13.02.2026
Saisonrückblick
Mit einem Quarterback auf MVP-Niveau sind die Erwartungen automatisch hoch. Die Cincinnati Bengals gingen mit klaren Ambitionen in die Saison 2025. Doch am Ende stand eine Bilanz, die weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückblieb.

Wer Joe Burrow als Franchise-Quarterback hat, denkt automatisch in großen Kategorien. Trotz des knapp verpassten Playoff-Einzugs 2024 gab es genug Gründe für Optimismus: Ja'Marr Chase spielte eine Triple-Crown-Saison, Trey Hendrickson führte die Liga in Sacks an, und Burrow selbst agierte auf absolutem MVP-Level. Die Hoffnung für 2025 war klar definiert: offensiv das hohe Niveau halten, defensiv unter dem neuen Defensive Coordinator Al Golden stabiler werden - und wieder ernsthaft um den Titel mitspielen.
Die Ausgangslage war eindeutig: Mit Burrow, Chase und einer hochkarätig besetzten Offense sollte Cincinnati erneut zu den gefährlichsten Teams der AFC gehören. Die zentrale Frage lautete weniger, ob die Offense liefern würde, sondern ob die Defense endlich stabil genug sein könnte, um das Team in relevanten Januar-Football zu tragen. Nach der enttäuschenden Vorsaison war die Verpflichtung von Al Golden als neuem Defensive Coordinator ein klares Signal.
Doch schon die Offseason verlief alles andere als optimal. Vertragsverhandlungen, insbesondere rund um Hendrickson und Rookie-Edge-Rusher Shemar Stewart, sorgten für negative Schlagzeilen. Zum Saisonstart schien zwar alles geklärt, die Zeichen standen auf Grün und das Ziel Super Bowl war klar formuliert. Doch die Saison nahm einen anderen Verlauf.
Anders als in den Vorjahren starteten die Bengals stark und standen nach zwei Spielen bei 2-0. Doch der zweite Sieg gegen Jacksonville hatte einen hohen Preis: Joe Burrow musste am Fuß operiert werden und fiel bis Woche 13 aus.
In seiner Abwesenheit starteten Jake Browning und Joe Flacco, doch der Ausfall des Franchise-Quarterbacks ließ sich nicht kompensieren. Als Burrow in Woche 13 zurückkehrte, stand das Team bereits bei 4-8 - die Playoffs waren außer Reichweite. Zwar stabilisierte sich die Offense mit Burrow etwas, doch am Ende beendete Cincinnati die Saison mit einer 6-11-Bilanz.
Im Saisonendspurt äußerte Burrow zudem öffentlich, dass ihm aktuell der Spaß am Spiel fehle. Aussagen, die Spekulationen über seine langfristige Zukunft im Bengals-Trikot befeuerten.
Die Defense blieb das größte Problem. Obwohl sie bereits in der Vorsaison Schwächen gezeigt hatte, präsentierte sie sich 2025 noch anfälliger. Die Bengals erlaubten ligaweit die meisten Yards pro Spielzug und stellten die drittschlechteste Scoring Defense der NFL - nur die Jets und Cowboys ließen im Schnitt mehr Punkte zu.
Hinzu kam eine erschreckend geringe Produktion im Backfield des Gegners: Kein Team verzeichnete weniger Tackles for Loss, und auch bei den Sacks rangierte Cincinnati nur auf Platz 26 von 32. Neben Burrows Verletzung war die desolate Defensivleistung der entscheidende Faktor für die enttäuschende Saison.
Mit Burrows Rückkehr zeigte die Offense zumindest phasenweise ihr Potenzial. In vier der letzten sechs Spiele erzielten die Bengals über 30 Punkte. Ja'Marr Chase beendete die Saison mit 1412 Receiving Yards - Platz vier im Liga-Vergleich - und unterstrich einmal mehr seine Klasse.
Auch wenn es sportlich um nichts mehr ging, bewies die Offense mit einem gesunden Burrow, dass sie auf hohem Niveau Football spielen kann. Die Marschroute für die Offseason ist daher identisch mit der des Vorjahres: Defense verbessern und Burrow besser schützen.
Man hätte auch eine schlechtere Bewertung vergeben können. Doch man muss berücksichtigen, dass das Team den Großteil der Saison ohne seinen Franchise-Quarterback auskommen musste - ein Ausfall, den nur wenige Teams kompensieren können.
Gleichzeitig ist es nicht das erste Mal, dass Burrow verletzt fehlt, und auch nicht das erste Mal, dass die Defense zu den schwächsten Einheiten der Liga zählt. Wenn Cincinnati die Prime von Burrow, Chase und Higgins nicht verspielen will, muss endlich Konstanz her.
Wer eine realistische Chance auf den Super Bowl haben möchte, muss regelmäßig in den Playoffs vertreten sein. Genau das bleibt die größte Baustelle der Bengals, die seit dem Draft von Burrow im Jahr 2020 nur zweimal in den Playoffs standen. Wenn sie jedoch im Playoff-Baum waren, ging es mindestens bis ins AFC Championship Game, einmal sogar in den Super Bowl.
Das Problem der Bengals ist also nicht das vieler Teams, die in den Playoffs nicht performen - ganz im Gegenteil. Ihr Problem ist es, dass sie nicht konstant Playoff-Football spielen.
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