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    NFL

    vor 14 Stunden

    Durchschauter Kniff seines neuen wie alten Trainers

    Zeichen und Liebe: Detektiv Rodgers und ein sportliches Märchen zum Abschluss?

    Aaron Rodgers geht in sein 22. NFL-Jahr - sein höchstwahrscheinlich letztes. Die große Frage wird dabei sein: Hebt der Oldie mit den Pittsburgh Steelers noch einmal richtig ab in erfolgreiche Playoff-Sphären? Fragezeichen existieren - Ausrufezeichen aber auch.

    Aaron Rodgers
    Hat den Football wieder in sein Herz gelassen - und will daraus das Beste ziehen: Quarterback Aaron Rodgers picture alliance / ZUMAPRESS.com

    Aaron Rodgers polarisiert, Aaron Rodgers eckt an, Aaron Rodgers ist seit seinem leidvollen Draft im Jahr 2005 immer wieder auch abseits des Sports Teil von Schlagzeilen. Angebliche Fehde mit der Familie hier, Versöhnung dort, Streitigkeiten mit seinem langjährigen Packers-Trainer Mike McCarthy hier, Verschwörungstheorien dort. Corona-Impfstoff-Thematiken hier, politische Einmischungen dort.

    Blickt man aber rein aufs Sportliche, ist Aaron Rodgers über jeden Zweifel erhaben. Ausgeklammert mal sein zweijähriges Intermezzo bei den New York Jets nach seinem emotionalen Abschied aus Green Bay im Jahr 2023, als er damals direkt in Week 1 einen Achillessehnenriss erlitten hatte und sich in der Folge bei diesem chaotischen Team nicht zum Heilsbringer aufschwingen konnte.

    Mike I entfacht Liebe, mit Mike II schließt sich ein Kreis

    Das habe dem Super-Bowl-Champion der Saison 2010/11 auch einiges an Liebe zum American Football gekostet. Und habe ihn inklusive "darkness retreat" offen über ein Karriereende im vergangenen Jahr nachdenken lassen. Es kam aber anders: "A-Rod" entschied sich nach langer Warterei für ein Engagement bei den Pittsburgh Steelers, was sogar mit teils ordentlichen Auftritten des Altmeisters in der vergangenen Saison einherging (3322 Passing Yards insgesamt, 24 Touchdowns, sieben Interceptions). In den Playoffs war dafür aber direkt in der Wild Card Round nach einem desaströsen Heimauftritt Pittsburghs gegen die Houston Texans Schluss gewesen (6:30).

    Weswegen neue Gedanken Richtung eines Schlussstrichs aufkamen. Gedanken wie diese: "Ich habe jetzt 20 Jahre in der Liga gespielt und es genossen. Es gibt für mich keinen besseren Weg, als meine Karriere unter Mike Tomlin und bei einem der Eckpfeiler-Franchises der NFL zu beenden."

    Doch genau dieses eine Jahr bei den Steelers unter dem inzwischen nach der siebten Playoff-Pleite am Stück zurückgetretenen Head Coach Tomlin habe ihm etwas Besonders verliehen und seine Seele aufgetankt: "Ich bin dankbar für das vergangene Jahr mit Tomlin, weil er mir diese Liebe zurückgegeben hat - diese tiefe Liebe zum Spiel. Der Achillessehnenriss, ein ganzes Jahr Reha und das Gefühl, nie wirklich ich selbst zu sein, zermürben einen irgendwann. Ich wollte nicht, dass meine Zeit in diesem Sport, den ich so sehr liebe, auf diese Weise endet."

    Das in Verbindung mit dem durchaus erfolgreichen gemeinsamen Jahr inklusive Playoff-Ticket in der finalen Week 18 (26:24 gegen AFC-North-Rivale Baltimore) führte nach reiflicher Überlegung im Zusammenspiel mit der Installation seines jahrelangen Förderers Mike McCarthy als neuen Head Coach dazu, dass sich Rodgers auch - natürlich nicht ohne eine weitere Geduldsprobe vonseiten Pittsburghs - für diese neue Regular Season für einen Start entschied. Und damit für sein bereits 22. NFL-Jahr.

    "Mike Tomlin und die Zeit mit den Jungs haben mir diese Liebe zurückgegeben", so Rodgers. "Danach war ich eigentlich damit im Reinen, meine Karriere zu beenden." Dann aber verpflichteten die Steelers eben ausgerechnet in McCarthy einen weiteren Mike als neuen Cheftrainer. "Da dachte ich: 'Okay, vielleicht brauchen Mike und ich noch diesen einen Kreis, der sich schließt.'"

