24.10.2026
NFL-Prämiere
Paris ist bekannt für seine Liebe zum Fußball. Am Sonntag rückt jedoch eine andere Sportart in den Mittelpunkt: Die NFL gastiert erstmals mit einem Regular-Season-Spiel in Frankreich. Die Liga hofft, mit dem Duell zwischen den New Orleans Saints und den Pittsburgh Steelers nicht nur ein großes Event zu veranstalten, sondern auch neue Fans zu gewinnen.

Mit dem ersten NFL-Spiel der regulären Saison auf französischem Boden will die NFL auch in einem neuen Markt Fuß fassen. Die Voraussetzungen stimmen: Das Stade de France soll voll werden, und ein Großteil der Tickets wurde lokal verkauft. Doch reicht ein großes Sportevent aus, damit sich Paris dauerhaft für die NFL begeistert?
Am Sonntag treffen die Saints auf die Steelers. Das Stade de France bietet Platz für rund 82.000 Zuschauer und soll beim historischen Aufeinandertreffen voll sein. Laut Brett Gosper, dem NFL-Verantwortlichen für Europa und den asiatisch-pazifischen Raum, wurden rund 70 Prozent der Tickets lokal gekauft. Das deutet darauf hin, dass das Interesse nicht ausschließlich von amerikanischen Touristen und internationalen Football-Fans kommt.
Für die NFL ist das ein wichtiges Zeichen. Die Liga möchte ihre internationale Reichweite ausbauen und langfristig neue Zuschauer gewinnen. Dabei geht es nicht nur darum, ein Stadion zu füllen. Entscheidend ist, ob sich Menschen auch nach dem Spieltag für die Liga interessieren, regelmäßig NFL-Partien verfolgen und neue Berührungspunkte mit dem Sport finden.
Gosper hatte bereits vor dem Spiel erklärt, dass ein regelmäßiger NFL-Termin in Frankreich grundsätzlich denkbar sei. Eine Entscheidung über jährliche Spiele in Paris sei jedoch noch nicht gefallen. Zunächst möchte die Liga sehen, wie das Debüt verläuft
Die Liga setzt dafür auf eine umfassende Vermarktung. Gemeinsam mit Paris Saint-Germain sowie bekannten französischen Sportlern wie Kylian Mbappé und Rugby-Star Antoine Dupont versucht die NFL, auch Menschen außerhalb der bestehenden Football-Community zu erreichen. Die Kooperationen sollen American Football sichtbarer und für neue Zielgruppen zugänglicher machen.
Auch abseits des Spielfelds waren zahlreiche Aktionen geplant. Mit dem NFL House im Pariser Zentrum und kostenlosen Flag-Football-Angeboten nahe dem Eiffelturm soll die Sportart für Besucher erlebbar werden. Beim Flag Football wird ohne die üblichen körperlichen Tackles gespielt. Die Disziplin wird bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles erstmals zum olympischen Programm gehören. Das könnte dem Sport auch in Frankreich zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen.
Allerdings verlief der Aufbau rund um das Paris Game nicht ohne Schwierigkeiten. Wegen erwarteter Proteste und Sicherheitsbedenken wurde das NFL House am Samstag, dem 24. Oktober, geschlossen. Bereits am Vortag war ein temporärer NFL-Shop in der Stadt geschlossen worden und auch ein Fan-Event der Steelers musste abgesagt werden. Das Spiel im Stade de France sollte dennoch wie geplant stattfinden.
Frankreich bringt zumindest eine Voraussetzung mit, von der die NFL profitieren könnte: Rugby besitzt im Land eine große Tradition. Körperbetonte Zweikämpfe, physische Präsenz und taktische Spielzüge sind dem französischen Sportpublikum daher nicht fremd. Die NFL sieht darin eine mögliche Verbindung, über die sich neue Zuschauer für American Football begeistern lassen.
Trotzdem ist der Weg zu einer breiten Begeisterung noch weit. Die Stadt Paris selbst bezeichnet American Football weiterhin als vergleichsweise marginale Sportart in Frankreich. Ein volles Stadion bei einem internationalen Großereignis bedeutet noch nicht automatisch, dass sich eine dauerhafte Fanbasis entwickelt. Dafür müsste die NFL auch nach dem Spieltag präsent bleiben und den Zugang zu Übertragungen, Informationen und lokalen Football-Angeboten erleichtern.
Mit dem Paris Game bekommt die NFL die Chance, ihre Position auf dem französischen Sportmarkt auszubauen. Das volle Stade de France, die lokale Nachfrage nach Tickets und die umfangreichen Werbeaktionen sind positive Signale. Gleichzeitig steht die Liga vor der Aufgabe, aus der Aufmerksamkeit eines einzigen Wochenendes langfristiges Interesse zu machen.
Ob sich die Stadt der Liebe tatsächlich in American Football verliebt, wird deshalb nicht allein am Ergebnis zwischen den Saints und den Steelers abzulesen sein. Entscheidend wird sein, ob auch nach dem Schlusspfiff neue Fans bleiben. Das Paris Game ist ein historischer erster Schritt. Ob daraus eine dauerhafte Football-Liebe wird, muss sich erst noch zeigen.
par