noch einen drauf: NFC-West-Titel mit 14-3 in der Regular Season, ein Sieg in der Divisional Round gegen den Rivalen San Francisco 49ers, anschließend der Erfolg im NFC Championship Game gegen die Los Angeles Rams - und schließlich der Sieg im Super Bowl 2026.
Star-Spieler 2025/26: Früher als vielleicht geplant trägt Jaxon Smith-Njigba (23) in seinem dritten Jahr als Wide Receiver die Hauptlast der Offensive. Die Abgänge von D.K. Metcalf und Tyler Lockett machen "JSN" zum neuen Aushängeschild der Seahawks. Sein Quarterback sucht und findet ihn regelmäßig. Der wendige Passfänger steht in dieser Saison, inklusive Playoffs, bei beeindruckenden 1992 Yards und zwölf Touchdowns und konnte den "Offensive Player of the Year Award" gewinnen.
Legende: Steve Largent (71) hat enorme Verdienste um das Franchise. Von 1976 bis 1989 verbrachte er seine komplette NFL-Karriere in Seattle, stand in 200 Spielen auf dem Feld und verbuchte 100 Touchdown-Catches. Seine Fähigkeit, Bälle aus der Luft zu pflücken, war einzigartig. Der Wide Receiver stellte mehrere NFL-Rekorde auf; sieben Pro Bowls unterstreichen seinen Status als Legende der Seahawks und des Sports.
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mgs, jhm