22.02.2026
Saisonrückblick 2025
Die vergangene Saison war für die Tennessee Titans ein weiteres hartes Kapitel im Neuaufbau. Mit nur drei Siegen, einem frühen Trainerwechsel und einer Offense, die nie dauerhaft funktionierte, blieb Nashville weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Zwar gab es Lichtblicke - vor allem defensiv, doch insgesamt überwog das Gefühl von Stillstand.

Nach dem 3-14 im Vorjahr war klar: Die Titans starten einen Rebuild. Mit Cam Ward als Nummer-1-Pick setzte das Franchise in der Folge alles auf Entwicklung. Niemand verlangte Playoffs, wohl aber erkennbare Fortschritte. Mehr Struktur, mehr Identität, mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Ward sollte alle Starts bekommen, die Offensive Line zumindest stabilisiert werden. Die Defense um Jeffery Simmons galt als Sicherheitsnetz, um Spiele nicht völlig entgleisen zu lassen.
Dass am Ende erneut nur drei Siege zu Buche stehen würden, hatte jedoch kaum jemand eingeplant. Der Saisonstart machte schnell klar, wie steinig der Weg werden würde. Die Offense wirkte häufig überfordert, das Punktverhältnis sprach eine deutliche Sprache. Auch Ward zeigte typische Rookie-Züge: Talent und Mut, aber auch Hektik, unklare Reads und Probleme unter konstantem Druck.
Der Tiefpunkt folgte früh. In Woche 4 bei den Texans erlebte Tennessee einen der demütigendsten Abende der Saison. Gegen das damals sieglose Houston hielt man bis ins vierte Viertel mit, ehe die Defense komplett einbrach und 20 Punkte zuließ. Am Ende stand ein 0:26, die einzige Partie der Saison, in der die Titans ohne eigenen Score blieben.
Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Nach einem 1-5-Start wurde Head Coach Brian Callahan Mitte Oktober entlassen - als erster Cheftrainer der Saison. Mike McCoy übernahm interimsweise, doch die strukturellen Probleme blieben. Der zweite Saisonsieg gelang erst in Woche 14 gegen die Cleveland Browns.
Bei aller Tristesse blieb den Titans zumindest ein Moment, der in Nashville vermutlich länger in Erinnerung bleiben wird. In Woche 16 feierte Tennessee den einzigen Heimsieg der Saison, ausgerechnet gegen die Kansas City Chiefs.
Zwar trat der Gegner stark ersatzgeschwächt an, dennoch war der Erfolg ein seltener Beleg dafür, dass die Titans an einem guten Tag konkurrenzfähig sein können. Am Gesamtbild änderte das jedoch wenig: Tennessee beendete die Saison erneut mit 3-14 und als Schlusslicht der AFC South.
Der frühe Trainerwechsel brachte womöglich eher Unruhe statt Klarheit. Ein Rookie-Quarterback braucht Struktur, bekam aber wechselnde Ansätze. Auch unter McCoy blieb die Offense ideenarm und fehleranfällig.
Ward zeigte zwar sein Potenzial, ließ aber dennoch enige Fragen zurück. Seine Saison - 3169 Yards, 15 Touchdowns, sieben Interceptions - war kein Totalschaden, aber auch kein Statement. Besonders unter Druck brach seine Effizienz ein, was die Probleme der O-Line zusätzlich offenlegte.
Verletzungen verschärften die Lage. Ausfälle in den Trenches, Blessuren bei Schlüsselspielern in der Defense - und kaum Tiefe im Kader, um das aufzufangen. Für ein Rebuild-Team ein gefährlicher Mix.
Der unbestrittene MVP der Titans-Saison hieß Jeffery Simmons. Der Defensive Tackle spielte womöglich das beste Jahr seiner Karriere: 11 Sacks, vierter Pro Bowl, erstmals zweistellige Sack-Zahl. Mit 28 Jahren und langfristigem Vertrag ist Simmons genau der Spieler, um den ein neuer defensiver Kern aufgebaut werden kann.
Auch Ward bekam zumindest das, was er brauchte: Spielzeit. 17 Starts, jede Menge Tape, harte Lektionen. Der Durchbruch blieb aus, aber die Grundlage für gezielte Entwicklung ist gelegt.

Und so kurios es klingt: Das vielleicht Positivste an der vergangenen Saison ist, dass sie vorbei ist. Denn der Blick nach vorn macht die Titans plötzlich wieder richtig spannend. Tennessee startet mit über 100 Millionen US-Dollar Cap Space in die Offseason, dazu kommt der Luxus eines Quarterbacks auf Rookie-Vertrag. Ein möglicher Cut von Calvin Ridley könnte den finanziellen Spielraum sogar noch erweitern.
Vor allem aber stehen nun erstmals klare Grundpfeiler. Mit Robert Saleh als neuer Head Coach und Brian Daboll (OC) arbeiten zukünftig zwei erfahrene, profilierte Football-Köpfe im selben Gebäude. Der eine soll der Defense endlich wieder Struktur und Härte geben, der andere Ward und die Offense in eine klarere, modernere Richtung führen. Dazu kommen hohe Draft-Picks und die Chance, einen bislang viel zu dünnen Kader endlich in der Breite zu verstärken.
Nach Monaten der Orientierungslosigkeit fühlt sich diese Offseason weniger nach Durchhalten an - und erstmals wieder nach Aufbruch.
Eine bessere Bewertung wäre zu freundlich. Dafür waren Ergebnis und Entwicklung zu mager. Eine schlechtere Note wäre jedoch zu hart, denn es gab Lernprozesse, klare Erkenntnisse und einzelne starke Leistungen.
Die Titans haben 2025 keinen guten Football gespielt - aber einen, der die Defizite schonungslos offengelegt hat. Ob daraus 2026 echte Fortschritte entstehen, wird die entscheidende Frage sein.
mhh