vor 13 Stunden
Takeaways aus NFL Week 7
Week 7 der NFL hatte alles zu bieten: packende Divisionsduelle, einen echten Statement-Sieg und das Spiel, auf das ganz Football-Deutschland gewartet hat. Denn mit den Chiefs und den Seahawks trafen zwei der größten Fanbases in Deutschland direkt aufeinander. Das sind die zehn wichtigsten Erkenntnisse aus Week 7.

Während die Seahawks-Defense einmal mehr bewiesen hat, warum mit ihnen immer zu rechnen ist, zeigt ein Wide Receiver im gleichen Team gerade historische Zahlen. Bei den Rams könnte der Sieg gegen die Raiders trotz zahlreicher Verletzungen ein echter Befreiungsschlag gewesen sein, während die Colts nach der nächsten bitteren Niederlage offenbar endgültig in den Sommerschlussverkauf wechseln. Dazu bleibt die NFC South weiterhin die vielleicht kurioseste Gruppe der gesamten Liga. Hier sind die zehn Takeaways aus Week 7.
Konstant guten defensiven Football zu spielen ist in der NFL sehr schwer, denn die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass sich gutes Defensivspiel nur schwer über eine längere Zeit aufrechterhalten lässt. Sich darauf zu verlassen, dass die eigene Defense genauso gut spielt wie in der Saison davor, war in den letzten Jahren selten ein Rezept zum Erfolg.
Die Texans-Defense ist aktuell ein gutes Beispiel dafür: Sie haben letztes Jahr auf einem elitären Niveau gespielt, sich in der Offseason sogar noch verbessert, und trotzdem können sie den defensiven Output aus dem Vorjahr aktuell nicht replizieren. Der Grund: Wie gut eine Defense performt, hängt auch oft davon ab, gegen welche Offenses und vor allem welche Quarterbacks man spielt. Die einzige wirkliche Elite-Defense aus dem letzten Jahr, die auch dieses Jahr noch auf demselben Niveau oder vielleicht sogar noch besser spielt, ist die Seahawks-Defense. Von den Top-5-Scoring-Defenses aus 2025 (Seahawks, Texans, Broncos, Patriots, Eagles) sind die Seahawks die einzige, die auch dieses Jahr noch unter den Top 5 steht. Und das, obwohl man Stammspieler aus dem Vorjahr abgeben und bereits Verletzungen verkraften musste.
Gegen Mahomes und die Chiefs-Offense war vor allem die Fähigkeit der Mike-Macdonald-Defense, das Laufspiel zu stoppen, schlicht außergewöhnlich. Nicht nur haben sie Mahomes zu einem der unproduktivsten Spiele seiner Karriere gezwungen. Auch Kenneth Walker, der bisher beste Runningback dieses Jahres, kam gegen diese Defense nur auf 36 Rushing Yards. Zum Kontext: Vor diesem Spiel kam Walker allein am Boden im Schnitt auf 133 Yards pro Spiel. Solange die Seahawks diesem Trend trotzen und weiterhin so elitären Defensiv-Football spielen, ist mit ihnen immer zu rechnen.
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Den Saisonstart haben die Rams ordentlich vermasselt. Trotz des in der Offseason zusammengestellten Superteams konnte man vor Week 7 nur zwei von sechs Spielen gewinnen, darunter zwei bittere Niederlagen gegen die Divisionskonkurrenz aus San Francisco und zuletzt völlig überraschend gegen die Cardinals. Doch viele Metriken sprachen trotz des verpatzten Saisonstarts weiterhin dafür, dass die Rams eigentlich guten Football auf beiden Seiten des Balls spielen. Am Ende fanden sie dennoch immer wieder kuriose Wege, Spiele zu verlieren, unter anderem wegen ihrer Special Teams.
Das Spiel gegen die Raiders könnte nun eine Art Befreiungsschlag gewesen sein. Nicht nur führte man zwischenzeitlich souverän mit 28:6. Die zahlreichen Verletzungen, die dieses Team gerade kompensieren muss, hatten dabei gefühlt kaum einen Einfluss. Durch den Ausfall von unter anderem Davante Adams wurden die Rams erneut dazu gezwungen, in ihr berühmtes 13-Personnel zu wechseln. In dieser Personalgruppe stehen drei Tight Ends gleichzeitig auf dem Feld. Und gegen die Raiders haben die Rams darüber komplett dominiert.
Nicht nur wurde jeder zweite Spielzug offensiv über dieses Personnel gespielt, was laut SumerSports 41 Prozent mehr ist als der Durchschnitt der Liga. Auch drei der erzielten Touchdowns kamen aus dieser Personalgruppe. Dazu lieferte Matthew Stafford ein stark effizientes Spiel ab: 23 von 29 Bällen angebracht, drei Touchdowns geworfen, nur einen Sack genommen, und die eine Interception, die in seinem Boxscore steht, war nicht einmal sein Fehler. Spielen die Rams weiter unter dieser Identität ihren Schuh runter und bekommen sie früher oder später auch ihre Superstars zurück, sollte dieses Team weiterhin nicht abgeschrieben werden.
