17.02.2026
Schwache Jubiläumssaison
In die neue Saison starten alle Teams mit unterschiedlichen Erwartungen. Von einem Rebuild-Jahr bis hin zum Super-Bowl-Favoriten gibt es in der NFL alles. Doch nach der Saison müssen sich die Teams auch an den Erwartungen messen lassen, die es vor dem Start der Saison gab. Ein Team, das von den eigenen Erwartungen eingeholt wurde, sind die Baltimore Ravens.

Die Ravens konnten mit Vorfreude und Hoffnung in die neue Saison starten und behielten ihren guten Kader in der Offseason größtenteils zusammen. Daher war für alle klar, dass das Ziel mindestens einmal die Playoffs sein musste.
Die Ravens kamen aus einer starken Saison 2024 in die Offseason. Mit einem Record von 12-5 zogen die Ravens nicht nur in die Playoffs ein, sondern verteidigten den ersten Platz in der AFC North. Zudem schlugen sie in der Wild Card Round den Divisions-Rivalen Pittsburgh Steelers und scheiterten erst in der Divisional Round knapp an den Buffalo Bills durch eine missglückte Two-Point-Conversion. In der Offseason verloren die Ravens nur wenige wichtige Spieler in der Free Agency, verstärkten sich im Gegenzug aber auch kaum durch freie Spieler.
Stattdessen verlängerten die Ravens mit den Leistungsträgern Running Back Derrick Henry, Wide Receiver Rashod Bateman und Safety Kyle Hamilton. Im Draft 2025 investierten die Ravens drei ihrer ersten vier Picks in die Defense und wählten unter anderem Safety Malaki Starks. Erst in Runde drei und fünf verstärkten die Ravens ihre O-Line und holten in Runde sechs einen neuen Kicker mit Tyler Loop als Nachfolger von Justin Tucker. Mit dieser positiven Offseason gingen die Ravens mit breiter Brust in die neue Saison 2025 und wollten diesmal nicht nur in die Playoffs kommen, sondern bis in die entscheidende Phase der Postseason vorstoßen.
Die Ravens starteten katastrophal in ihre 30. Saison in der NFL. Nachdem Lamar Jackson die letzten Wochen der Vorsaison ausgefallen war, konnte er nicht an die starken Leistungen der Saison 2024 anknüpfen. Das Kickoff-Game der Ravens-Saison ging knapp an die Bills mit 41:40 verloren. Die Ravens kamen in Woche 2 von der Niederlage im Auftaktspiel gut zurück und schlugen die Browns mit 41:17. Doch die nächsten vier Spiele verloren die Ravens allesamt. Zu allem Übel kam auch noch eine leichte Verletzung von Lamar Jackson in Woche 4 hinzu, die ihn für drei Spiele außer Gefecht setzte.
Doch nach den vier Niederlagen und einem Record von 1-5 wendete sich das Blatt und die Ravens siegten fünfmal in Folge. Die Siegesserie wurde ausgerechnet von zwei Niederlagen gegen die Divisions-Gegner Cincinnati Bengals und Pittsburgh Steelers beendet. Bis zum letzten Spieltag gewannen die Ravens zwei der drei verbliebenen Spiele und erarbeiteten sich eine aussichtreiche Ausgangslage für das letzte Spiel gegen die Pittsburgh Steelers.
Im letzten Spiel der Regular Season hätte ein Sieg den Einzug in die Playoffs bedeutet und gleichzeitig den verhassten Rivalen aus Pittsburgh den Playoff-Platz genommen. In einem spannenden Spiel gaben sich beide Teams nicht viel, aber die Steelers hatten die Nase etwas vorne und führten mit 26:24 kurz vor Schluss. Aber die Ravens kamen noch einmal aufs Feld und sogar in Reichweite für ein Field Goal. Doch der extra als Ersatz für den schwächelnden Justin Tucker gedraftete Kicker Tyler Loop verschoss das Game-Winning-Field-Goal und zerstörte alle Playoff-Träume in Baltimore.
Damit landeten die Ravens auf Platz zwei in der AFC North hinter den Steelers und mussten von der Couch aus zusehen, wie die Steelers hoffnungslos gegen die Texans in der Wild Card Round untergingen.
Beim Blick auf die Erwartungen ist es ganz klar, dass diese Saison nicht dem entsprach, was die Ravens sich vor der Saison ausgemalt hatten. Das Verpassen der Playoffs, dazu noch so bitter am letzten Spieltag gegen den Divisions-Rivalen, muss für alle Ravens-Fans wie ein Schlag in die Magengrube gewesen sein. Mit einem Record von 8-9 war es die schlechteste Saisonleistung der Ravens seit 2021 und das in einer AFC North, in der sich alle Teams deutlich schwerer taten als die Jahre zuvor. Rookie-Kicker Tyler Loop spielte zwar eine ordentliche Rookie-Saison, zeigte jedoch genau im entscheidenden Moment Nerven.
Auch den eigenen Fans konnten die Ravens wenig bieten und standen oft zu Hause vor großen Problemen. Im heimischen M&T Bank Stadium gelangen den Ravens nur drei Siege - im Gegenzug mussten sie sechs Niederlagen hinnehmen.
Nach der Saison entschieden sich die Ravens für einen gravierenden Schritt. Nach 18 Jahren beim Team aus Baltimore wurde Head Coach John Harbaugh entlassen. Mit einem Record in der Regular Season von 180-113, einem Playoff-Record von 13-11, einem Coach-of-the-Year-Award 2019 und einem Super-Bowl-Sieg im Jahr 2013 wurde Harbaugh als einer der erfolgreichsten aktiven Coaches der NFL entlassen. Er kam später in der Offseason bei den New York Giants unter.
Auch wenn die Ravens die Playoffs verpassten und damit deutlich hinter den Erwartungen blieben, gibt es einige positive Dinge, die den Ravens Hoffnung machen sollten. Nach einer katastrophalen Startphase kämpfte sich das Team zurück in die Erfolgsspur und kämpfte bis zum Schluss um die Playoffs, welche sie nur hauchdünn verpassten. Trotz des unbefriedigenden Saisonergebnisses entwickelten sich die jungen Spieler gut weiter und auch die Rookies zeigten ordentlich Leistungen.
Auch die Star-Spieler blieben größtenteils fit und verletzten sich nicht schwerwiegend. Lamar Jackson fiel nach seiner Verletzung am Beinbeuger nur ein weiteres Spiel aufgrund einer Rückenverletzung aus. Die meisten anderen Starspieler blieben fit und können daher vermutlich ohne große Beeinträchtigungen in die nächste Saison starten.
Eine kleine positive Story lieferte immerhin noch Mark Andrews, der mit einigen Catches zum Ravens-Spieler mit den meisten Receiving Yards (5815 Yards) in der Franchise-Geschichte wurde und Derrick Mason (5777 Yards) überholte.
Die Ravens gingen mit ganz klaren Erwartungen an diese Saison heran und diese wurden überhaupt nicht erfüllt. Statt ein Super-Bowl-Contender zu sein kämpfte man lange darum, überhaupt in die Playoffs zu kommen und verlor den Kampf dann auch noch durch ein verschossenes Field Goal gegen die Steelers. Durch diese große Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität können die Ravens trotz eines zweiten Platzes in der AFC North und einem Record von 8-9 nicht zufrieden sein.
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nhu