05.09.2019
Ein Kracher jagt den nächsten.: Jede Woche steigt ein besonderes Spiel
Zu Ehren der 100-jährigen Existenz der National Football League feiert der American Football in der kommenden Regular Season ein großes Fest - und ehrt in diesem Atemzug jede Woche eine ganz besondere Paarung. Der kicker bietet einen Überblick, los geht es mit der ältesten Rivalität.

Den Auftakt in diese Saison bestreit dieses Mal nicht der amtierende Champion, in diesem Fall die New England Patriots. Tom Brady & Co. sind in Week 1 erst im Sunday Night Game gegen die Pittsburgh Steelers gefragt (9.9., 2.15 Uhr MESZ). Stattdessen taucht die NFL in der kommenden Saison direkt mit dem Klassiker schlechthin in die Reihe der "NFL100 Game of the Week" ein, einen besseren Saisonstart gibt es wohl kaum für den 6. September 2019 (2.20 Uhr MESZ). Seit 1921 duellieren sich Bears und Packers nun schon, zudem zelebriert Chicago die insgesamt 100. Football-Saison, Green Bay schon die 101. Spielzeit. Die aktuelle Bilanz dieser Paarung: 96:94:6 zugunsten von "The Pack".

Dass die Browns eines der heißesten Teams der neuen NFL-Saison sein könnten (Odell Beckham Junior, Jarvis Landry, Baker Mayfield, Myles Garrett), ist bekannt. Deswegen trägt Cleveland in Week 2 aber nicht ein "NFL100 Game of the Week" bei den Jets aus, vielmehr ist wieder die Geschichte entscheidend. Dieser Vergleich hat einst den Startschuss der Reihe Monday Night Football bedeutet, am 21. September 1970 (Ortszeit) war es soweit. Damals gewannen die Browns gegen New York mit 31:21, nun steigt die Neuauflage (17.9., 2.15 Uhr MESZ) - natürlich wieder an einem Montagabend (übertragen von "ESPN").
An "America's Team" hat die NFL natürlich auch gedacht: Die Dallas Cowboys dürfen am 3. Spieltag gegen die Miami Dolphins ran (22.9., 19 Uhr MESZ). Die Story dahinter: Die beiden Teams standen sich einst im Super Bowl VI gegenüber, den die Texaner am 16. Januar 1972 mit überzeugend mit 24:3 gewannen.
Eine Woche später ist Miami direkt wieder gefragt: Die Dolphins erwarten die Los Angeles Chargers (29.9., 19 Uhr MESZ). Das Ganze soll an die 1981er AFC Divisional Round erinnern, als sich beide Franchises einen denkwürdigen Vergleich lieferten. Angeführt von Quarterback Dan Fouts schlugen die Chargers damals mit einem 41:38 zu, wobei der Spielmacher 33 Pässe für 433 Yards und drei Touchdowns (eine Interception) an den Mann brachte.
Weiter geht es in der Reihe "NFL100 Game of the Week" mit dem Vergleich dieser beiden Kontrahenten (6.10., 19 Uhr MESZ). Warum das Duell zwischen Tennessee und Buffalo ausgewählt worden ist? Wegen des "Music City Miracle" in den 1999er Play-offs, als die Titans 16 Sekunden vor Schluss mit 15:16 im Hintertreffen lagen und einen Kick der Bills erwarteten. Am Ende sollte Receiver Kevin Dyson über 75 Yards ins Ziel rennen und den Sieg somit eintüten.
Der aktuelle NFL-Champion darf bei diesen besonderen Matches natürlich auch nicht fehlen - und gibt sich in Week 6 die Ehre im Duell mit den Giants (11.10., 2.20 Uhr MESZ). Hintergrund sind natürlich die beiden Super Bowls (XLII und XLVI), die jeweils New Yorks Quarterback Eli Manning gegen Tom Brady gewonnen hat. Beide Spielmacher (38 und 41 Jahre) sind noch aktiv.
Zwei Teams, zwei pickepackevolle Geschichtsbücher: Packers und Raiders verbindet viel, beide Fanlager sind bestens bekannt. Beide Teams duellierten sich früher zum Beispiel beim Super Bowl II (14. Januar 1968), den Green Bay mit Quarterback Bart Starr und Legenden-Coach Vince Lombardi mit 33:14 gewann. Nun sehen sich die beiden Mannschaften wieder (20.10., 19 Uhr MESZ).

