24.10.2023
Four Downs: Die NFL-Kolumne von Adrian Franke
Die Kansas City Chiefs setzen sich in der AFC mal wieder ab, Lamar Jackson präsentiert einen handfesten Mid-Season-MVP-Case und die Steelers gewinnen mal wieder auf die Steelers-Art: Es war viel los in Woche 7 in der NFL, kicker-Experte Adrian Franke nimmt euch mit auf die Reise.

Wir - und damit meine ich vor allem mich selbst - sollten es an diesem Punkt besser wissen. Wir sollten es besser wissen, als an den Chiefs zu zweifeln, uns Sorgen um die Offense zu machen und darüber nachzudenken, welche AFC-Teams Kansas City den Rang ablaufen.
Die Chargers in ihrer aktuellen Verfassung mögen nicht der beste Maßstab sein. Zumindest aber unterstrich der Auftritt der Chiefs gegen den Division-Rivalen am Sonntag zwei Dinge, die auch schon vorher in dieser Saison konstant sichtbar waren: Die Chiefs haben dieses Jahr eine richtig gute Defense - und die Mahomes-Kelce-Connection ist so gut wie vielleicht noch nie.
Das ist ein großes Lob für einen Tight End, der jetzt acht 1.000-Receiving-Yard-Saisons in Folge hatte (sieben ohne Play-offs), und seit 2018 allein in der Regular Season über 50 Touchdowns auf dem Konto hat. Ich habe dieses Jahr den Eindruck, dass die beiden noch etwas mehr improvisieren, und man die mentale Connection zwischen den beiden noch häufiger ganz konkret auf dem Platz sieht.

Das war in einigen Spielen auch notwendig, weil die anderen Receiver wenig beitrugen und auch das Run Game eher überschaubar ist. Gegen die Chargers konnte man sehen, was passiert, wenn Mahomes und Kelce loslegen, die Offense aber zumindest im Passing Game zusätzlich aus allen Rohren feuert.
Zum Beispiel durch den langen Touchdown zu Marquez Valdes-Scantling, der bisher in dieser Saison noch kein Spiel mit mehr als drei Targets und noch keinen Touchdown auf dem Konto hatte. Am Sonntag änderte sich beides. Der 46-Yard-Touchdown war ein Second-Reaction-Play, Mahomes wurde nach dem Play-Action-Fake aus der Pocket getrieben, und kam so erst auf seine Backside, wo Valdes-Scantling Separation kreiert hatte und den Rest nach dem Catch erledigte.
Der Touchdown auf Rashee Rice ging ebenfalls zur Backside und war vielleicht sogar Mahomes’ vierter Read bei diesem Play. Ein super platzierter Pass von Mahomes. Beim Touchdown-Drive vor der Halbzeit fand Mahomes ihn über die Mitte, und Rice lief für insgesamt 37 Yards; es war ein Drive, bei dem Mahomes einige sensationelle Plays hatte. Rice ist nach wie vor der Receiver, dem ich am ehesten die Possession-Receiver-Rolle zutraue, welche der Offense neben Kelce zumindest in konstanter Form fehlt. Nach einem guten Spiel gegen die Broncos letzte Woche war er am Sonntag erneut ein auffälliger Faktor.
Das Spiel war jedoch auch ein Hinweis darauf, wie weit die Chargers von der AFC-Spitze entfernt sind. In puncto Qualität, Kreativität, Flexibilität, in puncto Stärke der eigenen Defense. Auch Justin Herbert konnte die Offense zuletzt nicht wie gewohnt tragen, wenngleich ich nur einen relativ kleinen Teil der Schuld hier bei Herbert selbst suche.
Die, natürlich maximal unglückliche, Interception kurz vor der Endzone, gefolgt von drei Three-and-Out-Drives helfen allerdings wenig bei Pro-Herbert-Argumenten. Bei zwei dieser Drives hatte er zudem je ein Mal Interception-Glück. Bei den Chargers deutet vieles darauf hin, dass diese Saison als äußerst fragiles All-In-Team ohne Play-offs und mit einem Umbruch enden wird.
Doch der Spieltag insgesamt war auch eine treffende Momentaufnahme der Top-Teams in der AFC.
Die Bills sind weiterhin sehr inkonstant, und nach dem zwischenzeitlichen Hoch - inklusive eines mehr als eindrucksvollen Siegs gegen die Dolphins - ging es zuletzt merklich bergab. Die Offense hat daran auch ihren Anteil, ich schaue aber vor allem auf die Defense.
