27.05.2026
Picks statt Ablöse
Transfergerüchte, wilde Wechsel und enorme Ablösesummen bestimmen die Schlagzeilen während der Transferphasen im europäischen Fußball. In der NFL hingegen werden Spielerwechsel anders gehandhabt - es fließt keine Ablösesumme. Stattdessen tauschen Teams etwas anderes.

222 Millionen Euro - der teuerste Transfer eines Fußballers aller Zeiten. Im August 2017 wechselte Neymar Jr. vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain. Die hohe Ablösesumme revolutionierte den Transfermarkt für immer und bleibt bis heute die unangetastet höchste Transfersumme für einen Spieler. In der NFL hingegen werden Spielerwechsel komplett ohne Ablösesummen abgewickelt. Bei einem Spielerwechsel in der NFL wird nie Geld an ein anderes Franchise bezahlt. Damit ist der große Unterschied, dass bei einem Spielertransfer im Fußball der Spieler gekauft und bei einem Trade ertauscht wird.
Da NFL-Teams ein gedeckeltes Budget haben und der Gewinn der gesamten NFL auf alle 32 Teams gleichmäßig verteilt wird, sind Ablösesummen in der Profiliga sinnlos - denn die Teams dürfen nicht mehr Geld ausgeben, als die Gehaltsobergrenze erlaubt. Stattdessen gibt es in der NFL eine andere Währung, mit der Spieler von anderen Teams losgeeist werden können: Draftpicks.
Mit Draftpicks haben Teams das Recht, beim NFL Draft ein junges Talent aus dem College Football zu verpflichten. Dieses Recht kann gegen einen Spieler von einem anderen Team eingetauscht werden. So erhält das eine Team den aktuellen NFL-Spieler und das andere Team die Chance, sich beim NFL Draft mit einem jungen Talent zu verstärken.
Bei Trades können auch mehrere Draftpicks getauscht werden, die unterschiedlich viel Wert sind. Erstrundenpicks sind dabei am wertvollsten, da in der ersten Runde die besten jungen Talente noch verfügbar sind. Picks der Runden 2 bis 7 verlieren Runde für Runde an Wert. Während für Superstars oft mehrere Erstrundenpicks abgegeben werden müssen, reichen bei Kaderspielern oder alternden Veteranen häufig Picks aus den späteren Runden.
In der NFL ist es aber auch möglich Draftpicks gegen Draftpicks zu tauschen. Dabei geht es häufig darum, möglichst früh einen Spieler auswählen zu können und dafür mehrere spätere Picks gegen einen frühen zu tauschen.
Eine weitere Möglichkeit, einen Spieler per Trade zu verpflichten, ist der Tausch gegen einen eigenen Spieler. Wie bei Tauschtransfers im Fußball können auch in der NFL Spieler gegeneinander eingetauscht werden, ohne dass eine Ablösesumme gezahlt wird. Statt einer zusätzlichen Ablöse wie im Fußball, werden bei einem Ungleichgewicht der beiden Spieler Draftpicks als Kompensation genutzt. Ein Beispiel für einen solchen Trade ist der Wechsel von Micah Parsons zu den Green Bay Packers. Die Packers tradeten mit den Dallas Cowboys und gaben für Starspieler Micah Parsons ihren D-Liner Kenny Clark und zwei Erstrundenpicks an die Cowboys ab.
Die meisten Wechsel von Spielern zu neuen Vereinen finden allerdings nicht per Trade statt, sondern in der Free Agency. Wie in allen Sportarten, laufen auch in der NFL die Verträge der Spieler irgendwann aus. Ab diesem Moment sind die Spieler "Free Agents" und können mit allen Teams verhandeln. Hierbei finden die meisten Athleten ein neues Franchise oder erhalten neue Vertragsangebote von ihrem bisherigen Team.
Das Trade-System ist Teil des geschlossenen NFL-Modells. Durch Salary Cap, Draft und Revenue Sharing soll verhindert werden, dass finanzstarke Teams dauerhaft dominieren. Anders als im europäischen Fußball setzt die NFL deshalb stärker auf sportliche Ausgeglichenheit.
nhu