17.06.2026
Fan-Kolumne
Ein Großteil der NFL Offseason ist bereits absolviert. Nach der großen Free-Agency-Welle und dem Draft fanden bereits die ersten Rookie Camps sowie die Organized Team Activities (OTAs) der NFL Franchises statt. Natürlich haben auch die Carolina Panthers damit begonnen, mit dem neu zusammengestellten Kader zu arbeiten.

Wie bereits im Rahmen dieser Kolumne geschrieben, haben die Panthers für die Saison 2026 einiges vor. Nach der langersehnten Rückkehr in die Playoffs soll eine Teilnahme an der Postseason künftig zum Standard werden.
Ein wichtiger Baustein für die finale Zusammenstellung des Kaders, der bis zum 30. August feststehen muss, ist der interne Wettbewerb auf den jeweiligen Positionen. Konkurrenzkampf und Wettbewerb sind nicht nur im Umfeld von NFL-Teams bewährte Mittel, um die Qualität einer Mannschaft zu steigern und mehr aus einzelnen Spielern herauszuholen.
Panthers Head Coach Dave Canales und General Manager Dan Morgan betonen diesen Ansatz bereits seit ihrem Amtsantritt vor mittlerweile knapp zweieinhalb Jahren immer wieder. Allerdings fehlte den Panthers in dieser Zeit - auch bedingt durch zahlreiche Verletzungen - auf einigen Positionen stellenweise die notwendige sportliche Qualität für Konkurrenzkämpfe. Viele Rookies und Spieler aus der zweiten Reihe mussten Rollen übernehmen, denen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig gewachsen waren.
Der Aufbau des Panthers-Kaders ist in den vergangenen beiden Jahren jedoch deutlich vorangeschritten. Deshalb lohnt sich nun ein Blick auf drei Positionsgruppen, in denen sich in den kommenden Wochen während des Training Camps und der Preseason noch einiges entscheiden könnte.
Bei den Wide Receivern scheinen zwei Personalien nahezu unumstritten zu sein. Tetairoa McMillan, der amtierende Offensive Rookie of the Year, ist die klare Nummer eins im Receiver-Room der Panthers. Ebenso dürfte Jalen Coker seinen Platz als zweiter Receiver sicher haben. Der Undrafted Free Agent aus dem Jahr 2024 hat sich in den vergangenen beiden Spielzeiten als wichtiger Bestandteil der Offense etabliert und wurde in der vergangenen Woche mit einer Vertragsverlängerung über drei Jahre und 34 Millionen Dollar belohnt.

Spannend wird es dahinter. Xavier Legette, der First-Round-Pick der Panthers aus dem Jahr 2024, blieb in der vergangenen Saison mit 363 Receiving Yards und drei Touchdowns deutlich hinter den Erwartungen. Zudem unterliefen ihm immer wieder mentale Fehler.
Sowohl Dave Canales als auch Quarterback Bryce Young haben zuletzt betont, weiterhin großes Vertrauen in Legette zu haben. Dennoch erscheint es durchaus möglich, dass er im Training Camp und in der Preseason um den dritten Receiver-Spot konkurrieren muss. Ein aussichtsreicher Kandidat dafür ist Chris Brazzell. Der Drittrundenpick der Panthers aus dem diesjährigen Draft bringt mit seiner Geschwindigkeit ein Element in die Offense, das Carolina bislang weitgehend gefehlt hat.
Darüber hinaus stehen mit Brycen Tremaine, Jimmy Horn Jr. und John Metchie weitere junge Receiver bereit, die sich neben Veteran David Moore für einen Platz im Kader empfehlen wollen. Entscheidend könnte dabei auch sein, wer zusätzlich in den Special Teams einen Beitrag leisten und sich dadurch einen Vorteil im Kampf um die letzten Receiver-Plätze verschaffen kann.
Die Panthers möchten stark auf das Laufspiel setzen. Das wurde von Dave Canales bereits mehrfach betont. Auch die Investitionen in die Offensive Line, das installierte Blocking Scheme und vor allem die Verpflichtungen der beiden Guards Robert Hunt und Damien Lewis unterstreichen dies.
Aber so wirklich nachhaltig dominant war das Laufspiel bisher nicht. Natürlich hatte Rico Dowdle eine mehr als starke Saison als Running Back. Allerdings war seine hohe Workload auch einem nicht ganz fitten Chuba Hubbard geschuldet, der deutlich hinter seiner starken Performance aus der Saison 2024 zurückblieb.

