16.04.2026
Die Beschützer der Quarterbacks
Auch in der diesjährigen Draft-Klasse gehört die Offensive Line wieder zu den spannendsten Positionsgruppen. Besonders auf Tackle ist die Spitze hochklassig besetzt - mit unterschiedlichen Spielertypen, die moderne NFL-Offenses auf verschiedene Weise prägen können. Vom physischen Power-Blocker bis zum technisch brillanten Pass Protector ist alles dabei.

Offensive Tackles sind im heutigen Football mehr denn je Schlüsselspieler: Sie schützen den Quarterback, eröffnen Räume im Laufspiel und müssen gleichzeitig mit immer athletischeren Edge-Rushern mithalten. Gleichzeitig gehört die Bewertung dieser Position zu den schwierigsten im Draft-Prozess. Je nach Scheme und Team-Need werden unterschiedliche Spielertypen gesucht, und nicht jeder Tackle passt automatisch in jedes System. Genau diese Faktoren machen die diesjährige Klasse besonders spannend.
Das sind die Top 5 Offensive Tackles der Draft-Klasse laut Consensus Big Board:

Blake Miller war über Jahre hinweg der feste Left Tackle bei Clemson und bringt damit wertvolle Erfahrung auf der Premium-Position mit. Seine Konstanz und Verlässlichkeit machen ihn zu einem der sichereren Prospects im Draft.
Mit seinen athletischen Fähigkeiten und schnellen Füßen überzeugt Miller vor allem in der Pass Protection. Er spielt technisch sauber, bleibt häufig in guter Position zum Verteidiger und zeigt ein gutes Gespür für Timing und Balance. Besonders auf dem Second Level kann er seine Beweglichkeit ausspielen.
Im Vergleich zu den höher gerankten Tackles fehlt ihm jedoch die dominante Physis. Gegen kräftige Pass Rusher kann er Probleme bekommen, Blocks zu halten oder konstant zu finishen. Miller ist ein kompletter Allrounder - aber ohne das klare Elite-Feature, das ihn weiter nach oben im Ranking bringen würde.

Kadyn Proctor ist der wohl beeindruckendste Spieler dieser Klasse - zumindest rein physisch. Als Left Tackle bei Alabama brachte er eine seltene Kombination aus Größe, Power und Athletik auf das Feld.
Im Run Game ist er ein echter Gamechanger: Proctor bewegt Verteidiger mit Leichtigkeit und kann Lücken reißen, die es so nur selten gibt. Auch in der Pass Protection überzeugt er, weil er sich kaum nach hinten drücken lässt und Edge Rusher konsequent auf Distanz hält.
Seine größten Fragezeichen liegen in der Konstanz und seiner Länge. Technik, Pad Level und Conditioning sind nicht immer auf dem Niveau, das sein Talent vermuten lässt. Im Vergleich zu Miller bringt er mehr Upside mit, aber auch deutlich mehr Risiko. Zudem könnte seine Zukunft in der NFL nicht nur wegen seines Spielstils, sondern auch aufgrund kürzerer Arme eher auf der Guard-Position liegen. Proctor ist ein klassischer Boom-or-Bust-Pick mit enormem Potenzial.

Monroe Freeling ist der prototypischste Left Tackle dieser Klasse. Mit 2,01 Metern und langen Armen bringt er genau die Maße mit, die NFL-Teams auf dieser Position suchen.
Seine größte Stärke ist die Kombination aus Länge, Athletik und Spielverständnis. Freeling erkennt Stunts und Blitzes früh, bewegt sich für seine Größe erstaunlich flüssig und kann auch schnelle Richtungswechsel mitgehen. Kein Spieler in dieser Draft-Klasse bringt ein so herausragendes athletisches Profil mit und gleichzeitig einen idealen Körperbau wie Freeling.
Allerdings fehlt es ihm noch an Erfahrung und Konstanz. Mit vergleichsweise wenigen Starts ist er noch ein Entwicklungsspieler, und sein hoher Körperschwerpunkt führt immer wieder zu Problemen im Leverage-Duell. Im Vergleich zu Proctor fehlt ihm die rohe Dominanz, dafür bringt er das sauberere LT-Profil mit.

