20.09.2026
Interception in der letzten Minute
Monatelang war dieses Duell in Oxford herbeigesehnt worden - und es hielt, was es versprach. Ole Miss bezwang die LSU Tigers und Lane Kiffin bei dessen emotionaler Rückkehr mit 32:24. Quarterback Trinidad Chambliss war mit 363 Passing-Yards, zwei Touchdown-Pässen sowie dem entscheidenden Touchdown-Lauf der überragende Mann des Abends.

Bereits im Vorfeld war klar, dass diese Partie mehr als nur ein gewöhnliches SEC-Duell sein würde. Kiffin hatte Ole Miss über sechs Jahre zu einer der besten Mannschaften der Conference geformt, ehe er das Team nur wenige Wochen vor dessen erster Playoff-Teilnahme der Geschichte verließ, um den Posten bei LSU zu übernehmen. Am Samstagabend kehrte er in Week 3 der College-Saison erstmals als gegnerischer Head Coach zurück und wurde von den Fans im bereits eine Stunde vor Anpfiff ausverkauften Stadion frenetisch ausgepfiffen.
Ole Miss startete furios in die Partie und ging durch einen 5-Yard-Lauf von Kewan Lacy sowie einen 21-Yard-Touchdown-Pass von Chambliss auf Traylon Ray mit 17:0 in Führung. LSU tat sich derweil offensiv extrem schwer und musste die ersten drei Angriffsserien jeweils punten. Erst ein 17 Spielzüge langer, knapp acht Minuten dauernder Drive brachte durch einen 2-Yard-Lauf von Dilin Jones den ersten Anschluss zum 7:17. Chambliss antwortete jedoch postwendend mit einem weiteren Touchdown-Pass, diesmal auf Deuce Alexander, und stellte nur Sekunden vor der Halbzeitpause den Pausenstand von 24:7 her.
"Wir sind in einen Sturm hineingelaufen. Trinidad war früh im Spiel in Bestform", beschrieb Kiffin den Auftakt seines ehemaligen Teams. "Man sieht, dass er extrem schwer zu schlagen ist."
Nach der Pause zeigte LSU eine deutlich verbesserte Reaktion. Quarterback Sam Leavitt verkürzte zunächst selbst per Lauf auf 14:24, ehe ein 26-Yard-Touchdown-Pass auf Winston Watkins Jr. - ausgerechnet einen Ole-Miss-Transfer - den Ausgleichsanschluss auf 21:24 brachte. Die Partie geriet zusätzlich ins Wanken, als Ole-Miss-Star-Running-Back Kewan Lacy sich im dritten Viertel an der linken Schulter verletzte und das Spiel zunächst verlassen musste - Röntgenaufnahmen ergaben laut Head Coach Pete Golding jedoch keinen schwerwiegenden Befund. Auf LSU-Seite musste zudem Star-Tight-End Trey'Dez Green mit einer Knieverletzung vom Feld.
Mit einem Field Goal von Scott Starzyk aus 23 Yards glich LSU im vierten Viertel schließlich zum 24:24 aus. "Ich bin stolz darauf, wie unsere Jungs zurückgekämpft haben", sagte Kiffin. "Ich dachte, wir hätten sie in den Seilen."
Ole Miss ließ sich vom Ausgleich jedoch nicht beirren. Ohne den verletzten Lacy führte Chambliss die Rebels auf einem 75-Yard-Drive selbst zum entscheidenden Touchdown: Nach einem Fake-Handoff lief er 14 Yards gegen den Spielzug und setzte sich gegen LSU-Safety Ty Benefield zur Pylon-Ecke durch. Nach zwei Offside-Strafen gegen LSU bei der anschließenden Two-Point-Conversion verwandelte JT Lindsey aus einem halben Yard zum 32:24.
LSU erreichte in der Schlussphase zwar noch einmal die eigene Six-Yard-Linie, doch Leavitt verpasste bei Third Down seinen offenen Tight End Zach Grace, ehe sein Fourth-Down-Pass von Kam Franklins Helm abgefälscht wurde und Jaylon Braxton in der Endzone abfing - die Entscheidung. "Am Ende haben wir es nicht zu Ende gebracht. Wir hätten es auf der Defense zu Ende bringen und sie stoppen können. Wir haben sie durchmarschieren und punkten lassen. Und in der Offense sind wir dann ins Stocken geraten", resümierte Kiffin den entscheidenden Moment.
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Nach Spielende umarmte Kiffin seinen ehemaligen Defensive Coordinator und heutigen Ole-Miss-Head-Coach Pete Golding auf dem Spielfeld, während der Song "Callin' Baton Rouge" durch die Lautsprecher des Stadions dröhnte. "Ich bin sicher, dass ich dafür kritisiert werde, das zu sagen, aber ja, ich bin froh, dass es vorbei ist", gestand Kiffin später. "Es war wirklich sehr emotional, mit dem Bus hierher zu fahren, aus vielen Gründen. Es gab hier über sechs Jahre viele lebensverändernde Erfahrungen und viele wirklich gute Menschen, die mir durch wirklich schwierige Zeiten geholfen haben. Manchmal zeige ich es vielleicht nicht, aber ich bin auch nur ein Mensch."
Auch Chambliss ließ nach dem Spiel keinen Zweifel an der besonderen Bedeutung des Sieges: "Diese Partie hat viel mehr bedeutet als andere Spiele - wegen der Coaches, die hier waren und jetzt bei LSU sind, und auch wegen einiger Spieler. Ich wollte dieses Spiel wirklich unbedingt gewinnen, und unser Team auch."
Trotz der Ausgelassenheit im Stadion versuchte Head Coach Pete Golding, den Sieg im Anschluss bewusst einzuordnen. "Ich habe unserem Team gesagt: Ich glaube nicht, dass irgendjemand hierhergekommen ist, um LSU zu schlagen. Das war nicht unser Ziel, als wir angefangen haben. Ja, ist es süß? Absolut. Geht heute Abend feiern. Aber wir müssen wieder an die Arbeit", erklärte Golding. "Es war nicht unser Super Bowl, und wir haben es auch nicht dazu gemacht." Mit Blick auf die eigenen Ambitionen des Programms fügte er hinzu: "Seit 2023 empfinden wir es als Enttäuschung, wenn wir keine zehn Spiele gewinnen. Nach dem zweiten Jahr hieß es: Nationaler Titel oder nichts. So sollte es auch sein."
Für LSU (2:1) geht es kommenden Samstag im eigenen Stadion gegen die aktuelle Nummer neun laut AP Top 25 Ranking Texas A&M weiter, während Ole Miss (3:0) bei Florida gastiert.
mgs