24.10.2022
Star-Quarterback muss ins zweite Glied
Die Indianapolis Colts haben an diesem Sonntag auch das Rückspiel innerhalb der AFC South gegen die Tennessee Titans verloren und damit einen Rückschlag kassiert. Eine gezogene Konsequenz daraus: Matt Ryan wird ersetzt.

Matt Ryan ist statistisch gesehen einer der erfolgreichsten Quarterback der NFL-Geschichte, mischt sich sowohl in Sachen Touchdowns als auch in Sachen Passing Yards unter die Besten der Besten. Abgesehen vom dramatisch verlorenen Super Bowl gegen die New England Patriots 2016/17, als "Matty Ice" mit seinem damaligen Team aus Atlanta eine klare 28:3-Führung gegen Tom Brady & Co. nicht ins Ziel gebracht und letztlich spektakulär verloren hat, fehlt dem Routinier allerdings der ganz große Wurf in seiner Laufbahn.
Und weil es in den letzten Jahren bei den Falcons ohnehin immer schwächer gelaufen ist und Ryan einen teuren Vertrag gehalten hat, ist in der jüngsten Offseason die Trennung erfolgt - und für ihn der Neustart im Alter von 37 Jahren bei den Indianapolis Colts.
In Indy aber hat sich der Star-Spielmacher seit Saisonbeginn schwer getan. Die aktuelle Bilanz von 3:3:1 beschönigt auch viele Dinge auf den ersten Blick. Unter der Lupe wird schnell klar, dass gerade die von ihm angeleitete Offense eine Baustelle ist und Probleme hat - was sich am Sonntag im Zuge von Week 7 beim 10:19 in Nashville gezeigt hat.
Ryan erlaubte sich hier selbst wieder zwei Interceptions und schaffte mit 33 erfolreichen Pässen (44 Versuche) nur einen Touchdown. Seine Statistik in der gesamten Regular Season, in der die Colts trotz des "Sweeps" durch die Titans mit ihren drei Siegen noch einigermaßen ordentlich dastehen, beinhaltet noch mehr Negatives: Neben erst neun TD-Pässen verbuchte der "Oldie" bereits neun Interceptions, wurde 24-mal zu Boden gebracht und erlaubte sich stolze elf Fumbles (drei davon am Ende wirklich verloren).
Die Konsequenz daraus - auch weil Indianapolis in Sachen Scoring mit mageren 16,1 Punkten pro Spiel nur Nummer 29 unter 32 Teams ist und in drei Partien maximal zwölf Zähler erreicht worden sind? Ryan muss seinen Platz als Starter abtreten!
Der recht unerfahrene Sam Ehlinger, 2021 im NFL-Draft erst in der 6. Runde an 218. Stelle gezogen und in dieser Saison schon an Super-Bowl-Sieger Nick Foles vorbeigerückt, darf nun ran und die große Football-Bühne beschreiten. Auf magere 18 Snaps kommt der 24-Jährige erst und hat dabei in einem Pflichtspiel noch nie (!) einen Pass geworfen. Es darf also mit Spannung erwartet werden, wie sich Ehlinger gegen die Washington Commanders am kommenden Sonntag im Zuge von Week 8 (21.25 Uhr MEZ) schlägt und dann mit der hohen Erwartungshaltung zurechtkommt.

Für den Moment scheint es zudem so, dass der weitaus mobilere Ehlinger auch den Rest der Regular Season Starting Quarterback bleiben wird. Das hat Head Coach Frank Reich am Montag während einer Pressekonferenz mitgeteilt: "Im Moment ist es so, dass Sam für den Rest der Saison der Starter sein wird." Ryan laboriere derzeit außerdem ohnehin an einer Schulterverstauchung und wird diese Woche nicht trainieren, wie "The Athletic" berichtet.
Colts-Cheftrainer Reich tut die Maßnahme auf jeden Fall leid, wie er aus Respekt vor einem gestandenen Profi wie "Matty Ice" unterstrichen hat: "Wir sind an einem Punkt, wo man Dinge glasklar addressieren muss. Und deswegen habe ich Matt gesagt: 'Matt, wir haben unseren Teil der Abmachung nicht eingehalten. Du bist hier angekommen und wir haben dir ein top Rushing Game sowie genug Schutz versprochen. Das ist aber nicht eingetreten." Und dafür sei auch er selbst als Head Coach schuld. Es helfe aber nicht, das alles aktuell einfach so weiterzuführen. Deswegen werde nun der Weg mit Ehlinger probiert, auch wenn dieser "sicher Fehler machen wird".
Klar ist in jedem Fall: Nach 14 Jahren bei den Atlanta Falcons ist die Karriere von Ryan momentan in Indy im Schatten angekommen - und die Probleme der Colts auf der Quarterback-Position gehen nahtlos weiter. Nach dem überraschenden Karrierenende von Liebling Andrew Luck kurz vor der 2019er Regular Season geht nun schon der sechste Spielmacher ins Rennen, nach Jacoby Brissett und Brian Hoyer (2019), Legende Philip Rivers (2020), den nach nur einem Jahr weiter nach Washington gezogenen Carson Wentz - und eben Ryan.
mag