Vor Super Bowl II fand in der Geschichte der National Football League natürlich Super Bowl I statt - und auch diesen gewannen die Packers (15. Januar 1967). Gegner damals: die Chiefs. 52 Jahre später wird diese Begegnung von der Liga geehrt - und geht im Zuge von Sunday Night Football im lautstarken Arrowhead Stadium über die Bühne (28.10., 1.20 Uhr MEZ). Unabhängig von der Geschichte dahinter steht aber hier auch Brandaktuelles im Vordergrund, genauer gesagt das Duell zwischen den Quarterbacks Patrick Mahomes und Aaron Rodgers.
Am 3. November (19 Uhr MEZ) steigt schon wieder ein "NFL100 Game of the Week" im lautstarken Arrowhead Stadium, dieses Mal treffen die Chiefs auf die Vikings. Die Geschichte dahinter: Beide Teams standen sich einst im Super Bowl IV gegenüber, den Kansas City am 11. Januar 1970 23:7 gewann. Hierbei gab es einen berühmten Spielzug zu sehen, den "65 Toss Power Trap": Quarterback Len Dawson täuschte einen Wurf zu Fullback Wendell Hayes an, gab ihn aber zu Running Back Mike Garrett, der durch eine zu weit aufgerückte Vikings-Deckung locker in die Endzone trabte. Interessant: Am Abend vor dem Finale hatte KC-Trainer Hank Stram mit einem Mitarbeiter von "NFL Films" gesprochen, dieser überredete ihn dazu, ein Mikrofon zu tragen, um die Kommentare live übertragen zu können. Dies war das erste Spiel, bei dem ein Trainer ein solches Mikrofon trug - und gehört werden konnte. Außerdem war dies der endgültige Startschuss zur ganzheitlichen NFL, denn bis dato hatte das Finale immer noch "AFL-NFL Championship Game" geheißen.
Diese Story liegt auf der Hand! Beide Franchises sind erbitterte Rivalen aus der NFC South, früher noch aus der alten NFC West. Während die Saints (gegründet 1966) bislang fünfmal diese "neue" Division gewonnen haben und einmaliger Super-Bowl-Champion sind, stehen die Falcons (gegründet 1966) als viermaliger Sieger der Gruppe in der Geschichte. Den großen Titel hat es für Atlanta indes noch nicht gegeben. Ebenfalls interessant: Am 25. September 2006 gewann NO mit 23:3 - und zwar im Zuge der Neueröffnung des Wahrzeichens Mercedes-Benz Superdome nach den schrecklichen Ereignissen rund um Hurricane Katrina. Die Neuauflage steigt am 10. November um 19 Uhr (MEZ).
Am 11. Spieltag ist wieder der amtierende Meister gefragt, dieses Mal bei den Eagles (17.11., 22.25 Uhr MEZ). Das Duell hat es bis dato zweimal auf der größten aller Bühnen gegeben - bei Super Bowl XXXIX (24:21 für die Patriots am 6. Februar 2005) und LII (41:33 für die Eagles am 4. Februar 2018). Damals erlangte der Spielzug "Philly Special" Berühmtheit.
Eine höchst kuriose Geschichte ereignete sich einst bei exakt dieser Paarung. Am 17. November 1968 duellierten sich die beiden Franchises miteinander, spielten über drei Stunden (das damals längste Spiel der Geschichte) auf Augenhöhe - und 65 Sekunden vor Schluss führten die Jets mit 32:29. Dann passierte Folgendes: Der übertragende Sender "NBC" schaltete plötzlich wie aus dem Nichts um - und übertrug tatsächlich den Film Heidi (deutscher Titel: Heidi kehrt heim)!

