09.09.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Das Warten ist vorbei - die neue NFL-Saison steht vor der Tür! In Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (2.20 Uhr MESZ) eröffnen die Seattle Seahawks und die New England Patriots im direkten Super-Bowl-Rematch die neue Spielzeit. Es sind zwei Teams, die sich beide abermals Titelchancen ausrechnen. Wer darf sonst träumen? Und wo zeigt der Pfeil eher nach unten? Adrian Franke sortiert alle 32 Teams zum Saisonstart im großen Power Ranking.

Der radikalste Umbruch in der NFL hat fast folgerichtig auch den auf dem Papier schlechtesten Kader hervorgebracht. Das muss nicht zwangsläufig mit dem Nummer-1-Pick enden - Überraschungen gibt es in der NFL jedes Jahr, im positiven wie im negativen Sinne, und spezifisch Arizona hat einen deutlich schwierigeren Schedule. Aber wenn man die reine Kaderqualität am Vorabend der Saison anschaut, ist Miami das Schlusslicht dieser National Football League 2026/27.
Säulen wie Minkah Fitzpatrick, Jaylen Waddle, Tyreek Hill, Jaelan Phillips und Bradley Chubb sind weg und eine ganze Bandbreite an jungen Spielern darf sich jetzt an tragenden Rollen versuchen. Allein die Tatsache, dass Miami nach den Kader-Kürzungen gleich sieben Spieler aufnahm, die es woanders nicht ins Team geschafft haben, spricht Bände.
Fixpunkte sind entsprechend rar geworden. De'Von Achane, Aaron Brewer, Jordyn Brooks und Zach Sieler wären hier am ehesten zu nennen. Das ist ein Team, das im Idealfall mit seiner Offensive Line, in der jetzt viel Draft-Kapital steckt, eine Identität findet. Das unter dem neuen Head Coach Jeff Hafley vielleicht einen Entwicklungssprung in der Secondary erlebt. Und das natürlich herausfinden muss, ob Malik Willis eine längerfristige Lösung darstellt - oder ob das das große Thema für den kommenden Draft sein wird.
Im besten Fall sieht die kommende Saison in Cleveland so aus: Die komplett neu zusammengestellte Offensive Line ist deutlich besser als die Line im Vorjahr. Aus der jungen Playmaker-Gruppe um KC Concepcion, Denzel Boston, Harold Fannin, Quinshon Judkins und Dylan Sampson etabliert sich neben Jerry Jeudy ein klares Gerüst. Und der neue Head Coach Todd Monken zeigt, dass er eine gute Wahl war. Dass er nicht nur die Offense formen, sondern auch das Team anführen kann.
All das wäre die Grundlage, um sich im kommenden Draft einen Quarterback zu suchen. Das haben die Browns in dieser Offseason nicht gemacht - und das ergibt Sinn. Aus dem Deshaun-Watson-Vertrag kommen sie noch nicht raus, Cleveland hat mit Shedeur Sanders und Dillon Gabriel zwei Vorjahres-Rookies, die man für ein paar Spiele reinwerfen kann. Die Browns werden versuchen, diese Saison irgendwie zu überbrücken, während sie die offensiven Umstände verbessern.
Dass 2026 ein Übergangsjahr wird, macht kein einzelner Move offensichtlicher als der Trade von Myles Garrett. Jahrelang hielten sich hier Trade-Gerüchte, dieses Jahr drückten die Browns schließlich diesen Neustart-Knopf. Jared Verse im Gegenzug zu bekommen, macht den Verlust etwas erträglicher. Aber natürlich wird die Defensive Line nicht so stark sein wie mit Garrett. Und in der Secondary bleibt abzuwarten, ob Denzel Ward noch einmal zu alter Stärke findet.

Teams sind nie so ehrlich mit uns wie in der Offseason. Wenn ihre Kader-Entscheidungen, Trades und Draft-Moves verraten, wo die Verantwortlichen ihr eigenes Team wirklich sehen. Im Fall der Falcons könnte die Quarterback-Entscheidung ein klarer Hinweis sein: Atlanta entschied sich, Tua Tagovailoa zu holen, mit parallel der Aufgabe, herauszufinden, was aus Michael Penix noch werden kann.
Penix hat in seinen beiden NFL-Jahren zusammengenommen erst 227 Pässe angebracht. Tua kommt aus einer Saison, in der er bei den Miami Dolphins zum Backup degradiert wurde. Vielleicht funktioniert der Hawaiianer in der Offense des neuen Head Coaches Kevin Stefanski und bietet eine solide Übergangslösung. Außerhalb von einem Penix-Breakout wäre das aber fast noch der Best Case für 2026. Die realistischere Prognose nach der letzten Saison und nach der Saisonvorbereitung legt eher nahe, dass Atlanta mit einem längerfristigen Quarterback-Projekt in die Saison startet, und sich dessen auch bewusst ist.
Auch darüber hinaus gibt es offensiv einige Baustellen: Kaleb McGary hat seine Karriere beendet, Jawaan Taylor soll ihn auf Right Tackle ersetzen. Drake London ist eine starke Nummer 1, dahinter aber fehlt es deutlich an Qualität. Selbst falls Kyle Pitts seine gute Vorsaison bestätigen kann.
Das Run Game um Bijan Robinson soll die Identität sein, in Kombination mit einer aggressiven Defense. Die war letztes Jahr eine echte positive Überraschung. Wenn sie aber nicht erneut vergleichsweise sehr viele Sacks aus ihren Pressures kreieren kann, wird die Secondary mehr gefordert sein. Die könnte immerhin das Prunkstück der Falcons sein, doch angesichts einer wahrscheinlichen Sack-Regression in Kombination mit dem Kreuzbandriss von Jalon Walker sowie der Sperre von James Pearce muss man auf der Seite des Balls einen klaren Rückschritt erwarten.
Die Playmaker-Gruppe ist nicht die eines Teams, das normalerweise so weit unten zu finden ist. Trey McBride war letztes Jahr der beste Tight End der NFL, Jeremiyah Love ist der Favorit auf den "Offensive Rookie of the Year"-Award, Michael Wilson hatte in der vergangenen Saison seinen Breakout und bildet gemeinsam mit Marvin Harrison ein gutes Receiver-Duo. Und selbst dahinter bieten Kendrick Bourne und Tyler Allgeier noch Tiefe.
Hier ist Qualität vorhanden - und es wird am neuen Head Coach Mike LaFleur liegen, aus dieser theoretischen Feuerkraft auch praktische Ergebnisse zu formen. Scheitern könnte das am ehesten an einer nach wie vor wackeligen Offensive Line, deren rechte Seite weiterhin problematisch sein könnte - und an der Quarterback-Frage. Jacoby Brissett war letztes Jahr solide, aber kann er das aufrecht erhalten? Die große Wild Card ist Rookie Carson Beck, der früher oder später zum Einsatz kommen sollte.
Funktioniert einer der Quarterbacks besser als gedacht, kann die Offense überraschen. Die Kombination aus Härte des Schedules und der eigenen Defense verhindert aber vermutlich, dass sich das auch im Record bemerkbar macht. Defensiv hofft man in Arizona, dass die Vorjahres-Rookies Walter Nolen und Will Johnson einen Breakout hinlegen. Auf dem Platz aber ist das seit Jahren eine der schlechtesten Defenses in der NFL, zudem wartet ein extrem schwieriger Schedule.
Die Dolphins sind am Start eines kompletten Rebuilds, die Browns fangen ohne ihr jahrelanges Defense-Zugpferd Garrett und ohne wirklichen Top-Starting-Quarterback ebenfalls neu an. Die Cardinals kommen aus einer 3-Siege-Saison, haben den härtesten Schedule ligaweit und keinen Elite-Quarterback. Das sollen keine Ausreden sein, doch bei allen drei Teams, die jeweils mit neuen Head Coaches an den Start gehen, wäre es nachvollziehbar und leicht erklärbar, wenn man im nächsten Draft wieder hoch pickt.
Die Ausgangslage bei den Jets ist anders. Sie haben in dieser Offseason in erfahrene Spieler wie Demario Davis, Fitzpatrick, Geno Smith, Joseph Ossai und David Onyemata investiert. Head Coach Aaron Glenn ist nach nur einem Jahr bereits angezählt und hat seinen halben Trainerstab ausgetauscht. Drei First Round Picks verstärken zudem den Kader: Pass Rusher David Bailey, Tight End Kenyon Sadiq und Wide Receiver Omar Cooper.
Kurzum: Ergebnisse sollen her. Niemand erwartet, dass die Jets 2026 ein Playoff-Team sind. Aber damit vor dem nächsten Draft, in dem New York abermals drei Picks in der ersten Runde haben wird, kein neuer Head Coach gesucht wird, müssen spürbare Fortschritte auf dem Platz sichtbar sein.
Glenns Defense muss besser sein. Die Offensive Line und das Run Game müssen funktionieren. Glenns Entscheidung, Frank Reich zu holen, um die Offense zu übernehmen, muss sich auszahlen. Geno Smith muss zeigen, dass er besser ist als das, was man letztes Jahr in schwierigen Umständen bei den Raiders von ihm gesehen hat.
Und es gibt einen Pfad, wie das funktionieren könnte. Die Line hat Talent und kann die Basis sein. Garrett Wilson und Breece Hall sind ein guter Startpunkt, was die Skill-Player angeht. Die Defensive Front sollte deutlich stärker sein. Und die Jets werden nicht nochmal eine komplette Saison ohne Interception beenden. Aber wenn Glenns Trainerstab-Umbaumaßnahmen nicht fruchten, wird sein Stuhl bereits im Laufe der Saison wackeln - und womöglich auch umfallen.

