16.06.2026
Regeln, Ablauf und Bedeutung
Wenn über den NFL Draft gesprochen wird, denken die meisten Fans automatisch an das große Dreitagesevent im Frühjahr. Doch nur wenige wissen, dass die NFL über einen zweiten, deutlich unbekannteren Draft verfügt: den Supplemental Draft. Spätestens durch den Fall von Quarterback Brendan Sorsby ist dieses seltene Auswahlverfahren wieder in den Fokus gerückt.

Während der reguläre NFL Draft jedes Jahr stattfindet und die besten Talente des College Footballs in die Liga bringt, kommt der Supplemental Draft nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Genau deshalb sorgt er immer wieder für Verwirrung. Wer darf überhaupt teilnehmen? Wie funktioniert das Verfahren? Und warum sind Teams bereit, dafür zukünftige Draftpicks zu opfern?
Der NFL Supplemental Draft wurde erstmals im Jahr 1977 durchgeführt und dient als alternatives Draftverfahren für Spieler, die nicht am regulären NFL Draft teilnehmen konnten. In den meisten Fällen handelt es sich um College-Spieler, die ihre Spielberechtigung verloren haben oder aus akademischen beziehungsweise disziplinarischen Gründen nicht mehr für ihre Universität auflaufen dürfen.
Anstatt bis zum nächsten regulären Draft warten zu müssen, erhalten diese Spieler die Möglichkeit, bereits im Sommer den Sprung in die NFL zu schaffen. Anders als der reguläre Draft findet der Supplemental Draft allerdings nur statt, wenn die NFL entsprechende Bewerber zulässt.
Das Verfahren unterscheidet sich deutlich vom klassischen NFL Draft. Zunächst wird die Reihenfolge der Teams durch ein spezielles Lotteriesystem bestimmt. Dabei werden die Mannschaften in drei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe umfasst Teams mit sechs oder weniger Siegen aus der Vorsaison, danach folgen alle übrigen Nicht-Playoff-Teams und schließlich die 14 Mannschaften, die in den Playoffs vertreten waren.
Innerhalb dieser Gruppen wird die Reihenfolge anschließend anhand eines gewichteten Verfahrens ausgelost, das Teams mit schlechterer Bilanz innerhalb ihrer jeweiligen Gruppe bessere Chancen auf eine frühere Position einräumt.
Sobald die Reihenfolge feststeht, beginnt das eigentliche Bieterverfahren. Interessierte Teams geben verdeckte Gebote auf Spieler ab. Das Besondere dabei: Es wird nicht mit Geld geboten, sondern mit zukünftigen Draftpicks.
Ist ein Franchise beispielsweise der Meinung, dass ein Spieler einen Drittrundenpick wert ist, kann es genau diesen Pick bieten.
Sollten mehrere Teams dieselbe Draft-Runde bieten, entscheidet die zuvor ausgeloste Reihenfolge. Angenommen, die Dallas Cowboys und die Kansas City Chiefs bieten beide einen Drittrundenpick auf denselben Spieler. In diesem Fall würde das Team mit der höheren Position innerhalb der Supplemental-Draft-Reihenfolge den Zuschlag erhalten.
Das erfolgreiche Team verliert anschließend den entsprechenden Pick im Draft des folgenden Jahres. Wer also einen Spieler mit einem Drittrundengebot verpflichtet, verzichtet auf seinen Drittrundenpick im kommenden NFL Draft.
Ein interessantes Detail betrifft die verfügbaren Draftrechte. Teams dürfen nur Picks bieten, die sich tatsächlich in ihrem Besitz befinden. Hat eine Organisation beispielsweise ihren Viertrundenpick des kommenden Jahres bereits abgegeben, darf sie auch kein Viertrundengebot im Supplemental Draft abgeben.
Ein anderes Beispiel wären die Rams, die durch den Myles-Garrett-Trade keinen Erstrundenpick im Jahr 2027 mehr besitzen. Sie könnten im Supplemental Draft 2026 also keinen Erstrundenpick bieten, weil sie keinen im folgenden Jahr mehr haben.
Allerdings können auch per Trade erworbene Draftpicks anderer Teams eingesetzt werden. Besitzt ein Team mehrere Picks in derselben Runde, darf es frei entscheiden, welchen dieser Picks es als Gebot verwenden möchte.
Deutlich seltener, als viele Fans vermuten. Der Supplemental Draft wird ausschließlich dann durchgeführt, wenn es zugelassene Kandidaten gibt.
