17.06.2026
Zwischen Fußball und Football
Die Fußball-WM in Nordamerika sorgt für eine hitzige Debatte. Fans und Spieler kritisieren die verpflichtenden Cooling Breaks, während TV-Sender die Unterbrechungen für zusätzliche Werbung nutzen. Für viele Zuschauer fühlt sich das Turnier inzwischen erstaunlich stark nach NFL an.

Die Kritik kommt dabei nicht nur von Fans. Auch Niederlande-Kapitän Virgil van Dijk äußerte sich zuletzt skeptisch zu den von der FIFA vorgeschriebenen Trinkpausen.
In sämtlichen WM-Spielen wird aktuell etwa zur Mitte jeder Halbzeit eine dreiminütige Cooling Break eingelegt. Offiziell dienen die Unterbrechungen dem Gesundheitsschutz der Spieler. Angesichts von Temperaturen jenseits der 35 oder sogar 40 Grad Celsius erscheint dies in vielen Stadien durchaus nachvollziehbar.
Doch längst nicht alle Partien fanden unter extremen Bedingungen statt. Teilweise wurde sogar bei moderaten Temperaturen oder Regen pausiert. Genau das sorgt bei vielen Fans für Unverständnis.
Besonders kontrovers ist dabei ein anderer Aspekt. Zahlreiche TV-Sender nutzen die Unterbrechungen für zusätzliche Werbeblöcke. In sozialen Netzwerken beklagen Fans deshalb, dass sich Fußballspiele mittlerweile wie NFL-Begegnungen mit vier Vierteln anfühlen würden.
Es kam sogar schon desöfteren vor, dass Spieler bereits zur Fortsetzung bereitstanden, der Wiederanpfiff jedoch verzögert wurde, weil die TV-Übertragung noch nicht aus der Werbung zurückgekehrt war.
Van Dijk machte aus seiner Meinung keinen Hehl. "Jedes Mal aus Werbezwecken zu unterbrechen, gefällt mir nicht wirklich", erklärte der Verteidiger nach dem Auftaktspiel der Niederlande.
Gespielt wird dabei überwiegend in Stadien, die normalerweise NFL-Franchises gehören. Dort zeigt sich der Einfluss der FIFA besonders deutlich. Für das Turnier wurden Kunstrasenplätze entfernt, Naturrasen verlegt und sogar sämtliche Sponsorennamen aus den Stadien entfernt.
Im Gillette Stadium der New England Patriots wurde sogar der Stadionname samt Sponsor auf jedem einzelnen der rund 66.000 Sitzplätze mit Klebeband überdeckt. Aus dem Gillette Stadium wurde während der WM offiziell das "Boston Stadium".
Dass die Unterbrechungen bei vielen Zuschauern Erinnerungen an die NFL wecken, kommt nicht von ungefähr. Im US-Sport gehören Werbepausen seit Jahrzehnten fest zum Spielablauf.
Gerade im Football sind diese fester Bestandteil des Ablaufs. Zwischen den einzelnen Spielzügen besprechen beide Teams ihre nächsten Aktionen, während TV-Sender regelmäßig Werbefenster nutzen können. Das Spiel ist von Natur aus in kurze Sequenzen unterteilt und bietet dadurch zahlreiche natürliche Unterbrechungen.
Im Fußball ist die Situation traditionell eine andere. Die beiden Halbzeiten laufen grundsätzlich jeweils 45 Minuten ohne geplante Werbepausen durch. Abgesehen von Fouls, Einwürfen, Standardsituationen oder Verletzungsunterbrechungen bleibt das Spiel über lange Phasen im Fluss.
Für manche Fans wirkt die Kombination aus Werbeblöcken, Stadion-Entertainment und zusätzlichen Unterbrechungen deshalb wie ein weiterer Schritt hin zu einem stärker amerikanisierten Fußball-Erlebnis, das womöglich sogar über diese WM hinaus erhalten bleiben könnte.
mhh