Die Ausfälle von Matt Milano, Tre’Davious White, DaQuan Jones und Ed Oliver haben den Bills ordentlich zugesetzt, das war auch gegen die Patriots offensichtlich. Das Problem hierbei ist, dass, abgesehen von Oliver, keiner dieser Spieler zeitnah zurückkommen wird. Das wiederum erhöht den Druck auf die eigene Offense.
Die Dolphins fallen in eine ähnliche Kategorie, als ein Team, das offensiv jederzeit explodieren kann. Doch die beiden Spiele gegen echte Schwergewichte, die Miami bislang in dieser Saison hatte, haben unterstrichen: Die Dolphins brauchen dann auch entsprechende Leistungen der Offense, um diese Spiele gewinnen zu können. Vielleicht steigert sich die Defense hier noch im weiteren Saisonverlauf, im Moment ist man zu sehr abhängig von der offensiven Explosivität, und gegen Top-Teams wird man sich nicht immer darauf verlassen können, dass das klappt und dass das reicht.
Die Jaguars sind dahingehend ein interessantes Team, dass die Kombination aus Run-Defense und Quarterback-Play Jacksonville einen stabilen Floor geben sollte. Doch die Receiver müssen konstanter werden und im Pass-Rush fehlt es an Qualität außerhalb von Josh Allen.
Baltimore hatte jetzt diesen absolut beeindruckenden Sieg gegen die Lions, bei aller Euphorie muss man hier allerdings auch festhalten, dass das das erste wirklich komplette Spiel der Ravens in dieser Saison war. Dennoch: Die Ravens haben die Defense, die offensiven Waffen, das Coaching und den Quarterback.
Die Bengals könnten sich im weiteren Saisonverlauf auch wieder oben festsetzen, doch kurz vor der Saison-Halbzeit präsentiert die AFC ein nur allzu vertrautes Bild: Die Chiefs sehen wie das gefährlichste Team an der Spitze aus - auch weil, und das ist neu, sie wie das kompletteste Team wirken.
Die Chiefs-Offense wird funktionieren. Solange Andy Reid, Patrick Mahomes und Travis Kelce da sind, wird die Offense funktionieren und gegen die Chargers hatten sie ein fantastisches Spiel.
Ich denke aber dennoch, dass die Chiefs zumindest mal den Receiver-Markt bis zur Trade-Deadline sondieren sollten. Kansas City ist aktuell auf Kurs für die mit Abstand niedrigste Punkte-pro-Spiel-Ausbeute in der Patrick-Mahomes-Ära. Der bisherige Tiefstwert waren 28,5 Punkte pro Spiel in der 2020er Saison, in den anderen vier Jahren lag KC bei je über 29 Punkten im Schnitt. Aktuell stehen die Chiefs bei durchschnittlich 25,4 Punkten.
Dass man trotzdem 6-1 steht und das drittbeste Point Differential in der AFC hat, liegt zu ungewöhnlich großen Teilen auch an der eigenen Defense. Hier wiederum würde ich Kansas City die beste Unit in der Mahomes-Ära attestieren, was mich aber erst recht zu dem Punkt führt, dass die Chiefs auf Receiver nachbessern sollten.
Denn dieses Team könnte - mal wieder - in den Super Bowl kommen. Aber wenn die Offense weiter so extrem über Kelce läuft und sich kein Receiver dahinter vernünftig aufdrängt, dann wird jedes Spiel offensiv gerade in der Crunchtime der Saison und in den Play-offs ein sehr schweres Stück Arbeit auf der Seite des Balls. Das gilt umso mehr, da die Tackles weiter inkonstant sind.
Die Chiefs haben letzte Woche Mecole Hardman zurückgeholt, das ist für mich nicht mehr als ein Upgrade im Gadget-Waffen-Department und ein Receiver, der die Offense kennt und schnell eine Rolle spielen kann.
Sollte jemand wie DeAndre Hopkins - insbesondere auch für eine verlässlichere Possession-Rolle - zu haben sein, wäre ich voll dafür, dass Kansas City hier noch ein Upgrade sucht.
Es würde den Abstand auf die AFC-Konkurrenz noch vergrößern und könnte sich in der Crunchtime der Saison als das fehlende Puzzleteil für einen weiteren Titel-Run herauskristallisieren.
