20.01.2026
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Die Bills werden noch lange an diesem Playoff-Aus zu knabbern haben, während in San Francisco eine spannende Neuausrichtung wartet. Die Texans müssen sich offensiv kritische Fragen stellen, die Bears hoffen, dass sie den Fluch schlechter Teams durchbrochen haben. Nach der zweiten Playoff-Runde blickt Adrian Franke auf die vier Verlierer-Teams.

Es gibt einige Gründe dafür, dass schlechte Teams schlecht bleiben.
Der Owner kann hier einen ausgesprochen negativen Impact haben. Dafür muss man nur mal nach Arizona, Cleveland oder Tennessee schauen.
Ein Teambesitzer, der bei den Trainingseinrichtungen, der Versorgung seiner Spieler und dem Budget für den Coaching Staff spart, wird dafür meist eher früher als später die sportliche Rechnung bekommen. Manche mischen sich zu sehr ein, andere sind sehr wenig präsent, treffen dann aber offensichtlich überhastete Entscheidungen, welche die gesamte strategische Richtung der Franchise komplett verändern.
Wenn wir darüber sprechen, warum sich manche Franchises so stabil anfühlen, während andere das augenscheinlich nicht hinbekommen, dann liegt zumindest ein Teil dieser Antwort in aller Regel beim Teambesitzer.
Ein anderer Teil ist aber auch in der strategischen Ausrichtung - oder dem Ausbleiben einer eben solchen - zu finden. Die hängt meist auch mit dem Teambesitzer zusammen, zu häufig fehlt aber auch davon abgesehen der Plan, der sowohl kurz- als auch langfristig greift.
Das wird nirgends deutlicher als bei der Besetzung der Quarterback-Position. Es ist eine Art Markenzeichen für eine schlechte Strategie, wenn Franchises einen Quarterback vor einer Alles-oder-Nichts-Saison draften, nur um den Head Coach dann ein paar Monate doch zu feuern.
Der junge Quarterback bekommt so prompt in seinem zweiten NFL-Jahr einen neuen Play-Caller und einen Head Coach, der ihn initial nicht ausgewählt hat. Häufig ist das ein empfindlicher Rückschlag in der Entwicklung des Quarterbacks, und die Franchise geht letztlich in eine andere Richtung. Die Giants mit Jaxson Dart und die Titans mit Cam Ward sind gerade auf dieser gefährlichen Timeline unterwegs.
Die Chicago Bears waren über die letzten zehn Jahre absolute Spezialisten auf diesem Gebiet. Mitchell Trubisky wurde 2017 noch von John Fox gedraftet. Ein Jahr später übernahm Matt Nagy. 2021 wählte Nagy im Draft Justin Fields aus. Es würde seine letzte Quarterback-Entscheidung sein, nach der Saison wurde Matt Eberflus als neuer Head Coach vorgestellt.
Eberflus wiederum war noch der Head Coach, als Chicago Caleb Williams mit dem Nummer-1-Pick im Draft 2024 auswählte. Noch vor Dezember des gleichen Jahres feuerten die Bears Eberflus.

In Chicago hoffen sie, dass dieser Kreislauf mit der Verpflichtung von Ben Johnson durchbrochen wurde. Dass Johnson sich nicht nur langfristig auf dem Head-Coach-Posten hält, sondern dass er und Williams ein dynamisches Duo bilden, welches den Bears Stabilität erlaubt und im Idealfall ein Titelfenster öffnet.
Und immerhin hat man dafür andere Wege versucht. "Endlich", dürften viele Bears-Fans an dieser Stelle sagen. Denn endlich hatten die Bears nicht nur einen offensiven Head Coach verpflichtet, sondern einen offensiven Head Coach, der zuvor Offensive Coordinator und Play Caller auf NFL-Level war.
Mit Matt Nagy und Marc Trestman hatte es ohnehin nur zwei offensiv geprägte Head Coaches seit Mike Ditka in den 80ern gegeben. Trestman hatte zwar eine größere NFL-Vergangenheit, verbrachte die acht Jahre vor seiner Zeit in Chicago aber im College, als Berater bei den Saints und schließlich in Montreal in der CFL. Nagy wiederum hatte zehn Jahre unter Andy Reid in Philadelphia und Kansas City gearbeitet, ehe die Bears ihn verpflichteten.
