16.05.2026
Neue Football-Ära startet am Wochenende
Der Neustart des europäischen Profi-Footballs ist da: Mit EFA und AFLE gehen ab sofort gleich zwei neue Ligen an den Start. Mittendrin stehen auch die Vienna Vikings und Raiders Tirol - allerdings erstmals getrennt statt gemeinsam in einer Liga.

American Football in Europa startet dieses Wochenende in eine neue Ordnung: Die European Football Alliance (EFA) beginnt mit ihrer Debütsaison, eine Woche später fliegt auch in der konkurrierenden League Europe (AFLE) erstmals das Leder-Ei. Mittendrin sind die heimischen Aushängeschilder Raiders Tirol und Vienna Vikings, aber getrennt statt gemeinsam. Die Raiders reisen am Sonntag (16.00 Uhr) in der EFA zu den Munich Ravens. Die Wiener hingegen sind in der AFLE engagiert.
"Wir sind froh, dass die Saison endlich losgeht, nachdem ja sehr viele Turbulenzen waren in den letzten Monaten", sagte Raiders-Geschäftsführer Markus Wieser im APA-Gespräch. Damit meinte der Sportmanager den finanziellen Kollaps der European League of Football (ELF), von der sich einige Clubs wie die Vikings nach der letzten Saison frühzeitig losgesagt hatten und in dessen Folge sich zwei Lager bildeten. Das Ergebnis sind nun zwei Meisterschaften: In der EFA kämpfen sechs Teams um eine Trophäe, Fans und Reichweite - in der AFLE sind es acht.
"Unterschiedliche Strategien, unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Systeme", nannte Vikings-General-Manager Max Paatz, der seit November bei den Wienern werkelt, die Gründe für die Spaltung. "Die EFA ist eine komplett von den Teams verwaltete und finanzierte Liga. Wir hingegen haben wieder einen Liga-Investor und ein zentrales Liga-Management. Es sind völlig unterschiedliche Ansätze, beide sind zu respektieren", erklärte der Deutsche, der unter anderem auch schon bei Rhein Fire tätig war.
Fire und die Wikinger bilden die AFLE-Haupttriebwerke. Mit dabei sind auch Berlin Thunder, die Wroclaw Panthers sowie die Neulinge London Warriors, Firenze Red Lions, Paris Lights und Alpine Rams. In der EFA agieren neben den Raiders und Ravens die einstigen ELF-Franchises Frankfurt Galaxy, Paris Musketeers, Prague Lions und Nordic Storm.
"Wir haben jetzt eine Liga mit ausschließlich Top-Teams, die alle Rahmenbedingungen erfüllen", meinte Wieser. "Wir wissen, wir kriegen ein gutes Produkt ohne Nebengeräusche. Da haben wir lieber weniger Teams, die dafür gut aufgestellt sind."
Das Halbfinale ist das erklärte Ziel der Tiroler, die mit Quarterback Steven Krajewski sowie Rückkehrer Shuan Fatah als Headcoach neu aufgestellt sind. "Er hat die erfolgreichste Zeit der Raiders geprägt", sagte Wieser über Fatah, der von 2011 bis 2019 in Innsbruck arbeitete. "Wir sind ein Verein mit einem sehr starken Unterbau, mit Spielern, die wir selbst entwickeln. Wir haben mit Shuan jemanden, der die Werte der Raiders verkörpert. Es muss dieses Tiroler Kämpferherz sein, dieses Kämpfen für den Verein. Den Weg wollen wir gehen."
Fatah sieht in der EFA "die Creme de la Creme des Footballs in Europa. Wir haben nicht alle bekommen, aber die, die da sind, sind richtig gute Competition".
Konstanz gibt es bei den Vikings, wo seit fast zwei Jahrzehnten Cheftrainer Chris Calaycay das Sagen hat. Die Wiener haben mit Quarterback Ben Holmes und Ex-NFL-Spieler Bernhard Seikovits ein schlagkräftiges Team zusammen und wollen dies am 23. Mai beim Saisonauftakt gegen Berlin Thunder im neuen Sport-Club-Stadion unter Beweis stellen. "Wir haben hohe Erwartungen an unsere Mannschaft. Wir haben gut investiert und wollen am Ende des Tages dann auch mit einem Titel aus der ganzen Geschichte rausgehen", sagte Paatz.
Zwar bewege man sich auf einem neuen Terrain, aber die Herausforderungen seien die gleichen. "Es geht darum, mit den Vikings eines der dominierenden Teams im europäischen Football zu sein, egal in welcher Liga." Fragezeichen hinter einigen der neuen Clubs wie London oder Florenz sieht Paatz nicht. "Dass man von einigen bisher nichts gehört und gesehen hat, ist ja nicht immer gleichzusetzen mit 'Die haben nicht gearbeitet'." Die AFLE sei ein langfristig angelegtes Projekt, in der sich die Mannschaften entwickeln und durchstarten könnten.
Beide österreichische Clubs berichteten, dass ihnen ihre Sponsoren trotz all der Ungewissheit und Verunsicherung die Treue gehalten hätten. Sowohl Raiders als auch Vikings bedauerten aber den Verlust des "Battles of Austria". "Sie sind unser großer Rivale. Es waren immer Spiele, die für Fans, Spieler und die gesamte Organisation eigentlich die Highlights des Jahres waren", meinte Wieser, der aber guten Ersatz im Duell mit München sieht.
Beide Seiten schlossen allerdings eine Wiedervereinigung auf europäischer Ebene nicht aus. "Natürlich wäre es für Fans, Medien und Partner gut, wenn es eine europäische Liga gibt. Das würde sehr viel vereinfachen", sagte Wieser. Paatz erklärte, eine Zusammenführung sei zwar aktuell kein Thema. "Aber natürlich gibt es immer wieder Austausch, weil wir kennen uns alle, wir respektieren uns alle. Wichtig ist, dass wieder Football gespielt wird. Was sich daraus dann entwickelt, das werden wir sehen." Das EFA-Endspiel findet am 29. August, jenes der AFLE am 6. September statt.
APA