10.04.2026
Russell, Neal und Co.
Im NFL Draft geht es für alle Teams darum, die besten Spieler der Draft-Class zu wählen und das Team damit langfristig zu verstärken. Jedes Team hofft den neuen Superstar zu finden. Doch manche Athleten schaffen es nie, diesen Erwartungen gerecht zu werden und manche gehen sogar als Draft-Bust in die Geschichte ein.

Beim NFL Draft werden die besten Spieler des College-Footballs von den 32 NFL-Teams ausgewählt. Dabei kann sich ein Team nie sicher sein, ob ein Spieler wirklich so in der NFL einschlägt, wie man es sich erhofft hat. Einige Spieler schaffen es nie, dem Hype um sie gerecht zu werden und werden bei schwachen Leistungen auch als Draft-Bust abgestempelt.
Eine genaue Definition gibt es nicht für einen Draft-Bust. Dennoch lässt sich ein Draft-Bust meist anhand zweier Faktoren erkennen: Wie hoch waren die Erwartungen an den Spieler und wie viel konnte er in der NFL wirklich zeigen? Anhand dieser beiden Faktoren bewerten Experten und Fans die Draft-Picks der NFL-Teams. Ein Draft-Bust entsteht dann, wenn ein Spieler seinen Erwartungen überhaupt nicht gerecht werden konnte. Dies hängt mit mehreren Faktoren zusammen: Zum einen ist die Draft-Position entscheidend. Von einem Spieler, der in der ersten Runde gedraftet wird oder sogar innerhalb der ersten zehn Picks vom Board geht, werden überdurchschnittliche Leistungen in der NFL erwartet. Er soll im besten Fall der neue Superstar des Teams werden oder zumindest über viele Jahre ein unangefochtener Stammspieler werden. Spieler aus der zweiten Runde starten ihre Karriere mit viel weniger Druck.
Zwar erhoffen sich Fans und Teams auch von ihnen starke Leistungen, allerdings gilt bereits ein solider Stammspieler als Erfolg. Umso tiefer die Runde, desto geringer ist die Erwartungshaltung an den Spieler. In der letzten Runde wird von den Spielern meist nicht einmal erwartet, dass sie es in den 53-Mann-Kader schaffen. Daher können Spieler aus den letzten Runden kaum zu einem Draft-Bust werden, da die Erwartungshaltung ohnehin schon nicht besonders hoch war. Ganz im Gegensatz zu den als erstes gewählten Spielern. Auf ihnen lastet der meiste Druck, sofort abzuliefern und über Jahre hinweg die NFL zu dominieren. Ein Draft-Bust entsteht dann, wenn ein Spieler mit hohen Erwartungen nicht einmal die Mindestanforderungen schafft und beispielsweise zu einem Backup wird, oder sogar in eine andere Liga wechseln muss.
Zum anderen spielt auch die Position eine gewisse Rolle. Von einem Quarterback aus der ersten Runde wird erwartet, dass er das neue Gesicht des Franchises wird und das Team über Jahre tragen und führen kann. Ebenso sollen Pass-Rusher die zentrale Rolle in der Defense spielen und über Jahre hinweg die gefährlichste Waffe bei der Jagd auf den Quarterback darstellen. Andere Spieler können aufgrund ihrer Position ohnehin nicht so viel Einfluss auf das Spiel nehmen wie ein Quarterback oder ein Edge-Defender. Running Backs oder Safeties beispielsweise sollen zu den besten der NFL werden, schaffen es aber selten das Herzstück ihres Teams zu werden.
Einer der bekanntesten Draft-Busts der letzten Jahre ist JaMarcus Russell. Der Quarterback wurde im Draft 2007 von den Oakland Raiders mit dem ersten Pick gewählt, da er einen beeindruckenden Arm und ein starkes Tape am College mitbrachte. Doch Russell zeigte von Tag 1 an große Schwächen bei seinem NFL-Team. Nach drei Spielzeiten wurde Russell entlassen - er hatte in seiner Karriere kaum mehr als 50% seiner Pässe erfolgreich abgeschlossen, 18 Touchdowns bei 23 Interceptions geworfen und ein Passer Rating von 65,1 erzielt. Er war objektiv gesehen so schlecht, dass ihm niemand eine zweite Chance gab, abgesehen von einem Probetraining bei einem Team - und dieses verlief so schlecht, dass seine NFL-Karriere beendet war.
Ein anderer Quarterback, der nie die Erwartungen erfüllen konnte war Zach Wilson. Der zweite Pick des Draft 2021 hatte bei seinem Pro-Day bei BYU eine unglaubliche Performance abgeliefert, die die Jets dazu brachte, ihn so früh zu wählen. Doch Wilson überzeugte nie und hatte in einem schwachen Jets-Team große Probleme. Nach einem kurzen Stint bei den Miami Dolphins ist Wilson jetzt bei den New Orleans Saints, wo er aktuell als dritter Quarterback gelistet wird.
Aber auch abseits von Quarterbacks kam es immer wieder zu Busts. Offensive Tackle Evan Neal fand seinen Weg im Draft 2022 ebenfalls in die NFL und ging als einer der besten Tackles im College Football an 7. Stelle zu den New York Giants. Doch Neal zeigte extreme Probleme und konnte nicht an seine erfolgreiche Zeit am College anknüpfen. Er verlor sehr viele Duelle gegen Pass-Rusher und ließ extrem viele Sacks zu. Aus einem der talentiertesten Right Tackles wurde einer der schlechtesten der Liga. Es lief so schwierig für den Spieler von Alabama, dass die Giants sich schließlich dazu entschieden, ihn auf der Guard-Position auszuprobieren, da diese etwas einfacher ist als die des Right Tackles. Dennoch ist er selbst auf dieser Position nur als Backup eingeplant.
Während auch andere Spieler ihren Erwartungen nicht gerecht wurden, hoffen alle NFL-Teams darauf, im nächsten Draft den neuen Superstar zu wählen. Doch eine kleine Möglichkeit besteht immer, dass die Spieler sich nicht so entwickeln wie erwartet und als negative Geschichte in die Annalen eingehen. Allerdings bedeutet ein schwieriger Karrierestart nicht automatisch, dass ein Spieler dauerhaft als Draft-Bust gilt. Einige Spieler entwickeln sich erst spät zu Leistungsträgern in der NFL. Ein prominentes Beispiel ist Josh Allen, der nach anfänglichen Problemen heute zu den besten Quarterbacks der Liga zählt. Viele Spieler können daher ihrer Karriere im Laufe der Zeit neuen Schwung verleihen.
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nhu