Ben Johnson ist hier ein klarer Outlier. Er war der Architekt und Play-Caller der spektakulären Lions-Offense, mit einer klaren offensiven Identität und exzellenten Qualitäten als Play-Caller.
Und Williams, auch das ist ein wichtiger Teil der Gleichung hier, hatte immer mehr Talent als seine Vorgänger Trubisky und Fields.
Das ist wichtig, weil Trubisky und Fields vielleicht einfach nie langfristige NFL-Starting-Quarterbacks waren. In keiner Head-Coach-Konstellation.
Gleichzeitig haben uns gerade die letzten beiden Jahre in der NFL deutlich vor Augen geführt, wie kritisch die Entscheidungsträger und die Umstände einer Organisation dafür sind, dass sich ein junger Quarterback gut entwickelt.
Selbst wenn Fields und Trubisky nie das Level erreicht hätten, das Williams erreichen kann und in Teilen schon erreicht hat: In einer stabilen Situation mit dem richtigen Coach hätten beide eine sehr viel größere Chance gehabt, sich als mittelfristiger Starter zu empfehlen. Bears-Fans dürfen darauf hoffen, dass es solche Diskussionen rund um Williams mit Johnson nicht geben wird.
Was aber zu einer anderen Frage führt: Ist Williams jetzt der klare Franchise-Quarterback der Bears? Was hat er im ersten Jahr unter Ben Johnson gezeigt?
Hier sind Nuancen wichtig. Williams ist ein spektakulärere Playmaker. Er kann Probleme auf eine Art und Weise lösen, die Jared Goff - Johnsons Quarterback in Detroit - nicht im Ansatz in seinem Repertoire hat.
Die große Qualität von Goff ist die Konstanz. Die Konstanz als Passer, die Konstanz in seinen Reads, im Treffen von Entscheidungen, in seinem Pocket-Verhalten. Sind die Umstände gut, kann man sich darauf verlassen, dass man mit Goff eine Top-10-Offense auf den Rasen bringt.
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So groß die Versuchung ist, sich die Highlight-Plays dieser Saison anzuschauen, und die Plays stark zu gewichten, bei denen Williams mit einem irren Wurf maßgeblich ein Spiel gewinnen konnte: Die "langweilige" Konstanz eines Jared Goffs ist eine essenzielle Qualität für einen Quarterback, um sich als langfristiger Starter zu etablieren.
Wenn zu diesem Down-für-Down-Play die spektakulären Highlights des Quarterbacks dann noch obendrauf kommen, dann sprechen wir über einen potenziellen Top-5-Quarterback.
Das muss zwangsläufig der nächste Schritt in der Entwicklung seines Spiels sein: Die Accuracy muss stabiler werden. Er muss noch verlässlicher auch den "langweiligen" ersten Read mal nehmen. Das ist der Schlüssel, um Ben Johnsons Offense komplett zu öffnen.
Das Playoff-Aus gegen die Rams war ein Spiegelbild davon. Der unfassbare Touchdown zum Ausgleich von Williams stand auf der einen Seite. Es war der längste Red-Zone-Touchdown-Pass seit mindestens 2016, über 51 Yards war der Ball in der Luft, nach einem Snap von der 14-Yard-Line, nachdem Williams immer weiter und weiter zurückgewichen war.
Sein außergewöhnliches Armtalent sowie die Fähigkeit, unter Druck Plays zu machen und Pass-Rushern zu entkommen, hat er die ganze Saison über gezeigt. Auch früher im Spiel am Sonntagabend war das zu sehen, etwa beim Touchdown zu D.J. Moore, den er ohne saubere Base perfekt über einen Verteidiger platzierte.
