27.08.2026
Ende einer Tradition
Die NFL beendet ihr jährliches All-Star-Event. Ab dieser Saison gibt es weder ein AFC-NFC-Duell noch Skills-Wettbewerbe. Die Pro-Bowl-Auszeichnung bleibt jedoch bestehen - und soll durch eine entscheidende Änderung wieder deutlich an Wert gewinnen.

Die NFL zieht einen Schlussstrich unter die Pro Bowl Games. Beginnend mit der anstehenden Saison 2026 wird die Liga kein All-Star-Spiel zwischen der AFC und NFC mehr austragen. Auch das zuletzt verwendete Format aus Flag Football und verschiedenen Skills-Wettbewerben ist damit Geschichte.
NFL-Insider hatten die Entscheidung am Mittwochabend zunächst unter Berufung auf einen Liga-Offiziellen vermeldet. Wenig später bestätigte die NFL die weitreichende Änderung dann offiziell.
Die Auszeichnung als Pro Bowler an sich bleibt jedoch weiterhin bestehen. Wie bisher werden dafür insgesamt 88 Spieler ausgewählt. Fans, Spieler und Coaches bestimmen das Aufgebot zu jeweils einem Drittel. Die Bekanntgabe soll dieses Jahr Ende Dezember in einem erweiterten Rahmen über die Plattformen der NFL, der Teams und der Übertragungspartner erfolgen.
Eine bedeutende Änderung gibt es dagegen bei den Nachnominierungen. Künftig werden nämlich ausschließlich die ursprünglich ausgewählten 88 Spieler offiziell als Pro Bowler geführt. Ersatzspieler, die bislang bei Verletzungen, Absagen oder einer Teilnahme am Super Bowl in den Kader nachrückten, wird es nicht mehr geben.
Damit will die NFL vor allem Eines erreichen: Den sportlichen Wert der Auszeichnung wieder erhöhen. In den vergangenen Jahren war die Zahl der offiziell geführten Pro Bowler durch zahlreiche Absagen und Nachnominierungen regelmäßig deutlich angewachsen.

Wie weit die Nachrückerliste zuletzt reichte, zeigte der Pro Bowl nach der vergangenen Saison: Mit Browns-Rookie Shedeur Sanders und dem 41-jährigen Joe Flacco wurden zwei sportlich umstrittene Quarterbacks nachnominiert. Besonders Sanders’ Berufung nach sieben Touchdowns und zehn Interceptions löste heftige Kritik aus und wurde von ESPN-Experte Marcus Spears als reine PR-Nominierung bezeichnet.
"Eine Pro-Bowl-Nominierung soll wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen und die Besten der Besten ehren", erklärte NFL-Vizepräsident Peter O’Reilly nun. Die Auszeichnung solle für die Spieler, deren Familien, die Teams und die Fans wieder eine größere Bedeutung erhalten.
Ganz ohne gemeinsame Veranstaltung müssen die ausgewählten Spieler dennoch nicht auskommen. Die 88 Pro Bowler der Saison 2026 werden im Februar 2027 nämlich zu einer persönlichen Feier nach Los Angeles eingeladen. Dort sollen auch ihre Familien in die Ehrung einbezogen werden.
Zusätzlich kündigte die Liga ein dauerhaft sichtbares Zeichen der Auszeichnung auf der Spielkleidung der Pro Bowler an. Jeder Spieler erhält außerdem ein individuelles Erinnerungsstück, zu dem eine personalisierte Einzelanfertigung einer Pro-Bowl-Sammelkarte von Topps gehören soll.
Die Entscheidung sei nach Gesprächen mit zahlreichen Spielern gefallen. Nach Angaben von Football-Operations-Vizepräsident Troy Vincent habe sich dabei deutlich gezeigt, dass den Profis vor allem die Nominierung durch Fans, Coaches und Kollegen wichtig sei - nicht die Teilnahme an einem zusätzlichen Wettbewerb.
Das Ende der Pro Bowl Games bedeutet übrigens nicht, dass sich die NFL vom Flag Football zurückzieht. Im Gegenteil: Rund um das bisherige Pro-Bowl-Wochenende und die Super-Bowl-Woche in L.A. sind auch weiterhin Veranstaltungen in der kontaktarmen Football-Variante geplant. Diese werden künftig jedoch klar von der Pro-Bowl-Auszeichnung getrennt.

Die Liga möchte den Flag Football mit Blick auf das olympische Debüt bei den Spielen 2028 (in L.A.) auch weiter fördern. Nach NFL-Angaben haben bereits mehr als 200 Spieler aus über 25 Ländern Interesse daran bekundet, ihr jeweiliges Heimatland bei Olympia zu vertreten.
Der Pro Bowl wurde über Jahrzehnte als klassisches Tackle-Football-Spiel zwischen den besten Spielern der AFC und NFC ausgetragen. Wegen des geringen sportlichen Einsatzes, zahlreicher Absagen und wachsender Sicherheitsbedenken veränderte die NFL das Format mehrfach.
Das letzte Tackle-Spiel fand 2022 statt. Ab 2023 setzte die Liga unter ebenjenem Namen - Pro Bowl Games - auf Flag Football und verschiedene Geschicklichkeitswettbewerbe. Die jüngste Ausgabe wurde im Februar 2026 erstmals während der Super-Bowl-Woche ausgetragen.
Nun verschwindet auch dieses Format. Der Titel "Pro Bowler" bleibt - das dazugehörige Spiel ist dagegen endgültig Geschichte.
mhh