28.01.2026
Vrabel, Macdonald oder Johnson?
Wie in jeder Saison haben auch in diesem Jahr einige Coaches Herausragendes mit ihren Teams geleistet. Diverse Coaches haben es geschafft, ihr Franchise binnen einer Saison auf den Kopf zu stellen und sofort zum Erfolg zu führen. Fünf Kandidaten haben in diesem Jahr besonders hervorgestochen.

Mike Vrabel hat sich mit seiner ersten Saison als Head Coach der New England Patriots klar an die Spitze der Coach-of-the-Year-Debatte gesetzt. Der Umschwung unter seiner Führung fiel nicht nur schnell, sondern vollständig aus: Von sportlicher Bedeutungslosigkeit führte er das Team zu einer 14-3-Bilanz und am Ende sogar (auch wenn für die Abstimmung nicht relevant) der ersten Super-Bowl-Teilnahme seit 2019. Besonders eindrucksvoll war der dominante Saisonabschluss gegen Miami, der letzte Zweifel an der Legitimität der Patriots beseitigte.
Denn New England profitierte zwar von einem vergleichsweise leichten Spielplan, doch historisch zählen für die Wähler vor allem Siege und sichtbare strukturelle Erneuerung. Beides lieferte Vrabel. Er stabilisierte den Kader, schuf klare Abläufe und holte aus Quarterback Drake Maye eine MVP-würdige Saison heraus. Für Vrabel wäre es nach 2021 bereits das zweite mal, dass er zum besten Coach des Jahres gewählt wird.
Passenderweise kommt Vrabels stärkster verbliebener Herausforderer ausgerechnet aus dem Team, dem er im Super Bowl gegenübersteht. Während in Santa Clara der Lombardi Trophy entgegengefiebert wird, liefern sich Mike Vrabel und Mike Macdonald also parallel ein zweites, stilleres Duell um den Award.
Macdonald hat die Seattle Seahawks nicht nur in den Super Bowl geführt, sondern ihnen über die gesamte Saison hinweg eine klare Identität gegeben. Der entscheidende Sieg gegen die 49ers unterstrich noch einmal seine Handschrift: Seattle kontrollierte das Spiel physisch, dominierte am Boden und sicherte sich damit sowohl den NFC-West-Titel als auch den First Seed der Conference. Vor allem defensiv gehörten die Seahawks zu den konstantesten Teams der Liga - ein Spiegelbild von Macdonalds Detailarbeit und Spielvorbereitung.
In vielen Jahren hätte dieses Profil ausgereicht, um die Auszeichnung als Coach des Jahres nahezu sicher einzufahren. Dass Macdonald dennoch als Herausforderer und nicht als Favorit gilt, liegt weniger an seiner eigenen Leistung als an der historischen Wucht von Vrabels Turnaround in New England.
Liam Coen führte die Jacksonville Jaguars in seiner ersten Saison als Head Coach zu einer herausragenden 13-4-Bilanz, dem Titel in der AFC South und dem dritten Seed der Conference. Zuvor war Coen als Offensive Coordinator bei den Tampa Bay Buccaneers tätig.
Besonders auffällig war der Saisonendspurt mit acht Siegen in Folge. Unter seiner Führung entwickelte sich die Offense kontinuierlich weiter, Trevor Lawrence spielte über weite Strecken auf hohem Niveau - wurde am Ende sogar für den MVP-Award nominiert. Zwar war für Jacksonville bereits in der ersten Runde der Playoffs Schluss, doch Coen wird sich dennoch bereits in die Herzen aller Jaguars-Fans gecoacht haben. Trotz starker Konkurrenz hat er also definitiv einen guten Case dafür, wieso er diese Auszeichnung verdient hätte.
Ben Johnson absolvierte seine erste Saison als Head Coach der Chicago Bears und führte das fast schon totgeglaubte Team prompt zu einer 11-6-Bilanz. Die Bears gewannen die anspruchsvolle NFC North und beendeten die reguläre Saison als zweiter Seed der NFC. Johnson kam in der Offseason als Offensive Coordinator der Detroit Lions nach Chicago.
Während der Saison musste Johnson immer wieder auf zentrale Spieler verzichten - und passte die Offensivkonzepte ganz einfach entsprechend an. Über das Jahr hinweg zeigte sich die Mannschaft stabil und setzte sich in einer hart umkämpften Division durch. Im Divisional Game gegen die L.A. Rams ging der ganz große Traum vom Titel dann zwar über Bord, doch Johnson hat sich diese Nominierung auf jeden Fall redlich verdient.
Kyle Shanahan beendete die Regular Season mit den San Francisco 49ers mit einer Bilanz von 12-5 und dem sechsten Seed in der NFC. Zwar kostete die Niederlage gegen die Seattle Seahawks am Ende den möglichen Gewinn der NFC West, doch Shanahans Handschrift und sein Einfluss auf den Erfolg seines Teams waren erneut klar erkennbar.
Über die gesamte Saison hinweg waren die 49ers immer wieder von personellen Rückschlägen betroffen. Und trotz zahlreicher Verletzungen von Schlüsselspielern wie Nick Bosa, Brock Purdy, Fred Warner und weiteren Leistungsträgern blieb San Francisco konkurrenzfähig, hielt den Teamspirit hoch und glaubte weiter an den gemeinsamen Weg. Die 49ers gewannen auch in schwierigen Phasen ihre Spiele - und hielten so den Traum vom Super Bowl im eigenen Stadion bis weit in die Saison hinein am Leben.
nkr, mhh