Williams' Spiel sind mehr als nur die Highlights, und es bekam auch mehr Substanz im Laufe der Saison. Die spektakulären Würfe sind aber das, was seine Saison geprägt hat, was auch Chicago so viele Siege ermöglicht hat. Jetzt muss er an einen Punkt kommen, an dem die Offense weniger dieser irren Momente braucht, um Spiele zu gewinnen.
Es ist zu einfach gedacht, wenn man die sportliche Analyse eines ganzen Franchises auf die Quarterback-Head-Coach-Dynamik herunterbricht. Gerade diese Saison war eine sehr deutliche Erinnerung daran, dass viele Faktoren relevant für den Erfolg eines Teams sind und auch für unerwartete Resultate sorgen können.
Insbesondere mit Blick auf eine einzelne Saison ist das nur sehr bedingt planbar. Verletzungen spielen in einer so kleinen Sample Size eine große Rolle, aber auch eine dominante Defense, bestimmte schematische Trends und viele weitere Dinge können dabei den Ausschlag geben.
Wenn es aber darum geht, langfristig erfolgreiche Teams zu finden, braucht man den Top-Level-Head-Coach oder den Superstar-Franchise-Quarterback. Und im Idealfall beides.
Es ist noch zu früh, um Chicago das eine oder das andere zu attestieren. Gleichzeitig hat diese Saison gezeigt, dass sie vielleicht beides haben.
Das ist das, was alle Teams suchen.
Es ist die Nummer-1-Formel für ultimativen Erfolg.
Das Narrativ zum Start dieser Playoffs rund um die Buffalo Bills war klar: Endlich würde am Ende nicht der Drache namens Patrick Mahomes warten. Nachdem in vier der letzten fünf Jahre Buffalos Postseason gegen Mahomes und die Chiefs zu Ende gegangen war, schien die goldene Gelegenheit jetzt da. Die Gelegenheit, endlich den Schritt in den Super Bowl zu schaffen und die Josh-Allen-Ära zu krönen.
"Gelegenheit" ist dabei fast noch ein zu schwaches Wort. Denn der Vibe zumindest was das öffentliche Narrativ und einige der besonders lautstarken Talkshows angeht, war eher: Jetzt müssen es die Bills auch schaffen! Wann, wenn nicht dieses Jahr?
Dabei ging es entschieden zu sehr unter, dass das auch ohne Mahomes in den Playoffs nur dann überhaupt theoretisch möglich sein würde, wenn Josh Allen dieses Team einmal mehr auf die Schultern nimmt und trägt.

Denn diese Saison hat, so unvorhersehbar und Achterbahn-like sie auch war, ein klares Thema, welches in direktem Zusammenhang mit dem Favoritensterben schon in der Regular Season steht: Zu viele Top-Tier-Quarterbacks hatten eine von Verletzungen, aber auch von schlechten Umständen geprägte Saison.
Während die vergleichsweise kompletten und vor allem defensiv schlagkräftigeren Teams eher rund um Liga-Mittelfeld-Quarterbacks herum aufgebaut worden waren. Das eine wirkliche Gegenargument waren Matt Stafford und die Los Angeles Rams.
Die Bills waren das nicht. Und das hat wenig mit Allens teurem Vertrag zu tun - sein Cap Hit für diese Saison liegt bei 36,3 Millionen Dollar, Platz 10 unter Quarterbacks und über elf Millionen Dollar hinter Stafford -, und viel mehr damit, dass Buffalo seit Jahren als Team, was das Roster Building angeht, stagniert.
Die Offense hat zwar eine Identität mit dem Run Game gefunden. Sie hat es aber nicht geschafft, darauf weiter aufzubauen. Das ist zum einen ein schematisches Thema, aber es ist auch ein qualitatives Problem.
Keon Coleman sollte ihr Nummer-1-Receiver werden. Dieser Pick sieht nach zwei Jahren wie ein handfester Bust aus. Auch Daltin Kincaid war ein Erstrunden-Pick, und während Kincaid zwar ein signifikant größerer Faktor in der Offense ist, ist auch er kein Spieler, an dem man ein Dropback Passing Game ausrichten kann.
