vor 1 Tag
Texans, Saints, Giants & 49ers
Auch in Week 8 pausieren wieder vier Teams - mit höchst unterschiedlichen Ausgangslagen. Während die New York Giants und San Francisco 49ers von der Spitze ihrer jeweiligen Division aus in die Pause gehen, kämpfen Houston Texans und New Orleans Saints mit ganz eigenen Baustellen, die während der spielfreien Zeit angegangen werden müssen.

Bye Week klingt nach Füße hochlegen. Für die Coaches ist sie meist eher das Gegenteil: Sieben Spiele liefern inzwischen genügend Material, um wiederkehrende Probleme zu erkennen - und noch bleibt genug Saison, um tatsächlich etwas daran zu ändern.
In Week 8 pausieren die Houston Texans, New Orleans Saints, New York Giants und San Francisco 49ers. Vier Teams mit komplett unterschiedlichen Ausgangslagen, aber jeweils einer Baustelle, die nach der freien Woche nicht mehr dieselbe sein darf.
Nach zwei Siegen in Folge gegen die Tennessee Titans und Jacksonville Jaguars schien bei den Texans endlich Schwung aufzukommen - bis die 21:27-Overtime-Niederlage gegen die New York Giants am Sonntag vieles davon wieder zunichtemachte. 188 zugelassene Rushing-Yards waren schon bitter genug, doch die eigentliche Katastrophe ereignete sich in der Verlängerung: Nach einem 3&Out der eigenen Offense brauchte die Defense nur einen Stopp - stattdessen ließ sie zwei explosive Läufe von 42 und 30 Yards zu, letzterer direkt zum spielentscheidenden Touchdown. Cam Skattebo, der mit einem Schnitt von 3,5 Yards pro Lauf in die Partie ging, kam gegen Houston auf über sieben Yards pro Carry.
Zur Entschuldigung sei gesagt, dass Houston ohne Jalen Pitre und Reed Blankenship in der Secondary antreten musste - die Bye Week verschafft beiden Zeit zur Genesung. Doch Gesundheit allein wird das strukturelle Problem nicht lösen: Es braucht Disziplin in den Gaps, konsequentes Tackling am zweiten Level sowie das richtige Situationsverständnis, wenn der Gegner erkennbar aufs Laufspiel setzt. Head Coach DeMeco Ryans bestätigte unterdessen, dass es vorerst keine Veränderungen im Trainerstab geben wird - inklusive Offensive Coordinator Nick Caley, der zuletzt ebenso in der Kritik stand wie Defensive Coordinator Matt Burke. "Wir sind, wo wir gerade sind", sagte Ryans. "Das ist nicht gut genug."
Immerhin gibt es offensiv Grund zur Hoffnung: Tank Dell feierte nach 673 Tagen Pause sein Comeback und sorgte direkt mit einem 43-Yard-Catch für Furore, Marvin Harrison Jr. erzielte seinen ersten Touchdown im Texans-Trikot. General Manager Nick Caserio verwies zudem auf die knappen Ergebnisse der bisherigen Saison - vier Niederlagen beim letzten Ballbesitz, eine 1:4-Bilanz in One-Score-Games. Historisch macht zumindest Mut: 2015 starteten die Texans ebenfalls mit 2:5, ehe sie noch auf 9:7 drehten und die Division gewannen. Nach der Pause wartet mit den sieglosen Chargers ein machbarer Gegner - die perfekte Gelegenheit, die neue Entschlossenheit unter Beweis zu stellen.
Direkt aus Paris kommend, wo eine enttäuschende 10:16-Niederlage gegen die Pittsburgh Steelers wartete, gehen auch die Saints mit viel Gesprächsbedarf in die Pause. Head Coach Kellen Moore nannte die Woche selbst bereits eine "Self-Scout Week" und kündigte an, "alles" zu evaluieren - zu Recht, denn New Orleans schwankt wöchentlich zwischen Höhenflug und Totalausfall. Nach einem starken 34:27-Sieg gegen die Giants kamen die Saints gegen Pittsburgh nur auf zehn Punkte und lächerliche 18 Rushing-Yards. Mit 23,1 erzielten gegenüber 27,7 zugelassenen Punkten pro Spiel wird deutlich, warum sich bislang keine Konstanz einstellen will.
Quarterback Tyler Shough selbst liefert dabei durchaus Argumente: 67 Prozent Completion Rate, 1721 Yards, 13 Touchdowns bei sechs Interceptions sowie der viertbeste Wert der Liga bei Big-Time-Throws. Das Laufspiel bleibt dagegen das große Problem - weder Kendre Miller (2,8 Yards/Carry) noch Alvin Kamara (3,0) konnten bislang überzeugen, Travis Etienne Jr. fehlt verletzt. Zusätzlich bleibt mit Erstrunden-Pick Jordyn Tyson (Hamstring) der womöglich wichtigste Neuzugang weiterhin ohne jeden Einsatz - ein zunehmend unangenehmer Fakt für das Front Office. Auch die Special Teams gehören auf den Prüfstand: Kicker Daniel Carlson verpasste bereits vier Field Goals über 50 Yards sowie zwei Extra Points in dieser Saison.
Positiv hervorzuheben bleibt Rookie-Receiver Barion Brown, der in Paris mit drei Catches für 57 Yards - darunter ein 49-Yard-Bombe - einer der wenigen Lichtblicke war und mehr Spielzeit verdient hätte. Auch Chris Olave hat sich endgültig als klare Nummer eins etabliert (49 Catches, 636 Yards). Nach der Pause kehrt New Orleans mit Heimspielen gegen Cleveland und Carolina zurück - zwei Partien, in denen sich zeigen muss, ob die Saints tatsächlich etwas über sich selbst gelernt haben.
