28.01.2026
Acht Posten bereits vergeben
Insgesamt zehn Teams waren zu Beginn des Zyklus auf der Suche nach einem neuen Head Coach, eine wirklich außergewöhnlich hohe Zahl. Acht dieser Stellen sind bereits wieder vergeben worden, doch zwei Teams lassen sich weiterhin Zeit bei der Beantwortung der wichtigsten Personalfrage eines jeden NFL-Franchises.

Das Coaching-Karussell für 2026 hat früh an Fahrt aufgenommen. Die New York Giants setzten mit der Verpflichtung von John Harbaugh den ersten großen Dominostein. Kurz darauf folgten die Atlanta Falcons, die Kevin Stefanski als neuen Head Coach präsentierten. Auch bei den Miami Dolphins ist die Entscheidung gefallen: Jeff Hafley übernimmt das Kommando.
Für zusätzliche Dynamik sorgten die Tennessee Titans, die nur wenige Tage nach dem Playoff-Aus der San Francisco 49ers deren Defensive Coordinator Robert Saleh als neuen Head Coach verpflichteten. Zuletzt haben nicht nur die Ravens mit Jesse Minter, sondern auch die Steelers mit Mike McCarthy ihren neuen Head Coach gefunden. Die Bills haben ebenfalls ihren neuen Hauptübungsleiter gefunden, Joe Brady übernimmt die Zügel in Buffalo. Ende Januar fanden dann auch die Browns ihren neuen Head Coach in Person von Todd Monken.
Damit sind viele prominente Posten bereits vergeben - gleichzeitig bleiben noch zwei Head-Coach-Jobs, deren Attraktivität sich ziemlich unterscheidet.
Für jeden ambitionierten Kandidaten beginnt nun die Abwägung: Auf welcher dieser Baustellen lässt eher schnell gewinnen? Wo stimmen Cap Space, Draft-Picks und Roster-Qualität? Und wo wartet stattdessen ein jahrelanger Rebuild mit fragwürdiger Quarterback-Situation? Die mentale Pro-Contra-Liste fällt dabei je nach Team drastisch unterschiedlich aus - von sofort konkurrenzfähig bis hin zu nahezu aussichtslos.
Die Arizona Cardinals bringen durchaus einige Argumente mit, die für einen potenziellen Head Coach attraktiv wirken. Offensiv wartet mit Tight End Trey McBride sowie den Wide Receivern Marvin Harrison Jr. und Michael Wilson viel junges Talent. Dazu kommen über 27 Millionen US-Dollar Cap Space, die zumindest finanziell Spielraum verschaffen - und nicht zu vergessen: Das Wetter im "Valley of the Sun" ist im Herbst ein echter Bonus.
Allerdings verfliegt dieser positive Eindruck schnell. Ähnlich wie Cleveland haben auch die Cardinals keinen vollständigen Neuanfang eingeleitet: General Manager Monti Ossenfort bleibt im Amt, was automatisch bedeutet, dass ein neuer Coach nicht komplett frei gestalten kann. Sportlich befindet sich das Franchise zudem seit Jahren in der Warteschleife - vier Losing-Seasons in Folge, und seit über einem Jahrzehnt wurde kein einziges Playoff-Spiel mehr gewonnen. In einer Division mit jeweils sechs Partien pro Saison gegen Rams, 49ers und Seahawks wird jedes Jahr zur Mammutaufgabe.
Und das größte Fragezeichen gibt es auch hier weiterhin auf der Quarterback-Position. Vieles deutet darauf hin, dass sich Arizona mittelfristig von Kyler Murray trennen will. Doch seine fünfjährige Extension über 230,5 Millionen US-Dollar aus dem Jahr 2022 macht jede Lösung teuer: Ein Trade oder gar ein Release würde ein enormes Loch in den Cap Space reißen - und könnte am Ende dazu führen, dass 2026 Journeyman Jacoby Brissett als Starter einspringen müsste.

Der kommende Head Coach der Las Vegas Raiders übernimmt grundsätzlich ein Paket, das auf den ersten Blick ziemlich reizvoll wirkt. Kaum ein Team bringt so viel finanziellen Spielraum mit: Mit fast 90 Millionen US-Dollar Cap Space gehören die Raiders ligaweit zur Top 3. Dazu kommt das hochmoderne Stadion in Las Vegas - und ein Umfeld, das allein durch seinen Standort und seine Strahlkraft Aufmerksamkeit garantiert.
Für zusätzliches Prestige sorgt außerdem ein ganz besonderer Name in der Ownership-Gruppe: Tom Brady. Der größte Quarterback der NFL-Geschichte ist mittlerweile Teil der Organisation und verleiht dem Franchise noch einmal mehr Gewicht und Einfluss. Der größte Trumpf liegt jedoch im Draft: Las Vegas besitzt den First Overall Pick 2026 und kann sich damit jeden Prospect sichern, den es will - aller Voraussicht nach Indiana-Quarterback und Gewinner der Heisman-Trophy Fernando Mendoza.
Genau dieser Punkt macht aber auch das Kernproblem deutlich. Wer den ersten Pick hat, war im Jahr zuvor das schlechteste Team der Liga - und genau dort stehen die Raiders derzeit. Zwar gibt es mit Tight End Brock Bowers, Running Back Ashton Jeanty und Edge Rusher Maxx Crosby klare Bausteine, auf denen sich aufbauen lässt. Trotzdem war Las Vegas ligaweit Letzter in der Total Offense und rangierte in der Scoring Defense nur auf Platz 25. Heißt: Es wartet gehörig Arbeit auf beiden Seiten des Balls.
Und selbst wenn der Neuaufbau schnell greifen sollte, macht die eigene Division die Aufgabe nicht leichter. Mit Broncos, Chargers und Chiefs wartet Woche für Woche starke Konkurrenz - ein schneller Turnaround wird in der AFC West also alles andere als selbstverständlich.
mhh