vor 20 Stunden
Historisch schwaches Rams-Debüt
Myles Garrett sollte den Pass Rush der L.A. Rams auf ein neues Niveau heben. Beim 7:27 gegen die San Francisco 49ers blieb der amtierende Defensive Player of the Year jedoch ohne Tackle, Hit oder Pressure - und lieferte danach eine schonungslose Erklärung.

Die Erwartungen hätten kaum größer sein können. Myles Garrett war nach seiner Rekordsaison mit 23 Sacks zum amtierenden Defensive Player of the Year gekürt und von seinen Kollegen gerade erst auf Platz eins der "NFL Top 100" gewählt worden. Gemeinsam mit Rückkehrer Aaron Donald sollte er das neue Herzstück einer gefürchteten Rams-Defense bilden.
Donald fehlte beim Saisonauftakt in Melbourne noch - doch auch von Garrett war beim 7:27 gegen die 49ers beinahe nichts zu sehen. Der prominente Neuzugang blieb komplett ohne Tackle, Sack oder Quarterback Hit. Laut PFF erzeugte er nicht einmal ein Pressure. Das war ihm davor zuletzt in der Saison 2018 passiert.
Nach dem Spiel redete Garrett seine Leistung nicht schön. "Das war die schlechteste Version meiner selbst", sagte der 30-Jährige. Auf die Frage, ob er vollständig fit in die Partie gegangen sei, antwortete er mit einem klaren Nein. Sein bereits aus der Vorbereitung bekanntes Knieproblem beschäftigte ihn demnach weiterhin.
Noch aufschlussreicher wurde Garrett am Ende seiner Pressekonferenz. Während seiner Zeit auf dem Platz sei er tatsächlich mehr darauf konzentriert gewesen, gesund zu bleiben, als auf die Aktionen der 49ers. Dadurch sei er nicht der Spieler gewesen, den seine Mannschaft benötigt habe. Zu genaueren Details der Verletzung wollte er sich nicht äußern.
Gerade für einen Edge Rusher, dessen größte Waffen Explosivität und ein blitzschneller erster Schritt sind, ist eine solche Einschränkung natürlich fatal. Garrett spielte nicht befreit, sondern offenbar mit angezogener Handbremse. Sein wichtigstes Ziel vor dem kommenden Spiel gegen die New York Giants formulierte er deshalb denkbar knapp: gesund werden.
Garrett selbst erkannte bei den 49ers übrigens keinen außergewöhnlichen Plan gegen ihn. San Francisco habe seine Protection zwar gut variiert, aber nichts grundlegend Neues gemacht. Die Rams hätten schlicht ihren eigenen Football nicht gespielt.
Tatsächlich lag das Erfolgsrezept weniger in einem einzelnen Kunstgriff als in der Mischung. Die 49ers liefen 30-mal für 174 Yards und vermieden dadurch zahlreiche offensichtliche Passsituationen. Und wenn Brock Purdy warf, verteilte er den Ball fast immer schnell nach dem Snap.
So neutralisierte San Francisco den Pass Rush, Purdy wurde kein einziges Mal gesackt und beendete den Abend mit 205 Yards für drei Touchdownpässe.
Noch vor der Partie hatte 49ers-Tackle Trent Williams über Garrett gesagt, dass dieser "keine Schwächen" habe. Im Spiel hielt die Offensive Line um den Routinier jedoch stand. Purdy erklärte anschließend, dass San Francisco trotz allen Respekts vor der Rams-Defense einfach seinen eigenen Stil durchgezogen habe.
Sean McVay stellte seinen Star-Neuzugang nach der Niederlage nicht öffentlich an den Pranger. Stattdessen nahm der Head Coach sich und die gesamte Mannschaft in die Pflicht. Die 49ers hätten die Rams in allen drei Phasen übertroffen, Kommunikation und Ausführung hätten nicht gestimmt. Ausreden - auch mit Blick auf die späte Anreise nach Australien - wollte McVay nicht gelten lassen.
Das ist berechtigt, denn Garrett war keineswegs allein für die 379 zugelassenen Yards und 24 unbeantworteten Punkte verantwortlich. Als teuer eingekaufter Unterschiedsspieler soll er solche Partien allerdings prägen - besonders, solange Donald noch fehlt.
Ein angeschlagenes erstes Spiel macht den Garrett-Trade noch lange nicht zum Fehlschlag. Seine Nullnummer war jedoch mehr als ein unglücklicher Abend: Der Superstar gab selbst zu, derzeit nicht frei aufspielen zu können. Vor seinem Heimdebüt gegen die Giants entscheidet deshalb zunächst nicht der gegnerische Gameplan, sondern der Zustand seines Knies.
mhh