Nach allem, was aus der vergangenen Saison berichtet worden ist, kann man davon ausgehen, dass die 2025er Raiders das mit Abstand am schlechtesten gecoachte Team in der NFL waren. Das soll sich unter dem neuen Head Coach Klint Kubiak ändern, parallel wurde aufgerüstet: Tyler Linderbaum ist der neue Anker in der Mitte der Offensive Line, die Raiders haben sich mit Quay Walker und Nakobe Dean ein neues Linebacker-Duo eingekauft und Kwity Paye wird starten, auch nachdem der Trade von Maxx Crosby geplatzt ist.
Das gibt Las Vegas einige Säulen. Eine besser verzahnte und gecoachte Offense sollte deutlich stärker sein, als das im Vorjahr der Fall gewesen ist. Mehr Räume für Ashton Jeanty, Brock Bowers als Fokus des Passing Games und Role Player mit Big-Play-Potenzial wie Tre Tucker und Jalen Nailor daneben.
All das passt zu Kubiaks Scheme. Bleibt die Frage, wie genau sich die Quarterback-Position entwickelt. Kirk Cousins wurde geholt, um die Saison als Starter zu eröffnen. Doch ein, zwei schlechte Spiele - und die Rufe nach Nummer-1-Overall-Pick Fernando Mendoza werden lauter.
Die Raiders sind noch immer ein gutes Stück weit davon entfernt, in den Playoffs für Furore zu sorgen. 2026 geht es darum, nach einer völlig verkorksten Saison die Weichen für eine positivere Zukunft zu stellen. Und das ist ein realistisches Ziel mit dieser Gruppe.
Wenn ein neuer Head Coach ein Team übernimmt, gibt es meist zwei Szenarien: Entweder, ein Umbruch wird eingeleitet, man trennt sich von einigen Leistungsträgern und es beginnt ein bewusst mittel- wie langfristiger Prozess. Oder aber, ein schneller Neustart wird angepeilt. Aggressive Moves, die das Team nach den Wünschen des neuen Chefs umbauen, erfolgen gleich in der ersten Offseason.
Letzteres trifft auf die diesjährigen Titans zu. Unter Robert Saleh wurde nicht lange gezögert: Wan’Dale Robinson kam für viel Geld von den Giants, John Franklin-Myers aus Denver. Den vielversprechenden, jungen Nose Tackle T'Vondre Sweat schickten die Titans nach New York, um im Gegenzug Edge Rusher Jermaine Johnson mit Saleh wiederzuvereinen.
Tennessee kaufte sich auch eine neue Starting-Corner-Gruppe zusammen, namentlich in Person von Cor’Dale Flott und Alontae Taylor, und ließen unter anderem Chig Okonkwo, Lloyd Cushenberry und L'Jarius Sneed gehen.
Die Titans werden ein anderes Gesicht haben als im Vorjahr. Die Defense, Salehs Steckenpferd, sollte direkt eine robuste Unit sein. Die Offense hat mit Robinson, Calvin Ridley und Top-Pick Carnell Tate plötzlich eine solide Receiver-Gruppe. Hier hängt jetzt sehr viel davon ab, wie sich Cam Ward im zweiten Jahr entwickelt. Und davon, ob Brian Daboll den jungen Quarterback entwickeln kann.
In gewisser Weise ist in Washington nach dem Win-Now-Jahr vor dem Win-Now-Jahr. Denn wo die Commanders sich im Vorjahr vom überraschenden Einzug ins NFC Championship Game blenden ließen und sich eine sehr kurzfristig gedachte Offseason leisteten, war zumindest die Herangehensweise dieses Jahr deutlich anders. Dennoch ist Druck auf dem Kessel: Head Coach Dan Quinn muss zeigen, dass der Umbau Früchte trägt. Offensive Coordinator und Defensive Coordinator sind gerade ausgetauscht worden, "seine" defensive Seite des Balls hat massive Investitionen erhalten. Enttäuschen die Commanders, wackelt Quinns Stuhl.
Und nicht nur Quinn steht unter besonderer Beobachtung. Auch Quarterback Jayden Daniels muss nach einer von Verletzungen geprägten Vorsaison zeigen, dass er wieder an seine fantastische Rookie-Saison anknüpfen kann. Und das in einer neuen Offense ohne Top-Tackle Laremy Tunsil. Die Commanders haben sich von Kliff Kingsbury getrennt und wollen ihre Offense mehr in eine klassische Under-Center-Richtung schieben. Funktioniert das mit Daniels? Und haben die Commanders jetzt selbst mit Stefon Diggs genügend Playmaker-Qualität hinter Terry McLaurin?
Die Defense war letztes Jahr das noch größere Sorgenkind - und hier ist es fair, einen deutlichen Schritt nach vorn zu erwarten. Mit Odafe Oweh, K'Lavon Chaisson, Sonny Styles, Leo Chenal und Nick Cross ist viel individuelle Qualität neu dazu gekommen. Cornerback ist nach wie vor eine potenzielle Schwachstelle, von Spielern wie Jer'Zhan Newton und Javon Kinlaw muss in der Front mehr kommen. Im besten Fall kann Washington wieder um die Playoffs mitspielen - aber auch eine Saison, in der manche Dinge länger brauchen und andere Dinge einbrechen, ist nicht unrealistisch.
Viel Aufbruchstimmung begleitet die Giants seit dem Tag der Installation von John Harbaugh als neuen Head Coach dieses stolzen NFL-Franchises. Nach dem Ende der Brian-Daboll-Ära soll der jahrelange Macher der Baltimore Ravens jetzt wieder für mehr Stabilität sorgen, die Baseline anheben und die "G-Men" wieder zu einem Team machen, das nachhaltig erfolgreich ist.
Vielleicht kann er das. Vielleicht kann er intern Themen anstoßen, die dringend notwendig sind. Harbaugh ist aber kein Head Coach, der im Stile eines Sean McVay oder Mike Macdonald eine Seite des Balls transformiert. Er ist ein Head Coach, der Prozesse dirigiert und Aufgaben delegiert. Vielleicht hat den Giants genau das gefehlt.

