26.05.2026
QB-Frage in Las Vegas
Auch wenn aktuell noch kein Football gespielt wird, laufen die Diskussionen rund um die kommende Saison längst auf Hochtouren. Besonders eine Frage sorgt dabei für Aufmerksamkeit: Wann wird der First Overall Pick Fernando Mendoza erstmals als Starting-Quarterback auflaufen?

Dass Fernando Mendoza als First Overall Pick zu den Las Vegas Raiders gedraftet wird, galt bereits Monate vor dem eigentlichen NFL Draft als nahezu sicher. Doch die Raiders haben sich nicht nur mit dem National Champion aus Indiana verstärkt, sondern auch mit Kirk Cousins einen erfahrenen Veteranen auf der Quarterback-Position geholt, der mit dem neuen System von Klint Kubiak bereits vertraut ist und deshalb aktuell als Favorit auf den Starting-Posten zum Saisonstart gilt.
Das würde nicht nur garantieren, dass die Raiders zu Beginn mit einem erfahrenen Quarterback konkurrenzfähig sind, sondern auch dem Coaching Staff die Chance geben, den 22-Jährigen hinter Cousins in Ruhe aufzubauen und zu entwickeln.
Aber damit stellen sich natürlich einige große Fragen: Sehen wir Mendoza in der kommenden Saison überhaupt als Starting-Quarterback der Raiders? Und wenn ja, ab wann? Oder bleibt er ein komplettes Jahr Backup und schaut zunächst von der Seitenlinie aus zu? Die Antworten auf diese Fragen hängen von mehreren Faktoren ab.
Der wichtigste Faktor ist natürlich Mendozas Entwicklung im Training Camp - auch wenn diese von außen nur schwer einzuschätzen ist.
Neu-Head-Coach Kubiak wird sehen wollen, dass Mendoza seine Offense, die stark auf Play Action und Under-Center-Formationen basiert, sauber ausführen kann, bevor er ihn aufs Feld schickt.
Zeigt der junge Passgeber bereits früh im Camp, dass er mit dem System klarkommt, könnten wir ihn schon früh in der Saison sehen. Sollte das nicht der Fall sein, könnte es deutlich länger dauern, bis er seinen ersten NFL-Snap als Starter bekommt.
Ein zweiter entscheidender Faktor ist natürlich Kirk Cousins selbst.
Zum jetzigen Zeitpunkt seiner Karriere ist Cousins keine langfristige Antwort auf die QB-Frage mehr, sondern vielmehr eine klassische Übergangslösung - also ein Quarterback, mit dem man kurzfristig Spiele gewinnen kann, um den herum man aber langfristig kein Team mehr aufbaut.
Dass die Raiders das ähnlich sehen, haben sie mit dem Pick von Mendoza deutlich gemacht. Mendoza ist klar die Zukunft des Franchises. Wie lange Cousins als Brücke fungieren wird, hängt deshalb sowohl von Mendozas Entwicklung als auch von Cousins’ eigener Performance ab.
Es steht wohl kaum zur Debatte, dass Cousins eine Mannschaft als Leader anführen kann. Das hat er in seiner langen NFL-Karriere bereits mehrfach bewiesen. Die entscheidende Frage wird vielmehr sein, wie viel besser er das System von Klint Kubiak tatsächlich ausführt.
Ist der Unterschied zwischen ihm und Mendoza groß genug, dass Cousins klar die bessere Option ist? Oder ist das Niveau ähnlich genug, dass sich Coaches irgendwann zwangsläufig fragen müssen, ob es wirklich Sinn ergibt, den 37-jährigen Veteranen starten zu lassen, während der 22-jährige First Overall Pick nur zuschaut?
Damit Cousins also länger Starter bleibt, muss Mendoza einerseits zeigen, dass er noch Zeit braucht. Gleichzeitig muss Cousins aber auch so gut spielen, dass der Leistungsunterschied zu groß ist, damit sich die Coaches diese Sinnfrage eben nicht stellen müssen.
Und das betrifft nicht nur das Training Camp, sondern vor allem auch den Start der Regular Season, sollte er tatsächlich den Vorzug bekommen. Denn Cousins wird sich nicht viele schlechte Spiele erlauben können, ehe die Fanbase und die gesamte NFL-Welt lautstark den Einsatz des Rookies fordern.
Oder vielleicht besser als Frage formuliert: Wie viele Spiele kann Cousins zum Start der Saison tatsächlich für Las Vegas gewinnen? Solange die Raiders mit Cousins Spiele gewinnen und er solide performt, werden die Rufe nach Mendoza zwar da sein, aber vergleichsweise leise bleiben.

