05.05.2026
Umbruch mit Erfolg?
Mit der Entlassung von Chris Grier Ende Oktober 2025 und der Trennung von Head Coach Mike McDaniel nach einer erfolglosen 7-10 Saison, hat Owner Stephen Ross den Weg frei gemacht für einen kompletten Umbau des Front Offices. Mit Jon-Eric Sullivan fand man nach der Saison schnell einen neuen General Manager. Es ist klar: In Miami soll sich vor allem die Mentalität und die Physis mit der gespielt wird ändern.

Jon-Eric Sullivan verbrachte seine professionelle Karriere in der NFL bei den Green Bay Packers. Nach 21 Jahren und verschiedenen Stationen, bekommt er die Möglichkeit in der ersten Reihe des Front Offices eine Organisation aufzubauen. Doch nicht nur Sullivan kam aus Green Bay, sondern auch der neue Head Coach Jeff Hafley war vorher Defensive Coordinator des Teams aus der NFC.
Doch was zeichnet die neuen Miami Dolphins in der Zukunft aus? Vieles ist bereits in den ersten Monaten deutlich geworden. Mit seiner markanten Aussage "Fast gets slow, but big doesn’t get small" bricht Sullivan konkret mit dem vorherigen Regime, welches unter McDaniel vor allem auf eins gesetzt hatte: Geschwindigkeit. Außerdem wurde den Dolphins in der Vergangenheit oft vorgeworfen nicht physisch genug zu sein.
Mit dem neuen Front Office möchte das Team aus Miami diese Vorwürfe angehen. Das wurde spätestens klar, als man Jaylen Waddle zu den Denver Broncos getradet und sich von Quarterback Tua Tagovailoa getrennt hat. Damit bleiben die Dolphins mit 180 Millionen US-Dollar Dead Cap zurück - was wiederum über 50 Prozent des Cap Spaces einnimmt. Da wundert es nicht, dass die Dolphins mehr als 40 Spieler mit dem Veteran Minimum in den Büchern stehen haben.
Die neue Ausrichtung des Franchises heißt "build through the draft". Keine teuren Trades für Starspieler wie Hill oder Chubb und im besten Fall sollen die teuersten Spieler im Roster in Miami eigene Draftpicks auf ihrem zweiten oder dritten Vertrag werden. Auch hier geht Sullivan einen anderen Weg als sein Vorgänger Grier. Ob es die teuren Trades oder Free Agents Signings waren: Genug Geld für die eigenen Talente war zuletzt nicht mehr da. So verloren die Dolphins in den letzten Jahren Spieler wie Christian Wilkins, Robert Hunt, Andrew van Ginkel und viele weitere, die bei ihren neuen Franchises gut dotierte Verträge unterschrieben.
Kann das neue Regime an den Worten festhalten? Durch den knappen Cap Space kann Miami keine großen Sprünge machen. Trotzdem fand Sullivan genug Reserven um Malik Willis als Free Agent unter Vertrag zu nehmen - über drei Jahre und einem Gesamtvolumen von 67,5 Millionen US-Dollar. Das ist kein Monstervertrag, aber für einen Quarterback, der weniger als 550 Snaps und gerade einmal 225 Passversuche in seinen vier Jahren in der NFL hat, kann hier von einem Commitment seitens Miami gesprochen werden.
Zwar ist das im durchschnittlichen Jahresgehalt nur Platz 17 (via Spotrac) der Quarterbacks, aber in einem Rebuild in den Ausmaßen mehr als üblich. Doch die Suche nach einem Franchise Quarterback ist eine der wichtigsten Aufgaben eines GMs in der NFL. Sullivan und Hafley hatten in der Zeit in Green Bay genug Einsicht in die tägliche Arbeit von Willis, sodass man davon ausgehen muss, dass dieser genau die Werte vertritt, die das neue Front Office leben will.