Es ist aber auch relevant, hier darauf hinzuweisen, dass ein solcher Head Coach immer sehr von seinen Coordinators abhängig ist. Sind Matt Nagy und Greg Roman die beste Wahl, um die Offense auf Vordermann zu bringen? Um Jaxson Dart zu entwickeln, im Zusammenspiel mit dem neuen QB-Coach Brian Callahan? Skepsis ist hier angebracht. Immerhin: Die Offensive Line sollte besser sein und Malik Nabers' Rückkehr wird der Offense einen riesigen Boost geben.
Vielleicht kann Arvell Reese einen ähnlichen Effekt auf die Defense haben. Erwarten sollte man das von einem Hybrid-Rookie-Verteidiger im ersten Jahr aber nicht. Gleichzeitig gilt es hier, im Verbund den Verlust von Dexter Lawrence aufzufangen. Das bedeutet auch, dass Spieler wie Abdul Carter und Brian Burns spezifisch gegen den Run besser spielen müssen. Letztes Jahr hatten die Giants die schlechteste Run-Defense in der NFL.
Selbst mit dem Abstand einiger Monate fühlt sich die vergangene Colts-Saison merkwürdig an. Die spektakuläre erste Saisonhälfte von Daniel Jones, der extrem aggressive Trade für Sauce Gardner, die herausragende Saison von Alec Pierce, das beste Run Game der NFL. Nur um dann erst Jones, dann alle weiteren Spiele und die schon fast sicher geglaubte Playoff-Teilnahme zu verlieren. Um dann Michael Pittman in der Offseason abzugeben, Pierce einen Monster-Vertrag geben zu müssen, der anschließend die gesamte Saisonvorbereitung verpasste, und davon abhängig zu sein, dass Jones nach seinem Achillessehnenriss schnell wieder zu alter Stärke findet.
Das in Kombination mit einigen weiteren Abgängen (Kwity Paye, Braden Smith, Kenny Moore) sowie ohne Pick in der ersten Runde des Drafts lässt zunächst nur einen Schluss zu: Das ist auf dem Papier ein schlechteres Colts-Team als im Vorjahr. Und bereits da war ein negativer Trend sichtbar, auch bevor sich Daniel Jones verletzte.
Die Colts haben noch immer eine sehr gute Offensive Line, sie sollten ein Top-10-Run-Game haben, die Playmaker sind solide bis gut, zumindest sofern Pierce schnell bei 100 Prozent ist. Die Secondary könnte eine Stärke sein, wenn Gardner und Ward fit bleiben und die Defensive Line ist ebenfalls keine Schwachstelle.
Vielleicht ist das aber nur die Formel für eine Saison, wie Colts-Fans sie zu häufig in den letzten Jahren erlebt haben: ein mittelmäßiges bis leicht unterdurchschnittliches Team, das im Januar keine Rolle mehr spielt.

Die Offense und namentlich Quarterback Bryce Young stehen in Carolina dieses Jahr im Fokus. Kann Young den nächsten Schritt machen, dass die Panthers anschließend mit ihm verlängern? Oder geht Carolina nach der Saison auf Quarterback-Suche? Wie schlägt sich Top-Pick Monroe Freeling, der infolge der Ausfälle von Left Tackle Ikem Ekwonu und Right Tackle Taylor Moton direkt ins kalte Wasser geworfen wird? Gelingt Jalen Coker der Breakout? Kommt Running Back Jonathon Brooks nach schweren Verletzungen endlich in der NFL an?
Hier sind viele Storylines und genauso viele Fragezeichen. Die Seite des Balls, von der man den klaren Sprung erwarten kann, das ist die Defense. Jaelan Phillips und Devin Lloyd sind in der Free Agency verpflichtet worden, um große Baustellen zu adressieren. Nic Scourton haben die Panthers gleich am ersten Tag der Saisonvorbereitung aufgrund eines Kreuzbandrisses verloren, dennoch sollte die Front deutlich stärker sein als im Vorjahr. Und die Secondary war bereits da nicht das Problem.
Und so gibt es eine nicht unrealistische Formel, wie Carolina diese Platzierung Lügen strafen und vielleicht sogar den Divisionstitel verteidigen kann. Wenn die Defense den erwarteten Sprung macht, während Young konstanter wird und das Run Game trotz der Fragezeichen auf Tackle und im Backfield funktioniert. All das kann eintreten. Aber es sind mehrere gravierende Variable hier im Spiel.

