08.04.2026
Der beste Spieler dieser Draft-Klasse?
Der NFL Draft 2026 in Pittsburgh verspricht ein ungewöhnliches Spektakel. Einer der meistdiskutierten Namen im Vorfeld ist Notre-Dame-Running-Back Jeremiyah Love, der in zahlreichen Mock Drafts unter den ersten fünf Picks auftaucht. Doch so verlockend sein Talent auch ist: Finanziell betrachtet ergibt diese Einordnung kaum Sinn.

In wenigen Wochen richtet sich der Blick der National Football League nach Pittsburgh, wenn der NFL Draft 2026 beginnt. Während die Gerüchteküche immer heißer läuft, zeichnet sich eine Entwicklung besonders deutlich ab. Der Name Jeremiyah Love taucht immer wieder ganz oben in Mock Drafts auf und wird konstant unter den Top-5-Picks gehandelt. In einer Klasse, die von Experten als ungewöhnlich dünn bewertet wird, gilt der Running Back aus Notre Dame als einer der sichersten und talentiertesten Prospects überhaupt. Doch genau diese Einordnung wirft eine unbequeme Frage auf, die in der öffentlichen Debatte zu selten gestellt wird: Was bedeutet es finanziell, einen Running Back so früh auszuwählen?
Um das Problem zu verstehen, muss man zunächst einen Blick auf die Struktur der NFL-Rookie-Gehaltsskala werfen. Diese Skala legt fest, welches Gehalt an welchen Draftpick-Platz gekoppelt ist. Die Kopplung ist nicht verhandelbar. Wer an einer bestimmten Stelle gedraftet wird, bekommt das entsprechende Gehalt, unabhängig davon, welche Position er spielt. Der First-Overall-Pick erhält über vier Jahre insgesamt 54,6 Millionen Dollar. Der fünfte Pick kommt auf 45,6 Millionen Dollar über denselben Zeitraum, also im Schnitt 11,4 Millionen Dollar pro Saison.
Nehmen wir das konkreteste Szenario: Die New York Giants halten aktuell den fünften Pick und tauchen in Mock Drafts regelmäßig als potenzielle Abnehmer für Love auf, sofern er nicht bereits einen Pick früher zu den Titans an vier geht. Sollte der Running Back tatsächlich an fünf ausgewählt werden, würde er sofort, ohne einen einzigen NFL-Snap gespielt zu haben, 11,4 Millionen Dollar pro Jahr verdienen. Zum Vergleich: Rams-Running-Back Kyren Williams liegt unter diesem Wert. James Cook von den Buffalo Bills verdient nur leicht mehr. Und hier reden wir von zwei der besten Running Backs der Liga.
Weitere etablierte Größen auf der Position wie Josh Jacobs, Travis Etienne und Alvin Kamara liegen ebenfalls nur marginal über Loves hypothetischem Top-5-Rookie-Gehalt. Mit anderen Worten: Ein unerprobter College-Spieler würde finanziell auf Augenhöhe mit einigen der besten und erfahrensten Running Backs der Liga gestellt werden, noch bevor er auch nur bewiesen hat, dass er das NFL-Niveau überhaupt mitbringt.
Der NFL Draft wird nicht ohne Grund immer wieder als Lotterie bezeichnet. Selbst die sichersten Prospects können sich verletzen, den Sprung ins Profigefüge nicht schaffen oder einfach nicht die erhoffte Wirkung entfalten. Bei Positionen wie Quarterback oder Edge Rusher, die auf der offensiven beziehungsweise defensiven Seite des Balles einen direkten und messbaren Einfluss auf das Spielgeschehen haben, ist dieses Risiko oft leichter zu rechtfertigen.
Bei einem Running Back jedoch, einer Position, die in der modernen NFL ohnehin zunehmend als ersetzbar gilt und auf der Verletzungsanfälligkeitsskala traditionell weit oben steht, wiegt dieses Risiko ungleich schwerer. Ein garantiertes Top-Gehalt für einen Spieler auf einer solchen Position, der noch nie einen NFL-Snap gespielt hat, ist in einem System mit harten Gehaltsstrukturen und einer Gehaltsobergrenze pro Team, dem Salary Cap, schlicht schwer zu verteidigen.

All das gesagt, wäre es zu einfach, das Szenario vollständig auszuschließen. Denn dieser Draft ist kein gewöhnlicher. Die Klasse ist dünn, Blue-Chip-Prospects sind rar, und Teams unter Druck könnten sich bewusst für die Sicherheit entscheiden. Jeremiyah Love ist in dieser Klasse womöglich der verlässlichste Spieler überhaupt, möglicherweise sogar das größte Talent.
Für ein Franchise, das dringend einen Unterschiedsspieler braucht und bereit ist, den finanziellen Kompromiss einzugehen, könnte genau das der ausschlaggebende Faktor sein. In diesem Moment stellt sich zwangsläufig die Frage, welches Risiko als vertretbarer eingeschätzt wird. Setzt man auf Love und vertraut darauf, dass er sein hohes Gehalt direkt rechtfertigt, im Wissen, dass er eine der sichersten Optionen in einem Draft ist, der viele Fragezeichen hat? Oder geht man das Risiko ein mit einem Spieler, der als unsicherer gilt, dafür aber mehr Impact und mehr Upside mitbringt, einen aber auch komplett enttäuschen könnte?
Jeremiyah Love ist ein außergewöhnlicher Spieler. Daran besteht kein Zweifel. Aber der NFL Draft ist nicht nur ein Talentwettbewerb, er ist auch eine Ressourcenentscheidung. Und gemessen an den finanziellen Realitäten der Liga macht ein Top-5-Pick für einen Running Back in einem System mit fester Gehaltsskala objektiv wenig Sinn.
Ob NFL-Teams das am Ende als Kollektiv genauso sehen, bleibt abzuwarten. Denn letztlich braucht es nur eines der Top-5-Teams zu Beginn des Drafts, das bereit ist, diese Wette zwischen Talent und Vernunft einzugehen.
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