21.04.2026
Baustellen, Druck und große Chancen
Die Free Agency ist weitgehend abgeschlossen, die Kader nehmen Form an und der NFL Draft ist nur noch wenige Tage entfernt. Für einige Franchises ist er dabei weit mehr als eine gewöhnliche Talentauswahl. Fünf Teams stehen in Pittsburgh unter besonderem Druck, ihre Picks in echte Verstärkungen zu verwandeln.

Wer die Gewinner und Verlierer der bisherigen Offseason betrachtet, erkennt schnell, welche Organisationen im Draft liefern müssen. Sei es wegen dünner Kader, fehlender Verpflichtungen, eines neuen Trainers auf dem heißen Stuhl oder einer Dynastie, die nach einem schwachen Jahr wieder in die Spur finden muss. Die folgenden fünf Franchises stehen unter besonders großem Druck, ihre Draft-Klasse 2026 zu einem Erfolg zu machen.
Kaum ein Team steht so sehr im Fokus wie die New York Jets. Die Mannschaft verfügt über neun Picks, darunter vier in den ersten 44 Plätzen, und ist damit reich an Kapital und Flexibilität. Gleichzeitig gibt es Baustellen an vielen Positionen. Für Head Coach Aaron Glenn war die erste Saison alles andere als ein Einstand nach Maß, und der Druck für das kommende Jahr wächst spürbar.
Die Patriots und Bills haben sich klar in der AFC East abgesetzt, während die Dolphins mit 179 Millionen Dollar an Dead Cap in einen radikalen Neuaufbau gehen. Hinter Miami in der Tabelle zu landen, wäre für Glenn ein verheerendes Signal. General Manager Darren Mougey muss eine Rookie-Klasse abliefern, die dem Team sofort auf die Beine hilft. Der Draft 2027 könnte für New York ein noch größerer werden, doch wenn Glenn dann noch an Bord sein will, muss die Draft-Klasse 2026 einschlagen.
Der Gastgeber des diesjährigen Drafts hat gleichzeitig mehr Picks als jedes andere Team in der Liga, zwölf an der Zahl, darunter fünf in den ersten 100. Das bedeutet mehr Chancen auf hochtalentierte Spieler als für jedes andere Franchise, aber auch mehr Verantwortung. Vor allem bei den frühen Picks darf Pittsburgh nicht daneben liegen, wenn die Steelers endlich mal wieder einen Playoff-Sieg feiern wollen.
Hinzu kommt die weiterhin ungeklärte Quarterback-Frage. Aaron Rodgers hat seine Pläne für 2026 noch nicht bekanntgegeben, und eine Ankündigung wird auch vor dem Draft nicht mehr erwartet. Neu-Head-Coach Mike McCarthy und Rooney haben die Tür für eine Rückkehr des 42-Jährigen ausdrücklich offengelassen. Kehrt Rodgers zurück, braucht er dringend bessere Unterstützung, vor allem an der Offensive Line. Kommt er nicht zurück, könnte Pittsburgh am Draft-Wochenende in der eigenen Stadt einen neuen potenziellen Franchise-Quarterback vorstellen.

Die Dolphins befinden sich im Neuaufbau und bringen dafür die nötige Munition mit: elf Picks insgesamt, sieben davon in den ersten 100, darunter zwei in der ersten Runde. Malik Willis bekommt die Chance, sich als neuer Starting-Quarterback zu beweisen, doch er braucht Unterstützung.
Das Receiver-Corps ist nach den Abgängen von Tyreek Hill und Jaylen Waddle derzeit eines der schwächsten der Liga, und auch die Defense ist in weiten Teilen noch nicht wettbewerbsfähig. Die Löcher im Kader sind zahlreich. Für Miami ist dieser Draft die beste Gelegenheit der kommenden Jahre, die Basis für eine wettbewerbsfähige Zukunft zu legen.
Brett Veach und Andy Reid sind frühe Draft-Picks traditionell nicht gewohnt. Die erste "Losing Season" der Reid-Ära gibt dem Franchise nun aber die Möglichkeit, Top-Talente auf beiden Seiten des Balls zu verpflichten. Mit vier Picks in den ersten 75 Auswahlen und neun insgesamt hat Kansas City die Mittel, gezielt nachzubessern. Die Secondary braucht dringend Verstärkung, Chris Jones benötigt Unterstützung im Pass Rush, und die Offensive Line sowie die Skill-Positions rund um Patrick Mahomes müssen verbessert werden.
Gerade nach dessen Kreuzbandriss ist ein verlässlicher Schutz wichtiger denn je, denn Mahomes ist nach einer solchen Verletzung vermutlich nicht sofort wieder auf seinem gewohnten Ausnahmeniveau. Dazu kommt: Mit Travis Kelce, einer der größten Franchise-Legenden der NFL-Geschichte, geht möglicherweise das letzte Kapitel seiner Karriere in Kansas City zu Ende. In seinem vermutlich letzten Jahr darf diese Saison kein Übergangsjahr sein. Die Chiefs müssen treffen, um in einer starken AFC konkurrenzfähig zu bleiben.

Die 49ers sind ein Sonderfall in dieser Liste, und zwar aus dem umgekehrten Grund: Nicht die Fülle an Picks, sondern deren Mangel macht die Situation so heikel. Nur sechs Auswahlrechte stehen zur Verfügung, lediglich zwei davon in den ersten 100, die übrigen vier clustern sich zwischen Pick 127 und 139 in der vierten Runde. Nach einer beeindruckenden Offseason präsentiert sich San Franciscos Offense wie gewohnt als eine der gefährlichsten der Liga.
Auf der anderen Seite des Balls jedoch gibt es gleich mehrere Baustellen, verschärft durch den Abgang von Defensive Coordinator Robert Saleh. Um mit den Rams, den Seahawks und dem Rest der NFC konkurrieren zu können, brauchen die 49ers impactstarke Defensivspieler aus diesem Draft. Der Raum für Fehler ist minimal. Jeder verschwendete Pick könnte in einer so ausgeglichenen Division den Unterschied zwischen Playoff-Teilnahme und einem enttäuschenden Jahr bedeuten.
Fünf Teams, fünf verschiedene Ausgangslagen, aber ein gemeinsamer Nenner: Der Draft 2026 hat für sie alle eine Bedeutung, die über das Gewöhnliche hinausgeht. Ob als Team im Wiederaufbau, als Gastgeber mit maximalen Ressourcen oder als Dynastie in der Pflicht: In Pittsburgh wird sich für viele Franchises zeigen, in welche Richtung die nächsten Jahre gehen.
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