Das ändert sich sofort, wenn die Raiders früh Spiele verlieren - und vor allem dann, wenn Cousins durch schwache Leistungen selbst dazu beiträgt und sich gleichzeitig früh abzeichnet, dass das Team kein ernsthafter Playoff-Kandidat ist.
Denn sobald dieses Szenario eintritt, gibt es kaum noch Gründe, Mendoza nicht spielen zu lassen - außer natürlich, wenn er intern noch nicht als bereit angesehen wird.
Ein dritter wichtiger Faktor ist der Schedule selbst - also die Frage, gegen welche Teams die Raiders spielen und wann ihre Bye Week ist. Gerade diese spielfreien Wochen nutzen NFL-Teams häufig, um große Veränderungen wie einen Quarterback-Wechsel vorzunehmen. Die Bye Week der Raiders liegt 2026 allerdings erst in Week 13, also Anfang Dezember.
Sollte Cousins bis dahin solide spielen, aber gleichzeitig nicht gut genug sein, um realistische Hoffnungen auf die Playoffs offen zu halten, wäre das vermutlich der späteste Zeitpunkt für einen Wechsel zu Mendoza.
Die Bye Week würde ihm zusätzliche Vorbereitungszeit geben, bevor anschließend noch fünf Spiele warten - darunter drei AFC-West-Duelle gegen die Chargers, Chiefs und Broncos sowie zwei machbare Spiele gegen die Tennessee Titans und Arizona Cardinals.
Das wäre theoretisch ein idealer Stretch, um Mendoza erste AFC-West-Erfahrung sammeln zu lassen, während gleichzeitig einige Spiele durchaus gewinnbar erscheinen.
Sollte der Wechsel vor der spielfreien Woche kommen, lohnt sich ein Blick auf den Spielplan. Wenn man davon ausgeht, dass Cousins als Starter in die Saison geht und ungefähr auf durchschnittlichem NFL-Niveau spielt, dann sollte Week 1 gegen die Miami Dolphins eigentlich ein machbares Spiel und ein Sieg sein.
Danach folgen allerdings direkt Spiele gegen die Chargers, Saints, Chiefs, Patriots, Bills und Rams. Ein äußerst schwerer Stretch mit mehreren Playoff-Teams und absoluten Top-Franchises.
Laut aktuellen ESPN-Win-Projection-Modellen stehen die Chancen der Raiders in vielen dieser Spiele eher schlecht. Während Las Vegas gegen Miami noch eine Siegchance von 73 Prozent haben soll, liegen sie in den darauffolgenden sechs Spielen nur einmal über 30 Prozent - und das gegen die Saints mit aktuell 36 Prozent.
Es ist also keineswegs unrealistisch, dass die Raiders nach Week 7 bei einem Record von 1-6 oder 2-5 stehen könnten. Selbst ein extrem optimistisches Szenario mit drei Siegen würde nur eine 3-4-Bilanz bedeuten.
Und genau das könnte der Zeitpunkt sein, an dem Mendoza ab Week 8 gegen die Jets erstmals starten könnte. Das Problem daran: Sobald man den Wechsel zu Mendoza macht, bleibt er normalerweise auch der Starter für den Rest der Saison.

Und direkt danach würde eine Ansammlung an Spielen warten, die ihn vor große Aufgaben stellen würde, denn dann stehen Spiele gegen die 49ers, Seahawks und Broncos an.
Seattle und Denver hatten vergangene Saison jeweils eine der besten Defenses der NFL. Dazu bekommt San Francisco mit dem neuen Defensive Coordinator Raheem Morris ein schwer zu spielendes System für einen jungen Quarterback. Denn dessen aggressives Blitz-Scheme hat vergangenes Jahr selbst die besten Quarterbacks der NFL wie Josh Allen vor große Probleme gestellt.
Und selbst danach würde mit der Browns-Defense inklusive Myles Garrett direkt die nächste Elite-Defense aus dem Vorjahr warten.
Ein verfrühter Einsatz von Mendoza würde also vermutlich bedeuten, dass der Rookie direkt gegen einige der schwierigsten Defenses der gesamten NFL antreten müsste.
Eine genaue Prognose darüber, wann Fernando Mendoza erstmals starten wird, ist aktuell extrem schwierig. Sowohl der Schedule als auch die aktuelle Situation der Raiders bieten nur wenige wirklich ideale Zeitpunkte für einen möglichst reibungslosen Quarterback-Wechsel.
Am logischsten erscheint aktuell ein Wechsel nach der Bye Week in Week 13, um zu evaluieren, was man in Mendoza hat, bevor er 2027 endgültig als Franchise-Quarterback übernehmen könnte.
Sollte sich Mendoza jedoch schneller entwickeln oder Cousins früh Probleme bekommen, könnten wir den Rookie deutlich früher in Aktion sehen. Das würde allerdings gleichzeitig bedeuten, dass Mendoza früher oder später direkt gegen einige der besten Teams und Defenses der NFL antreten müsste - denn wirklich einfache Aufgaben bietet der Schedule der Raiders 2026 kaum.
Auch ein Start in Week 1 ist nach wie vor nicht ausgeschlossen, auch wenn das vor allem wegen der Vertragsstruktur von Cousins und aller Stimmen aus dem Raiders Camp aktuell eher unwahrscheinlich scheint.
Es bleibt also spannend, wann Mendoza seinen ersten NFL-Snap spielen wird. Denn aktuell gibt es viele verschiedene Optionen - aber keine wirklich optimale.
val