Die große Frage ist hier tatsächlich: Wer steht an welcher Stelle im Depth Chart? Bleibt Chuba Hubbard an der Spitze? Oder bringt sich Jonathon Brooks in Stellung? Brooks wurde 2024 in der zweiten Runde gedraftet und hatte in seiner NFL-Karriere bislang lediglich zwölf Touches. Er kam bereits mit einem gerissenen Kreuzband zu den Panthers, bevor er sich erneut am selben Knie verletzte.
Vermutlich wird Hubbard zunächst den Löwenanteil der Carries bekommen. Die Panthers müssen aber nun relativ schnell herausfinden, was sie an Jonathon Brooks haben und ob sie trotz seiner Verletzungsgeschichte längerfristig mit ihm planen wollen. Es wird interessant zu sehen sein, wie Carolina im dritten Jahr seines Rookie-Vertrags mit ihm umgeht.
Von der Gesundheit und der Rolle von Brooks hängt auch der Workload von Trevor Etienne ab. Der Viertrundenpick aus dem Draft 2025 bekam in der vergangenen Saison nur limitierte Einsätze in der Offense und trat eher in den Special Teams in Erscheinung. Dort hatte er allerdings auch einige schwierige Momente, unter anderem aufgrund fallen gelassener Bälle.
Etienne wird sich also im Backfield der Panthers eine Rolle erarbeiten müssen. In den Special Teams wird er zudem auch mit den Wide Receivern um Snaps konkurrieren.
Und dann ist da auch noch AJ Dillon. Er könnte eine Joker-Rolle in Short Yardage Situationen bekommen, aber sicher ist das natürlich nicht.
Die Offensive Line ist eine weitere spannende Positionsgruppe. Hier wurden einige interessante Spieler verpflichtet. Vor Draft und Free Agency lautete die große Frage: Was machen die Panthers auf Left Tackle und auf Center? Durch die Verletzung von Ikem Ekwonu sowie die Abgänge von Austin Corbett und Cade Mays hatten die Panthers praktisch keinen Starting Left Tackle und keinen Center.
Das sieht nun anders aus. Stand heute deutet auf der Center-Position vieles auf Luke Fortner als Starter hin. Zwar stehen mit Nick Samac, einem Siebtrundenpick der Ravens aus dem Jahr 2024, und Sam Hecht, dem Fünftrundenpick der Panthers aus dem diesjährigen Draft, zwei vielversprechende Spieler bereit. Mit vier Jahren NFL-Erfahrung als Starter dürfte Fortner aber zunächst die sichere Wahl sein - insbesondere in einem so wichtigen Jahr für Dave Canales, Bryce Young und Co.

Die Frage nach dem Left Tackle Spot lässt sich dagegen momentan noch nicht zuverlässig beantworten. Die Panthers sicherten sich mit Rasheed Walker einen zuverlässigen Free Agent, der auf der Position starten könnte. Gleichzeitig investierte Carolina in diesem Jahr einen Erstrundenpick in Monroe Freeling.
Eventuell bekommt Freeling im Verlauf der Saison die Möglichkeit, sich einen Platz in der Starting Lineup zu erarbeiten - abhängig davon, wie gut die Offensive Line mit Walker auf Left Tackle funktioniert. Denkbar ist aber auch, dass Freeling langfristig die Rolle des Right Tackles übernimmt. Zumindest für die Saison 2026 scheint Taylor Moton dort jedoch weiterhin gesetzt zu sein.
Der Trainerstab der Panthers hat in den kommenden Wochen auf jeden Fall noch einiges vor sich. Bis zur finalen Kaderzusammenstellung müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden und die Spieler haben noch viele Möglichkeiten, sich im Training Camp, den Joint Practices und der Preseason zu empfehlen.
Die Panthers verfügen inzwischen über deutlich mehr Qualität und Tiefe im Kader als noch vor wenigen Jahren. Genau deshalb dürften die Positionsduelle in diesem Sommer so spannend werden wie lange nicht mehr. Für Fans stehen auf jeden Fall interessante Wochen bevor.
Moritz Haist