02.06.2026
Trades im Juni
In der NFL war es in den letzten Wochen etwas ruhiger geworden. Doch am 1. Juni schreckte die gesamte NFL-Welt hoch, als die Trades von Myles Garrett und A.J. Brown bekannt wurden. Der Zeitpunkt dieser Moves war allerdings kein Zufall, sondern taktisch perfekt von den Franchises geplant.

Am Montagnachmittag kam es in der NFL zu zwei spektakulären Trades, die die NFL ordentlich aufgemischt haben. Doch für erfahrene NFL-Experten kamen diese beiden Blockbuster-Moves nicht aus dem Nichts. Denn der 1. Juni spielt in der NFL jedes Jahr eine ganz besondere Rolle, die auch die Trades rund um Myles Garrett und A.J. Brown begünstigt hat.
Jeder Dollar, den ein NFL-Team an einen Spieler zahlt, muss unter dem Salary Cap verbucht werden. Über verschiedene Mechanismen können die Franchises jedoch steuern, wie und wann diese Beträge angerechnet werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frist zum 1. Juni. Sie regelt, wie Salary-Cap-Belastungen behandelt werden, wenn ein Spieler per Entlassung oder Trade das Team verlässt.
Nahezu jeder NFL-Vertrag enthält einen Signing Bonus. Dabei erhält der Spieler bei Vertragsunterzeichnung eine einmalige Zahlung. Für die Salary-Cap-Berechnung darf das Team diesen Betrag gleichmäßig über die Vertragslaufzeit verteilen - maximal über fünf Spielzeiten. Unterschreibt ein Spieler beispielsweise einen Fünfjahresvertrag mit einem Signing Bonus von 20 Millionen Dollar, werden pro Saison vier Millionen Dollar auf den Salary Cap angerechnet.
Nicht selten trennen sich Teams jedoch von Spielern, bevor deren Vertrag ausläuft. In solchen Fällen existieren noch Signing-Bonus-Anteile, die zwar bereits ausgezahlt wurden, aber noch nicht vollständig gegen den Salary Cap verbucht sind. Im genannten Beispiel wären bei einer Entlassung nach drei Jahren noch acht Millionen Dollar offen - jeweils vier Millionen Dollar in den beiden verbleibenden Vertragsjahren. Obwohl der Spieler nicht mehr für das Team aufläuft, muss das bereits gezahlte Geld weiterhin auf den Salary Cap angerechnet werden. Diese Belastung wird als "Dead Money" bezeichnet.
Dead Money beschreibt Salary-Cap-Kosten für einen Spieler, der nicht mehr Teil des Kaders ist. Dabei handelt es sich um bereits gezahlte oder garantierte Beträge, die noch nicht vollständig gegen den Salary Cap verbucht wurden.
Genau hier setzt die Frist zum 1. Juni an. Verlässt ein Spieler das Team am oder vor diesem Datum, muss die Franchise sämtliche verbleibenden Bonusanteile noch im laufenden Liga-Jahr anrechnen. Im Beispiel würden somit die gesamten acht Millionen Dollar als Dead Money verbucht.
Erfolgt die Trennung dagegen am 2. Juni oder später, darf das Team die Belastung auf zwei Spielzeiten verteilen. Im ersten Jahr wird lediglich der ursprünglich für diese Saison vorgesehene Bonusanteil angerechnet, der Rest folgt im darauffolgenden Liga-Jahr. Im Beispiel würden jeweils vier Millionen Dollar in Jahr eins und Jahr zwei verbucht.
Im Kern ermöglicht die Frist zum 1. Juni den Teams also, Dead Money zeitlich zu strecken. Dabei unterscheidet die NFL zwischen Entlassungen und Trades. Jede Franchise darf pro Jahr bis zu zwei Entlassungen als sogenannte Post-June-1-Cuts deklarieren. Diese können zwar jederzeit zwischen dem Beginn des neuen Liga-Jahres und dem 1. Juni erfolgen, werden für Salary-Cap-Zwecke jedoch so behandelt, als wären sie erst am 2. Juni vollzogen worden.