In dieser festen Kategorie soll es um einen Quarterback gehen, der diese Woche eine Partie hatte, die gesondert betrachtet werden muss. Dabei geht es nicht zwangsläufig um den besten Quarterback der Woche - es kann auch mal der schlechteste der Woche hier behandelt werden -, sondern auch um übergreifende Punkte. Diesen Quarterback analysiere ich ausführlich und präsentiere ihn euch hier.
Lamar Jacksons Auftritt gegen die Lions war, rein was das Tape angeht, nichts, was der 26-Jährige nicht bereits über die ersten sechs Spiele gezeigt hätte.
Die Partie gegen die Bengals war vergleichbar, genau wie die gegen Cleveland. Der Wille, zuerst den Pass zu suchen. Die Fähigkeit, Defenses zu lesen und den Ball schnell zu verteilen. Vertikal zu attackieren, wenn möglich und selbst zu Fuß Plays zu machen, wenn nötig.

Das Spiel, das dem aber am nächsten kam, war das gegen Pittsburgh.
Doch das Ravens-Steelers-Spiel vor zwei Wochen war gleichzeitig auch eines der groteskeren Spiele, was die Diskrepanz zwischen individueller Quarterback-Leistung auf der einen, und den Stats sowie dem Ergebnis auf der anderen Seite anging. Sage und schreibe sieben Drops hatten Jacksons Receiver in jenem Spiel, darunter mindestens zwei klare Touchdowns.
Als Jackson selbst spät im Spiel zwei Fehler unterliefen, hätte diese Partie längst entschieden sein müssen.
Stattdessen drehte Pittsburgh nach einer Interception und einem Fumble die Partie und gewann mit 17:10.
Das Narrativ anschließend wurde nicht ansatzweise dem gerecht, was zuvor über etwa 55 Spielminuten in Pittsburgh passiert war. Aber das ist das Los insbesondere für Quarterbacks, und das macht Jacksons Spiel gegen die Lions so relevant: Weil es auch im Boxscore unterstreicht, auf was für einem hohen Level Jackson dieses Jahr spielt.
Jackson hat sich als Passer dieses Jahr merklich weiterentwickelt. Er zeigt, dass er ein Pass-First-Quarterback mit Playmaker-Qualitäten und Kreativität darüber hinaus ist - und nicht umgekehrt, ein Playmaker, der primär im Chaos sowie als Runner existieren kann. Auch weil es die neue Offense ihm gestattet, so zu spielen.
Jackson managt die Pocket gut, er bleibt so lange wie möglich in der Struktur des Plays. Und wenn er aus der Play-Struktur ausbricht, hält er die Augen dennoch Downfield und sucht zuerst den Pass, so wie beim Touchdown zu Nelson Agholor: 9,24 Sekunden vergingen zwischen dem Snap und Jacksons Pass, damit ist es das drittlängste Touchdown-Pass-Play in der Next-Gen-Stats-Ära, also seit 2016.
Und man sieht die Kreativität und Vielseitigkeit in den offensiven Designs mehr und mehr. Die Zone-Read-Run-Pass-Option gleich zum Start des Spiels, als Jackson zuerst den Ball zurückzieht und selbst losläuft, nur um dann eine Slant zu Odell Beckham fürs First Down zu werfen, während Zay Flowers gleichzeitig den Defensive Back auf der Seite noch in die andere Richtung zieht, unterstreicht sinnbildlich, wie vielschichtig diese Offense in einem Play sein kann.
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Und in der Hinsicht gab es noch viel mehr. Den "Spinner"-Pitch zu Keaton Mitchell beispielsweise, die Vielzahl an Motions und Fakes um die Defense permanent in beide Richtungen zu ziehen.
Die Gefahr, die von Jackson als Runner ausgeht, führte auch mit dazu, dass Gus Edwards beim ersten Drive der zweiten Hälfte mit einem vermeintlichen Dumpoff 80 Yards das Feld runter walzte: Nach dem angetäuschten Run attackierte Linebacker Alex Anzalone scharf Richtung Jacksons Rollout, während sich Edwards hinter seinem Rücken davon stahl.
Als Jackson diesen Pass warf und Gus Edwards losmarschierte, stand es bereits 28:0. Die ersten vier Ravens-Drives in diesem Spiel endeten alle in Touchdowns, Baltimore hatte neun Plays über mindestens 20 Yards allein in der ersten Hälfte.
Jackson stand am Ende bei 13,2 Yards pro Pass, es war sein erstes Spiel mit über 12 Yards pro Pass seit der 2019er Saison, in welcher er einstimmig zum MVP gewählt wurde.