Kein Wide Receiver spielt gerade so Football wie Jaxon Smith-Njigba (JSN). Keiner ist so produktiv, und keiner ist für ein Team aktuell wichtiger als er. JSN führt mit 867 Yards mit weitem Abstand die NFL in Receiving Yards an. Noch eindrucksvoller: Von den 1607 Total Passing Yards der gesamten Seahawks-Offense gehen knapp 54 Prozent allein auf sein Konto.
Oder anders ausgedrückt: Kein Passempfänger ist aktuell für einen so hohen Prozentsatz des gesamten offensiven Outputs verantwortlich wie JSN. Und ein Fun Fact: Sollte er seinen astronomischen Schnitt von 123,9 Receiving Yards pro Spiel über die gesamte Saison halten können, würde er am Ende bei 2106 Receiving Yards landen. Damit wäre er nicht nur der erste Wide Receiver aller Zeiten, der in einer Saison die 2000-Yards-Marke knackt, sondern würde auch den aktuellen Rekord von Calvin Johnson um knapp 142 Yards übertreffen.
McCarthy hat nach seinem Trade von den Vikings zu den Giants und einem furiosen vierten Viertel letzte Woche seinen ersten Start für sein neues Team bekommen, und direkt komplett abgeliefert. Auch wenn die Texans-Defense bei weitem nicht mehr auf dem elitären Niveau spielt wie letztes Jahr, ist sie immer noch kein leichter Gegner, vor allem nicht auswärts in Houston.
McCarthy warf im Giants-Trikot für 252 Yards. Auch wenn am Ende keine Touchdown-Pässe dabei herauskamen, spielte er ein nahezu fehlerfreies Spiel. Bei mehreren Aktionen zeigte er, dass er schwierige NFL-Würfe jeglicher Art anbringen kann. Und das auf verschiedene Arten und Weisen, von Touch-Pässen über Verteidiger hinweg bis hin zu schnellen und starken Würfen in enge Fenster. Er hat mit seinem wahrscheinlich besten Spiel seiner Karriere viel gezeigt, das Hoffnung macht.
Zur Halbzeit führten die Ravens trotz Backup-Quarterback im Divisionsduell gegen die Bengals mit 13:0. Was folgte, war ein erneuter Kollaps in Halbzeit zwei. Offensiv machte Baltimore keinen einzigen Punkt mehr, defensiv erlaubte die Ravens-Defense 35 Punkte in einer Halbzeit. Wie ist das möglich? Die ersten fünf Drives der Bengals nach der Halbzeitpause endeten allesamt in einem Touchdown. Auch statistisch lässt sich das eindrucksvoll untermauern: Die Ravens führen die NFL mit einer +65 Punktedifferenz in der ersten Halbzeit an, liegen aber mit einer -70 Punktedifferenz in der zweiten Halbzeit auf dem letzten Platz der Liga.
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Mit der hoffentlich baldigen Rückkehr von Lamar Jackson muss sich das verbessern. Einschließlich des Spiels gegen die Browns in der vergangenen Woche haben die Ravens in nur drei von acht Vierteln Punkte erzielt.
Nach dem Rausschmiss von General Manager Chris Ballard ging das Team in ein richtungsweisendes Duell mit den bis dahin ungeschlagenen Vikings. Und auch wenn es am Ende knapp war, verlor das Team erneut - und das auf bittere Art und Weise mit einer Interception von Daniel Jones, die aus der Kategorie komplett unnötig kam. Hätten die Colts das Spiel gewonnen, hätte man im Gebäude sicherlich noch argumentieren können, dass die Trade-Gerüchte um ihre Starspieler Quenton Nelson, DeForest Buckner, Josh Downs und Jonathan Taylor nur heiße Luft sind. Und dass man gar nicht anfängt, Team-Assets zu verkaufen. Doch nun haben die Colts ihren ersten Star abgegeben: Star-Offensive-Guard wurde zu den Seahawks geschickt für einen Drittrundenpick in 2027 und einen Fünftrundenpick in 2028.
Durch den ersten Trade, die Niederlage, die Gesamtsituation der Colts und die Tatsache, dass das Team ohnehin mit einem neuen GM einen Rebuild durchläuft, dürfte jetzt endgültig klar sein: Die Colts werden möglichst viele Spieler wegtraden, um sich für eine starke Draftklasse 2027 neu aufzustellen. Eigentlich war das schon vorher absehbar, aber nach dieser Niederlage gibt es daran wenig Zweifel mehr.
In Paris hat man erneut gesehen, dass die Saints ein großes Problem mit dem Laufspiel haben - und das auf beiden Seiten des Balls. Als Team lief man in diesem Spiel nur für 18 Yards, obwohl man es 17 Mal probiert hat! Auch über die Saison betrachtet gehört man bei den Rushing Yards pro Spiel im Schnitt zu den fünf schwächsten Offensiv-Teams. Aber das war noch nicht alles, denn auf der anderen Seite haben sie defensiv ein riesiges Problem, genau das zu verteidigen.