Ich hätte die Saints-Offense gerne gleich zum Start in Bestbesetzung gesehen. Mit Jordyn Tyson als Possession Receiver und idealer Ergänzung zu Chris Olave, einem jetzt tiefen Backfield und einer Offensive Line, die Top-10-Potenzial hat.
Darauf müssen wir noch warten - und Tyson spezifisch ist ein Spieler, der mit Blick auf die Verletzungen sehr stark im Fokus stehen wird. Aber bei keinem anderen Team in dieser Division sehe ich die Chance auf einen so klaren offensiven Sprung wie bei den Saints. New Orleans hat in der Line, im Backfield und auf Receiver seine klarsten Baustellen adressiert, Tyler Shough war letztes Jahr der beste Rookie-Quarterback und könnte noch einen Sprung machen.
Die Defense ist eine kompliziertere Prognose. Auf der Seite des Balls waren die Saints letztes Jahr überraschend gut, im Sinne von: besser als die Summe der Einzelteile sein sollte. An den "Einzelteilen" ändert sich kaum etwas und Bryan Bresee wird die gesamte Saison verletzt verpassen. Hier muss man einen Rückschritt erwarten. Die Offense aber könnte gut genug sein, um das aufzufangen.
Auf dem Papier haben die Bucs noch immer ein valides Argument dafür, mit dem besten Kader innerhalb der Division an den Start zu gehen. Jetzt kann man darüber streiten, was das spezifisch in dieser Division wert ist; vor allem aber muss man im gleichen Atemzug erwähnen, dass der Kader schwächer geworden ist.
Ohne Mike Evans, ohne Jamel Dean und ohne Lavonte David fehlen nicht nur viel Erfahrung und viele Leadership-Qualitäten, es waren auch drei absoluten Säulen der Bucs. David hatte hier am ehesten zuletzt merklich nachgelassen, Evans und Dean aber waren essenzielle Spieler für das Gesamtkonstrukt dieses Teams.
Vielleicht können junge Spieler hier überraschen. Benjamin Morrison wäre so ein Kandidat in der Secondary, Ted Hurst und Jalen McMillan bei den Receivern. Hier wird es zudem interessant, zu sehen, wie Egbuka als klare Nummer 1 funktioniert. Und bei Rueben Bain darf man einen sofortigen Impact erwarten.
Die Offensive Line ist nach wie vor gut - und mit Antoine Winfield, Vita Vea sowie Yaya Diaby hat auch die Defense ihre Säulen. Der Floor für dieses Team ist und bleibt vergleichsweise hoch, aber wie viel Potenzial haben die Bucs in dieser Version ihrer selbst? Der Kader fühlt sich nach einem guten Übergangsjahr an, doch dieses Zeitfenster passt nicht zu Head Coach Todd Bowles oder zu Quarterback Baker Mayfield, dessen Vertrag ausläuft. Diese Dynamik könnte die Saison in Tampa Bay nachhaltig beeinflussen.
Die Steelers sind sehr klar ein "Win Now"-Team. Doch für dieses Szenario ist das realistische Ceiling nicht da, wo es sein sollte.
Es gibt definitiv Aspekte, die hier ein Playoff-Team nahelegen können. Die Defense ist sehr gut besetzt, sowohl in der ersten als auch in der zweiten Reihe. Mit Jamel Dean haben die Steelers die große Nummer-2-Corner-Baustelle adressiert, die Defensive Line sollte eine der besten in der NFL sein - sofern T.J. Watt und Cam Heyward jeweils noch ein starkes Jahr im Tank haben.

Und auch offensiv kann man sich in einzelne Teile dieses Teams reinreden. Zum Beispiel die Playmaker-Gruppe, die mit Michael Pittman und Germie Bernard deutlich verbessert wurde. Zusätzlich dazu, dass Roman Wilson ein Breakout-Kandidat ist und Kaden Wetjen zumindest mit seinem Speed eine Rolle finden sollte.
Hier sieht man eine klare Veränderung von der Arthur-Smith-Offense zu dem, was Mike McCarthy machen will. Steelers-Fans werden wieder mehr Wide Receiver und mehr Quick Passing Game eben zu den Receivern sehen. Vielleicht führt das zu mehr Effizienz.
Aber es gibt eben auch die andere Seite der Medaille. Die Offensive Line hat vielversprechende, junge Starter - aber funktioniert vor allem die rechte Seite? Wann ist Top-Pick Max Iheanachor hier ein Faktor? Was bekommen wir in der Folge von diesem Run Game? Wie gut sind Heyward, Watt und auch Jalen Ramsey, der in der Saisonvorbereitung verletzt war, noch über eine volle Saison?
Und damit einhergehend: Wie viel Potenzial ermöglicht Aaron Rodgers mit seinen bald 43 Jahren überhaupt noch? Es ist ein Win-Now-Jahr, in dem es aber nicht überraschend wäre, würde Pittsburgh die Playoffs verpassen.

Ist Kyler Murray die Antwort für die Vikings auf der Quarterback-Position? Vielleicht nicht langfristig - ausschließen will ich das keineswegs -, aber er sollte in jedem Fall ein deutliches Upgrade zu dem sein, was Minnesota letztes Jahr auf der Position hatte. Und trotz dieses offensichtlichen Handicaps gewannen die Vikings in der vergangenen Saison neun Spiele.
Im besten Fall könnte das Szenario also so aussehen: Murray gibt Minnesota eine klare Verbesserung auf der wichtigsten Position, was auch dazu führt, dass Justin Jefferson und Jordan Addison wieder viel besser in Szene gesetzt werden. Das veränderte Run Game greift, Minnesota hat eine Top-12-Offense und sollte dann in der Lage sein, elf, zwölf Spiele und auch die Division zu gewinnen.
Doch Teams sind in ihrer Entwicklung selten so linear einfach zu greifen. Minnesota hatte letztes Jahr eine Top-5-Defense - kann Brian Flores das auch ohne Jonathan Greenard wiederholen? Funktionieren die jungen Defensive Tackles direkt? Gibt es den Breakout von Dallas Turner? Ist die Secondary gut genug?
Ich bin gespannt auf diese Vikings-Saison. Wie gut kann Murray in guten Umständen sein? Wie sprechen wir über Kevin O’Connell nach der Saison? Ist Brian Flores wieder in der Lage, deutlich mehr als die Summe der Einzelteile aus der Defense herauszuholen?
In einer mal wieder engen NFC North ist es das Team mit der größten Range. Bei den Vikings würde mich eine Saison, in der alles klappt und man 13 Spiele gewinnt, genauso wenig überraschen, wie eine starke defensive Regression, ein inkonstanter Quarterback und eine maximal frustrierende 7-10-Saison.
Nachdem den Packers in den letzten Jahren regelmäßig spät in der Saison die Puste ausgegangen ist, könnte die kommende Saison in dieser Hinsicht vielleicht andersherum laufen.
Denn der Start hat ein gewisses Stolperpotenzial. Die Defense von Jonathan Gannon steht und fällt mit einem starken 4-Man-Rush, der aber muss sich ohne Rashan Gary und zunächst ohne Micah Parsons erst einmal finden - die beiden besten Pass Rusher der Vorsaison. Javon Hargrave sollte in der Hinsicht helfen - und vielleicht ist Lukas Van Ness ein Breakout-Kandidat, aber hier schwingt viel Ungewissheit mit. Eben weil diese Defense einen dominanten Pass Rush braucht und weil die Cornerback-Gruppe dahinter ebenfalls mehr Fragen als Antworten parat hat.
Die klare Wide-Receiver-Hierarchie kann sich als Vorteil im Laufe der Saison erweisen. Hier ist Green Bay nach den Abgängen von Romeo Doubs und Dontayvion Wicks aber auch davon abhängig, dass einzelne Spieler sich entsprechend steigern - ohne Absicherung dahinter.