Dieses Spiel war voller Lamar-Jackson-Highlight-Pässe. Der Pass zu Zay Flowers über die Mitte beim ersten Drive, perfekt über den Linebacker gelegt (1. Viertel/13:45). Der Sidearm-Wurf aus enger Pocket zu Rashod Bateman (1. Viertel/6:50). Der bereits angesprochene Touchdown zu Agholor. Der Wurf aus der eigenen Endzone zu Odell Beckham (1. Viertel/1:47). Der perfekt platzierte Touchdown auf Mark Andrews (3. Viertel/7:29).
In puncto Expected Points Added pro Dropback war es ebenfalls Jacksons bestes Spiel seit seiner MVP-Saison. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Jackson dominant und scheinbar nicht zu verteidigen war. Es war aber das erste Mal dieses Jahr, dass die Ravens als Team ein komplettes Spiel ablieferten.
Das führte zu einem Feuerwerk und einer Offense, deren Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind. Jackson ist der Grund dafür, er ist das personifizierte Mismatch aufgrund der Dimensionen, die er der Offense gibt und in dieser Form ist mindestens ein legitimer MVP-Kandidat. Meine Stimme hätte er nach den ersten sieben Spielen. Weil er nach wie vor einer der gefährlichsten Quarterback außerhalb des Play-Designs ist - gegen Detroit aber auch zum wiederholten Male gezeigt hat, dass er innerhalb der Struktur Defenses zerlegen kann.
Ich bin ehrlich, ich habe es aufgegeben, die Steelers zu verstehen. Die Offense kann über drei Viertel absolute Grütze zusammenspielen, bekommt dann aber - vorzugsweise über George Pickens - Big Plays, genau dann, wenn sie sie braucht. Die Defense ist deutlich besser als die eigene Offense, aber auch hier scheinen die Big Plays von T.J. Watt und Co. regelmäßig zum bestmöglichen Zeitpunkt zu erfolgen.
Die Steelers sind Meister darin, bessere Teams auf ihr eigenes Level runter zu ziehen, sich in Spiele rein zu wühlen und den berühmt-berüchtigten Arbeitssieg einzufahren. Das macht es, für mich zumindest, quasi unmöglich, für dieses Team irgendetwas zu prognostizieren, weil man schlicht nie weiß, wann sie tatsächlich mal gegen ein auf dem Papier überlegenes Team deutlich verlieren, und wann sie einen vermeintlichen Favoriten schlagen.
Und das liegt eben unter anderem daran, dass sie Plays bekommen, wie das von T.J. Watt am Sonntag gegen die Rams, gleich beim ersten Play der zweiten Hälfte.
Um hier mal den Rahmen zu setzen, das waren die offensiven Drives der Steelers im ersten Durchgang:
Punt (3 Yards Raumgewinn beim Drive)
Punt (32 Yards)
Field Goal (22 Yards)
Punt (1 Yard)
Punt (8 Yards)
Kneeldown
Das Abknien vor der Halbzeitpause mal ausgeklammert, sprechen wir hier über fünf Drives, die zusammengenommen 66 Yards einbrachten. Nur als Erinnerung, ein Drive nach einem Kickoff mit Touchback muss 75 Yards überbrücken, um in die Endzone zu kommen.
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Mit 9:3 führten die Rams, als sie den Ball zum Start ins dritte Viertel bekamen. Es war ein Empty Set, wie man das von der Offense mittlerweile kennt, mit in erster Linie kurzen Route-Kombinationen auf beiden Seiten der Formation, damit der Ball schnell raus kommt.
Das Play, das Watt dann machte und welches das Spiel wie aus dem Nichts in Pittsburghs Richtung schob, war dabei keiner seiner typischen Strip-Sacks. Denn Watt war bei diesem Play gar kein Pass-Rusher, Watt war im Stile eines Slot-Cornerbacks in Coverage aufgestellt - vielleicht auch, weil die Rams das provoziert hatten: Ben Skowronek, den L.A. häufig wie eine Art Fullback aufstellt, hatte sich in den äußeren Slot bewegt, Watt positionierte sich wie in Man Coverage ihm gegenüber.
Was er dann aber nach dem Snap machte, war absolut herausragend. Watt war zunächst bei Skowronek, ließ den aber hinter sich vorbeiziehen und übergab ihn an die Coverage auf dem dritten Level.