Und das ist die Überschrift über dieser Gruppe. Kincaid, Dawson Knox, Khalil Shakir - es sind gute Role Player, die funktionieren, wenn die Offense im Gesamtverbund funktioniert. Aber für ein Team, das einen tiefen Super-Bowl-Run hinlegen will, fehlt mit dieser Gruppe ein stabiler Plan B, der eben nicht nur lautet: "Josh Allen, rette uns!"
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Das gilt umso mehr, da die Bills eben keine Defense haben, die ihnen Spiele gewinnt. Weil auch hier die Weiterentwicklung über die Jahre sehr überschaubar ist. Buffalo, das war schon früh in der Sean-McDermott-Ära eine Defense, die viel Zone Coverage spielt, zwei tiefe Safeties aufstellt und Offenses in lange Drives zwingt, um früher oder später Fehler auszunutzen.
Das hat in der Regular Season meist gut funktioniert, stieß aber in den Playoffs an Grenzen. In den vier Postseason-Niederlagen gegen Kansas City spezifisch kassierte Buffalo 38, 42, 27 und 32 Punkte. Hier investierten die Bills einiges - Von Miller, Joey Bosa, zuletzt ein Draft mit fünf Defense-Picks zum Start nacheinander.
Natürlich ist es möglich, dass aus der diesjährigen Rookie-Gruppe noch tragende Säulen hervorgehen. Hier haben Verletzungen auch eine Rolle gespielt, aber die übergreifende Analyse ist relativ klar: Buffalo wirkt wie ein Team, das gerade auf der defensiven Seite des Balls einen Coaching-Tapetenwechsel gebrauchen könnten. Mit einem defensiven Head Coach eine bittere Erkenntnis. Und die Quittung gab es am Montag: Sean McDermott wurde nach neun Jahren als Head Coach der Bills entlassen.
Und das ist nachvollziehbar. Auch wenn man hier Fragen, die über den Head Coach hinausgehen, stellen muss. Denn was macht man mit einem solchen Playoff-Spiel, in dem das Team durch individuelle Fehler den möglichen Sieg her schenkt? Die Bills waren auf bestem Wege, mit ihrem guten Run Game früh eine 14:3-Führung herauszuarbeiten - dann fumbelte James Cook den Ball weg.
Vor der Halbzeit hatte Josh Allen einen absurden Fumble, welcher den Broncos drei Punkte schenkte. Allens erste Interception war ein Wurf Richtung Endzone, bei dem er den Safety von der anderen Seite nicht sah, oder nicht ausreichend einkalkulierte.
Die Bills hatten elf Drives in diesem Spiel. Bei sechs brachten sie Punkte aufs Scoreboard - die anderen fünf endeten in Turnovern. So kann man kein Playoff-Spiel gewinnen. Ist das jetzt ein Team, das schlecht vom Head Coach eingestellt ist? Oder muss man hier nicht die Spieler mehr in die Pflicht nehmen?
Und trotz alledem hätte es fast zum Sieg gereicht, mit einer Spur Ironie zum Schluss: Zuerst Mecole Hardman und dann Brandin Cooks hatten die Chance, ein Big Play zu machen, welches die Bills in Overtime in Position für das Game Winning Field Goal gebracht hätte. Beide Bälle waren von Allen nicht ideal platziert, beide Male aber bekam der Receiver seine Hände dran und sollte den Ball sichern können.
Das waren die Momente, in denen man sich ein weiteres, ein letztes Mal für diese Saison fragen musste: Warum haben die Bills auf Wide Receiver nicht mehr getan? Nach all den Problemen, die Buffalo im Passing Game in der Regular Season gegen gute Defenses hatte - warum waren sie der Meinung, dass hier die individuelle Qualität gut genug für einen tiefen Playoff-Run ist?
Oder waren sie eher der Meinung, dass Allen es im Zweifelsfall schon regelt?
Nach dem Spiel merkte man angesichts der emotionalen Reaktionen der Bills, welcher Druck hier auf dem Team lastete. Diese Playoffs schienen die große Chance zu sein, endlich den Schritt in den Super Bowl zu schaffen. So zu scheitern, in einem Spiel, das man ohne Frage hätte gewinnen können, wird die Bills noch lange beschäftigen.