Die größte Ungewissheit auf der offensiven Seite des Balls ist allerdings die Offensive Line. Es ist keine gewagte Prognose, dass das die schwächste Line der Matt-LaFleur-Ära sein wird. Und das für ein Team, das über den Run kommen will, wo Josh Jacobs ebenfalls erst einmal fehlt.
Kurzum: Green Bay muss zum Start der Saison vermutlich einige Dinge ordnen und sich in einigen Bereichen erst zurechtfinden. Das kann zu Beginn auch frustrierend sein. Im Laufe der Saison aber sollte sich die Offense dann merklich steigern, während die Defense spätestens mit der Rückkehr von Parsons eine klare Handschrift haben muss.
Das erste Jahr unter Liam Coen war ein voller Erfolg. 13 Siege, eine sehr positive Entwicklung von Quarterback Trevor Lawrence, ein sehr kompetitives Playoff-Spiel. Darüber hinaus hat sich eine sehr spannende Playmaker-Gruppe herauskristallisiert: Brian Thomas hat im Laufe der Saison seine Rolle besser gefunden, der Jakobi-Meyers-Trade hat sich als Volltreffer erwiesen, und Parker Washington könnte sich dieses Jahr als der beste Receiver dieser Gruppe herausstellen.
Will sagen: Die Jaguars sind auf einem guten Weg. Trotzdem halte ich einen leichten Rückschritt, zumindest was den Record angeht, im Vergleich zur vergangenen Saison für realistisch.
Die Offensive Line könnte in mehreren Bereichen wackeln. Die Defense lebte letztes Jahr sehr von Turnovern, das wird sich so vermutlich nicht wiederholen. Die Receiver-Gruppe muss erst die positiven Trends aus der zweiten Saisonhälfte bestätigen. Das Run Game muss ohne Travis Etienne erst einmal funktionieren und die Defense hat in Devin Lloyd ihren zweitwichtigsten Spieler verloren.
Jacksonville sollte immer noch einen positiven Record holen und vielleicht auch in die Playoffs kommen können. Viel wichtiger aber: Dieses Team ist mittel- und langfristig auf dem richtigen Weg.

Das erste Jahr unter Ben Johnson war ein voller Erfolg. Jetzt gilt es, darauf aufzubauen. Das ist das klare Ziel in Chicago, aber was sofort auffällt, ist, dass man trotz der guten Vorsaison nicht all-in gegangen ist. Es gab keinen Monster-Trade und keine wilde Shoppingtour in der Free Agency, und insbesondere in der Defense muss das zu Skepsis in der Prognose führen.
Denn auf dieser Seite des Balls lebten die Bears letztes Jahr von Turnovern. 33 Takeaways hatte Chicago in der Regular Season, Platz 1 und überhaupt eines von nur zwei Teams mit über 30 Takeaways. Chicagos 23 Interceptions bedeuteten ebenfalls Platz 1. Das werden die Bears so nicht wiederholen können. Die Vikings-Defense hat 2024 mit sogar 24 Picks die Liga angeführt, letztes Jahr hatte Minnesota acht Interceptions. Die Packers hatten 17 Interceptions 2024, vergangene Saison dann nur derer sieben.
Der Blick in die eigene Division genügt also, um allein aus der letzten Saison mahnende Beispiele dafür zu bekommen, wie stark diese Zahl von Jahr zu Jahr fluktuieren kann. Geht es den Bears ähnlich, wird der wacklige Pass Rush im Fokus stehen, der eben nicht wirklich verstärkt wurde. Die Secondary soll das Prunkstück sein, doch hier hat sich Top-Neuzugang Coby Bryant in der Saisonvorbereitung schwer verletzt und wird mindestens bis Dezember fehlen, während die Situation um Kyler Gordon weiter Rätsel aufgibt.
All das deutet darauf hin, dass die Bears-Offense einen größeren Teil der Last tragen muss. Das Run Game ist dazu in der Lage, aber das Passing Game, angefangen mit Caleb Williams, muss dafür konstanter werden. Bears-Spiele sollten in jedem Fall sehr unterhaltsam werden.
Nach drei Jahren ohne Playoffs ist klar: Ergebnisse müssen her. Dieses Jahr darf es keine Ausreden geben, und genau so haben die Bengals auch investiert. Der Trade für Dexter Lawrence, neue Verpflichtungen für die Defense mit Jordan Battle, Boye Mafe und Jonathan Allen - die Defense war der Klotz am Bein dieses Teams über die letzten Jahre, das soll jetzt vorbei sein.
Dabei erwartet niemand eine Top-10-Defense in Cincinnati. Diese Unit aber sollte gut genug sein fürs untere Liga-Mittelfeld, was dann wiederum dafür reichen muss, dass die eigene Offense genügend Spiele gewinnt.
Die Offense bleibt dabei komplett unverändert. Es ist die gleiche Offensive Line - die sich letztes Jahr bereits stabilisiert hat -, die gleiche sehr starke Playmaker-Gruppe und der gleiche Quarterback in Joe Burrow, bei dem eigentlich nur die Frage im Vordergrund steht, ob er über die gesamte Saison fit bleibt.

Eine Top-8-Offense im Zusammenspiel mit einer Top-20-Defense muss dann für die Playoffs reichen.
Bei all den offensichtlichen Problemen der Chiefs-Offense im Vorjahr war Patrick Mahomes unter Quarterbacks immer noch auf Platz 8 in Expected Points Added pro Play sowie auf Platz 9 in puncto Success Rate. Damit rangierte er vor unter anderem Sam Darnold, Jared Goff, Trevor Lawrence, respektive Dak Prescott und Justin Herbert.
Das unterstreicht zum einen, wie gut Mahomes individuell noch immer ist. Wie sehr er den Floor der Offense anhebt. Und die Umstände sollten besser sein: Mit einem deutlich besseren Run Game und der Chance darauf, dass Rookie-Receiver Cyrus Allen oder auch Xavier Worthy positiv überrascht.
Gleichzeitig gehen wir auch hier mit Ungewissheiten in die Saison. Ist Mahomes direkt bei 100 Prozent? Was bekommen die Chiefs von Rashee Rice? Ist Simmons fit, und wenn nicht, wie lösen die Chiefs die Left-Tackle-Situation?
Die Defense hat fast noch mehr Potenzial. Hier wurde viel verändert und auch viel investiert, vor allem die Front könnte die beste Chiefs-Front und konkret der beste Chiefs-Pass-Rush seit Jahren sein. Vielleicht dauert es etwas, ehe in der Secondary alle Teile ineinander greifen. Aber das kann eine Top-10-Defense sein.