Zuletzt fand das Verfahren im Jahr 2023 statt. Damals standen mit Malachi Wideman von Jackson State und Milton Wright von Purdue zwei Spieler zur Verfügung. Beide blieben jedoch ungedraftet.
Wichtig: Kein Team ist verpflichtet, am Supplemental Draft teilzunehmen oder einen Pick abzugeben. Gibt kein Team ein Gebot ab, werden die Spieler automatisch zu Undrafted Free Agents und können anschließend bei jedem NFL-Team ihrer Wahl unterschreiben, sofern sie ein Angebot erhalten.
Der letzte Spieler, der tatsächlich über den Supplemental Draft ausgewählt wurde, war Safety Jalen Thompson. Die Arizona Cardinals investierten 2019 einen Fünftrundenpick in den Defensive Back.
| Jahr | Spieler | Position | Runde | Team |
|---|---|---|---|---|
| 2019 | Jalen Thompson | S | 5 | Arizona Cardinals |
| 2012 | Josh Gordon | WR | 2 | Cleveland Browns |
| 2011 | Terrelle Pryor | QB | 3 | Oakland Raiders |
| 2007 | Paul Oliver | DB | 4 | San Diego Chargers |
| 2007 | Jared Gaither | OT | 5 | Baltimore Ravens |
| 2006 | Ahmad Brooks | LB | 3 | Cincinnati Bengals |
| 2002 | Milford Brown | OG | 6 |
Der Vertrag richtet sich nach der jeweiligen Draftposition. Wird ein Spieler beispielsweise mit einem Drittrundengebot ausgewählt, erhält er denselben Rookie-Vertrag wie ein Spieler, der im regulären NFL Draft an derselben Stelle der dritten Runde ausgewählt wurde.
Für die Spieler kann der Supplemental Draft deshalb finanziell äußerst attraktiv sein. Statt als Undrafted Free Agent auf den Markt zu kommen, sichern sie sich einen festen Rookie-Vertrag.
Aktuell sorgt vor allem Quarterback Brendan Sorsby für Schlagzeilen rund um den Supplemental Draft. Der ehemalige Cincinnati-Bearcats-Spielmacher verlor nach einem Glücksspiel-Skandal vorerst seine NCAA-Spielberechtigung, ehe ihm ein Richter diese vorläufig wieder zusprach. Anschließend stand er im Mittelpunkt mehrerer Gerichtsverfahren.
Da seine sportliche Zukunft im College Football trotz des Gerichtsurteils weiterhin ungewiss war, entschied sich Sorsby letztlich für den Weg in Richtung NFL. Sollte die Liga seinen Antrag genehmigen, könnte erstmals seit Jahren wieder ein hochgehandelter Quarterback über den Supplemental Draft verfügbar werden.
Viele Scouts sehen in Sorsby ein Talent, das ohne die Umstände seines Falls möglicherweise sogar als Erstrundenpick gehandelt worden wäre.
Der NFL Supplemental Draft gehört zu den seltensten Ereignissen im Football-Kalender. Gerade deshalb sorgt er immer wieder für Aufmerksamkeit, wenn ein prominenter Name auftaucht.
Für NFL-Teams bietet das Verfahren die Chance, außergewöhnliche Talente außerhalb des regulären Drafts zu verpflichten. Für Spieler wiederum kann der Supplemental Draft die letzte Möglichkeit sein, trotz verlorener College-Spielberechtigung direkt in die NFL einzusteigen.
Der Fall Brendan Sorsby hat nun dafür gesorgt, dass sich erstmals seit Jahren wieder ein großer Teil der Football-Welt mit diesem außergewöhnlichen Draftprozess beschäftigt.
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| Houston Texans |
| 1998 | Jamal Williams | DT | 2 | San Diego Chargers |
| 1998 | Mike Wahle | OG | 2 | Green Bay Packers |
| 1994 | Tito Wooten | DB | 4 | New York Giants |
| 1994 | John Davis | TE | 4 | Dallas Cowboys |
| 1992 | Dave Brown | QB | 1 | New York Giants |
| 1990 | Rob Moore | WR | 1 | New York Jets |
| 1989 | Steve Walsh | QB | 1 | Dallas Cowboys |
| 1989 | Bobby Humphrey | RB | 1 | Denver Broncos |
| 1987 | Brian Bosworth | LB | 1 | Seattle Seahawks |
| 1987 | Cris Carter | WR | 4 | Philadelphia Eagles |
| 1985 | Bernie Kosar | QB | 1 | Cleveland Browns |