vor 1 Tag
92 Prozent der Spieler wollen Gras
Die Fußball-WM in den USA hat eine alte Diskussion in der NFL neu entfacht. Während die FIFA für ihre Spiele selbst in NFL-Stadien Naturrasen verlegen lässt, müssen viele Football-Profis weiterhin auf Kunstrasen antreten. Doch warum ist das überhaupt noch so?

Die Diskussion begleitet die Liga seit vielen Jahren. Immer wieder sprechen sich NFL-Profis öffentlich für Naturrasen aus. Laut einer Umfrage der NFL Players Association bevorzugen sogar 92 Prozent aller Spieler natürliche Spielflächen.
Aktuell wird die Debatte durch die Weltmeisterschaft zusätzlich befeuert. In elf NFL-Stadien wurden für das Turnier spezielle Naturrasenplätze installiert. Darunter befinden sich auch Arenen wie das MetLife Stadium in New Jersey (Spielort unter anderem für das WM-Finale am 19. Juli) - die Heimstätte der New York Giants sowie Jets, das SoFi Stadium der Rams in Los Angeles oder das AT&T Stadium der Dallas Cowboys. Allesamt Stadien, die während der NFL-Saison normalerweise auf Kunstrasen setzen.
Für viele Spieler ist das ein deutliches Signal: Wenn die FIFA Naturrasen selbst in geschlossenen Arenen oder Multifunktionsstadien realisieren kann, müsste dies theoretisch doch auch in der NFL möglich sein.
Einer der Hauptgründe für die anhaltende Debatte sind die immer wieder aufkommenden Sorgen um schwere Verletzungen. Viele Spieler und Fans vermuten seit Jahren, dass insbesondere Knieverletzungen wie Kreuzbandrisse auf Kunstrasen häufiger auftreten könnten.
Interessanterweise geht es inzwischen jedoch längst nicht mehr ausschließlich um Verletzungen. Die NFL verweist regelmäßig auf eigene Untersuchungen, wonach die Verletzungsrate auf Kunstrasen und Naturrasen nahezu identisch sei.
Viele Spieler argumentieren jedoch anders. Sie berichten davon, dass sich ihr Körper nach Spielen auf Naturrasen deutlich besser anfühle. Patriots-Safety Brenden Schooler hat zuletzt erst erklärt, dass ihm nach Spielen auf Kunstrasen regelmäßig Knie und Sprunggelenke schmerzen würden. Ähnliche Aussagen hört man seit Jahren von Spielern quer durch die Liga.
Für viele Profis geht es deshalb nicht nur um Sicherheit, sondern auch um die Regeneration, Belastungssteuerung und langfristige Gesundheit.
Die Weltmeisterschaft zeigt zwar, dass Naturrasen technisch möglich ist. Sie offenbart aber gleichzeitig, warum viele NFL-Stadien weiterhin auf Kunstrasen setzen.
Denn NFL-Arenen werden deutlich intensiver genutzt als reine Fußballstadien. Neben den NFL-Spielen finden dort College-Football-Partien, Konzerte, Rodeos, Monster-Truck-Shows und zahlreiche weitere Veranstaltungen statt. Genau hier liegt der größte Vorteil von Kunstrasen: Er hält deutlich mehr Belastung aus und verursacht wesentlich geringere Wartungskosten, da auch keine Greenkeeper in dem Sinne, ständiges Gießen, Verbessern von kaputten Stellen notwendig ist.
Cowboys-Besitzer Jerry Jones hat zuletzt zudem keinen Hehl daraus gemacht, dass diesbezüglich wirtschaftliche Gründe eine wichtige Rolle spielen. Kunstrasen ermögliche eine flexiblere Nutzung der Stadien und verbessere letztlich die monetären Möglichkeiten des Franchise.

Oder anders formuliert: Die Frage lautet inzwischen weniger, ob Naturrasen möglich wäre - sondern ob Teams bereit sind, die zusätzlichen Kosten und Einschränkungen zu akzeptieren. Komplett unrealistisch ist ein flächendeckender Wechsel allerdings nicht mehr.
Die für die WM verwendeten Naturrasenflächen gelten nämlich als technologische Meisterwerke. Spezielle Belüftungssysteme, Wachstumslampen und transportierbare Rasensysteme ermöglichen mittlerweile Lösungen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.
Experten gehen deshalb davon aus, dass die Diskussion nach der Weltmeisterschaft weiter an Fahrt aufnehmen wird. Schließlich liefert das Turnier erstmals den praktischen Beweis, dass selbst moderne Indoor-Stadien grundsätzlich mit hochwertigen Naturrasenplätzen ausgestattet werden können.
Ob die NFL in den kommenden Jahren tatsächlich vollständig auf Naturrasen umstellt, bleibt offen. Die wirtschaftlichen Interessen vieler Teams sprechen weiterhin für Kunstrasen.
Dennoch dürfte die Weltmeisterschaft den Druck auf die Liga weiter erhöhen. Wenn Millionen Fans wochenlang perfekten Naturrasen in NFL-Stadien sehen und die Spieler gleichzeitig immer lauter ihre Präferenzen äußern, wird die Diskussion kaum verschwinden.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht mehr, ob Naturrasen möglich ist. Die WM 2026 hat gezeigt, dass er es ist. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob die NFL bereit ist, den dafür notwendigen Aufwand dauerhaft zu betreiben.
mhh