05.03.2026
Verlässt der Running Back Seattle?
Die NFL-Offseason nimmt Fahrt auf und mit ihr beginnt die heiße Phase der Free Agency. Nach dem Super Bowl LX und dem Franchise-Tag-Fenster richtet sich der Blick der Teams nun auf mögliche Verstärkungen auf dem offenen Markt. Besonders auf der Running-Back-Position könnte es in diesem Jahr einige prominente Bewegungen geben.

Die Zukunft von Kenneth Walker III zählt zu den spannendsten Geschichten der kommenden NFL-Free-Agency. Der Running Back der Seattle Seahawks, der im Februar noch als MVP des Super Bowl LX gefeiert wurde, könnte nur wenige Wochen später ein neues Team finden. Seattle verzichtete darauf, Walker mit dem Franchise Tag zu belegen - und öffnete damit die Tür für einen möglichen Wechsel.
Sollte bis zum Beginn der Free Agency am 11. März keine Vertragsverlängerung zustande kommen, wird Walker erstmals in seiner Karriere den offenen Markt testen.
Walker war einer der Schlüsselspieler der vergangenen Saison und krönte seine starke Spielzeit im Finale gegen die New England Patriots mit einer herausragenden Leistung. Beim 29:13-Sieg im Super Bowl LX lief der 25-Jährige für 135 Yards bei 27 Carries und fing zusätzlich zwei Pässe für 26 Yards. Damit wurde Walker zum ersten Running Back seit Terrell Davis im Jahr 1998, der zum Super-Bowl-MVP gewählt wurde.
Trotzdem entschieden sich die Seahawks, den Franchise Tag - der für Running Backs rund 14,3 Millionen Dollar betragen hätte - nicht einzusetzen. Stattdessen könnte Seattle seine finanziellen Ressourcen lieber nutzen, um andere wichtige Spieler zu halten. Zu den möglichen Prioritäten gehören unter anderem Rashid Shaheed, Boye Mafe, Tariq Woolen, Josh Jobe und Coby Bryant.
Durch den Franchise Tag für Breece Hall bei den New York Jets gilt Kenneth Walker III aktuell als der prominenteste Running Back auf dem Free-Agent-Markt. Gleichzeitig hat sich der Markt in den vergangenen Tagen bereits deutlich sortiert: Javonte Williams erhielt eine mehrjährige Vertragsverlängerung bei den Dallas Cowboys, während David Montgomery von den Detroit Lions zu den Houston Texans getradet wurde.
Dadurch bleibt Walker der hochkarätigste Name unter den verfügbaren Running Backs. Experten gehen davon aus, dass er einen Vertrag zwischen 12 und 16 Millionen Dollar pro Jahr erhalten könnte. Neben ihm befinden sich auf dem Markt unter anderem Spieler wie Travis Etienne Jr., Najee Harris, Rico Dowdle, Tyler Allgeier, Nick Chubb und J. K. Dobbins sowie weitere Kandidaten.
Walker wurde 2022 in der zweiten Runde gedraftet und spielte vier Jahre für die Seattle Seahawks. In dieser Zeit erzielte er 3555 Rushing Yards, 29 Rushing Touchdowns sowie 133 Receptions für 1005 Yards. In der Saison 2025 durchbrach er erneut die 1000-Yard-Marke und war besonders in den Playoffs ein entscheidender Faktor. Nachdem sich Running-Back-Kollege Zach Charbonnet in der Postseason schwer verletzte, übernahm Walker die Rolle des klaren Workhorse-Backs und kam auf 313 Rushing Yards und vier Touchdowns in drei Playoff-Spielen.
Sollte Walker Seattle tatsächlich verlassen, würde er NFL-Geschichte schreiben. Er wäre erst der vierte Spieler überhaupt, der nach einer Auszeichnung zum Super-Bowl-MVP in der darauffolgenden Saison für ein anderes Team spielt.
Die einzigen bisherigen Fälle sind: Larry Brown (Super Bowl XXX), Desmond Howard (Super Bowl XXXI) und Dexter Jackson (Super Bowl XXXVII).
Kansas City Chiefs: Auch die Kansas City Chiefs werden zunehmend mit Kenneth Walker III in Verbindung gebracht. Hintergrund ist ein größerer Kaderumbau in Kansas City: Die Chiefs haben den Vertrag von Patrick Mahomes umgebaut, Starting Right Tackle Jawaan Taylor entlassen und tradeten All-Pro-Cornerback Trent McDuffie zu den Los Angeles Rams. Damit schufen sie mehr als genug Cap Space um Walker unter Vetrag nehmen zu können. Sportlich würde ein Wechsel ebenfalls Sinn ergeben. Kansas City sucht nach mehr Stabilität im Laufspiel, während Kareem Hunt vor der Free Agency steht. Ein explosiver Running Back wie Walker könnte der Offense von Head Coach Andy Reid eine zusätzliche Dimension verleihen und gleichzeitig Druck vom Passspiel nehmen. Zusammen mit Isiah Pacheco, der vor allem als physischer Power-Runner gilt, könnte Walker ein äußerst gefährliches Backfield-Duo bilden und Kansas City eines der vielseitigsten Laufspiele der Liga verschaffen.