Selbst letztes Jahr, als die Lions Verletzungen in der Offensive Line hatten, ihre Tight Ends ausfielen und sie ihren Offensive Coordinator im Laufe der Saison entmachtet haben, hatte Detroit noch immer eine Top-10-Offense.
Jetzt ist die Line wieder intakt - auch wenn Center Cade Mays vorerst ausfällt - und sollte in Summe besser sein. Und Drew Petzing hat sich zwar bisher nicht als außergewöhnlicher Playcaller erwiesen, aber er wird die Baseline stabilisieren und passt schematisch sehr gut zu dem, was die Lions machen wollen.
Amon-Ra St. Brown, Jahmyr Gibbs, Jared Goff, Penei Sewell, das ist die Basis. Und letztes Jahr hat diese Gruppe bewiesen, dass selbst, wenn es um sie herum schwieriger wird, auf diese Gruppe Verlass ist. Ich erwarte eine Top-8-Offense.
Das ist auch der Grund dafür, dass ich die Lions in dieser Top-12-Gruppe dabei habe. Denn die defensive Seite hat zwar auch ihre Säulen - Aidan Hutchinson, Alim McNeill, Jack Campbell, D.J. Reed und, wenn sie wieder fit sind, die beiden Safeties -, aber Verletzungen sind schon jetzt ein Thema hier. Und die Cornerback-Gruppe wirft nach der Trennung von Terrion Arnold noch größere Fragen auf als ohnehin schon. Corner, Nummer-2-Pass-Rusher, es sind mal wieder die gleichen Themen in Detroit.
Die gute Nachricht für Lions-Fans: Trotz all der Ausfälle gelang es Kelvin Sheppard letztes Jahr, immer noch eine halbwegs solide Defense auf den Platz zu bringen. Kann er das Kunststück wiederholen?
Die Patriots haben zumindest viel dafür getan, um dem Super-Bowl-Hangover präventiv entgegenzusteuern. A.J. Brown, Romeo Doubs und Alijah Vera-Tucker sollten der Offense sehr viel mehr Stabilität geben, damit Drake Maye die Offense nicht so zentral tragen muss wie im Vorjahr.
Sind damit alle Fragen beantwortet? Nein, natürlich nicht. Aber ich erwarte eine Offense, die stabiler und robuster sein sollte - was man vielleicht dann auch gerade in den Playoffs noch mehr merkt, wo die Patriots-Offense in der vergangenen Saison einbrach.
Die Playoffs sind auch der Grund dafür, dass die erfolgreiche Patriots-Saison im Rückblick noch stärker als ein Produkt des einfachen RegularbSeason Schedules gesehen wird. Das müssen die Patriots widerlegen. Teil davon ist, dass letztes Jahr sehr vieles auf eine Art und Weise funktioniert hat - gerade was Big Plays im Passing Game angeht -, die nur schwer zu wiederholen ist.

Das ist ein Grund dafür, dass ich etwas abwartend in der Prognose bin. Wenn New England hier zeigt, dass es ausreichend Substanz hat, gehört es nämlich in die Top 10. Denn die Defense hat das Potenzial, ihrerseits eine sehr gute Unit zu sein. Das waren die Patriots auf der Seite des Balls bereits letztes Jahr, solange Milton Williams und Christian Barmore gemeinsam auf dem Platz standen. Der Edge Rush ist ein mögliches Problem, doch dahinter könnten die Pats eine Top-3-Secondary haben.
Man kann die Eagles sehr einfach in zwei Szenarien unterteilen - und es sind die gleichen beiden Szenarien, die jede Eagles-Saison der letzten Jahre geprägt haben. Wenn die neue Offense unter einem neuen Offensive Coordinator funktioniert, sind die Eagles ein Titelkandidat. Ist das nicht der Fall, läuft Philadelphia Gefahr, im Laufe der Saison und spätestens dann früh in den Playoffs zu kollabieren. Wenn die offensiven Probleme schließlich zu schwer ins Gewicht fallen und nicht mehr von der individuellen Qualität sowie von der eigenen Defense kompensiert werden können.
Das ist also kein neues Thema in Philadelphia. Neu aber ist, wie gravierend der offensive Umbruch aussehen wird. Es ist nicht nur ein neuer Playcaller, ein ganz neues Scheme wurde installiert. Doch wie gut funktioniert das mit Jalen Hurts? Wie macht sich in diesem Kontext der Abgang von A.J. Brown bemerkbar? Wie gut ist die Offensive Line noch?

Dass die Eagles mit offensiven Ungewissheiten in eine Saison gehen, ist nicht neu. Dieses Jahr fühlt sich durch die tiefgreifende Natur des Umbruchs aber noch extremer an. Auch was die möglichen Konsequenzen angeht, sollte es schiefgehen.
Die Baseline kommt auch dieses Jahr wieder von der Defense. Hier könnte Philadelphia, wenn Jonathan Greenard dann fit ist, sogar noch besser sein als im Vorjahr. Das sollte eine Top-5-Unit sein.
Die Cowboys waren letztes Jahr die noch extremere Version der Bengals. Die Offense war eine Top-6-Unit, die Defense belegte nach EPA pro Play den letzten und nach Success Rate den vorletzten Platz. Und ähnlich wie bei den Bengals wurde hier viel investiert: Rashan Gary, Von Miller und Rookie Malachi Lawrence sollten den Pass-Rush deutlich gefährlicher machen. Caleb Downs ist das neue Herzstück der Defense, und Linebacker sollte zumindest eine stabilere Unit sein.
All das zusammenführen soll der neue Defensive Coordinator Christian Parker, der aus der Vic-Fangio-Schule kommt und für diesen defensiven Stil in Dallas jetzt erstaunlich gutes Personal vorfindet. Natürlich ist das eine Wildcard - ein defensiver Playcaller in seinem ersten Jahr, junge Spieler, die große Rollen einnehmen sollen -, doch auf der Seite des Balls könnte Dallas einen beachtlichen Sprung hinlegen.
Offensiv ist so viel Luft nach oben gar nicht mehr drin, doch außerhalb von Verletzungen ist es schwer vorstellbar, dass die Cowboys sich nicht wieder im obersten Liga-Kreis bewegen. Insbesondere, da CeeDee Lamb letztes Jahr zwischenzeitlich ausfiel und nicht bei 100 Prozent war. Lamb, George Pickens, Dak Prescott und ein gutes Run Game sollte eine sichere Formel für eine Top-Unit sein. Auch wenn der Ausfall von Top-Guard Tyler Smith zum Saisonstart wehtut.
Kaum ein Team begleitet seit Jahren so penetrant eine spezifische Unit-Frage, wie es bei den Houston Texans und ihrer Offensive Line der Fall ist. Auch dieses Jahr fragen wir uns wieder: Ist diese Line gut genug? Sind die diesjährigen Umbaumaßnahmen ausreichend?
Denn damit steht und fällt die Frage, ob die Texans ein ernsthafter Titelanwärter sein können. Ob sie den nächsten Schritt der Ryans-Stroud-Ära machen, ob sie zum ersten Mal in ihrer Franchise-Geschichte ins Conference Championship Game einziehen können.
Die Defense ist bereits seit einer Weile bereit für den ganz großen Wurf, und wurde in dieser Offseason sogar nochmals stärker. Clowney für die Edge-Rotation, Kayden McDonald als Run Stuffer. Das beste Edge-Duo der NFL mit der potenziell besten Secondary ist eine furchteinflößende Kombination.
Doch die gravierenden Probleme in der Offensive Line haben zuletzt verlässlich Texans-Saisons versenkt und könnten das wieder tun. C. J. Stroud ist kein Quarterback, der eine Offense trotz dieser Probleme verlässlich trägt. Das Run Game muss verlässlicher sein, Stroud braucht die Unterstützung, um die Playmaker in Szene zu setzen. Und durch den Kreuzbandriss von Jayden Higgins geht Houston hier bereits dünner besetzt in die Saison.
Dennoch: Die Texans könnten die AFC dieses Jahr im Super Bowl vertreten. Wenn diese Line gut genug ist und wenn Stroud einen Schritt nach vorne macht.