Und es warf unweigerlich die Frage auf: Wann muss man Dinge verändern, damit das Team, angefangen mit Allen, aus diesem Fahrwasser befreit wird? Damit es mit einer neuen Ausrichtung versuchen kann, endlich in den Super Bowl zu kommen?
Die Head-Coach-Situationen in Buffalo und Baltimore hatten vor dieser Saison einige Parallelen. Zwei Elite-Quarterbacks, zwei langjährige Head Coaches, zwei Teams, die immer in den Kreis der Titelkandidaten gehören, den letzten Schritt in den Playoffs aber nicht schaffen.
Mein Gedankengang vor der Saison war, dass McDermott in Buffalo eher noch mehr angezählt sein müsste, als Harbaugh in Baltimore. Weil Harbaugh zumindest - erfolgreich! - merkliche schematische Veränderungen auf beiden Seiten des Balls durchgeführt und mit Coordinator-Wechseln nachhaltig positive Umbrüche eingeleitet hatte.
Die Ravens wirkten dann dieses Jahr so häufig schlecht gecoacht und allem Anschein nach rumorte es auch innerhalb des Locker Rooms, dass Harbaughs Entlassung nach dem Verpassen der Playoffs im Zusammenhang mit den Postseason-Enttäuschungen der letzten Jahre nachvollziehbar war.
Die Bills haben die Playoffs erreicht. Die Fragezeichen bei McDermott blieben dennoch. Auch weil sein Team jetzt - ähnlich, wie Harbaughs Ravens - so häufig in den entscheidenden Momenten den letzten Schritt nicht gehen konnte. Meist war seine Defense dabei im Mittelpunkt der Kritik, am Samstag war es noch mehr die Offense.
Die Fragezeichen, was das ganze Roster Building angeht, bleiben ebenfalls. Dass GM Brandon Beane im Amt bleibt, finde ich schwer nachvollziehbar.
In jedem Fall manifestierte sich der Eindruck, dass frischer Wind rund um Josh Allen nötig ist. Damit Buffalo Allens Prime nicht kommen und gehen sieht, ohne den ganz großen Wurf zu landen.
Jetzt stehen die Bills plötzlich vor einer kritischen, wegweisenden Offseason.
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Es gibt in der NFL nicht den einen Pfad, der zu Erfolg führt. Gerade diese Saison hat das deutlich unterstrichen.
Dafür sind es zu kleine Sample Sizes, zu viele Faktoren, zu viele Matchup-bedingte Themen. Insbesondere in der kleinen Sample Size einer einzelnen Saison und einer einzelnen Postseason können eine Vielzahl an Modellen erfolgreich sein.
Gewisse Tendenzen gibt es zumindest, wenn man die Liga über einen längeren Zeitraum betrachtet und andere Fragen stellt. Also: Welche Teams bleiben längerfristig nicht nur gut, sondern echte Titelkandidaten? Welche Formel erkennt man dort? Und wo stoßen andere Modelle an Probleme?
Es gibt nicht den einen Weg. Aber eine Kombination aus offensivem Play-Caller-Head-Coach und Top-10-Quarterback ist ein Szenario, das sich als vergleichsweise nachhaltig erwiesen hat. Letzteres ist dabei der Nummer-1-stabilisierende Faktor.
Head Coaches, die nicht der offensive Play-Caller sind, stoßen dagegen über die Zeit auf die immer gleichen Probleme. Sie verlieren offensive Play-Caller, die gut sind, oder müssen ihren Offensive Coordinator austauschen, wenn der schlecht ist. Unweigerlich kommt dann hier über die Jahre eine Inkonstanz rein, und das auf der Seite des Balls, die bei langfristig guten Teams die konstantere Seite sein müsste.
Das kann für einen Head Coach ein am Ende entscheidender Faktor sein, der seine Amtszeit im negativen Sinne prägt - und irgendwann auch beendet.