Nach einiger Zeit brannten alle Leitungen bei "NBC" durch, die Telefonzentrale war tot. Aufgebrachte Fans kontaktierten die Polizei, die "New York Times", die Telefon-Betreiber und sogar die Feuerwehr, um ihren Frust über das abrupte Ende der Übertragung abzulassen. "Männer, die nicht einmal bei einem Erdbeben ihren Armsessel verlassen würden, griffen zu ihren Telefonen, um anzurufen", so Dave Zirin, der Sport-Redakteur von "The Nation", über jenen 17. November 1968. Das Bittere: Die Raiders sollten letztlich in diesen finalen Sekunden noch zwei Touchdowns verbuchen und am Ende mit 43:32 gewinnen - und die Menschen vor dem TV sahen derweil Heidi durch die Alpen schlendern. Heute ist das alles als "Heidi Game" bekannt - und insoweit interessant, dass die NFL seither vertraglich fest geregelt hat, dass Sender Football-Spiele nicht mehr einfach unterbrechen dürfen. Demnach sieht es gut aus, dass die Neuauflage (24.11., 19 Uhr MEZ) dieses Mal komplett gezeigt wird.
Bei diesem Spiel kommen auch bei jüngeren Football-Fans Erinnerungen auf, schließlich duellierten sich beide Teams im Zuge von Super Bowl XLVII am 3. Februar 2013. In einer verrückten Partie im Mercedes-Benz Superdome zu New Orleans behielten die von John Harbaugh trainierten Ravens gegen die von Bruder Jim Harbaugh betreuten 49ers mit 34:31 die Oberhand ("Harbaugh-Bowl"). Außerdem bemerkenswert: Während sich Baltimores Quarterback Joe Flacco an diesem Abend zum Champion krönte, verpasste Colin Kaepernick den Coup - und ist seither längst nicht mehr Teil der NFL (Proteste, Hetze, Zahlung). Die Neuauflage dieser Partie steigt am 1. Dezember (19 Uhr MEZ).
In Week 1 steht der NFC-North-Klassiker zwischen Chicago und Green Bay an, doch die NFL hat auch einen weiteren Clinch in ihrer Reihe "NFL100 Game of the Week" nicht vergessen: das "Battle of Ohio" zwischen Browns und Bengals (8. Dezember, 19 Uhr MEZ). Beide AFC-North-Franchises messen sich seit vielen Jahren um die Vorherrschaft im US-Bundesstaat Ohio, Cincinnati hat weiterhin mit 50:41 die Oberhand. Zuletzt hat allerdings Cleveland, das auch den höchsten Sieg in dieser Rivalität eingefahren hat (34:0 im Jahre 1987), zweimal in Folge gewonnen.
Wieder einmal eine Neuauflage eines früheren Super Bowls (XLIV, 44, 7. Februar 2010), die am 17. Dezember (2.15 Uhr MEZ) im Zuge von Monday Night Football steigt. Damals siegten die Saints unter dem noch immer aktiven Head Coach Sean Payton mit 31:17 - und sicherten sich damals den bis heute einzigen großen NFL-Titel für New Orleans.
1978 duellierten sich diese beiden Franchises (Neuauflage am 22. Dezember, 19 Uhr MEZ) im "Holy Roller Game". Der Begriff "Holy Roller" (auch als "The Immaculate Deception" bekannt) ist der Spitzname eines kontroversen, siegbringenden Spielzuges der Oakland Raiders gegen die damals noch in San Diego ansässigen Chargers am 10. September 1978. Dieses Ereignis führte 1979 zu einer Änderung im Regelwerk der NFL.

Was war passiert? Beim Stand von 14:20 und zehn Sekunden vor Schluss verlor Raiders-Quarterback Ken Stabler den Ball absichtlich nach einem Sack 24 Yards vor der gegnerischen Endzone (Fumble 1), Running Back Pete Banaszak schaffte es nach der Recovery bis zwölf Yards voran, ehe er das Ei ebenfalls absichtlich verlor (Fumble 2) und Richtung Endzone stieß. Tight End Dave Casper nahm den Ball nun, verlor ihn ebenfalls (Fumble 3), warf sich nach und sicherte ihn in der Endzone (Touchdown). Nach verwandeltem Extrapunkt siegte Oakland demnach 21:20.
Als Reaktion auf den "Holy Roller" verabschiedete die NFL in der folgenden Off-Season eine Regel ("Holy Roller Rule"), welche die Rückeroberung eines Fumbles durch die Offense beschränkt. Wenn ein Spieler nach der "Two-Minute Warning" oder während Fourth Down den Ball verliert (Fumble), so kann nur der patzende Spieler zurückerobern und wieder nach vorne laufen. Wenn aber ein Mitspieler das Ei erobert, so wird der Ball automatisch an den Ort des Fumbles platziert (außer bei einer Recovery for a loss, dann ist das der Punkt).
mag