04.03.2026
Vertrags-Poker in Indianapolis
Die Indianapolis Colts haben Quarterback Daniel Jones mit dem selten verwendeten Transition Tag belegt. Damit beginnt ein möglicher und komplizierter Vertrags-Poker, der nicht nur für Jones selbst, sondern auch für den gesamten Quarterback-Markt spannend werden könnte.

Der Transition Tag unterscheidet sich in mehreren Punkten vom bekannteren Franchise Tag. Der wichtigste Unterschied: Jones erhält weniger garantierte Sicherheit als beim klassischen, oft benutzten Non-Exclusive Franchise Tag, bekommt dafür aber eine bessere Möglichkeit, auf dem offenen Markt Angebote einzuholen. Sollte ein anderes Team ihm einen Vertrag anbieten, können die Colts diesen zwar matchen. Entscheiden sie sich jedoch dagegen, kann Jones wechseln, ohne dass Indianapolis Draftpicks als Kompensation erhält.
Der Tag für Jones hat einen Wert von 37,8 Millionen Dollar für ein Jahr und wäre vollständig garantiert, sobald er ihn unterschreibt - obwohl der Quarterback erst vor wenigen Monaten einen Achillessehnenriss erlitten hat. Damit haben sich die Colts rund sechs Millionen Dollar im Vergleich zum Franchise Tag gespart, der bei einem Abgang zumindest Draftkompensation bedeutet hätte.
Mit dem Transition Tag verfolgen die Colts eine klare Strategie: Sie setzen darauf, dass kein anderes Team bereit ist, Jones einen hochdotierten langfristigen Vertrag anzubieten. Seine Verletzung, seine wechselhafte Karriere und die Unsicherheit über seine Zukunft könnten potenzielle Interessenten abschrecken.
Sollte dennoch ein Team aggressiv werden, behalten sich die Colts das Recht vor, das Angebot einfach zu matchen.
Es ist also ein kalkuliertes Risiko.
Durch diese Vertragskonstruktion ergeben sich mehrere realistische Optionen.
1. Jones unterschreibt den Transition Tag: In diesem Szenario bleibt er bei den Colts, verdient die garantierten 37,8 Millionen Dollar und konzentriert sich zunächst auf seine Rehabilitation. Da er sich weiterhin von seinem Achillessehnenriss erholt, bräuchte Indianapolis zum Saisonstart wahrscheinlich dennoch eine Übergangslösung auf Quarterback.
2. Jones erhält ein Angebot und die Colts matchen es: Ein anderes Team könnte versuchen, Jones langfristig zu verpflichten. Die Colts hätten dann die Möglichkeit, den Vertrag zu übernehmen und ihn selbst zu behalten. Das Ergebnis wäre ähnlich wie im ersten Szenario: Jones bleibt in Indianapolis, doch die Vertragsstruktur wäre eine andere. Einen Übergangsquarterback bräuchten sie auch in diesem Szenario.
3. Jones bekommt ein Angebot, das die Colts nicht matchen: Sollte ein Team einen Vertrag anbieten, den die Colts nicht mitgehen wollen, könnte Jones die Mannschaft wechseln. In diesem Fall würde Indianapolis nicht nur eine Übergangslösung benötigen, sondern möglicherweise komplett neu auf Quarterback planen.
Für Daniel Jones selbst entsteht dadurch eine interessante Entscheidung. Er könnte den Transition Tag unterschreiben und 37,8 Millionen Dollar garantiert verdienen, während er sich in einer Offense bewegt, die er kennt und in der er zuletzt solide gespielt hat. Gleichzeitig hätte er 2027 erneut die Chance, den Markt zu testen - dann hoffentlich vollständig gesund.
Die Alternative wäre, jetzt auf einen langfristigen Vertrag zu setzen, sollte er ein verlockendes Angebot bekommen. Das würde ihm möglicherweise mehr Geld garantieren, könnte ihn aber auch in eine deutlich schwierigere sportliche Situation bringen.

Der Transition Tag ist eines der seltensten Instrumente im NFL-Vertragsrecht - und genau deshalb sorgt die Entscheidung der Colts für Aufmerksamkeit.
Sie setzen darauf, dass der Markt Daniel Jones skeptischer bewertet und dass dies auch Jones und seinem Management signalisiert wird. Gleichzeitig sichern sie sich die Kontrolle über jede mögliche Entwicklung.
Für Jones bedeutet das eine ungewöhnlich komfortable Ausgangslage: viel garantiertes Geld, Zeit für seine Rehabilitation und die Möglichkeit, den Markt auszuloten.
Und für den ohnehin turbulenten Quarterback-Markt der NFL könnte dieser Poker eine weitere Dynamik sein, die das Karussell nicht nur schneller drehen lässt, sondern vielleicht auch eine gehörige Portion Chaos hinzufügt.
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