17.07.2026
Fan-Kolumne
Es ist eine fast schon poetische Ruhe, die über der NFL und den New England Patriots liegt. Die großen Gewitter sind vorüber, und auch wenn das nächste schon am Horizont aufzieht - im Moment herrscht Sommerloch. Bei den Patriots dürften sie darüber gar nicht so unglücklich sein, nach der Rückkehr ins Rampenlicht. Es ist eher eine Ruhe zwischen den Stürmen.

Auch nach der Super-Bowl-Niederlage wollte der Lichtkegel nicht von Foxborough abrücken. Die Erwartungshaltung ist zurück, Drake Mayes Fenster soll maximal genutzt werden - die Free Agency war da fast noch der leiseste Teil der Gleichung. Deutlich lauter wurde es bei den endlosen Trade-Diskussionen um Receiver A.J. Brown, bis diese nervenaufreibende Saga endlich ein Ende fand. Und dann war da noch Mike Vrabel, als Head Coach nicht ganz unwichtig, und seine Liaison mit Reporterin Dianna Russini.
All das liegt hinter uns. Der Kader ist verstärkt, Brown ist da, von beidem durften sich Fans bei den OTAs vergewissern, und Vrabel hat seine Ehe gerettet - zumindest, wenn man dem auf Social Media kursierenden Video glauben schenkt, das ihn mit seiner Jen auf dem Weg zur XXL-Hochzeit von Travis Kelce und Taylor Swift in Manhattan zeigt.
Und dann - nichts. Juli, die "Dead Period", in der die Spieler verstreut trainieren, vielleicht noch mal Urlaub machen oder Kinder über High-School-Felder scheuchen. In New England taucht nur derjenige sichtbar auf, von dem es alle erwarten: Maye. Er bestimmt die Schlagzeilen, und er zeigt sich nahbar. Das Gesicht eines Franchise.
Beim FlexWork-Camp für Kinder in Auburn (Massachusetts) wirft Maye Pässe, leitet Drills, macht Fotos, schreibt Autogramme, und das alles immer mit einem Lächeln im Gesicht. "Wir haben einen guten Tag erwischt, der Nebel hat sich verzogen. Es macht Spaß, mit den Kindern draußen zu sein und einfach Football zu spielen", sagt Maye im Gespräch mit ESPN-Reporter Mike Reiss.
"Ich finde, man muss einfach groß träumen. Es beginnt in diesem Alter, in dem sie sich in das Spiel verlieben, und ich denke, sie nehmen auch etwas mit - die Basics. Eines der größten Themen, die Coach Vrabel predigt, sind Details, Grundladen und Technik. Das Wichtigste hier ist, ein paar dieser Dinge zu lernen. Ich sage ihnen, sie sollen Fragen stellen - ich bin ein offenes Buch. Ich liebe es, in das Leben der Kids zu investieren. Und ich erinnere mich, dass ich in ihrem Alter angefangen habe, Football zu spielen - deshalb liebe ich das."
Vom Träumer zum Superstar. Mayes rascher Aufstieg wird wahrgenommen und honoriert. Auch ESPN stopft sein Sommerloch, und zwar mit aufsehenerregenden Spieler-Ranglisten, für die Executives, Coaches und Scouts anonym abstimmen. Bei den Quarterbacks wählten sie Maye auf Rang acht. "Größe, Athletik, Genauigkeit, Playmaker-Potenzial ohne Limit, Ruhe und Härte", wird ein NFL-Coordinator zitiert. "Er hatte im Grunde keine Waffen und eine wacklige O-Line - und hat trotzdem alles zum Laufen gebracht."
Jetzt hat der MVP-Finalist mehr Hilfe. Brown belegt Platz neun im Receiver-Ranking des US-Mediums. Er gebe den Patriots "Explosivität nach dem Catch und in Eins-gegen-eins-Situationen bei 50:50-Bällen, die sie vorher nicht hatten", sagt ein Coordinator. "Er verändert die Coverages, die die Leute spielen, alles wird sich in seine Richtung verschieben."
Keine Überraschung: Maye findet's großartig. "Ich freue mich riesig darauf, mit ihm zu spielen. Ich kann es kaum erwarten, ins Camp zu gehen und dann Chemie aufzubauen. Ein bisschen davon ist für mich jetzt schon da. Du musst den Ball im Grunde nur in seine Richtung werfen, und er macht ein Play. Er ist ein super Teamkollege, bisher war es richtig gut mit ihm, und er liebt es zu gewinnen - das teilen wir."
Am 25. Juli steht für die Patriots die erste Trainingseinheit auf dem Programm, dann ist Schluss mit der Leere im Kalender. Maye kann es jetzt schon kaum erwarten. "Der Hunger" sei riesengroß. "Dieser Hunger darauf, zurückzukommen. Du hast das Gefühl, du warst nah dran, aber eben noch nicht am Ziel", sagt er. "Ich glaube, es ist Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen."
Doch noch läuft die Uhr im Juli ein paar Tage langsamer. Die Ruhe zwischen den Stürmen - bevor Camp, Preseason und das Super-Bowl-Rematch in Seattle den Lärmpegel wieder hochdrehen.
Felix Schlickmann