15.11.2020
NFL, Week 10: Eagles scheitern - Lions brauchen nur 16 Sekunden
Während der Football-Saison gilt für die US-Sportfans einmal in der Woche das Motto: "Any Given Sunday" - "An jedem verdammten Sonntag". Der Football bestimmt den Abschluss der Woche. So auch dieses Mal, als sich Tom Brady beeindruckend nach seiner schlimmsten Niederlage zurückmeldete, die Packers lange zitterten und Philly enttäuschte.

Sechs Super-Bowl-Siege, weit über 550 Touchdown-Pässe, seit 2000 kontinuierlich höchst erfolgreich in der NFL unterwegs - und vergangene Woche komplett überrollt: Was die nimmermüde Legende Tom Brady zuletzt beim 3:38 in New Orleans und gegen Drew Brees erlebt hatte, war die schlimmste Pleite seiner Laufbahn. Klar, dass "TB12" mit seinen Tampa Bay Buccaneers nun beim Gastspiel in der Provinz Carolina bei den Panthers auf Wiedergutmachung aus war.
Der Spielstart ließ allerdings direkt wieder zu wünschen übrig: Erst war das Team nach einem mechanischen Defekt am Flugzeug sieben Stunden zu spät in Charlotte/North Carolina gelandet, ehe Running Back Ronald Jones zu Spielbeginn direkt ein Fumble unterlief und kurz darauf Panthers-Quarterback Teddy Bridgewater seinen Tight End Colin Thompson fand - 7:0. Überhaupt legte der im weiteren Verlauf der Partie verletzte Bridgewater eine starke Vorstellung aufs Parkett, brachte bis zur Pause fast jeden Pass an - inklusive eines weiteren sehr guten TD-Wurfs auf D.J. Moore (24 Yards). Allerdings meldeten sich auch die Bucs noch an, allen voran Brady selbst mit zwei TD-Pässen auf Cameron Brate und Mike Evans kurz vor der Halbzeit. So stand es insgesamt nach 30 Minuten 17:17.
Brady war es auch, der sich auch in den letzten beiden Dritteln hochmotiviert zeigte - und am Ende auf eindrucksvolle 341 Yards sowie drei TDs plus einen TD via Quarterback-Sneak bei keiner Interceptions kam. Seinen dritten Score verbuchte "TB12" übrigens mit seinem kongenialen Partner Rob Gronkowski. Weil obendrein Bucs-Läufer Jones einen herausragenden Abend durchlebte (23 Carries, 192 Yards) und einmal von ganz hinten über 98 (!) Yards bis in die Endzone stürmte, hatten die auf 3:7 abgerutschten Panthers letztlich nichts mehr entgegenzusetzen. So stand ein verdientes 46:23 für das nun bei 7:3 stehende Tampa Bay um den ebenfalls integrierten "Skandal-Receiver" Antonio Brown (69 Yards) zu Buche.
Die Vorzeichen konnten klarer kaum sein im Vorfeld des Heimspiels von Green Bay gegen Jacksonville: Die bislang in dieser Regular Season überzeugenden Packers waren der klare Favorit, strauchelten zu Beginn allerdings überraschend. Die Offense um Star-Quarterback Aaron Rodgers fand kaum Mittel gegen die Jaguars-Abwehr, ein Punt folgte auf den nächsten - genauso ein früher 0:3-Rückstand, der bis zum zweiten Quarter anhielt. Dann legten der "Gunslinger" & Co. aber erstmals los: Rodgers schleuderte einen herausragenden 78-Yard-Touchdown-Pass auf Wide Receiver Marquez Valdes-Scantling - 7:3. Die frechen Jags ließen sich davon aber nicht beeindrucken, sie antworteten selbst mit einem spektakulären Punt-Return von Keelan Cole über volle 91 Yards. Dabei ließ der pfeilschnelle Receiver reihenweise Gegenspieler alt aussehen und am Ende auch noch Green Bays Punter J.K. Scott komplett aussteigen.
Das motivierte wiederum die Käsestädter um einen auffällig starken Valdes-Scantling (am Ende vier Catches für 149 Yards und einen TD), sodass erst Rodgers nach einem angetäuschten Pass selbst über fünf Yards in die Endzone lief und die Packers nach einer gefangenen Interception kurz vor der Pause via Field Goal noch auf 17:10 erhöhten. Eine Art Vorentscheidung im altehrwürdigen Lambeau Field? Mitnichten! Jacksonville (1:8) blieb unangenehm, dreckig, robust - und forderte "The Pack" bis zum Schluss heraus. Was eine fatale Inteception von Rodgers sowie ein Fumble von Star-Receiver Davante Adams nur unterstrich. Zum Vergleich: Das Team von Head Coach Matt LaFleur hatte bis dato in der gesamten Saison erst zwei Turnovers gehabt.

