12.10.2026
NFL erklärt umstrittene Kupp-Szene
Seattle glaubte beim entscheidenden vierten Versuch an ein First Down. Doch die Schiedsrichter sahen Cooper Kupp knapp vor der Linie - und eine wenig bekannte Regel erklärt, warum sein ausgestreckter Arm nicht mehr zählte.

Nach Eddy Piñeiros Field Goal zum 32:29 blieben den Seahawks noch eine Minute und 56 Sekunden für die mögliche Antwort. Ein Big Play von Sam Darnold zu Jaxon Smith-Njigba für 35 Yards brachte Seattle schnell bis an die Mittellinie, kurz darauf stand die Offense jedoch bei einem vierten Versuch und zehn Yards mit dem Rücken zur Wand.
Darnold fand Kupp rund vier Yards vor der benötigten Linie. Der Receiver löste sich aus dem ersten Tackle, kämpfte sich an der Seitenlinie nach vorne und streckte den Ball im Fallen zur 40-Yard-Linie der 49ers. Im Live-Bild wirkte es, als habe er die erforderliche Distanz gerade noch erreicht.
Die Schiedsrichter entschieden jedoch auf "zu kurz". Weil die Szene innerhalb der letzten zwei Minuten stattfand, wurde sie dann automatisch überprüft. Der ursprüngliche Ballspot blieb am Ende jedoch bestehen und San Francisco konnte anschließend zum Sieg abknien.
Der entscheidende Punkt: Bei einem Lauf in Richtung Seitenlinie zählt nicht, wie weit der Spieler den Ball noch nach vorne streckt oder wo sein Körper schließlich landet. Maßgeblich ist die Stelle, an der der Ball die gedachte senkrechte Ebene über der Seitenlinie überquert.
NFL-Vizepräsident Mark Butterworth verglich dafür die grüne Spielfläche mit dem weißen Seitenaus. Sobald der Ball von "grün zu weiß" wechselt, steht der Spot fest. Kupp konnte den Arm danach zwar noch weiter in Richtung First-Down-Markierung ausstrecken - der Ball befand sich zu diesem Zeitpunkt möglicherweise jedoch bereits außerhalb des Spielfelds.
Anders als an der Goalline wird die Linie zum First Down nicht entsprechend erweitert. Vereinfacht gesagt: An der Seitenlinie steht eine unsichtbare Glasscheibe. Entscheidend ist, an welcher Stelle der Ball diese Scheibe durchbricht.
Auch die Formulierung 'möglicherweise' der NFL ist wichtig. Die Wiederholung bewies nämlich nicht zweifelsfrei, dass der ursprüngliche Ballspot korrekt war. Es gab lediglich keine klare Kameraperspektive, die eindeutig zeigte, dass Kupp die Linie rechtzeitig erreicht hatte.
Deshalb blieb die Entscheidung auf dem Feld bestehen. Die horizontalen TV-Bilder zeigten zwar Kupps ausgestreckten Arm, ließen aber kaum erkennen, wann genau der Ball die Seitenlinie überquerte. Für eine Änderung hätte ein eindeutiger Gegenbeweis vorliegen müssen.
Kupp selbst akzeptierte die Entscheidung: "Ich wusste, dass es knapp war, aber offensichtlich war ich zu kurz. Es war nicht genug. Ich muss einen Weg finden, diesen vierten Versuch zu verwandeln." Auch Head Coach Mike Macdonald verzichtete auf eine Schiedsrichterschelte. Der Spot sei nun einmal so festgelegt worden, damit müsse Seattle leben.
Die Seahawks fielen durch die 29:32-Niederlage auf 3-2 zurück und müssen bereits am Donnerstag bei den Denver Broncos antreten. San Francisco steht dagegen bei 5-0 und empfängt am kommenden Montag die Washington Commanders.
mhh