18.08.2026
Purer Abstiegskampf
"Do or Die" titelte der vereinseigene News-Bereich der Berlin Rebels vor dem letzten Spieltag. Was dann gegen die Düsseldorf Panther im wichtigen Spiel um die Relegation abgeliefert wurde, glich aber nicht dem beschrienen Kampf ums Überleben, sondern einem Offenbarungseid.

Am Anfang lief noch alles nach Plan. Das viel gescholtene Laufspiel der Rebels war zu Beginn des Spiels endlich mal ein Faktor. Nazar Bombata trug in der ersten Halbzeit den Ball über die Goal-Line. Wenig später erzielte Ty Fields nach hervorragender Blockarbeit seiner Vorderleute, eingeschlossen seines Runningbacks Bombata, die erneute Führung zum zwischenzeitlichen 13-7. Bereits beim ersten Touchdown der Panther offenbarten sich aber die eklatanten Schwächen der Defensive an diesem Tag.
Als Gennadiy Adams über die Außenbahn von der eigenen 35-Yard-Linie zum Touchdown-Run ausholte, musste er nur ein einziges Tackling brechen. Alle anderen Verteidiger liefen fast teilnahmslos in der Situation am Play vorbei oder nahmen sporadisch einen vorblockenden Offensive Linemen auf. Kein Drang zum Ballträger, keine echte Bereitschaft war in diesem Moment von der Mannschaft zu sehen.
Das setzte sich dann nahtlos fort, als die Düsseldorfer zunächst einen Kickoff Return Touchdown und anschließend einen Pick Six erzielten. Unerzwungene Fehler und nur vier Plays der Panther führten die Rebels ins Hintertreffen. Es grenzte schon an ein Wunder, möchte man meinen, dass die Berliner da nur 13-20 zurücklagen und immer noch im Spiel sind.
Sogar im vierten Quarter schien die Messe noch nicht gelesen. Zwar klopften die Panther erneut an die Tür der Hauptstädter. Doch Luca Dirscherl pflückte den Pass aus der Endzone und verhinderte die uneinholbare Führung der Gäste. Was jedoch dann geschah, war einer individuellen Entscheidung des 24-jährigen Cornerbacks zu verdanken, die aber erst aufgrund der vielen fragwürdigen Fehler des gesamten Teams ins Bild passt.
Dirscherl fasste sich ein Herz und wollte den Ball aus der eigenen Endzone weit in die gegnerische Hälfte tragen. Doch seine Bemühungen wirkten eher wie eine Verzweiflungstat und so wurde er an der eigenen Zwei-Yard-Linie gestoppt. Die unglückliche Feldposition hätte durch ein Abknien in der eigenen Endzone verhindert werden können und reihte sich die Liste von Fehlern und kritischen Penalties in den entscheidenden Situationen dieses Spiels ein. Der anschließende Safety machte dann endgültig den Deckel drauf.
Berlin war an diesem Tag nominell vielleicht sogar das bessere Team und wurde am Ende mit 13-29 deklassiert. Wieder einmal scheiterte die Mannschaft an seinen Vorgaben. Vom gewünschten physischen Spiel oder dem starken Laufspiel durch Fields und Bombata war nur über kurze Phasen der Partie etwas zu sehen. Stattdessen schoss sich die Mannschaft aufgrund fehlendem Fokus und Disziplinlosigkeiten in den wichtigen Momenten einmal mehr selbst in den Fuß.
Das Auftreten der Mannschaft muss jeder Spieler natürlich für sich selbst hinterfragen. Doch insgesamt fällt die schwache Mentalität auf den Head Coach zurück. Der erfahrene Lee Rowland übernahm die Mannschaft als Hauptübungsleiter erst kurz vor der Saison. Doch verpflichtet hatte man ihn im letzten Dezember als Run Game Coordinator und Offensive Line Coach. Genau an diesen Stellen zeigt die Mannschaft aber nicht das gewünschte Personal.
Wiederkehrende Strafen bei Third&Long des Gegners, Disziplinlosigkeiten, verpasste Tacklings und Blocks, fehlendes Abrufen des echten Potentials der beiden Offensiv-Waffen Fields und Bombata. All das zieht sich durch die Saison wie ein roter Faden und beim Lesen dieses Textes bemerkt man vielleicht auch die Frustration dieses GFL-Autors.
Die Rebels werden wohl oder übel mit Rowland bis zum Saisonende weitermachen. Ob es ohne ihn dann im nächsten Jahr wieder in der GFL an den Start geht, bleibt jedoch abzuwarten. Denn die Relegation gegen den vermeintlich schwächeren Süd-Vertreter geht mit der in den letzten Wochen gezeigten Einstellung gründlich in die Hose.
So nicht, liebe Rebels, möchte man ihnen zurufen. Und noch ist Zeit. Denn mit zwei Spielen gegen die Hildesheim Invaders und dem direkten Duell gegen die Braunschweig Lions kann ein Nachsitzen in der Relegation noch abgewendet werden. Doch mit dieser Einstellung, die einem Offenbarungseid glich, wird daraus nichts.
Philipp Forstner