Ein Beispiel: Niemand dürfte bezweifeln, dass Dan Campbell ein guter Head Coach ist. Gleichzeitig hat jeder dieses Jahr gesehen, wie drastisch der offensive Dropoff war, nachdem Campbell Ben Johnson verloren hat und bei der Nachbesetzung des Offensive Coordinators daneben griff.
Jetzt hat Campbell sich zurecht jede Menge Puffer verdient. Aber was, wenn sein nächster Offensive Coordinator ebenfalls ein Fehlgriff ist? Was, wenn die Lions deshalb abermals die Playoffs verpassen, während der Kader immer teurer wird? Wie lange hält dieser Puffer, bevor auch über Campbell kritisch gesprochen wird?
Das ist natürlich für den Moment ein theoretisches Gedankenspiel. Aber es beschreibt das Problem, das auch die Amtszeit von DeMeco Ryans in Houston zunehmend prägt.
Ryans ist ohne Frage ein toller Defense-Coach. Das hat er als Defensive Coordinator in San Francisco unter Beweis gestellt und er zeigt es, seit er in Houston als Head Coach übernommen hat. Die Texans haben eine Top-3-Defense, unter Ryans gelang ein bemerkenswert schneller Turnaround und in allen drei Jahren haben die Texans es bislang in die Playoffs geschafft.
Das ist bemerkenswert und unterstreicht, ähnlich wie bei Campbell in Detroit, auch hier: Ryans hat sich viel Puffer verdient. Nicht nur als Architekt dieser Defense, sondern als Head Coach.
Aber was passiert, sollte die offensive Seite des Balls eher ein Klotz am Bein als eine tragende Säule bleiben?
So wie am Sonntag gegen die Patriots.
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Es war ein bisweilen groteskes Spiel. Mit, das soll nicht unter den Tisch fallen, Ausfällen in der Offensive Line und ohne Top-Receiver Nico Collins. Aber auch mit schwerwiegenden Fehlern bei Stroud selbst, der, wie schon teilweise in Pittsburgh letzte Woche, überfordert gewirkt hat.
Stroud hat gezeigt, dass er ein guter, ein aggressiver Ballverteiler ist, wenn die Umstände gut sind. Dass er auch Plays kreieren kann.
Aber die Turnover aus dem Steelers-Spiel setzten sich am Sonntag fort. Er hat Bälle verfehlt, zwei Interceptions kamen wegen ungenauen Pässen, einer, weil er ein bereits verlorenes Play mit einem Verzweiflungswurf über die Mitte noch schlimmer machte.
Stroud sollte an diesem Punkt nicht angezählt sein. Aber es ist offensichtlich, dass seine starke Rookie-Saison auch sehr Scheme-getrieben war. Seit Defenses sich darauf einstellen konnten, läuft Stroud jener Form hinterher.
Was wiederum die Frage aufwirft: Wo liegt das Ceiling mit Stroud? Und was müssen die Texans machen, um das wieder zu erreichen?
Der Hype rund um Strouds ersten Offensive Coordinator Bobby Slowik war schnell vorbei, nach Jahr 2 war er Geschichte. Nick Caley übernahm dieses Jahr, zusätzlich zu einem neuen Offensive Line Coach. Die Ergebnisse waren leicht verbessert, immer noch aber überschaubar.
Die Offense der Texans beendete die 2024er Regular Season auf Platz 21 in Expected Points Added pro Play und auf Platz 31 in Success Rate. In dieser Regular Season dann waren es Platz 22 in EPA pro Play und Platz 28 in Success Rate.
Statistisch also ist es ein marginaler Unterschied. Vor allem aber ist es nicht gut genug für ein Team, das Titelambitionen haben sollte.
Das hat mehrere Ansatzpunkte. Play-Caller ist der eine. Die Offensive Line ist ein weiterer. Hier kann man über Coaching sprechen, aber auch die Kaderzusammenstellung ist hier ein Thema. Und eben auch Stroud ist nicht frei von Kritik, nicht nur wegen dem, was am Sonntag in New England passiert ist.
Die Texans haben es abermals nicht in ein AFC Championship Game geschafft. Auf diesen Schritt wartet die Franchise nach wie vor.
