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    NFL

    vor 1 Tag

    Entscheidung um Steichen, Jones und Co.

    Nach Ballard-Entlassung: Zeit für einen echten Rebuild bei den Colts?

    Die Indianapolis Colts haben nach der bitteren 20:26-Heimniederlage gegen die zuvor sieglosen Tennessee Titans eine drastische Konsequenz gezogen: General Manager Chris Ballard musste nach neun Jahren gehen. Das Franchise steht nun vor einer Grundsatzfrage - reicht ein Wechsel an der Spitze, oder braucht es einen kompletten Neuanfang nach dem Vorbild der Miami Dolphins?

    Chris Ballard, ehemaliger General Manager der Indianapolis Colts.
    Chris Ballard musste nach neun Jahren bei den Colts gehen. imago/Icon SMI

    "Unser Anspruch ist es, um Titel mitzuspielen", erklärte Teambesitzerin Carlie Irsay-Gordon zur Entlassung. "Ich glaube, dass ein Führungswechsel notwendig ist, um diesem Anspruch gerecht zu werden." Besonders deutlich wurde die Verzweiflung der Spielerkabine durch Defensive Tackle DeForest Buckner: "Ich habe es satt, Jahr für Jahr dasselbe Lied und denselben Tanz zu sehen." Assistent Ed Dodds übernimmt vorerst die Personalgeschäfte bis zum Saisonende.

    Eine Ära voller verpasster Chancen

    Ballards Bilanz fällt ernüchternd aus: Nur zweimal erreichten die Colts unter ihm die Playoffs, zuletzt 2020, einen Divisionstitel gab es nie, den letzten Playoff-Sieg feierte die Franchise 2018. Besonders schwer wiegt sein Versagen an der Quarterback-Position nach Andrew Lucks überraschendem Karriereende 2019 - der 2023 an Position vier gedraftete Anthony Richardson entpuppte sich als einer der größten Fehlgriffe. Auch Head Coach Shane Steichen gerät zunehmend unter Druck: Gegen Teams mit mindestens ausgeglichener Bilanz steht er bei nur sieben Siegen und 25 Niederlagen.

    Zwei Altlasten erschweren den Neuanfang zusätzlich. Ballard tradete im Vorjahr zwei Erstrunden-Picks für Cornerback Sauce Gardner - die Colts besitzen damit 2027 keinen eigenen Erstrunden-Pick, während die Jets im Gegenzug mit Adonai Mitchell noch einen soliden Receiver mit Potential oben drauf bekommen haben. Zusätzlich bindet der Vertrag von Quarterback Daniel Jones das Team finanziell, auch wenn eine Entlassung 38 Millionen Dollar Cap Space freisetzen würde.

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    Peyton Manning als GM?

    Für Aufsehen sorgte ein Bericht von Dan Patrick, wonach die Colts bereits Franchise-Legende Peyton Manning kontaktiert haben sollen - nicht nur für Ratschläge, sondern auch als möglichen General Manager samt Beteiligung am Franchise. Besondere Brisanz erhält das Szenario durch Mannings Neffen Arch Manning, der für den Draft 2027 infrage kommen könnte - ausgerechnet der Jahrgang, für den den Colts durch den Gardner-Trade kein eigener Erstrunden-Pick zur Verfügung steht.

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    Realistisch betrachtet dürfte Manning jedoch kaum Interesse haben: Als Colts-Legende hat er nichts zu gewinnen, verdient bereits gut mit seinem Manningcast-Engagement und müsste zudem Milliardenvermögen nachweisen, um dereinst Mehrheitseigner werden zu können. Auch ein Comeback von Andrew Luck als GM gilt als unwahrscheinlich, da dieser sich inzwischen voll auf seine Rolle als Football-GM bei seiner Alma Mater Stanford konzentriert.