Wenn die Chargers fit bleiben - ein leidiges Thema, welches durch die Verletzung von Center Tyler Biadasz bereits vor Saisonstart ad absurdum geführt wurde -, wäre es enttäuschend, wenn sich die Offense nicht zumindest in der Nähe der Top 5 bewegen würde. Die Offensive Line sollte auch ohne Biadasz gut sein, man hat einen Elite-Quarterback, einen exzellenten Playcaller und zwar keinen Superstar in der Playmaker-Gruppe, aber genügend Speed, Physis und individuelle Qualität, dass Mike McDaniels Offense funktionieren sollte. Und Spieler wie Omarion Hampton oder Ladd McConkey haben individuell noch fraglos Potenzial für mehr.
Nach Jahren, in denen Justin Herbert die Offense halbwegs kompetitiv hielt und die eigene Defense signifikant über ihrem eigentlichen Level performt hat, sollte dieses Chargers-Team einen anderen Vibe haben. Das sollte ein Team sein, das mit einer explosiven Offense Spiele diktiert, sodass eine mutmaßliche defensive Regression mehr als nur kompensiert werden kann.
Das muss die Erwartungshaltung sein, und dann muss ein Playoff-Sieg das Mindestziel sein. Denn auch wenn die Defense mit neuem Playcaller vermutlich nicht ganz an die vergangene Saison anknüpfen kann, gibt es hier mit Mack, Henley, Tuipulotu, Derwin James und den jungen Cornerbacks einen soliden Kern, der zumindest einen stabilen Floor bieten sollte.
30 Quarterbacks hatten letztes Jahr mindestens 320 Plays, Bo Nix belegte nach Success Rate - also im Kern der Down-für-Down-Konstanz - Platz 25. Einzig Tua, Geno Smith, Rodgers, Flacco und Cam Ward waren noch dahinter. Das ist der Knackpunkt, mit dem die Prognose für die kommende Broncos-Saison steht und fällt.
Die Defense sollte wieder eine Stärke sein. Denvers Pass-Rush ist - wenn auch vorerst ohne Jonathon Cooper - potenziell der gefährlichste in der NFL, letztes Jahr war er es. Und dahinter haben die Broncos den besten Cornerback der Liga, eine insgesamt starke Secondary und können mit ihrer defensiven Aggressivität auch auf der Seite des Balls Spiele diktieren.

Wenn die Offense einen klaren Sprung machen kann, spezifisch was die Konstanz angeht, sollte Denver eines der komplettesten Teams der Liga haben.
Und hier muss Nix im Fokus stehen. Denn die Broncos haben eine sehr gute Line, ein zumindest solides Run Game und einen Top-Tier-Offense-Architekten, auch wenn Sean Payton das Playcalling abgibt. Neuzugang Jaylen Waddle wird dabei helfen, dem Passing Game mehr Stabilität zu geben und Jonah Coleman ist die notwendige Absicherung als primärer Runner, sollte Dobbins wieder ausfallen. Die Playoffs müssen das absolute Mindestziel für Denver sein.
Würde mir heute jemand aus der Zukunft sagen, dass alle 32 Teams ohne Verletzungen durch die kommende Saison gehen, ich hätte San Francisco auf Platz 2 in diesem Ranking als einen der engsten Titelanwärter.
Denn das Potenzial für dieses Team ist extrem hoch. Mit einer wieder genesenen Defense, die durch zusätzliche Verstärkungen wie Osa Odighizuwa und Romello Height endlich wieder eine tiefe Pass-Rush-Rotation haben sollte. Mit einer Offense, die nach wie vor Top-5-Potenzial hat und durch die Verpflichtung von Mike Evans eine Schlüsselrolle besetzt, die man letztes Jahr nicht besetzen konnte und die die Offense öffnen wird.