Denver Broncos: Bei den Denver Broncos könnte Walker sofort eine zentrale Rolle im Laufspiel übernehmen. Der bisherige Starter J. K. Dobbins steht vor der Free Agency, wodurch im Backfield eine wichtige Position offen sein könnte. R.J. Harvey übernahm bereits in der vergangenen Saison phasenweise Verantwortung, insbesondere während der Abwesenheit von Dobbins, gilt jedoch eher als vielseitiger Receiving Back als klassischer Workhorse-Runner. Genau deshalb könnte ein Tandem mit Walker sportlich besonders interessant sein: Walker würde die Rolle des primären Ballträgers übernehmen, während Harvey seine Stärken im Passspiel und in offenen Räumen ausspielen könnte. Mit rund 25 Millionen Dollar Cap Space verfügen die Broncos zudem über ausreichend finanzielle Flexibilität, um Walker ein konkurrenzfähiges Angebot zu machen und ihre Offense weiter zu verstärken.
Carolina Panthers: Die Carolina Panthers könnten ein logischer Landing Spot für Walker sein. Running Back Rico Dowdle steht vor der Free Agency, während Chuba Hubbard eine mehrjährige Vertragsverlängerung unterzeichnet hat. Head Coach Dave Canales bevorzugt ein Tandem im Backfield und Walker würde perfekt in dieses Konzept passen. Zusätzlich besteht bereits eine Verbindung aus Walkers Rookie-Saison bei den Seattle Seahawks, als Canales im Trainerstab von Pete Carroll arbeitete. Für Quarterback Bryce Young wäre ein explosiver Running Back zudem eine wichtige Unterstützung in einer Offense, die ihr Laufspiel zuletzt nur auf Rang 19 der NFL platzieren konnte.
Washington Commanders: Die Washington Commanders gehören zu den Teams mit dem größten finanziellen Spielraum der Liga und könnten den Markt aktiv nutzen. Nach der Verletzung von Austin Ekeler musste Washington 2025 stark auf junge Running Backs wie Jacory Croskey-Merritt und Chris Rodriguez Jr. setzen. Obwohl die Produktion solide war, fehlt dem Backfield ein klarer Star. Walker könnte diese Rolle übernehmen und gleichzeitig Quarterback Jayden Daniels entlasten, der in seiner zweiten Saison immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte.
Arizona Cardinals: Auch die Arizona Cardinals könnten starkes Interesse an Walker haben. Die Saison des Teams brach regelrecht ein, nachdem sich Running Back James Conner früh schwer verletzte. Dadurch wurde deutlich, wie abhängig Arizonas Offense vom Laufspiel ist. Ein Backfield mit Walker, Trey Benson und eine Rückkehr von Connor im Laufe der Saison würde Head Coach Mike LaFleur deutlich mehr Optionen geben und dem Angriff eine neue Dynamik verleihen. Allerdings müssten die Cardinals Walker vermutlich mit einem überdurchschnittlichen Vertrag überzeugen, da das Team 2025 die Playoffs verpasste.
New York Giants: Auch die New York Giants gelten inzwischen als möglicher Kandidat für Walker. Berichten aus New York zufolge soll das Team großes Interesse daran haben, den Super-Bowl-MVP in der Free Agency zu verpflichten. Unter dem neuen Head Coach John Harbaugh setzt die Franchise auf einen Neustart rund um Quarterback Jaxon Dart. Gerade für einen jungen Quarterback könnte ein Star-Running-Back wie Walker eine wichtige Entlastung darstellen. Hinzu kommt, dass Power Back Cam Skattebo wegen einer Knöchelverletzung zu Beginn der Saison fehlen dürfte, wodurch im Backfield eine unmittelbare Lücke entsteht. Walker könnte diese Rolle zunächst allein übernehmen und später ein starkes ergänzendes Tandem mit dem Running Back bilden. Harbaugh bringt zudem eine klare Run-First-Philosophie mit - zuletzt arbeitete er bei den Baltimore Ravens eng mit Star-Running-Back Derrick Henry zusammen. In einem ähnlichen System könnte Walker seine Stärken bei Outside Zone Runs besonders gut ausspielen und eine zentrale Rolle im neuen Offensivkonzept der Giants einnehmen.
Minnesota Vikings: Die Minnesota Vikings könnten ebenfalls Bedarf auf Running Back haben. Der Abgang von Aaron Jones hat eine große Lücke im Backfield hinterlassen, während aktuell nur Jordan Mason und Zavier Scott unter Vertrag stehen. Zwar müsste Minnesota trotz den Entlassungen von Jones, Javon Hargrave und Jonathan Allen weiter seine schwierige Cap-Situation lösen, doch sportlich würde Walker hervorragend in die Offense passen. Seine Explosivität und Big-Play-Fähigkeit könnten dem Angriff eine zusätzliche Dimension geben - unabhängig davon, welcher Quarterback die Vikings 2026 anführt.
Trotz der zahlreichen Interessenten ist eine Rückkehr zu den Seahawks weiterhin nicht ausgeschlossen. Seattle könnte Walker bewusst den Markt testen lassen, um seinen tatsächlichen Wert zu bestimmen, bevor eine endgültige Entscheidung fällt.
Fest steht jedoch: Der Super-Bowl-MVP gehört zu den begehrtesten Spielern der diesjährigen Free Agency - und seine Entscheidung könnte den Running-Back-Markt der gesamten NFL-Offseason prägen.
mgs