30.03.2026
IPP-Athlet vor Pro Day
Der Weg in die NFL ist lang und für viele wird er unerreichbar bleiben. Gerade für internationale Talente scheint der Weg manchmal mit noch mehr Steinen bestückt zu sein. Was für viele ein ferner Traum ist, könnte für den deutschen IPP-Athleten Felix Lepper bald Realität werden. football-world hat mit ihm kurz vor seinem großen Moment gesprochen - über seinen ungewöhnlichen Weg, die Vorbereitung auf den Pro Day und den Traum vom Sprung in die beste Football-Liga der Welt.

Wenn Felix Lepper sich dieser Tage seine Footballschuhe schnürt und in die Trainingskleidung schlüpft, ist vieles anders als noch vor einem Jahr. Es geht hier nicht nur um Training. Es geht um die größte Chance seiner Karriere und um den Moment, der alles verändern könnte.
Es war nicht der große Kindheitstraum. Alles begann für Lepper deutlich unspektakulärer: Nach dem Abi wollte der Offensive Tackle ein paar Kilo verlieren. Football sollte zunächst nur als Mittel zum Zweck dienen.
Doch es wurde schnell viel mehr. Es kam Spaß und Freude dazu und dann war der Ehrgeiz nicht weit entfernt. Dieser brachte ihn in Rekordzeit auf den europäischen Football-Rasen: "Ich würde sagen, es war am meisten die harte Arbeit", begründet Lepper den rasanten Aufstieg "Als ich vom IPP erfahren habe und von den anderen deutschen Athleten, die da schon durchgegangen sind, seitdem war der Traum da und für den habe ich gearbeitet."
Der erst 23-Jährige hat bereits einige Stationen im europäischen Football hinter sich. Dabei spielte er unter anderem in der ELF für die Leipzig Kings, Berlin Thunder und zuletzt für die Hamburg Sea Devils. Viel Erfahrung, die sich jetzt bezahlt macht: "Ich habe auf jeden Fall Vorteile dadurch, dass ich schon spielen durfte", sagt Lepper. Die Qualität in der Akademie in Florida beschreibt er als konstant sehr hoch - nochmal ein anderes Level als in Europa, das er mit der Division 2 in den USA verglich.
Durch seine Erfahrungen in Deutschland bekam er selbst die Möglichkeit, den europäischen Football und seine Entwicklung in den letzten Jahren hautnah mitzuerleben: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch ein Land gibt, in dem Football so schnell wächst, wie in Deutschland", verdeutlicht Lepper.
In den letzten Jahren gab es mindestens ein internationales Spiel der NFL in einer deutschen Stadt. Dieses Jahr werden die Detroit Lions in München eins ihrer Heimspiele austragen. Das Interesse am Sport steigt und auch die europäischen und deutschen Football-Ligen wachsen immer weiter: "Ich glaube, das ist einfach eine riesige Aufwärtsspirale", schätzt der IPP-Athlet die Lage in Deutschland ein.
Das International Player Pathway Program (IPP) wurde 2017 von der NFL ins Leben gerufen. Ziel ist es, internationalen Talenten den Weg in die Liga zu ebnen. Das Programm umfasst eine zehnwöchige Vorbereitung in Florida, die im Pro Day mündet, wo NFL-Scouts die Spieler begutachten können.
Jedes Franchise hat die Möglichkeit, einen internationalen Spieler in ihren Practice Squad aufzunehmen. Mittlerweile wird dafür nicht einmal mehr ein Platz im Practice Squad benötigt, da die IPP-Spieler einen extra Platz im Practice Squad bekommen. Seit Beginn des Projektes schafften es rund 70 internationale Spieler, einen Vertrag in der NFL zu unterschreiben. In der vergangenen Saison standen ganze 22 internationale Spieler in den Kadern der Teams.
Leppers Weg begann im vergangenen Oktober beim internationalen Combine in London. "Das lief eigentlich schon sehr gut für mich und ich habe gutes Feedback bekommen. Deswegen bin ich mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren", erzählt der 2,08 Meter-Mann.
Der entscheidende Moment folgte ein wenig später - per Telefon: "Der finale Anruf kam dann, als ich auf dem Heimweg vom Fitnessstudio war“, rekapituliert Lepper lächelnd "Das war wirklich so ein zwei-Minuten-Call, der mir natürlich ziemlich lang vorkam. Mir ist erstmal eine riesen Last von den Schultern gefallen und da war natürlich ganz viel Freude."
Das IPP hat schon einige großartige Athleten hervorgebracht. Unter ihnen ist auch Jordan Mailata, der auf seiner Position ein großes Vorbild für Lepper ist, ebenso wie Jakob Johnson. An dem Deutsch-Amerikaner bewundert Lepper vor allem sein Mindset: "Ich glaube, das liegt an seiner Work-Ethic. Man hat schon früh von den Patriots gehört, dass er immer einer der ersten in der Facility war und einer der Letzten, die gegangen sind. Ein richtiges Arbeitstier", betont er. Genau das sei der Punkt, der ihn so ansporne.

Auch Leander Wiegand, deutscher IPP-Athlet aus dem vergangenen Jahr, der ein Jahr bei den New York Jets unter Vertrag stand, hat sich bei Lepper gemeldet: "Er hat mir auf jeden Fall geholfen in der Vorbereitungszeit, worauf man sich hier einlässt und was das Wichtigste ist. Dafür bin ich sehr dankbar", so der Offensive Lineman.
Heute selbst in dieser Reihe von Talenten dabei zu sein, ist für Lepper eine riesige Ehre: "Früher hat man das halt alles online verfolgt und im Fernsehen. Jetzt in dieser Position sein zu dürfen, das ist schon wirklich sehr schön."
Nun ist es bald soweit. Der Tag, auf den Lepper so hart drauf hingearbeitet hat, steht vor der Tür - der Pro Day. Am 30. März kann er sich nochmal vor vielen NFL-Scouts beweisen und sie von seinem Können überzeugen. "Ich bin auf jeden Fall schon ein bisschen nervös. Aber es ist dieses positive Nervössein, wo man einfach drauf wartet, dass es endlich losgeht", erläutert er. Der Deutsche gibt sich selbstbewusst, wenn es um einen Ausblick geht: "Ich schätze meine Chancen eigentlich sehr gut ein."
Seit Januar arbeitet der 23-Jährige täglich auf diesen Moment hin. Trainingstage von 8.30 Uhr bis 18.30 Uhr, drei bis vier Workouts am Tag, Position Work, Change of Direction, Speed, Lift. Jeden Tag gehen die Athleten an ihr Limit, um dem Traum von der NFL ein Stück näher zu kommen: "Es ist wichtig auf seinen Körper zu achten. Wir haben hier alle individuelle Pläne bekommen", erklärt der Deutsche.

Ein Wunschteam? Fehlanzeige: "Ich sage ehrlich, stand jetzt glaube ich nicht. Man muss sich vor Augen halten, was das für eine Gelegenheit ist, überhaupt in der Position sein zu dürfen. Wenige Leute bekommen diese Chance, da will ich nicht jetzt schon wählerisch sein", grinst der IPP-Athlet.
Wer weiß, welche Möglichkeiten sich Lepper in ein paar Wochen bieten. Klar ist: Die harte Arbeit hat ihn schon sehr weit gebracht und nun hat er die Möglichkeit, sich zu belohnen. Auf die Frage, ob er gerne mal mit einem NFL-Team ein Spiel in Deutschland absolvieren würde, hat er eine klare Antwort: " Auf jeden Fall. Das wäre glaube ich so das Sahnehäubchen."
lgr