    Trade-Kandidaten als mögliche Zukunftswährung

    Sollte sich die Colts-Führung tatsächlich für einen Rebuild entscheiden, stehen gleich mehrere namhafte Spieler als potenzielle Trade-Assets zur Verfügung:

    Running Back Jonathan Taylor gilt als wertvollster Trade-Chip. Trotz seines erst im August unterschriebenen Zwei-Jahres-Vertrags über 44 Millionen Dollar wäre ein Trade finanziell unkompliziert umsetzbar, da der aufnehmende Klub für den Rest der Saison nur etwa 3,5 Millionen Dollar übernehmen müsste. Eine realistische Einschätzung des Marktwerts: ein Zweitrunden-Pick 2027 sowie ein Drittrunden-Pick 2028 - deutlich mehr als Vergleichsfälle der Trade von D’Andre Swift zu den Philadelphia Eagles im Jahr 2023 (Lions erhielten: Viertrunden-Pick 2025 + Pick Nr. 219 (2023) | Eagles erhielten: D’Andre Swift + Siebtrunden-Pick Nr. 249), aber auch spürbar weniger als das Mega-Paket, das die 49ers einst für Christian McCaffrey zahlten (Panthers erhielten: Zweitrunden-Pick 2023 + Drittrunden-Pick 2023 + Viertrunden-Pick 2023 + Fünftrunden-Pick 2024 | 49ers erhielten: Christian McCaffrey). Als mögliche Abnehmer gelten unter anderem die Denver Broncos, Green Bay Packers und Seattle Seahawks - Letztere hatten Taylor beim Draft 2020 bereits stark umworben, der Running Back selbst äußerte damals öffentlich Sympathien für die Seahawks.

    Defensive Tackle DeForest Buckner befindet sich im letzten Vertragsjahr und könnte bei anhaltendem Negativtrend ebenfalls für Interesse bei Contendern sorgen.

    Cornerback Charvarius Ward besitzt zwar noch einen langfristigen Vertrag bis 2027, könnte aber angesichts seiner Verletzungshistorie und jüngerer Secondary-Talente im eigenen Haus dennoch zum Abgabekandidaten werden.

    Left Guard Quenton Nelson, weiterhin einer der besten Spieler seiner Position überhaupt (nur fünf zugelassene Pressures, kein einziger Sack, keine Strafe in dieser Saison laut PFF), befindet sich im letzten Vertragsjahr ohne erkennbaren Verlängerungsfortschritt. Ein Trade würde zusätzliches Draftkapital generieren - wäre zugleich aber auch ein offenes Eingeständnis, dass Ballards einstiger Kurs endgültig gescheitert ist.

    Kein Patentrezept in Sicht

    Trotz der Fülle an möglichen Bewegungen bleibt unklar, ob die Colts tatsächlich einen radikalen Dolphins-artigen Neuanfang wagen werden. Irsay-Gordon betonte ausdrücklich: Die Entlassung Ballards "ändert nichts an unseren Saisonzielen. Wir haben noch viele Spiele vor uns, und ich erwarte, dass wir uns behaupten, uns verbessern und Spiele gewinnen." Mit Auswärtsspielen beim ungeschlagenen Minnesota sowie bei den Jaguars, gefolgt von einem Heimspiel gegen die Cowboys, dürfte sich schon in den kommenden Wochen zeigen, wie realistisch dieser Anspruch tatsächlich ist.

    Die nächsten drei Colts-Spiele

    Der fehlende Erstrunden-Pick 2027 spricht dabei klar gegen einen kompletten Tank-Modus nach Miami-Vorbild - ein cleverer Umgang mit dem Markt rund um die Trade Deadline am 10. November könnte den Colts aber zumindest teilweise die nötigen Bausteine für einen echten Neustart verschaffen. Sollte sich die Saison weiter negativ entwickeln, könnte am Ende tatsächlich Ed Dodds zum Vollstrecker eines Umbruchs werden, den eigentlich schon sein Vorgänger hätte einleiten müssen.

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    Autor: Marc Gschwentner

    Minnesota Vikings
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