13.04.2026
Zwei Fighting Irish
Auch in diesem Jahr gibt es im NFL Draft einige spannende Talente aus der Offense. Auch für Teams, die stark auf das eigene Laufspiel setzen, dürfte die Draft-Class interessant sein, denn auch dieses Jahr kommen einige talentierte Ballträger aus den Colleges in die NFL.

Wie schon im letzten Jahr ist mit Jeremiyah Love ein absoluter Top-Running-Back im diesjährigen Draft, der das Potenzial mitbringt, einer der besten der Liga zu werden und vielleicht sogar innerhalb der ersten fünf Picks vom Board geht. Aber auch dahinter sind einige weitere sehr talentierte Running Backs, unter ihnen einer vom selben College wie Love. Das sind die Top 5 Running Backs im diesjährigen Draft laut dem Consensus Big Board:
Emmett Johnson kam als 3-Star-Recruit von der High School ans College. Bei Minnesota lief er in seinem Senior-Jahr für über 2500 Yards und erzielte 42 Touchdowns, was ihm den Award des Mr. Minnesota einbrachte. Neben Running Back spielte Johnson an der High School auch als Safety. 2023 entschied er sich für die Nebraska Cornhuskers und startete in seinem ersten Jahr sechs Spiele. In der darauffolgenden Saison lief er als Backup für 598 Yards und führte sein Team mit 908 all-purpose Yards an. In seinem letzten Jahr am College gelang Johnson sein Durchbruch. Er lief für 1451 Yards und erzielte zwölf Touchdowns. Damit war er der erste Running Back seit 2018, der für Nebraska die 1000-Yard-Marke knackte. Zudem fing er 46 Bälle für 370 Yards.

Der 22-Jährige bringt einen guten Blick für das Spiel mit und erkennt offene Bereiche im Feld oftmals bevor sie entstehen. Er ist in allen Laufkonzepten gut einzusetzen und sehr schwer zu tacklen. Er hat eine große Agilität, mit der er es Gegner immer wieder extrem schwer macht, ihn zu Boden zu bringen. Zudem war er in seinem letzten Jahr am College auch im Passspiel sehr aktiv und kann mehr als nur für Check-Downs eingesetzt werden. Verbesserungspotenzial hat der junge Running Back allerdings im Pass-Block. Ebenso ist Johnson teilweise etwas zu gierig auf den Touchdown und setzt seine Cutbacks zu früh und zu häufig ein und nimmt dabei Raumverlust in Kauf, statt die einfachen aber sicheren Yards zu erzielen. Mit einer Zeit von 4,56 Sekunden auf 40 Yards liegt Johnson nur im Mittelfeld aller Running Backs und wird in der NFL Schwierigkeiten damit haben, Verteidigern bei Stretch-Spielzügen davonzulaufen.
Coleman kam als 3-Star-Recruit aus der High School nach Arizona. Bei den Wildcats kam der 22-Jährige in allen 25 Spielen der ersten zwei Saisons zum Einsatz und erzielte insgesamt über zwei Jahre 1243 Rushing Yards und neun Touchdowns. Für seine letzten zwei Jahre am College folgte Coleman seinem bisherigen Head Coach Jedd Fisch nach Washington zu den Huskies. Für Washington lief Coleman über zwei Jahre hinweg für 1812 Yards und 25 Touchdowns. Zudem erzielte er 531 Yards durch die Luft und konnte zwei Touchdowns fangen.

Mit einer Körpergröße von 1,72 Metern ist er einer der kleinsten Running Backs der Draft-Class. Doch diese Eigenschaft spielt ihm in die Karten, denn dadurch hat der 22-Jährige einen tiefen Körperschwerpunkt, was ihn zu einem schwer zu tacklenden Ziel macht. Zudem ist er sehr durchsetzungsfähig und läuft durch den ersten Kontakt häufig durch. Auch seine Hände sind sehr sicher. Er hatte nur einen Fumble bei 396 Ballberührungen und wurde viel im Passspiel eingesetzt. Zudem lieferte er selbst hinter der schwächelnden Huskies-O-Line gute Statistiken. Mit einer Zeit von 4,5 Sekunden auf 40 Yards gehört aber auch Coleman nicht zu den schnellsten Running Backs - zudem hat er immer wieder Probleme damit freie Räume schnell zu sehen und zu nutzen. Zudem verkürzte eine Knieverletzung seine Saison im vergangenen Jahr.
Washington Jr. spielte lange Zeit seiner Karriere unter dem Radar. Nach seiner Zeit an der High School in New York ging er ans College zu den Buffalo Bulls. Bei den Bulls konnte er in drei Jahren 1119 Yards und zehn Touchdowns am Boden erzielen. Nach drei Jahren in Buffalo transferierte er an die New Mexico State University. Bei seinem neuen Team kam er auf 725 Rushing Yards und acht Touchdowns. Doch erst bei seiner letzten Station den Arkansas Razorbacks gelang ihm der Durchbruch - mit 1070 Rushing Yards und acht Touchdowns überzeugte er und fing oben drauf auch noch Bälle für 226 Yards und einen weiteren Touchdown.