Die Wahrheit über die neuen Miami Dolphins zeigt sich im Draft. Neben Physis ist es Sullivan auch ein Anliegen das Team über die Trenches aufzubauen. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass nach einem Backtrade mit den Cowboys von elf auf zwölf ein O-Liner gedraftet wurde. Das dieser Kadyn Proctor von Alabama sein wird, war für viele doch eine Überraschung. Am letzten Tag vor dem Draft wurde deutlich, dass die NFL ihn deutlich höher bewertet als der allgemeine Konsens - und genau das bestätigte sich schließlich. Zudem bewahrheiteten sich auch die Aussagen von Sullivan, der angekündigt hatte, physischer und größer werden zu wollen.
Die Picks von Johnson und Rodriguez sind aber nicht ganz eindeutig. Beide sind Spieler, die gewillt sind physisch zu spielen, aber dies nicht durch ihren Körperbau mitbringen. Insgesamt ist das neue Mantra in Miami im Hinblick auf die Draftklasse eher auf die Mentalität und den Einsatz der Spieler zu beziehen, als rein auf den Körperbau oder die Maße. Hier zeigt sich in ein roter Faden: In vielen Scouting Reports ist bei den Spielern, die die Dolphins gedraftet haben, zu lesen, dass sie entweder eine Arbeitsethik haben oder zumindest einen kompetitiven Charakter.
Eines war in den letzten Jahren immer wieder durch die Presse gegangen: Eine gewisse Disziplinlosigkeit in Miami. Spieler seien zu spät zu Meetings gekommen, ohne Konsequenten fürchten zu müssen. Das McDaniel den Locker Room verloren haben soll, ist aber nicht zutreffend, da die Dolphins sich nach einem 2-7 Start in die Saison nicht aufgegeben haben und die letzten acht Spiele mit 5-3 positiv gestaltet haben. Es ist kaum vorstellbar, dass Hafley eine geringe Disziplin bei Meetings oder Team Aktivitäten tolerieren wird.
Neben dem physischen Profil, der Athletik war es dem Franchise auch wichtig, dass die Spieler im College Erfahrung auf dem Feld gesammelt haben. Ganze 430 Starts haben die 13 gedrafteten Spieler auf sich verteilt. Das Profil der Spieler, die zu den Dolphins unter Sullivan passen, schärft sich bei einem genaueren Blick auf die Klasse immer weiter und das ist eine Nachricht, die es selten gegeben hat in den letzten Jahren in Miami.
Im Vergleich zu Grier hat Sullivan eine klare Idee für welche Identität die Dolphins bekannt werden sollen. Grier hatte in seiner Zeit kein klares Profil, sondern verließ sich scheinbar auf die Prioritäten der Coaches. Das war teilweise von Erfolg geprägt, aber in keinem Fall nachhaltig. Diese Nachhaltigkeit hält nun Einzug in das Hard Rock Stadium.
In den ersten Monaten unter dem neuen Regime wurden viele richtungsweisende Entscheidungen getroffen. Ein neuer Starting Quarterback, alte Spieler, die ehemaligen Stützen waren, sind gecuttet worden, um den Cap Space so schnell wie möglich gesund zu bekommen und Spieler, die nicht in das Profil von Sullivan und Hafley passen wurden abgegeben. Das sorgte bei einigen Analysten und auch Fans für Fragezeichen, ob die Dolphins im kommenden Jahr überhaupt wettbewerbsfähig sind.
Diese Frage muss Miami auf dem Platz beantworten. Aber das erste Mal seit über einem Jahrzehnt gibt es ein klares Mantra, das durch den General Manager in Kooperation mit dem Coaching Staff durch die gesamte Organisation getragen wird. Das ist etwas, was im ersten Jahr nicht unbedingt zum Erfolg führt, aber die Miami Dolphins auf lange Sicht wieder zu dem Franchise machen kann, die sie unter Don Shula gewesen ist.
Rico Harting