In dieser Saison hängt das enttäuschende Ende noch mehr als in den vergangenen Jahren direkt mit der Offense zusammen. Und Houston geht erneut mit der Mission in die Offseason, die Offense und allen voran die Offensive Line zu reparieren.
Noch gibt es keine Kritik an DeMeco Ryans. Aber seine nächsten offensiven Entscheidungen müssen sitzen.
Das Playoff-Aus gegen Seattle ist auch ein Moment, in dem man großen Respekt davor zollen sollte, was Kyle Shanahan aus diesem Team herausgeholt hat. Was Robert Salehs Defense vor allem in der Wildcard Runde gegen die Eagles abgeliefert hat. Und wie das Team auch mental über Wasser blieb, trotz der vielen gravierenden Ausfälle im Laufe der Saison.
Dieses Niners-Team wäre ein Kandidat für einen tiefen Run gewesen, wenn man nicht zwei - mit Kittle dann drei - seiner fünf wichtigsten Spieler verloren hätte. Nick Bosa und Fred Warner waren die beiden Spieler, die diese junge, überarbeitete Defensive Front zusammenhalten sollten. Das waren die beiden Fixpunkte, und gerade in diesem Setup, gerade in einer Saison, in der San Francisco einen drastischen Umbruch in der Front gewagt hat, war es umso bitterer, dass diese beiden tragenden Säulen dann auch noch beide wegbrachen.
Hier wurden dann auch gewisse Limitationen im Scheme von Defensive Coordinator Robert Saleh deutlich. Auch wenn man klar festhalten muss, dass das Talentlevel in der Front Seven irgendwann ein Niveau erreicht hatte, das schlicht nicht mehr NFL-kompetitiv war. Das Herzstück einer guten Saleh-Defense ist eine starke und tiefe Defensive Line, das war in dieser Saison nicht möglich.
Das Ende dieser Saison war dann über die Maßen grausam für die Niners, die sich bis an diesen Punkt gekämpft hatten. Inklusive der Überraschung gegen die Eagles letzte Woche.
Eine 6:41-Pleite in Seattle, die höchste Playoff-Niederlage in einem Division-Duell seit 1968. San Francisco war komplett chancenlos.
Gerade einmal 15 First Downs holte San Francisco, die Niners waren kein einziges Mal in der Red Zone und beendeten das Spiel inklusive Garbage Time mit 236 Offense Yards.
Es war nicht nur ein Spiel, in dem San Franciscos Offense - die abgesehen von Kittle sogar relativ gesund war - abermals keinerlei Antworten auf Mike Mcdonalds Defense fand. Sondern es war auch ein Spiel, in dem die mit Backups besetzte 49ers-Front Seattles Run Game nicht stoppen konnte. Sam Darnold, der angeschlagen in das Spiel gegangen war, brauchte nicht mehr als 106 Net Passing Yards für einen ungefährdeten Sieg.
Und natürlich gibt es hier aber auch Grund zur Hoffnung für San Francisco. Wenn Bosa, Warner und Mykel Williams wieder fit sind, und San Francisco vielleicht noch ein wenig in die Interior Defensive Line investiert, gehört nicht viel Fantasie dazu, sich einen sehr schnellen defensiven Turnaround vorzustellen. Die größte Frage ist da Saleh selbst, beziehungsweise, der Defensive Coordinator. Saleh verlässt die Niners abermals und übernimmt als Head Coach die Tennessee Titans. Und Shanahan hatte nicht immer ein glückliches Händchen mit dem Besetzen dieser Position.
Eine große sportliche Frage auf der offensiven Seite sehe ich auf der Receiver-Position. Es ist ein offenes Geheimnis, dass man sich von Brandon Aiyuk trennen wird. Ricky Pearsall ist eine spannende Alternative - wenn er fit bleiben kann.
Und man hat den Effekt deutlich gemerkt, als Pearsall ausgefallen ist. Der Offense fehlte dann die individuelle Explosivität, was einen schematischen Folgeeffekt auf die gesamte Offense hatte.