Der betroffene Spieler kann unmittelbar nach seiner Entlassung bei einem neuen Team unterschreiben. Das Franchise muss dessen ursprünglichen Cap Hit allerdings bis zum 2. Juni weiterführen. Erst danach wird das Dead Money auf zwei Spielzeiten verteilt.
In dieser Offseason gab es mehrere solcher Post-June-1-Designierungen, darunter die ehemaligen Quarterbacks der Atlanta Falcons, Kirk Cousins sowie der Miami Dolphins, Tua Tagovailoa. Die NFL führte die Regelung im Jahr 2006 ein. Zuvor hielten Teams Spieler häufig bis zum 2. Juni unter Vertrag, bevor sie sich von ihnen trennten. Für die betroffenen Athleten verschlechterten sich dadurch die Marktchancen erheblich, da viele Franchises ihre Kader zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend komplettiert hatten.
Die Regel soll Spielern ermöglichen, bereits während der Free Agency vor dem Draft einen neuen Arbeitgeber zu finden. Tagovailoa schloss sich den Falcons an, Cousins unterschrieb bei den Las Vegas Raiders. Die Teams profitieren dennoch von der Möglichkeit, Dead Money auf zwei Jahre zu verteilen.
Für Trades gilt diese Regelung allerdings nicht. Damit das abgebende Team von den Salary-Cap-Vorteilen profitiert, muss der Trade von der Liga erst am 2. Juni oder später offiziell verarbeitet werden. Erfolgt ein Trade am oder vor dem 1. Juni, wird das gesamte Dead Money sofort im ersten Jahr angerechnet. Wird ein Spieler dagegen am 2. Juni oder später transferiert, darf die Belastung auf zwei Spielzeiten verteilt werden. Eine Post-June-1-Designierung für Trades ist ausgeschlossen.

Damit eine Transaktion an einem bestimmten Tag von der Liga bearbeitet wird, muss sie bis 16.00 Uhr Eastern Time eingereicht werden. Geht sie erst um 16.01 Uhr ein, erfolgt die Bearbeitung erst am folgenden Tag. Um von den Salary-Cap-Vorteilen der Post-June-1-Regelung zu profitieren, muss ein Trade folglich am 2. Juni oder später verarbeitet werden. Deshalb qualifizieren sich auch alle Geschäfte, die am 1. Juni erst nach 16.00 Uhr ET bei der Liga eingehen. So können Trades am 1. Juni vollzogen werden und zählen dennoch offiziell als Trades am 2. Juni.
Die Browns hatten Myles Garretts Vertrag im März umstrukturiert, was ein erstes Anzeichen für den Trade war, da der Spieler selbst von der Vertragsveränderung nicht profitierte - die Browns hingegen schon. Cleveland stand vor einem Dead Cap von 41,09 Millionen Dollar. Hätte das Team den Defense-Star vor dem 1. Juni getradet, wäre die gesamte Summe für die Saison 2026 angerechnet worden und die Browns hätten viel finanziellen Spielraum verloren.
Der Trade wurde zwar früher bekannt, wurde aber offiziell erst nach 16.00 Uhr am 1. Juni bei der NFL eingereicht und wird somit offiziell als Move nach dem 1. Juni gewertet. So zählen 15,33 Millionen Dollar dieses Jahr gegen den Cap und 25,56 Millionen Dollar in der Saison 2027, was den Browns mehr finanziellen Spielraum in der laufenden Saison verschafft.
Ebenso verhielt es sich beim Trade von A.J. Brown zu den New England Patriots. Bei den Eagles fällt das Dead Money von 43,4 Millionen Dollar nicht komplett in der laufenden Saison an, sondern wird durch den Post-June-1-Trade auf 16,35 Millionen Dollar in 2026 und 27,1 Millionen Dollar in 2027 aufgeteilt.
nhu