30.03.2026
Back to 2012?
Die NFL befindet sich mitten in einem tiefen Konflikt mit ihren Schiedsrichtern. Nun wird es immer wahrscheinlicher, dass sie für unbestimmte Zeit erneut mit Ersatz-Schiedsrichtern planen werden. Beim letzten Mal ereignete sich dabei eine der kuriosesten Fehlentscheidungen der jüngeren Ligageschichte.

Die letzte Begegnung mit Ersatz-Offiziellen führte zur wohl bekanntesten Fehlentscheidung, die es in den letzten Jahren in der NFL gab. Die Rede ist vom "Fail Mary" im Jahr 2012.
Vorausgegangen war zu dieser Zeit ebenfalls ein langer Streit zwischen den Offiziellen und der Liga. Dabei ging es hauptsächlich um Gehaltsverhandlungen und Arbeitsbedingungen. Der Streit eskalierte schließlich so weit, dass die Liga die Referees "aussperrte" und Ersatz-Schiedsrichter aus unteren College-Ligen und High Schools einsetzte.
Der darauffolgende Fail-Mary-Eklat markierte den Höhepunkt des Konflikts - und gleichzeitig läutete er auch sein Ende ein.
Die legendäre Fehlentscheidung ereignete sich am 14. September 2012 beim Spiel der Seattle Seahawks gegen die Green Bay Packers. Viertes Viertel, Green Bay lag mit 12:7 in Führung. Noch acht Sekunden auf der Uhr. Weil den Seahawks also keine Zeit mehr blieb und nur noch ein Touchdown sie retten würde, warf Quarterback Russell Wilson einen Hail-Mary-Pass in Richtung Endzone. Alles oder Nichts. Dort wartete sein Wide Receiver Golden Tate auf ihn, um den Ball zum 6-Punkte-Score zu fangen.
Doch Tate war nicht der Einzige, der in der Endzone auf den Ball wartete. Umringt von Packers-Verteidigern, die alle wussten, was kommen würde, stand auch Safety M.D. Jennings bereit, um den Ball abzufangen. Was folgte, bleibt bis heute beispiellos.
Jennings kommt klar zuerst an den Ball und übernimmt die Kontrolle über ihn. Scheinbar die Game-Winning-Interception für Green Bay. Doch während Spieler samt Ball noch in der Luft ist, versucht Tate irgendwie verspätet noch seine Hände an das Spielgerät zu bekommen. Ein hoffnungsloser Versuch - mochte man meinen. Der Receiver hielt sich seitlich am bereits abgefangenen Ball fest und ging zusammen mit Jennings zu Boden.

In diesem Moment wird selbst Tate nicht daran geglaubt haben, dass das tatsächlich als erfolgreicher Catch durchgehen könnte. Doch die beiden Ersatzschiedsrichter, die dem Geschehen am nächsten standen, schienen kurz verwirrt, schauten sich an - und trafen zwei unterschiedliche Entscheidungen: Einer signalisierte Touchback und damit Game Over für Seattle, der andere hob beide Hände senkrecht nach oben: Touchdown.
Nachdem sich die Offiziellen das Geschehen per Video nochmal angeschaut haben, bestätigten sie zum Unverständnis aller Beteiligten tatsächlich den Score und somit den 13:12-Sieg für Seattle. Danach wurde die Kritik natürlich laut - so laut, dass gerade einmal zwei Tage später die NFL und die Gewerkschaft der Schiedsrichter eine Einigung erzielten.
Doch kein Ende auf ewig. Die Schiedsrichter und die Liga befinden sich aktuell im nächsten Streit. Ein Einsatz von ähnlichen Ersatz-Schiedsrichtern, wie im Jahr 2012, wird immer wahrscheinlicher. Die Liga bereitet sich bereits mithilfe der neuen Regelvorschläge für die anstehende Saison auf ein solches Szenario vor. Damit soll ein ähnliches Chaos und somit auch ein weiterer "Fail-Mary"-Moment um jeden Preis verhindert werden.
"Fail Mary" ist ursprünglich vom Hail Mary Pass abgeleitet. Dieser beschreibt einen extrem langen Pass, der meistens kurz vor Ende eines Spiels erfolgt. Mit geringer Erfolgsaussicht wird der Ball hoch in die gegnerische Endzone geworfen, in der Hoffnung auf einen Last-Minute-Touchdown.
Entstanden ist dieser 1975 als Roger Staubach, Quarterback der Dallas Cowboys, einen 50-Yard-Touchdown warf und damit in den letzten Sekunden das Spiel gewann. Nach dem Spiel sagte Staubach: "Ich habe meine Augen geschlossen und hab ein 'Hail Mary' gebetet." Damit wurde das Hail Mary zum ersten Mal mit einem solchen Verzweiflungspass in letzter Sekunde in Verbindung gebracht.
Russel Wilson gelang an jenem Tag gegen die Packers also etwas, was kaum ein anderer Quarterback vorweisen kann: Eine Game-Winning-Interception. Oder auch: Ein Phantom-Touchdown. Doch ihm, den Seahawks-Fans und seinem Receiver wird das egal gewesen sein.
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lgr, mhh