Er selbst klebte mit den Augen auf Stafford, las das Play exakt richtig und setzte seinen Break nach vorne in dem Moment, als Stafford den Ball Underneath zu Cooper Kupp werfen wollte. Das wäre ein gutes Play von einem Safety gewesen, ich bin mir sicher, dass Stafford niemals erwartet hat, dass Watt das Play so lesen und dann so die Route antizipieren und auf den Ball gehen würde.
Watt brachte den Ball bis an die 7-Yard-Line zurück, drei Plays später fand die Steelers-Offense erstmals die Endzone.
Es war der Dosenöffner für Pittsburghs Offense, die bei den anschließend folgenden Scoring-Drives jeweils - mal wieder - einige Big Plays von Jaylen Warren und von George Pickens bekam, und dieses Spiel in Los Angeles tatsächlich drehte und gewann.
Die Lektion daraus? Keine Ahnung. Aber Pittsburgh hat einige fantastische Spieler, und solange die fantastische Plays machen, kann dieses Team jede Woche wieder überraschen.
Der Vikings-Ausverkauf ist vom Tisch. Die Titans haben mit dem Trade von Kevin Byard (was für ein Move für die Eagles!) angedeutet, dass sie einen Haken hinter diese Saison machen. Ich dachte, dass Minnesota nach einer Niederlage gegen San Francisco in eine ähnliche Richtung tendieren könnte und, bin ich ehrlich, hatte schon einen Part mit Trade-Kandidaten recherchiert - da hatte ich die Rechnung ohne Primetime-Kirk gemacht! Cousins war stark gegen die Niners, es war aber vor allem ein spektakuläres Spiel der Vikings-Line, während Jordan Addison und T.J. Hockenson ohne Justin Jefferson die notwendige große Workload übernehmen konnten.
Der Ausverkauf in Minnesota ist damit vom Tisch, die nächste Frage wird sein: Sprechen wir hier am Ende doch noch über einen neuen Vertrag für Kirk Cousins? Könnte das doch noch einmal ein Thema werden?
Aus Niners-Sicht nur zwei Punkte zu dem Spiel: Meine Meinung über Brock Purdy hat sich seit meinem Quarterback-Ranking vor zwei Wochen nicht geändert. Er ist ein guter Mid-Level-Quarterback der sehr gut in der Offense funktioniert, aber der auf Scheme und Umstände angewiesen ist, um 30 Punkte zu machen. Purdy war gegen Minnesota nicht großartig anders als in den ersten fünf Spielen, nur hatte er weniger Hilfe in dem Spiel und seine Turnover-Pässe wurden sehr konsequent bestraft. Das eigentliche Thema rund um San Francisco ist diese Defense: Hier muss dringend wieder mehr Dominanz her.
Bei den Raiders brennt der Baum. Das Backup-Quarterback-Duell in Chicago war ein weiteres Argument dafür, dass die Raiders dringend einen kompletten Rebuild brauchen. Die Raiders-Defense, in manchen Spielen dieser Saison noch der Lichtblick für Las Vegas, wurde von einem Division-II-Rookie in seinem ersten Start geschlagen, weil Tyson Bagent halbwegs effizient spielte und die Raiders Chicagos Run Game nie in den Griff bekamen. Die Bears hatten am Ende 13 Rushing-First-Downs, die Raiders ihrerseits hatten ein einziges.
Brian Hoyer war grausam und wurde am Ende für Aidan O’Connell gebenched, und selbst wenn - wonach es aussieht - Jimmy Garoppolo diese Woche zurückkommt: Dieses Team geht nirgendwohin und sollte, mit den eigenen mittel- und langfristigen Interessen im Hinterkopf, lange und intensiv über einen Deadline-Trade von Davante Adams nachdenken. Der hatte sich unter der Woche bereits darüber beschwert, dass er nicht genug Targets bekommt, das änderte sich zwar prompt früh im Spiel gegen die Bears, aber ich denke nicht, dass er zufriedener in die neue Woche startet.
Was ist los mit Watson und Stefanski? Das Colts-Browns-Spiel war extrem unterhaltsam, achtmal übernahm eines der beiden Teams im Laufe der Partie die Führung - das hatte es seit vier Jahren nicht mehr gegeben und überhaupt war es erst das 15. Mal in der Geschichte der NFL, dass es acht Führungswechsel innerhalb eines Spiels gab.
Das Ende mit der Pass-Interference-Strafe, die man so in meinen Augen niemals geben darf, war dann äußerst enttäuschend. Das soll aber nicht die herausragende Leistung von Myles Garrett schmälern, der zwei Strip Sacks und ein geblocktes Field Goal verzeichnete.