Washington Jr. sticht besonders durch seine Athletik heraus. Trotz seiner Körpergröße von 1,85 Meter ist er sehr schnell und lief beim Combine eine Zeit von 4,33 Sekunden beim 40-Yard-Dash. Zudem ist er sehr physisch und lässt Gegner an sich abperlen. Wenn er einmal in Fahrt gekommen ist, wird es für die Gegner schwer ihn aufzuhalten und für seinen Körperbau sind seine Cuts und seine lateralen Bewegungen überraschend flüssig. Sowohl beim NFL Combine als auch beim Pro-Day konnte er überzeugen. Doch der 22-Jährige bringt auch einige Schwächen mit sich. Washington Jr. ist kein typischer Dual-Threat-Running Back und wenig gefährlich im Passspiel. Zudem ließ er in den letzten drei Jahren zehnmal den Ball fallen, was sich in der NFL schleunigst ändern muss.
Jadarian Price kam als großes Talent aus der High School ans College. In der High School hatte er fast 5000 Yards erlaufen und 55 Touchdowns erzielt. Doch am College musste er sofort einen herben Rückschlag hinnehmen. Price riss sich die Achillessehne und verpasste seine komplette erste Saison bei Notre Dame. In der Saison 2023 wurde Price dann mit Bedacht eingesetzt, um ihn nach der schweren Verletzung langsam an den Sport wieder heranzuführen. In der Saison 2024 konnte Price zum ersten Mal richtig glänzen - 746 Yards und sieben Touchdowns am Boden. In seinem zweiten Jahr hinter Jeremiyah Love und seinem letzten College-Jahr kam Price auf 674 Rushing Yards und elf Touchdowns. Mit Love bildete er eines der gefährlichsten Running-Back-Duos im College Football.

Price überzeugt mit seiner physisch harten Spielweise und seinem Willen durch jeden Kontakt durchzulaufen. Gleichzeitig hat er auch noch eine große Durchschlagskraft, eine sehr hohe Beschleunigung und ein gutes Auge für die Lücken in der Defense. Allerdings konnte der 22-Jährige diese Attribute nie als Starter zeigen und erhielt im Schnitt immer deutlich weniger Möglichkeiten als die anderen Running Backs der Top 5. Zudem ist seine Pass-Block-Note nicht gut und er neigt dazu hinter seiner O-Line zu tänzeln statt eine kleinere Lücke zu nutzen.
Jeremiyah Love kam als Football- und Leichtathletikstar von der High School zu Notre Dame. Obwohl er Angebote von vielen verschiedenen Colleges hatte, entschied er sich am Ende für die Fighting Irish. Als Freshman spielte er hinter Audric Estime eine gute erste Saison. Mit 385 Yards setzte Love erstmals ein Zeichen. In seiner zweiten Saison kam dann sein Durchbruch - 1125 Yards, 17 Touchdowns und ein Schulrekord von 13 Spielen in Folge mit einem Score. Doch in seinem letzten Jahr bei Notre Dame überbot er selbst diese Statistiken noch einmal. Love lief für 1372 Yards und stellte mit 21 Total Touchdowns einen neuen Rekord bei Notre Dame auf.

Love ist ein sehr geduldiger Running Back, der keine Angst davor hat, etwas länger auf die perfekte Lücke zu warten. Mit einer Zeit von 4,36 Sekunden auf 40 Yards hat er für einen Ballträger einen sehr guten Speed und weiß diesen zu nutzen. Er begeistert mit Cuts, lässt seine Gegner regelmäßig stehen und kann im Passspiel optimal eingesetzt werden. Immer wenn Love an den Ball kommt, kann das Play in einem Highlight-Video enden. Dennoch fehlt es ihm an Technik im Pass-Block und sein Route Tree ist etwas limitiert.
Die diesjährige Running-Back-Klasse hat einen klaren Favoriten. Love ist mit Abstand der beste auf seiner Position und ist einer der talentiertesten Spieler des gesamten Drafts. Aber auch hinter Love gibt es einige spannende Ballträger, die in der NFL für Unruhe sorgen können. Damit dürfte dieser Draft für alle Teams, die einen neuen Running Back brauchen durchaus spannend sein.
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nhu