vor 11 Stunden
Die besten Passgeber
Wide Receiver fangen Bälle und Runningbacks brechen Tacklings. Doch wer ihnen den Ball erst in die Hände legt, entscheidet am Ende über den Erfolg. Nachdem ich in den letzten Wochen die besten Pass Catcher und Ballträger der GFL durchleuchtet habe, sind jetzt die Quarterbacks dran. 2026 ist die Position so gut besetzt wie selten zuvor, weshalb mancher Spieler vielleicht seinen Namen in dieser Top Sechs vermisst.

Drequan Harris spielt bei den Pforzheim Wilddogs aktuell auf einem anderen Stern. Insgesamt kommt er auf 28 Touchdowns in sieben Spielen durch die Luft und am Boden. Im Schnitt macht der Dual-Threat-Quarterback fast 14 Yards pro Play und stellt damit die gesamte Konkurrenz in den Schatten. Aktuell zelebriert Harris Big Play für Big Play und ist kaum zu stoppen. Den Pforzheimern garantiert er damit schon fast das Playoff-Ticket und im Rennen um die MVP-Krone muss er vorne liegen.
Was Nicholas Semptimphelter bei den Munich Cowboys macht, wird zu wenig gewürdigt. Mit einer Completion Rate von 69,6 Prozent bei 224 Passversuchen spielt er beeindruckend konstant. Das Resultat sind 21 Touchdowns bei nur fünf Interceptions. Semptimphelter liest das Spiel, verlässt sich nicht allein auf athletische Attribute und setzt seine Mitspieler ideal in Szene. In diesem Punkt hat er Harris sogar noch etwas voraus. Da ihm jedoch die besonderen Highlights im Spiel fehlen, kann er im MVP-Race nicht ganz mithalten. Obwohl er als Game Manager seiner Offense den Takt vorgibt, wie die berühmte mechanische Schweizer Uhr.
Rocky Lombardi erfüllt aus Sicht der Dresden Monarchs alle Erwartungen, die man in der GFL an einen US-Import richtet. Lombardi spielt konstant und scheint immer einen kühlen Kopf zu bewahren. Fast 2.000 Total Yards und insgesamt 23 Touchdowns können uns nur zu dem Schluss kommen lassen, dass die Monarchs für wichtige Plays innerhalb und außerhalb der Pocket einen echten Glücksgriff gelandet haben. Das Komplettpaket eines GFL-Quarterbacks scheint erst allmählich an der Oberfläche seines Leistungsvermögens zu kratzen und könnte am Ende sogar zum besten Spieler der Liga emporsteigen, wenn Lombardi sein volles Potential abruft.
Ryon Thomas von den Braunschweig Lions sprengt hier in dieser Auflistung ein wenig den Rahmen. Denn er wird mit den Lions nicht um die Playoffs spielen. Doch wo wäre Braunschweig ohne seine 2.164 Total Yards und 18 Touchdowns. Als Pocket Passer würde ich Thomas sogar eher als solide bezeichnen. Aber scrambelt er und wirft aus der Bewegung außerhalb der Pocket oder wird selbst zum Runner, ist er brandgefährlich. Seine Mitspieler glauben allmählich auch daran, dass sie mit diesem besonderen Quarterback die Klasse halten werden. Kein anderer Spielmacher ist so deutlich für den Erfolg seines Teams verantwortlich wie Ryon Thomas.

Nelson Hughes III bei den Hildesheim Invaders bekommt zu wenig Aufmerksamkeit für das, was er auf- und abseits des Feldes leistet. Seine Completion Rate in der Offense von fast 70 Prozent kommt nicht von ungefähr. Denn Hughes lebt in Hildesheim und kann so das ganze Jahr mit seinen Teamkollegen trainieren. Da wundert es nicht, dass er der einzige Quarterback in dieser Liste ist, der keinen seiner 18 Touchdowns (plus 3 Rush-TD) auf einen Import-Receiver aus den USA geworfen hat und seine deutschen Passempfänger so exzellent in Szene setzt, wie kein anderer Spielmacher in der GFL. Hughes spielt nahezu fehlerfrei, dirigiert die gesamte Offense und kann mit hohem Tempo jede Abwehr vor Probleme stellen.
Kommen wir nun zum einzigen deutschen Quarterback. Lars Heidrich zeigt bei den Schwäbisch Hall Unicorns, warum wir vielleicht in Zukunft viel häufiger auf deutsche Eigengewächse im Angriff setzten dürfen. Heidrich ist kein überragender Athlet, wie zum Beispiel DreQuan Harris. Dafür spielt er kontrolliert, macht im Schnitt 2,5 Touchdowns pro Spiel und hält sein Team klar in der Erfolgsspur. Heidrich schreibt schon jetzt aus deutscher Sicht die spannendste Geschichte dieser GFL-Saison.
Philipp Forstner