    Mike McCarthy und Aaron Rodgers
    Nach vielen gemeinsamen Packers-Jahren nun nochmals in Pittsburgh vereint - für ein finales großes Football-Abenteuer? Mike McCarthy und Aaron Rodgers picture alliance / AP Photo/Gene J. Puskar

    Die große Frage

    Doch dieser "Kreis" birgt auch Fragezeichen - was neben dem Team als Gesamteinheit auch Rodgers selbst betrifft. Schließlich wird der Anti-Interception-Meister im Dezember bereits 43 Jahre alt, was dem zwischen 2005 und 2022 in Green Bay als Brett-Favre-Nachfolger auch spielerisch anzusehen ist.

    Rodgers, der in seiner Regular-Season-Laufbahn 8743 Pässe geworfen und sich dabei nur 123 Interceptions geleistet hat (Quote von 1,4 Prozent - einen besseren Wert gibt es in der bisherigen NFL-Geschichte nicht unter allen Spielmachern mit mindestens 1500 Würfen), hat im Vorjahr den Ball kürzer als jeder andere Starting Quarterback geworfen. Das gewohnte Bild hierbei: Rodgers in der Shotgun, ein kurzer Dropback und ein schneller Pass zu DK Metcalf, zu einem ausscherenden Running Back oder zu einem der bulligen Tight Ends. Deswegen stellt sich sicherlich nicht nur kicker-Experte Adrian Franke in einer seinen neuesten Kolumnen die Frage: Wie viel Vintage-Rodgers hat Rodgers noch im Tank?

    Rodgers hat McCarthy durchschaut

    Rodgers selbst glaubt jedenfalls an etwas Großes - auch weil etwa mit Top-Receiver Michael Pittman von den Colts ein offensives Juwel neben Kraftpaket Metcalf verpflichtet worden ist, das Backfield mit Jaylen Warren sowie Neuzugang Rico Dowdle einiges hermacht und obendrein natürlich die Defense um T. J. Watt wieder ein Faustpfand in dieser Liga darstellen dürfte. "In den vergangenen drei Offseasons gab es immer wieder Momente, in denen ich dachte, dass es vielleicht Zeit ist", erklärte der Routinier erst Anfang August. "Aber dann haben sich Türen geöffnet und ich habe versucht, auf die Zeichen zu hören."

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    Dabei blickte der Mann, der längst als einer der besten Passer aller Zeiten in die NFL-Geschichte eingegangen ist und der diesem Sport an sich nichts mehr zu beweisen hat, auch selbstkritisch auf seinen damaligen Wechsel zu den New York Jets zurück: "Vielleicht habe ich auf die falschen Zeichen gehört, als ich nach New York gegangen bin. Trotzdem war es eine wertvolle Erfahrung."

    Erfahrung, die ihm nun weiterhelfe und ihn für sein letztes NFL-Abenteuer zuversichtlich stimme.

    Und Erfahrung, die ihn auch beim Spielverständnis helfe. Mehr noch als in den letzten Jahren, denn seinen einstigen Packers-Förderer McCarthy (zwischen 2006 und 2018 in Green Bay und zwischen 2020 und 2025 bei den Cowboys) kennt Rodgers schließlich bestens. "Ich habe 13 Jahre in McCarthys Offensive verbracht", weiß Rodgers und legt in Detektiv-Manier klug nach: "Klar, er hat bei seinem Playbook und seinen Spielzügen einige Dinge geändert, zum Beispiel als er in Dallas war … Aber es sind Spielzüge, die wir früher schon gespielt haben, er nennt sie jetzt einfach nur anders."

    Mit diesen Spielzügen und einem erfolgreichen Vintage-Rodgers, der allein schon mit seinem immensen Wissen und seiner nach wie vor vorhandenen Wurfqualität plus Ballsicherheit gegnerische Defenses herausfordern kann, soll der Turnaround in der Offense glücken. 2025/26 nämlich hat die "Steel City" nur die achtwenigsten Yards unter allen 32 Teams verbucht. Coach McCarthy hat unterdessen vor allem mit "Gunslinger" Rodgers bei den Packers in 18 Jahren über zehnmal eine Top-10-Angriffsformation auf die Beine gestellt. Das soll nun auch in Pittsburgh gelingen und die Stadt, das Team und speziell auch den Oldie am Abzug in die Endrunde und dort nach langer Wartezeit endlich wieder zu mindestens einem Playoff-Sieg führen. Ob's aber wirklich gelingt?

    mag