01.05.2026
Geduld statt Druck
Zum ersten Mal seit mehreren Jahren könnte die NFL-Saison ohne einen Rookie-Quarterback als Starter in Week 1 beginnen. Eine Entwicklung, die es zuletzt 2022 gab. Davor muss man sogar bis 2007 zurückgehen, um eine vergleichbare Situation zu finden.

In den vergangenen Jahren war es fast schon selbstverständlich, dass mindestens ein Rookie-Quarterback direkt zum Saisonstart auf dem Feld stand. 2022, das Kenny-Pickett-Jahr, war das letzte Mal, in dem kein Rookie-QB in Week 1 als Starter auflief. Pickett war damals der einzige Quarterback in Runde 1 und startete erst in Week 4. Besonders auffällig: Die letzten First Overall Picks auf der Quarterback-Position, darunter Caleb Williams, Bryce Young, Trevor Lawrence, Joe Burrow und Kyler Murray, starteten alle direkt in Week 1. Der letzte Top-Pick, der zunächst auf der Bank saß, war Baker Mayfield im Jahr 2018.
In diesem Jahr könnte sich das ändern. First Overall Pick Fernando Mendoza gilt zwar als zukünftiger Franchise-Quarterback der Las Vegas Raiders, doch vieles deutet darauf hin, dass er nicht sofort starten wird.
Der Grund liegt vor allem im System von Head Coach Klint Kubiak. Seine Offense basiert stark auf Under-Center-Playaction, ein Konzept, das für junge Quarterbacks deutlich anspruchsvoller ist als die typischen College-Offenses aus der Shotgun.
Beim Under-Center-Spielzug steht der Quarterback direkt hinter dem Center und nimmt den Snap unmittelbar von ihm entgegen. Um anschließend Tiefe in der Pocket zu gewinnen, muss er sich vom Snap wegdrehen und kurzfristig den Blick von der Defense abwenden. Genau dieser Moment macht das Spiel schwieriger, weil sich die Defense in dieser kurzen Zeit verändern kann und der Quarterback diese Anpassungen erst wieder erkennen und verarbeiten muss, sobald er sich zurückdreht.
In der Shotgun hingegen steht der Quarterback bereits mehrere Meter hinter dem Center. Er hat von Beginn an Tiefe, muss sich daher nicht umdrehen und behält während des gesamten Spielzugs die Augen auf der Defense. Das erleichtert das Lesen der Coverage deutlich. Genau deshalb setzen viele College-Offenses verstärkt auf Shotgun-Systeme.
Mendoza kommt genau aus so einem Shotgun-System und muss sich erst daran gewöhnen, mit dem Rücken zur Defense zu arbeiten, Reads verzögert zu erkennen und Entscheidungen schneller zu treffen.
Mit der Verpflichtung von Kirk Cousins haben die Raiders zudem einen erfahrenen Quarterback im Kader, der dieses System bereits kennt und direkt Stabilität bringen kann. Cousins dürfte daher zu Beginn der Saison im Vorteil sein, während Mendoza Zeit bekommt, sich anzupassen. Und das kann dauern. Sollte Mendoza dafür Zeit benötigen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Cousins große Teile der Saison als Starter spielt und auch in Week 1 als Anführer des Teams aufs Feld geht.
Auch die anderen Quarterbacks aus dem Draft 2026 haben aktuell keinen klaren Weg in die Starting-Rolle. Ty Simpson, ein weiterer First Round Pick, sitzt hinter MVP Matthew Stafford und wird nur bei einer Verletzung Spielzeit sehen.
Carson Beck, ein Third Round Pick der Arizona Cardinals, befindet sich aktuell hinter Jacoby Brissett und Gardner Minshew in der Hierarchie. Zwar könnte sich diese Situation im Laufe der Saison ändern, doch auch hier ist ein Start in Week 1 eher unwahrscheinlich.
Auch Drew Allar bei den Pittsburgh Steelers hat aktuell keine realistische Chance auf den Starting-Job. Selbst ohne eine mögliche Rückkehr von Aaron Rodgers würde er wohl hinter Will Howard stehen. Cade Klubnik, der in Runde 4 zu den New York Jets ging, trifft ebenfalls auf klare Konkurrenz. Mit Geno Smith haben die Jets bereits einen etablierten Starter per Trade verpflichtet.
Spätere Picks haben aktuell noch weniger Perspektiven auf sofortige Einsatzzeit, sofern es nicht zu unerwarteten Verletzungen kommt. Alles deutet darauf hin, dass wir 2026 erstmals seit Jahren keinen Rookie-Quarterback in Week 1 als Starter sehen werden.
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