17.09.2023
NFL, Week 2: Zweimal Hochspannung mit Verlängerung
Während sich die Kansas City Chiefs als amtierender Super-Bowl-Champion von der Auftaktniederlage erholt zeigten, wurden die Cincinnati Bengals erneut kalt erwischt. Die Seattle Seahawks und Tennessee Titans zogen ihre Spiele jeweils in der Verlängerung auf ihre Seite. Die Green Bay Packers verpassten derweil das späte Comeback.

Eine regelrechte 3:24-Abreibung hatte Cincinnati zum Start der neuen Regular Season im "Battle of Ohio" bei den Cleveland Browns hinnehmen müssen - und stand demzufolge vor dem nächsten internen AFC-North-Duell mit Baltimore unter großem Druck. Noch eine Niederlage konnten sich die als Super-Bowl-Kandidat gehandelten Bengals um den teuer bezahlten Star-Quarterback Joe Burrow im Grunde nicht leisten.
Am Ende mussten sie die nächste bittere Pille aber schlucken, denn mit 24:27 verlor Cincy im heimischen "Dschungel" gegen die Ravens. Einer der Schlüssel: Während sich Spielmacher Burrow (222 Yards, zwei Touchdowns) eine Interception erlaubte, blieb sein Gegenüber Lamar Jackson (fast 300 Total Yards, zwei TDs) fehlerfrei und warf neben einer 54-Yard-Bombe auf Rookie-Receiver Zay Flowers im vierten Viertel einen feinen Touchdown-Pass zu Nelson Agholor zum vorentscheidenden 27:17.
Den Bengals half hier am Ende auch kein Score von Tee Higgins zum finalen 24:27 nicht mehr - genauso wenig der zwischenzeitlich famose Punt-Return-Touchdown von Rookie Charlie Jones über volle 81 Yards. Damit rutschte das hocheingeschätzte Cincinnati auf 0:2 ab - so wie auch 2022 zum Start der Regular Season. Damals hatte das Team die Kurve noch bekommen. Ob es dieses Mal wieder gelingt? Das wird die große Frage der nahen Zukunft sein.
Im Auftaktspiel der neuen Regular Season hatte Titelverteidiger Kansas City auch aufgrund vieler eigener Fehler eine Niederlage gegen die frechen Detroit Lions hinnehmen müssen - und das ohne Chris Jones (Holdout) und Travis Kelce (Knieverletzung).
Beide mischten nun beim schweren Gastspiel in Jacksonville wieder mit und hatten wenig verwunderlich ihren Anteil am 17:9-Erfolg. Allerdings hatten die Chiefs um Superstar Patrick Mahomes (305 Yards, zwei TDs) hier einen kleinen Berg zu überwinden, der selbst mit eigenen Fehlern (Interception, zwei Fumbles) etwas größer gemacht wurde. Auf der anderen Seite verstanden es die Jaguars aber nicht, daraus genug Kapital zu schlagen. Spielmacher Trevor Lawrence (216 Yards) wurde zu wenig geschützt, brachte nichts allzu Großes zustande. Was auch daran lag, dass der nach seinem Streik zurückgekehrte Jones seine Matchups dominierte und stets Druck ausübte.
Der vielleicht größte Faktor war aber eben die Rückkehr von Tight End Kelce, den Mahomes zwischenzeitlich mit einem überlegten Zuspiel zum vorentscheidenden 14:6 fand. Mit dem ersten Erfolg dieser Spielzeit vermied es Kansas City auch, erstmals als amtierender Super-Bowl-Champion mit 0:2 zu starten. Das passierte letztmals im Jahr 1999 den Denver Broncos.
Das Debüt von Jordan Love als neuer Starting Quarterback der Green Bay Packers war gefeiert worden - gleich drei Touchdown-Pässe ohne Fehler hatte der Nachfolger von Aaron Rodgers (New York Jets) beim Sieg in Chicago geworfen. Und auch dieses Mal beim Auswärtsauftritt der Käsestädter in Atlanta ließ der 24-Jährige wieder drei Scores ohne Interception folgen.
Beachtlich: Das gelang Spielmacher Love ohne seinen mal wieder fehlenden und seit Jahren schon oft angeschlagenen Top-Left-Tackle David Bakhtiari, ohne Nummer-1-Receiver Christian Watson und ohne Star-Running-Back Aaron Jones. Das Blöde nur: Trotz zwischenzeitlicher 10:3-, 17:9- und 24:12-Führung bekamen die Packers den Sack nicht zugemacht.
Vielmehr übernahmen die anfangs von einer aufmerksamen Green-Bay-Defense immer wieder gestoppten Falcons das Heft des Handelns im finalen vierten Quarter komplett in die Hand und tüteten am Ende erst zum elften Mal in der eigenen Franchise-Geschichte einen 2:0-Saisonstart ein.
Quarterback Desmond Ridder (276 Total Yards, zwei Total Touchdowns, eine Interception) lief selbst zum 19:24-Anschluss, ehe der gewohnt zuverlässige Kicker Younghoe Koo aus 39 sowie 24 Yards zum 25:24 traf. Der Endstand, auch weil bei fast einer Minute Restzeit der Angriff der Packers mit Love nicht mehr zündete. Ein großer Faktor beim Sieg Atlantas war erneut auch wieder Rookie-Running-Back Bijan Robinson, der mit 19 Carries ganze 124 Yards verbuchte - plus 48 Yards als Receiver.

Die aufstrebenden Detroit Lions um den deutsch-amerikanischen Receiver Amon-Ra St. Brown, der beim Heimspiel gegen die Seattle Seahawks trotz zwischenzeitlicher Verletzungspause mit sechs Catches auf starke 106 Yards kam, knickten bei diesem wilden Spiel am Ende noch ein. Nach einem aus neutraler Sicht tollen Match war es zunächst mit dem Stand von 31:31 in die Verlängerung gegangen.
Hier kamen die mit 0:1 in die Spielzeit gestarteten Hawks zuerst an den Ball - und gaben ihn nicht mehr her. Quarterback Geno Smith, der mit 328 Passing Yards und zwei Touchdowns überzeugt und das Team gegen Ende von einem Zehn-Punkte-Rückstand erst wieder herangebracht hatte, fand nach Beginn der Overtime Receiver Tyler Lockett zum 37:31-Endstand. Zuvor war allerdings auch Cornerback Tre Brown wichtig, der einen Ball von Detroits Spielmacher Jared Goff abfing und zum Pick Six in die gegnerischen Endzone trug. Für Goff war es nach 383 Pässen ohne Interception (drittlängste NFL-Serie nach Aaron Rodgers mit 402 und Tom Brady mit 399) das Ende einer Serie.
Ebenfalls in die Verlängerung ging an diesem frühen Sonntag von Week 2 der Vergleich zwischen Titans und Chargers, wobei die Gastgeber in Nashville/Tennessee den längeren Atem hatten. Trotz hereinbrechenden Regens verwandelte Kicker Nick Folk im entscheidenden Moment aus 41 Yards zum gefeierten 27:24-Erfolg. Zuvor hatte das Team von Head Coach Mike Vrabel das altbekannte Duo stets im Spiel gehalten: Quarterback Ryan Tannehill (246 Yards) mit zwei Total Touchdowns, Running Back Derrick Henry (80 Yards) mit einem Score. Auf der anderen Seite stand derweil am Ende ein niedergeschlagener Justin Herbert trotz stolzen 305 Yards Passing und zwei Touchdowns.
mag