Drei Punkte habe ich hier im Kopf: Zum einen die Gesamtzusammensetzung der Niners-Offense. Mit Christian McCaffrey, George Kittle und Kyle Juszczyk haben die Niners mehrere exzellente Matchup-Waffen, die es ihnen erlauben, unheimlich flexibel im Run Game zu sein und gute Matchups im Passing Game zu kreieren.
Doch es ist kein Zufall, dass wir die beste Version dieser Offense gesehen haben, als Aiyuk 2023 seine beste Saison gespielt hat. San Francisco braucht einen starken Receiver, der verlässlich Separation kreieren und Defenses vertikal bedrohen kann. Ansonsten wird das Feld zu eng, weil Defenses sie aggressiv nach vorne verteidigen.
Der zweite Punkt ist der der Timeline. Trent Williams ist 37 Jahre alt, George Kittle 32 und muss sich jetzt von einem Achillessehnenriss zurück arbeiten. Christian McCaffrey wird im Sommer 30. Die Planungen für eine neue offensive Ära müssen jetzt beginnen.
Der dritte Punkt ist einerseits ein übergreifendes Thema, knüpft andererseits aber auch direkt an den zweiten Punkt an. Und das ist die Frage danach, wie sehr Shanahan seine Offense anpassen muss.
Es ist ein klarer Trend aktuell in der NFL, dass Defenses sehr gut darin geworden sind, zuerst den Pass zu verteidigen. In der Folge sind sie mittlerweile sehr gut darin, den Run zu stoppen, ohne die Run-Defense was Personnel oder schematische Struktur angeht zu priorisieren.
Viele Defenses, die aus einer leichten Box heraus den Run gut verteidigen können, sind ein Problem für Shanahan. Denn Shanahans ganze offensive Idee basiert, sehr vereinfacht formuliert, darauf, dass seine Offense den Ball laufen und aus schweren Personnel-Groupings und Run-Looks gute Matchups im Passing Game kreieren kann.
Das kann via Play Action sein, muss es aber nicht. Doch gerade im Play Action Passing Game merkt man die Probleme: Purdy hatte in dieser Saison wieder eine höhere Play Action Rate. Die Regular Season beendete er auf Platz 5, knapp 30 Prozent seiner Pässe kamen via Play Action. Doch obwohl nur drei Quarterbacks den Ball bei Play Action im Schnitt kürzer warfen und Purdy die halbe Saison verpasst hatte, warf er die meisten Interceptions bei Play Action (6) und hatte die zweithöchste Turnover Worthy Play Rate.
Anders formuliert: Defenses lassen San Francisco nicht mehr über Play Action in die vertikalen Pässe kommen und die tiefen Crosser bedienen, eben weil sie selbst gegen die schweren Formationen der 49ers zuerst den Pass priorisieren. In der Folge wirft Purdy den Ball entweder sehr kurz, oder geht hohe Turnover-Risiken ein. Hier ist ein elementarer Teil der Ebenen in Shanahans Offense weg gebrochen, die im Idealfall aufeinander aufbauen und sich ergänzen.
Vielleicht laufen die 49ers den Ball in der kommenden Saison auch wieder besser. Wobei die Line nicht das Problem war dieses Jahr, und McCaffrey die Saison durchgespielt hat. Wie viel besser werden die Umstände hier sein? Gerade wenn Kittle die ersten Wochen - wenn nicht Monate - der Saison verpassen wird.
Womöglich wird sich Shanahan hier auch weiter anpassen müssen. Vielleicht muss er gewillt sein, mehr in sein Dropback Passing Game zu investieren.
So oder so wird das eine faszinierende Entwicklung. Es wäre keineswegs überraschend, wenn Shanahan Antworten auf die aktuell dominierenden Defenses finden würde, die er nach wie vor in seine Offense und in sein Scheme einbauen kann.
Sollte er sich merklich aus seiner Komfortzone und dem Kern seines offensiven Systems herausbewegen müssen, wäre auch das hochspannend. Und es würde Purdy als Dropback Passer womöglich deutlich mehr in den Mittelpunkt rücken.
Adrian Franke