Steelers-Running-Back Jaylen Warren erzielte gegen sie auf französischem Boden über 100 Yards, und das Team lief als Ganzes für 4,9 Yards pro Laufversuch. Das ist kein neues Problem gewesen, denn über die Saison betrachtet gehören die Saints zu den fünf schwächsten Defenses gegen den Lauf und erlauben auch hier im Schnitt sehr viele Rushing Yards pro Spiel. Wer sich als Team mit dem eigenen Laufspiel schwertut und defensiv den Lauf nicht stoppen kann, steckt oft in einer Gamescript-Falle, die sich nur schwer lösen lässt. Was daraus auch resultiert, sind vergleichsweise wenige Wege, die zum Sieg führen können. Denn aktuell gewinnt das Team nur, wenn ihr Quarterback Tyler Shough auf einem extrem hohen Niveau spielt, was bisher nicht immer der Fall war.
Kirk Cousins spielt bisher wirklich ordentlich Football und hat das Team der Raiders deutlich besser und relevanter gemacht, als viele es vor der Saison erwartet hatten. Doch die einzige Währung, die in der NFL zählt, ist am Ende der Sieg. Vor allem, wenn einem ein First Overall Pick im Nacken sitzt.
Auch wenn der Stretch Chiefs, Patriots, Bills, Rams wirklich brutal war und man gegen die Chiefs und Bills sogar voll im Spiel war, steht am Ende eine Vier-Spiele-Losing-Streak. Cousins braucht schnell wieder Siege gepaart mit guter Leistung, um weiterhin auflaufen zu dürfen. Ansonsten wird er Mendoza nicht lange zurückhalten können, vorausgesetzt dieser macht im Training die nötigen Schritte nach vorne.
Einer der besten Footballspieler der NFL spielt seit Jahren bei einem Team, das es ihm schwer macht, im Januar und Februar noch Football zu spielen. Die Tight-End-Position erfährt in der NFL immer mehr Wertschätzung. Gerade nach dem National Tight Ends Day am Sonntag wäre es einfach nur cool, wenn ein Team vor der Trade Deadline zum Hörer greift und für McBride tradet.

Trey McBride kam in Week 7 mit zehn Receptions für 111 Yards und einem Touchdown auf den höchsten Wert aller Spieler in diesem Spiel. Damit wurde er zum fünften Spieler der NFL-Geschichte, der in neun oder mehr aufeinanderfolgenden Spielen mindestens sieben Pässe gefangen hat, neben Antonio Brown, Cooper Kupp, Puka Nacua und Stefon Diggs. Zudem wurde McBride zum fünften Tight End der NFL-Geschichte mit mindestens zehn Karrierespielen mit zweistelligen Receptions, neben Hall-of-Famer Tony Gonzalez, Zach Ertz, Travis Kelce und Jason Witten.
McBride ist ein absoluter Fan Favorite in Arizona. Ein Abschied wäre angesichts seiner Klasse natürlich ein herber Verlust. Doch ein Tight End wie er könnte bei einem Team, das Playoff-Football spielt, eine Offense noch einmal auf ein ganz neues Level heben.
Nicht nur hat nach sieben Wochen kein NFC-South-Team einen Winning Record, die ganze Division ist auch nur einen Sieg voneinander getrennt und liegt extrem eng beieinander. Die Panthers galten eigentlich als Favorit nach den ersten Wochen. Früh in der Saison hatten sie die große Chance, mit einem Sieg nicht nur die eigene Pole Position zu sichern, sondern auch die Saison der Bucs quasi vorzeitig zu beenden. Stattdessen kassierten die zuvor groß aufspielenden Panthers eine bizarre und deutliche Niederlage. Die Bucs spielten nach seiner Verletzungspause wieder mit Baker Mayfield und gewannen mit 43:13, obwohl Mayfield nur sieben Pässe anbrachte für sage und schreibe 64 Yards.
Nochmal, weil es so absurd ist: Die Bucs gewinnen ein Divisionsduell und erzielen 43 Punkte, obwohl sie nur für 64 Yards passen. Das passiert vor allem deshalb, weil man auf praktisch jede andere erdenkliche Weise gescored hat: Neben einem Defensiv-Touchdown gelang auch noch ein geblockter Extrapunkt, der für zwei Punkte zurückgetragen wurde. Aber dieses Spiel verkörpert sehr gut, dass die NFC South komplett offen ist und dort an jedem Spieltag einfach alles passieren kann. Mit den Saints, Bucs, Falcons und Panthers sind dort vier Teams zu Hause, die alle schon ein sehr starkes Gesicht gezeigt haben. Aber alle haben auch schon in Spielen ausgesehen wie ein Team, das in den Top 5 picken könnte. Wer am Ende vor allem die Konstanz unter diesen launischen Teams findet, wird das Playoff-Team sein, das diese Division stellt.
Valentin Rödiger