Wenn, ja wenn alle Leistungsträger fit bleiben. Schon jetzt fehlten an verschiedenen Punkten der Vorbereitung Evans, Christian Kirk, Christian McCaffrey, Rookie-Receiver De'Zhaun Stribling, Kaelon Black und Jordan James. Ricky Pearsalls Verletzung verheilte nicht wie erhofft, sodass bei ihm das vorzeitige Saisonende bereits früh im Training Camp feststand und George Kittle arbeitete sich über den Sommer ohnehin von seinem Achillessehnenriss zurück. Die Verzweiflung war bereits Anfang August so groß, dass die Niners Deebo Samuel zurückholten.
Da sprechen wir noch gar nicht darüber, dass Kittle, Evans, Left Tackle Trent Williams und auch McCaffrey allesamt im Spätherbst ihrer Prime, wenn nicht Karriere sind. McCaffrey blieb aus der ganzen Gruppe im Vorjahr als einziger fit, ist aber nunmehr 30 Jahre alt und hatte letztes Jahr inklusive Playoffs 450 Touches.
Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist schwer, darauf zu vertrauen, dass dieses Team über die nächsten fünf Monate verlässlich aus allen Rohren feuert. Und natürlich können Verletzungen jedes Team ereilen und jede hoffnungsvolle Saison versenken, im Fall der 49ers aber muss man das wohl mit größerem Gewicht einkalkulieren.
Aber auch andersherum gedacht: Überrascht San Francisco in dieser Hinsicht, kann 2026 eine Art Last-Dance-Titeljagd werden.
Vielleicht das am schwersten greifbare Team innerhalb der Top 10. Die Ravens werden besser sein als im Vorjahr, als Verletzungen die Saison prägten und auch die Harbaugh-Ära spürbar ihrem Ende entgegen ging. Mit Lamar Jackson, Derrick Henry, Zay Flowers, Ronnie Stanley, Trey Hendrickson, Kyle Hamilton, Nate Wiggins und Roquan Smith sollte der Floor in jedem Fall hoch sein. Die Frage ist: Wo liegt das Ceiling? Was ist möglich?
Diese Frage kann man unmöglich im Vorfeld der Saison beantworten. Ein Rookie-Head-Coach mit Jesse Minter, ein 30-jähriger Offensive Coordinator, der noch nie irgendwo Playcaller war und dann auch auf der Spieler-Ebene: Hat Trey Hendrickson noch eine Elite-Saison im Tank? Kann Nnamdi Madubuike nach seiner schweren Nackenverletzung vollends zu alter Form finden? Funktioniert die neu zusammengestellte Interior Offensive Line? Bestätigt Ja’Kobi Lane den Preseason-Hype? Wann kommt der Dropoff bei Derrick Henry?
Meine Vermutung: Die Defense wird unter Jesse Minter sofort signifikant besser sein. Das wird die Ravens sofort auf hohem Level kompetitiv halten, selbst wenn die Offense noch eine gewisse Anlaufphase brauchen sollte.
Und vielleicht braucht das etwas Zeit. Vielleicht muss sich alles erst einspielen, wenn Lamar Jackson so viel wie noch nie Under Center spielen wird. Vielleicht hat er aber auch die seit Jahren beste Receiver-Gruppe an seiner Seite und profitiert vom schematischen Umbruch.
Ich falle bei der Prognose für die Ravens auf die positive Seite. Die Harbaugh-Ära hatte ihr Ende erreicht, Minter findet hier defensives Personal vor, mit dem seine Defense sofort funktionieren sollte. Und Jackson war über zwei Jahre der beste Quarterback in der NFL, ehe letztes Jahr viele Dinge schief gingen.

Viele der übergreifenden Fragen und Probleme, die alle Titelverteidiger in die neue Saison mitnehmen, begleiten auch die Seahawks. Gibt es einen Super-Bowl-Hangover? Wie gut verkraftet Seattle den Verlust seines Offensive Coordinators und Playcallers? Wie machen sich die Abgänge von Spielern wie Kenneth Walker, Boye Mafe, Coby Bryant und Riq Woolen bemerkbar? Was hat ein alternder Star wie Cooper Kupp noch im Tank? Und kann die Defense, die letztes Jahr so herausragend war und die Seahawks insbesondere in der zweiten Saisonhälfte maßgeblich trug, als Unit diese Form konservieren?
Im Laufe der Saison werden einige dieser Fragen zugunsten der Seahawks, einige im negativen Sinne beantwortet werden. Und natürlich tragen sie ein unterschiedliches Gewicht. Wenn etwa Brian Fleury, der als neuer Offensive Coordinator aus San Francisco kommt, sich als Treffer erweist, würde das schon viele andere Dinge kompensieren.
Die Defense sollte abermals eine Top-5-Unit sein, selbst falls sie nicht komplett die Dominanz der Vorsaison wiederholen kann. Vielleicht aber kitzelt Macdonald auch noch mehr Prozentpunkte heraus.
Mit einer soliden Line, einem aggressiven Quarterback, Jaxon Smith-Njigba und mehreren guten sekundären Playmakern wird auch die Offense nicht einbrechen. Seattle sollte wieder ein gefährliches Playoff-Team sein. Mindestens.
Während D.J. Moore das fehlende Puzzleteil für die statistisch beste Offense der letzten drei Jahre sein soll, ist die Bandbreite möglicher Ergebnisse auf der defensiven Seite sehr viel größer. Hier wird sich die Trennung von Head Coach Sean McDermott besonders bemerkbar machen. Unter McDermott hatte diese Defense meist die gleiche Handschrift: Es war Jahr für Jahr eine solide Defense, die in der Regular Season schwächeren Offenses den Zahn zieht, in den Playoffs aber sehr deutlich an Grenzen stößt.
Das heißt aber auch: Der Floor in der Regular Season war hoch, und das muss der neue Defensive Coordinator Jim Leonhard erst einmal unter Beweis stellen. Allerdings haben die Bills auf dieser Seite des Balls Talent, Spieler wie Maxwell Hairston und Deone Walker können vielleicht tragendere Rollen einnehmen und ein insgesamt aggressiverer Ansatz holt womöglich auch mehr aus Ed Oliver und Greg Rousseau heraus.
Dann könnten wir eine im Laufe der Saison schlagkräftigere Bills-Defense sehen. Das in Kombination mit einer Top-5-Offense, einem Top-2-Quarterback und einem Top-3-Run-Game wäre das, was die Bills endlich in den Super Bowl befördern könnte.

An diesem Punkt ist nach einer langen, ereignisreichen Offseason in Los Angeles zu den Rams alles gesagt. Die Kurzfassung: Die kommende Rams-Saison ist nur dann ein Erfolg, wenn sie mit dem Gewinn des Super Bowls endet.
Das ist die selbstauferlegte Erwartungshaltung nach einer aggressiven Offseason, in der unter anderem Myles Garrett und Trent McDuffie nach Los Angeles geholt wurden und man Aaron Donald aus dem Ruhestand reaktiviert hat. In der NFL gibt es durch den Salary Cap und das Draft-System so etwas wie "Superteams" nicht, aber die 2026er Rams kommen dem so nah, wie es realistisch nur machbar ist.
Für ein Team mit dieser Star-Power und diesem Erfolgsdruck steht am Vorabend der Saison vor allem eine Frage im Vordergrund: Bleiben alle fit? Denn hier findet man am ehesten auch die Kader-Schwachstellen.
Die Receiver-Gruppe hinter Puka Nacua und Davante Adams ist bedenklich dünn. Gleiches gilt für die Edge-Rusher hinter Garrett und Byron Young. Offensive Tackle würde schnell zu einem großen Problem werden, sollte Alaric Jackson oder Warren McClendon ausfallen, und das mit einem Pocket-Passer in Matt Stafford dahinter. Und Stafford selbst kam letztes Jahr zwar gut durch die Saison, der Rücken könnte aber jederzeit wieder ein Thema werden.
Andersherum formuliert: Wenn die Rams fit bleiben, sollte das eine Top-5-Offense und eine Top-5-Defense sein. Es ist der in puncto Kaderqualität klarste Titelfavorit vor dem Start einer Saison seit Jahren.
Adrian Franke