Spencer Fano ist das genaue Gegenteil von Proctor: weniger spektakulär, dafür extrem sauber in seiner Ausführung. Bei Utah spielte er überwiegend als Right Tackle, sammelte jedoch bereits 2023 auch Erfahrung auf der linken Seite - ein wichtiger Punkt für NFL-Teams in der Evaluation.
Seine Footwork ist herausragend, seine Bewegungen sind effizient und kontrolliert. Besonders im Run Game zeigt er eine außergewöhnliche Präzision und zählt technisch zu den besten Linemen dieser Klasse. Allerdings liegen seine größten Schwächen weniger in der Technik als vielmehr in der Physis: Gegen kräftige Edge Rusher hat Fano immer wieder Probleme, konstant den Anker zu halten. Vor allem im Leverage-Duell zeigt er Schwächen aufgrund seiner wirklich kurzen Arme, die nur im dritten Perzentil unter Offensive Tackles in der NFL liegen würden.
Genau diese Faktoren könnten auch seinen Draft Stock beeinflussen. Die fehlende Erfahrung als dauerhafter Left Tackle und die Frage, ob er sich gegen NFL-Power-Rusher mit Länge behaupten kann, machen seine Projection schwieriger. Im Vergleich zu Francis Mauigoa fehlt ihm die rohe Dominanz, dafür bringt er als Tackle den deutlich höheren Floor mit.

Francis Mauigoa ist der kompletteste Offensive Tackle dieser Klasse und vereint Power, Athletik und Upside auf höchstem Niveau. Auch er spielte am College überwiegend als Right Tackle - ein wichtiger Faktor für seine Bewertung im Draft.
Sein Spiel lebt von Explosivität und Physis. Besonders im Run Game ist er ein dominanter Blocker, der Verteidiger regelmäßig nach hinten schiebt und vertikale Bewegung erzeugt. In der Pass Protection zeigt er solide Ansätze mit starkem Anchor, hat aber gegen schnelle Edge Rusher noch Probleme, konstant den richtigen Winkel zu setzen.
Der größte Unterschied zu Fano liegt im Profil: Während Fano über Technik und Konstanz kommt, bringt Mauigoa rohe Dominanz und physische Präsenz mit. Genau dieses Gesamtpaket macht ihn zum Top-Tackle der Klasse - auch wenn seine ideale Position noch nicht in Stein gemeißelt ist.
Entscheidend für seine Draft-Bewertung ist dabei weniger sein Floor als Tackle, sondern vielmehr sein Floor als Guard. Sollte sich herausstellen, dass ihm auf Tackle die nötige Range fehlt, hat er durch seine Physis, seine Explosivität und sein Movement-Package das Potenzial, sofort auf Guard zu wechseln und dort perspektivisch zu einem der besten Spieler der Liga zu werden. Diese Vielseitigkeit wirkt wie eine Art Lebensversicherung im Draft und hebt seinen Gesamtwert zusätzlich an.
Die Offensive-Tackle-Klasse 2026 bietet eine spannende Mischung aus unterschiedlichen Spielertypen. An der Spitze steht mit Francis Mauigoa ein physisch dominanter Spieler, während Spencer Fano durch Technik und Konstanz überzeugt. Dahinter folgen mit Freeling und Proctor zwei Prospects mit hohem Upside, aber auch klaren Fragezeichen.
Blake Miller rundet die Top 5 als stabiler Allrounder ab. Die Unterschiede im Big Board zeigen deutlich, dass es innerhalb der Gruppe wenig Abstufungen gibt. Dennoch gilt: Wer den richtigen Spielertyp für sein System findet, kann sich einen langfristigen Franchise-Tackle sichern.
Mit Caleb Lomu aus Utah (Big Board Platz 25) und Max Iheanachor von Arizona State (Platz 36) stehen zudem zwei weitere spannende Tackles bereit, die aktuell im Bereich Ende erste Runde bis Anfang zweite Runde gehandelt werden. Dahinter fällt die Klasse jedoch deutlich ab - insgesamt wirkt die Tackle-Gruppe nach der erweiterten Spitze eher dünn, was den Wert früher Picks auf dieser Position zusätzlich erhöht.
Gleichzeitig zeigt sich eine Besonderheit dieser Draft Class: Mit Mauigoa, Fano und Proctor bringen gleich drei Top-Spieler nicht die ideale Armlänge für einen Tackle mit. Teams müssen daher entscheiden, ob sie auf NFL-Level als Tackle bestehen können oder eher auf Guard wechseln sollten. Genau das erschwert die Evaluation zusätzlich, da der höhere Value der Tackle-Position eine zentrale Rolle spielt. Diese Konstellation könnte am Draft Day für Überraschungen sorgen, wenn Teams unterschiedlich bewerten, wer tatsächlich als Franchise-Tackle infrage kommt.
| Spieler | College | Big Board Ranking | Spiele 2025 | Sacks Allowed 2025 | Strafen 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Francis Mauigoa | Miami | 5 | 16 | 2 | 7 |
| Spencer Fano | Utah | 11 | 12 | 0 | 5 |
| Monroe Freeling | Georgia | 12 | 14 | 1 | 2 |
| Kadyn Proctor | Alabama | 19 | 15 | 2 | 2 |
| Blake Miller | Clemson | 24 | 13 | 2 | 5 |
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mgs, red