13.04.2026
Sprung ans College
Der Weg in die NFL ist lang - und für viele bleibt er ein Traum. Für Niko Kampas könnte er Realität werden. Mit dem Sprung an die NFL Academy in England hat er bereits einen wichtigen Schritt gemacht. Nun steht für ihn der nächste Meilenstein an - das College in den USA. Im Interview mit football-world spricht Kampas über seinen Alltag, seine Ziele und gibt Einblicke, was junge Talente mitbringen müssen, um es nach ganz oben zu schaffen.

Die Geschichte zeigt: Viele Wege führen nach Rom. Der von Niko Kampas führte über Kaarst in die NFL Academy nach England. Nun kann er sich bald für ein College entscheiden. Mit jedem Schritt kommt der Deutsche seinem Traum in der NFL zu spielen immer näher.
Um 6.00 Uhr aufstehen, 6.30 Uhr Gym, dann Schule, Training, Videoanalyse. Ein ganz normaler Montag eines Talents der Academy. Was für viele undenkbar wäre, ist für Kampas Alltag - und das nicht erst seit gestern. Bereits in jungen Jahren strotzte er nur vor Disziplin und dem Traum von der NFL: "Ich komme halt aus Kaarst. Da gibt es keinen Verein, der in der Nähe ist. Ich konnte nicht starten, bevor ich zehn war, obwohl ich früher anfangen wollte", erzählt der 17-Jährige.
Die Liebe zum Football wurde ihm von seinem Vater weitergegeben. Dieser spielte selbst zehn Jahre Football und gab die Passion an seinen Sohn weiter. "Ein ganz seltsamer Fakt ist auch, dass mein Patenonkel zweifacher Deutscher Meister in Madden war", berichtet Kampas. Es liegt also in der Familie.
Angefangen hat er bei Schiefbahn - was heute ein großes Jugendprogramm für Football in NRW ist. Damals war Kampas einer von nur fünf Leuten, die da waren: "Ich war dann glaub ich immer 20 Minuten früher beim Training und hab schonmal Sachen für mich gemacht und mich warm gemacht", meint der Offensive Lineman. Diese Disziplin hat ihn bis nach England in die NFL Academy gebracht, wo er nun aktiv an einer Zukunft in der NFL arbeitet.
Im jungen Alter ist es nicht gerade ungewöhnlich erstmal viele verschiedene Sportarten auszuprobieren, bevor man eventuell doch die eine findet. Kampas hat genau das gemacht und konnte so einiges lernen, was ihm im Football nun hilft.
Der 17-Jährige spielte Volleyball und Basketball: "Beim Basketball hat mir die Hand- Augen-Koordination super weitergeholfen. Beim Volleyball war es vor allem das Positionieren der Hüfte und das eigene Bewusstsein für die Position im Raum", erklärt er. Doch alle guten Dinge sind drei. Bevor er mit Football angefangen hat, hat er auch getanzt: "Das war so Choreografie-Tanz, keine Ahnung wie das jetzt heißt. Dort ist es die Leichtigkeit auf den Füßen, die mir jetzt hilft."
Die Mischung aus allen Sportarten ist das, was den jungen Athleten nun so besonders macht: "Obwohl ich sehr schlacksig aussah, als ich zur Academy gekommen bin, wusste ich, was meine Füße machen", erwähnt er, "Das ist einfach ein Grundstein, den ich von Anfang an hatte."
Langsam wird es nun ernst für Kampas. Sein letztes Jahr in England ist angebrochen und im kommenden Jahr wird er sich für ein College in den USA entscheiden. Eine kleine Vorauswahl hat er allerdings schon getroffen. Bereits diesen Sommer möchte er sich einige Colleges vor Ort anschauen, aus denen er dann auswählen wird.
Doch Football ist für Kampas nicht das einzige Auswahlkriterium. Umwelt, Erreichbarkeit und Bildung sind die Kernpunkte für den Deutschen: "Football ist so kurzlebig. Selbst wenn du eine erfolgreiche NFL-Karriere hast, bist du mit 30 oder 31 fertig. Da musst du was studiert haben", verdeutlicht Kampas.
Natürlich geht es auch darum, wie wahrscheinlich es ist, dass das Team die Möglichkeit hat, ein National Championship zu gewinnen: "Klar will ich einen Titel gewinnen. Ich will immer so hoch spielen, wie es geht. Ich denke jedes dieser Teams hat in den nächsten vier Jahren die Chance, so einen Titel zu holen."
Um mögliche Spielzeit in seiner ersten Saison bei den Teams gehe es dem 17-Jährigen nicht unbedingt. Ihm sei seine Position zu Anfang bewusst: "Ich will so früh auf das Spielfeld kommen, wie es geht. Aber die Wahrscheinlichkeit irgendwo als O-Liner hinzugehen und im ersten Jahr zu starten - das steht für mich nicht mehr zur Frage", betont der Deutsche ehrlich.
Noch heute hilft Kampas seinem Vater bei Schiefbahn aus. Doch nun sind die Rollen vertauscht. Er ist nicht mehr der kleine Junge, der mit großen Augen zu den Älteren schaut - nun ist er derjenige, den die Kinder bewundern. Auch in Deutschland hat er durch die Teilnahme an der NFL Academy viel an Aufmerksamkeit gewonnen. Nicht einfach in dem Alter.

Doch Kampas wächst mit seinen Aufgaben und hat sich mittlerweile daran gewöhnt. "Das ist das, was ich mit Football erreichen wollte, als ich den Schritt in die Academy gemacht habe. Klar gab es Deutsche in der NFL, wie zum Beispiel Sebastian Vollmer, die man angeschaut hat und inspirierend fand", erklärt Kampas, "Irgendwie dachte ich mir immer, dass ich gerne diese Person wäre, die Leute motiviert mit Football anzufangen und ich sehe die Aufmerksamkeit als Chance, andere Leute zu inspirieren."
Training, Zeit investieren, Ambitionen haben und noch mehr Training. Neben sämtlichen To-dos, die gerade junge Spieler vor sich haben, um den großen Sprung zu schaffen, hat Kampas noch einen hilfreichen Tipp an die Youngsters im Football: "Nichts ist besser als Authentizität, gerade bei Coaches - gerade beim Football. Nur wenn du ehrlich mit dir selbst bist, kannst du auch was erreichen", betont der Deutsche.
Die Ambitionen von Kampas sind eindeutig: "Ich hoffe ich sehe mich in sechs Jahren irgendwo auf einem NFL-Roster", so der Offensive Lineman. Für den Atlanta-Falcons- Fan wäre ein Team natürlich besonders spannend: "Falcons wäre echt ideal. Aber ich bin da nicht so wählerisch. Ich nehme jede Chance, die mir ein Team geben will, an", betont er. Nun wird erstmal sein Abschluss an der NFL Academy folgen und der Schritt ans College. Wer weiß, wo wir Kampas in sechs Jahren sehen werden.
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lgr