24.04.2026
Mysteriöse Auswahl
Mit ihrem Pick an Position 13 haben die Los Angeles Rams für eine der größten Überraschungen der ersten Runde gesorgt. Quarterback Ty Simpson geht nach L.A. - ein Move, der nicht nur Fans und Experten überrascht, sondern offenbar auch den Spieler selbst.

Denn was diesen Pick so außergewöhnlich macht, ist nicht nur die Entscheidung an sich, sondern der Weg dorthin. Während viele Teams ihre Top-Kandidaten intensiv scouten und mehrfach treffen, verlief der Prozess bei Simpson komplett anders. Und genau das wirft Fragen auf.
Die Rams zeigten im gesamten Pre-Draft-Prozess nahezu kein öffentliches Interesse an Simpson. Kein offizieller Besuch, keine bekannten Meetings mit Head Coach Sean McVay oder General Manager Les Snead.
Simpson selbst bestätigte nach seiner Auswahl gegenüber Pro Football Talk, dass der Kontakt minimal war: "Es war wirklich sehr kurz. Ich habe ein paar Scouts bei Alabama getroffen, und das war es im Grunde. Sie haben mit meinem Agenten gesprochen, aber da kam nicht viel."
Auch persönlich gab es keine Verbindung. Simpson erklärte, dass er weder Snead noch McVay vor dem Draft jemals getroffen hatte. "Das war mein erstes Gespräch mit Les, heute Abend", sagte er.
Die Rams arbeiten seit mehreren Jahren anders als viele andere Teams, und ihr Vorgehen wird mittlerweile auch von den Jaguars kopiert, wo James Gladstone General Manager ist, der lange unter Les Snead bei den Rams gearbeitet hat. Der Ansatz unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Organisationen, da bewusst auf persönliche Interviews verzichtet wird, um sich nicht von solchen Gesprächen beeinflussen zu lassen. Stattdessen fokussiert man sich konsequent auf das Tape und die objektiven Leistungsdaten eines Spielers.
Dass ein First-Round-Pick von seinem neuen Team praktisch nichts gehört hat, ist extrem ungewöhnlich. Auch die Reaktionen innerhalb der Rams warfen Fragen auf. Bei der Pressekonferenz wirkte McVay auffällig zurückhaltend.
Das führte schnell zu Spekulationen, ob McVay intern möglicherweise einen anderen Plan verfolgt hatte. Viele hatten erwartet, dass die Rams einen Spieler holen, der sofort hilft, um mit Matthew Stafford noch einmal anzugreifen, denn nahezu alle Offseason-Moves der Rams standen unter einem klaren All-in-Motto.
Stattdessen entschieden sie sich für einen Quarterback der Zukunft, der im kommenden Jahr voraussichtlich nicht auf dem Feld stehen wird und zunächst als Backup eingeplant ist.
Der Head Coach stellte nach dem Pick klar, dass Simpson zunächst keine feste Rolle als Nummer zwei sicher hat. Er soll sich im Training mit Stetson Bennett um die Backup-Position hinter Stafford messen.
Das unterstreicht, dass die Rams ihn aktuell nicht als sofortige Lösung sehen, sondern als langfristiges Projekt. Trotz aller Umstände zeigt sich Simpson selbst begeistert von seiner neuen Situation. Besonders die Möglichkeit, von einem der besten Quarterbacks der Liga zu lernen, reizt ihn.
"Ich habe noch nicht mit Matthew gesprochen, aber ich freue mich riesig darauf, mit ihm in einem Raum zu sein und von ihm zu lernen", sagte Simpson. "Er ist einer der Größten aller Zeiten."
Er betonte auch, dass er bereits im College viel Tape von Stafford und der Rams-Offense unter McVay studiert habe.
Der Pick von Ty Simpson ist einer der ungewöhnlichsten Moves dieses Drafts. Nicht nur wegen der Entscheidung selbst, sondern vor allem wegen des fehlenden Pre-Draft-Kontakts und der auffälligen Reaktion von Head Coach Sean McVay auf der anschließenden Pressekonferenz.
Für die Rams ist es ein klarer Blick in die Zukunft. Für Simpson ist es die Chance, sich in einem Top-Umfeld zu entwickeln.
Ob dieser überraschende Move aufgeht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Kaum ein Pick hat so viele Fragen aufgeworfen wie dieser.
val