vor 1 Tag
Tag 3 statt First-Rounder
Jermod McCoy galt als einer der besten Cornerbacks des Draft-Jahrgangs - und rutschte dennoch bis in die vierte Runde. Erst die Las Vegas Raiders beendeten den überraschenden Fall des Tennessee-Verteidigers.

Noch vor wenigen Monaten wurde McCoy als möglicher First-Round-Pick gehandelt. Auf einigen Big Boards gehörte er sogar zu den Top-10-Spielern des gesamten Drafts.
Der Grund für den Absturz: anhaltende Verletzungssorgen. Der 20-Jährige hatte sich Ende der College-Saison 2024 einen Kreuzbandriss zugezogen und verpasste die komplette Spielzeit 2025. Auch beim Combine fehlte er und konnte sich so nur in privaten Workouts präsentieren.
Zusätzlich sollen medizinische Details für erhebliche Zurückhaltung bei vielen Teams gesorgt haben. Zwar gilt das rekonstruierte Kreuzband als stabil, doch laut US-Berichten gibt es Bedenken hinsichtlich eines eingesetzten Knochentransplantats („bone plug“), das zur Behandlung eines Knorpelschadens im Knie verwendet wurde.
Einige Ärzte sollen dort weiteren Handlungsbedarf sehen. Demnach könnte eine zusätzliche Operation notwendig werden - mit entsprechend langer Rehabilitationszeit.
Wie unter anderem Yahoo! Sports berichtet, gingen manche Teams intern davon aus, dass ein weiterer Eingriff McCoy seine komplette Rookie-Saison kosten würde. Im Worst-Case-Szenario könnte eine nicht erfolgreiche Operation wohl sogar das frühzeitige Ende seiner Karriere bedeuten.
Der Eingriff würde voraussichtlich beinhalten, Knochen- und Knorpelgewebe aus einem anderen Bereich des Knies zu entnehmen und in die beschädigte Stelle zu transplantieren - ein komplexer medizinischer Prozess mit ungewissem Ausgang.
Trotz der Bedenken bleibt das sportliche Profil unbestritten. Der Verteidiger überzeugte zuletzt mit vier Interceptions, neun abgewehrten Pässen und starken Leistungen in der SEC.
Genau dieses Potenzial machte ihn für die Raiders interessant. Las Vegas tradete zu Beginn von Tag 3 nach oben und wählte den Cornerback an Position 101 - ein klarer Upside-Pick mit Restrisiko.
Auch McCoys erste Reaktion spiegelte seine schwierige Situation wider. Im Kreis seiner Familie fiel sein Verhalten deutlich zurückhaltender aus, als man es von einem klassischen Draft-Moment erwarten würde.
In seinen Worten war eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung zu erkennen, nachdem er von den Raiders ausgewählt wurde. Erst im Gespräch mit Head Coach Klint Kubiak huschte ihm ein kurzes Lächeln über das Gesicht, während er etwas abseits seiner Engsten telefonierte.
In Nevada wartet nun eine große Herausforderung auf den Cornerback. Durch die aktuell angespannte sportliche Situation könnten seine Fähigkeiten in Vegas früh gefragt sein - vorausgesetzt, er bleibt gesund.
Der Pick zeigt jedenfalls das Spannungsfeld moderner Draft-Entscheidungen: medizinisches Risiko gegen sportliches Potenzial. Für McCoy selbst bietet sich jetzt die Chance, genau diese Zweifel zu widerlegen - und zu beweisen, dass er deutlich früher hätte vom Board gehen sollen.
mhh