Allerdings riss sich Green Bay (7:2) final in allen Bereichen zusammen: Erst warf Rodgers (325 Yards, drei Total TDs, eine Int.) noch einmal erfolgreich auf Adams (sechs Yards) zum entscheidenden 24:20, ehe die Defense übernahm und Sekunden vor Schluss Jaguars-Spielmacher Jake Luton (169 Yards, ein TD, eine Int.) zweimal in Folge einen "Sack" verpasste und das Spiel daraufhin komplett auf Eis legte.
Im November 2018 hatte Washingtons Quarterback Alex Smith zuletzt ein NFL-Spiel von Anfang an bestritten - und zunächst nach einer damals erlittenen Horror-Verletzung erfolgreich um sein Leben, um sein Bein sowie um seine Karriere gekämpft. Bis hin zu diesem Moment: Denn an diesem Spieltag stand der 36-jährige Spielmacher nach langen 728 Tagen erstmals wieder von Beginn an auf dem Football-Feld (zwei Einsätze bereits in dieser Saison). Es ging bei den Detroit Lions zur Sache.
Viel zu holen gab es für die Hauptstädter jedoch anfänglich nicht, weil die Gastgeber aus "Motor City" stark begannen: Spielmacher Matthew Stafford warf erst eine 55-Yard-Bombe auf Marvin Hall, ehe er für 27 Yards Marvin Jones fand - 14:3. Kurz vor Ende des dritten Quarters stand es gar 24:3 (D'Andre Swift fing einen weiteren TD-Pass von Stafford). Nun aber riss sich das Football Team (2:7) zusammen und kam angeleitet von Quarterback Smith (390 Yards, kein TD, keine Int.) sowie dank der Running Backs Antonio Gibson (zwei Scores) und J.D. McKissic (ein Score) mächtig auf. 16 Sekunden vor Schluss stellte Washingtons Kicker Dustin Hopkins aus 48 Yards auf 27:27. Verlängerung also? Nicht mit den Lions (4:5), die auf eine Extraschicht bei diesem Drama keine Lust hatten: Innerhalb weniger Sekunden führte Stafford (276 Yards, drei TDs, keine Int.) seine Farben übers Feld, ehe Kicker Matt Prater mit ablaufender Uhr aus 59 Yards zum finalen 30:27-Endstand vollendete. Ein bitteres Ende für Smiths Startelf-Comeback.
Nur drei Siege aus acht Partien und viel Kritik für die verletzungsgeplagten Eagles - allen voran für den stark fehleranfälligen Quarterback Carson Wentz: So waren die letzten Wochen in Philadelphia verlaufen. Besserung sollte ins Blickfeld rücken, geriet beim Gastspiel in New York bei den NFC-East-Rivalen der Giants aber in weitere Ferne. Warum? Weil die "G-Men" direkt ihre ersten beiden Drives in Touchdowns verwandelten - Spielmacher Daniel Jones lief selbst für 34 Yards in die Endzone, ehe Running Back Wayne Gallman über zwei Yards zum 14:3 einlief. Doch damit nicht genug: Ein Rushing Touchdown von Wayne Gallman folgte ebenso noch wie zwei Field Goals von Graham Gano, sodass auch zwischenzeitliche Angriffe aus Philly nicht große Wirkung zeigten. Mit einer Bilanz von nun 3:5:1 verpassten die Eagles um Spielmacher Wentz (208 Yards, kein TD, keine Int.) einen weiteren Brustlöser in dieser Saison, während die Giants (3:7) wieder stärker auf NFC-East-Rang 1 hoffen dürfen.
Als sich die Spieler aus Cleveland und Houston schon auf dem Feld zusammengefunden hatten, war das Duell über eine halbe Stunde verschoben worden. Der Grund: starker Wind - und Schnee! Das alles führte zu einer überschaubaren Angelegenheit auf schwierigem Untergrund: Nach 30 Minuten Spielzeit stand lediglich ein Field Goal von Browns-Kicker Cody Parkey zu Buche - 3:0. Der rechtzeitig fit gewordene Nick Chubb erhöhte in Viertel Nummer 3 mit einem 9-Yard-Lauf auf 10:0, ehe Houstons Tight End Pharaoh Brown fünf Minuten vor Schluss nochmals für Spannung sorgte. Ein später, starker Run von Chubb, der nach vielen absolvierten Yards absichtlich nicht in die Endzone lief (Zeit konnte so abgelaufen werden), brachte den Sieg für Cleveland (6:3) aber schließlich nach Hause - an einem Tag, an dem beide Quarterbacks (Baker Mayfield, Deshaun Watson) zusammen nur 295 Yards zustande brachten.
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