Ganz anders die Ausgangslage bei den Giants, die als Spitzenreiter der NFC East in die Pause gehen - inklusive beeindruckender Bye-Week-Bilanz von Head Coach John Harbaugh (15:3 in Spielen direkt nach einer Bye Week, bester Wert der Super-Bowl-Ära). Dennoch gibt es auch hier zwei klare Baustellen.
Zum einen die Tiefe an der Defensive Line hinter den Startern Shelby Harris und D.J. Reader: Neuzugang C.J. Okoye enttäuschte bislang deutlich (nur vier Tackles bei 82 Snaps, zuletzt sogar aktiv aus dem Kader gestrichen), Rookie Bobby Jamison-Travis sammelt erst seit kurzem Spielpraxis. Die Folge: Gegnerische Läufer kommen auf 5,2 Yards pro Carry, sobald weder Harris noch Reader auf dem Feld stehen - gegenüber 4,4 Yards, wenn mindestens einer von beiden dabei ist. Zum anderen bleibt das Laufspiel zwischen den Tackles ein Problemfeld: Running Back Cam Skattebo kommt dort nur auf eine Erfolgsquote von 37,3 Prozent (viertschlechtester Wert unter 15 Backs mit mindestens 50 Versuchen) und einen Rush-EPA-Wert von minus 8,8.
Dabei gibt es auch viel Positives zu vermelden: Quarterback J.J. McCarthy, erst vor rund einem Monat von den Minnesota Vikings getradet, hat bereits in Week 7 seinen ersten Start feiern dürfen und beim Overtime-Sieg gegen Houston mit einem Franchise-Rekord von 243 Yards binnen elf Minuten ein starkes Debüt abgeliefert. Die Giants sind dabei das erste Team ihrer Geschichte, das in den ersten sieben Spielen Siege mit drei verschiedenen Startern verzeichnet. Die Bye Week kommt für McCarthy dabei wie gerufen - ohne den unmittelbaren Druck einer Spielvorbereitung bekommt er zusätzliche Zeit, sich noch tiefer ins Playbook einzuarbeiten und die Offense vollständig zu seiner eigenen zu machen. Auch Malik Nabers (vier Spiele in Serie über 100 Receiving-Yards), Isaiah Likely (auf Kurs für 100 Catches) sowie Rookie-Linebacker Arvell Reese (bereits über 50 Tackles) liefern beeindruckende Zahlen. General Manager Joe Schoen kündigte zudem an, sich vor der Trade Deadline intensiv mit möglichen Roster-Verstärkungen zu beschäftigen. Nach der Pause warten gleich zwei Division-Spiele binnen fünf Tagen - bei Philadelphia und zu Hause gegen Washington.
Die 49ers gehen trotz ihrer ersten Saisonniederlage - einem 20:29 gegen die Atlanta Falcons - weiterhin mit der besten Bilanz aller vier Bye-Week-Teams in die Pause. Dennoch gibt es einiges aufzuarbeiten: Gegen die Falcons verzeichnete San Francisco gleich vier Turnover, drei davon innerhalb der gegnerischen 30-Yard-Linie, zusätzlich erlaubte die Defense bei zwei Spielen in Folge insgesamt acht automatische First Downs durch Strafen. Auch der sonst gefürchtete Pass Rush wurde komplett neutralisiert - durch Atlantas konsequenten Einsatz von Play-Action (25 von 35 Dropbacks) sowie extrem schnelle Entscheidungen von Quarterback Michael Penix Jr. (durchschnittlich nur 2,50 Sekunden) kamen die 49ers auf gerade einmal drei Pressures, nachdem sie zuvor nie unter 14 lagen.
Zusätzlicher Diskussionsbedarf herrscht beim Kicking: Eddy Piñeiro verpasste bereits vier Extra Points sowie drei Field Goals in dieser Saison - bemerkenswert, da er laut Pro Football Reference mit einer Field-Goal-Quote von 88,4 Prozent in der Karriere auf Rang drei der NFL-Geschichte liegt. Ein Wechsel würde finanziell allerdings schwierig: Eine Entlassung würde laut Berichten knapp sechs Millionen Dollar Dead Cap verursachen. Head Coach Kyle Shanahan stellte zumindest klar, dass aktuell keine Kicker-Try-outs geplant seien.
Immerhin gibt es Grund zur Hoffnung bei den Gesundheitsupdates: Christian McCaffrey (leichte Hamstring-Zerrung) gilt für das Spiel gegen die Las Vegas Raiders in Week 9 als optimistisch, auch Nick Bosa könnte nach fünf verpassten Spielen zurückkehren. Zusätzlich könnten mit Mike Evans, Deebo Samuel und Demarcus Robinson gleich drei Receiver wiederkommen und Quarterback Brock Purdy ein deutlich erfahreneres Arsenal verschaffen. Auf der positiven Seite stehen zudem Trade-Neuzugang Osa Odighizuwa (auf Kurs für einen Karriere-Bestwert bei Sacks) sowie die beiden Day-Three-Rookies Jaden Dugger und Gracen Halton, die sich beide über Verletzungssorgen hinweg in die Rotation gespielt haben. Von der Defensive Line darf man sich nach der Pause ohnehin einiges erhoffen: General Manager John Lynch verstärkte die Einheit bereits durch einen Trade mit den Indianapolis Colts, von denen er DeForest Buckner zurückholte - und verschafft Bosa damit bei dessen möglicher Rückkehr zusätzliche Unterstützung neben sich.
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Autor: Marc Gschwentner