Doch ich denke ohnehin, dass in Clevelands Bars und Sports Radio Shows ein anderes Thema diskutiert werden wird: Nachdem Deshaun Watson früh im Spiel auf eine Gehirnerschütterung untersucht wurde, aber grünes Licht von den Ärzten erhielt, um wieder ins Spiel zu kommen, ließ Kevin Stefanski ihn draußen und spielte die Partie mit PJ Walker weiter.
Walker spielte sehr überschaubar, Stefanski kündigte bereits an, dass Watson kommende Woche wieder starten wird. Vielleicht war es eine reine Vorsichtsmaßnahme? Doch in Kombination mit der Art und Weise, wie Stefanski zuletzt bereits öffentlich gemacht hatte, dass Watson nicht gespielt hat obwohl er von den Ärzten grünes Licht bekommen hatte, liegt die Vermutung zumindest nahe, dass hier einige Dinge hinter den Kulissen brodeln.

Das miese Timing der Giants. Zu sehen, wie Tyrod Taylor über die letzten beiden Spiele gegen Buffalo und dann am Sonntag gegen die Commanders die Giants-Offense bewegen und funktional wirken lassen konnte, unterstreicht einen Punkt, den ich bereits vor einigen Wochen mit Blick auf den Daniel-Jones-Vertrag und den generellen Zustand der Franchise gemacht hatte: Die Giants sind das perfekte Beispiel dafür, was passiert, wenn man im "falschen" Jahr "zu viele" Spiele gewinnt.
Der Einzug in die Play-offs letztes Jahr kam komplett überraschend, und gegen ein ähnlich instabiles Vikings-Team gelang dann sogar der Sieg in der Wildcard-Runde. Danach war gegen die Eagles in aller Deutlichkeit Endstation, und die große Frage danach lautete: Gehen die Giants jetzt All-In? Wie bewerten sie selbst diese überraschend erfolgreiche Saison?
Die Giants haben anschließend keine komplett verrückte Offseason hingelegt, aber sie haben Moves gemacht, die sie vermutlich nicht gemacht hätten, hätte man 2022 sechs, sieben Spiele gewonnen. Der Trade für Darren Waller ist so ein Punkt, vor allem aber dieser Vertrag für Daniel Jones.
Jones war in meinen Augen einzig und allein aufgrund dieser Saison in einer Position, einen solchen Vertrag zu verlangen - und das von einem Regime, dass seine Fifth-Year-Option zuvor nicht hatte ziehen wollen.
Wäre 2022 anders verlaufen, hätten die Giants die jetzige Saison mit Tyrod Taylor bestreiten können. Oder mit Daniel Jones auf deinem Bridge-Prove-It-Deal. Stattdessen muss man jetzt schauen, wie die nächsten Schritte im Roster Building aussehen, ob und wie man an einen Quarterback kommt und was man mit dem Jones-Vertrag macht.
Desmond Ridder war gut (wieder), jetzt muss er aufhören, sich selbst in den Fuß zu schießen (immer noch). Der Auftritt von Desmond Ridder und der Ohne-Bijan-Robinson-Falcons-Offense gegen die Bucs hat mich mitunter an das Spiel gegen Washington erinnert. Ridder hat gut gespielt, er hat den Ball gut und schnell verteilt, die Offense hat den Ball insgesamt bewegt - und dann kamen die absurden Turnover.
Gegen die Commanders in der Vorwoche waren es absolut unentschuldbare Interceptions, gegen die Bucs war es ein Fumble beim Snap an der gegnerischen 1-Yard-Line, sowie ein Fumble bei einem vermeintlichen Rushing-Touchdown, als Antoine Winfield Ridder den Ball aus der Hand schlagen konnte, Zentimeter vor der Goal Line.
Das machte das Spiel aus Falcons-Sicht unnötig spannend, eine Interception bei einem von Mayfield unnötigerweise forcierten Wurf brachte die Waage wieder mehr ins Gleichgewicht und am Ende bereitete Ridder mit einem tollen Pass den Weg zum Game-Winning-Field-Goal.
Ridder hat sich über die letzten Wochen positiv entwickelt und die Sache mit den Turnovern, wenn der Quarterback in erster Linie ein Game Manager ist und sein sollte, ist ein schmaler Grat. Wenn jetzt aber die unnötigen Turnover noch runter geschraubt werden, kann Atlanta diese Division gewinnen.
Adrian Franke