20.02.2026
Green Bay im Noten-Check
Die Saison der Green Bay Packers ließ sich lange nicht eindeutig einordnen. Nach einem starken Start galten sie früh als ernsthafter Super-Bowl-Kandidat, wirkten zwischendurch jedoch erstaunlich wacklig. Am Ende stand ein abruptes, bitteres Scheitern in den Playoffs - vielleicht das schmerzhafteste Ende aller NFC-Teams.

Die Packers gingen mit klaren Ambitionen in die Saison 2025. Der Blockbuster-Trade für Micah Parsons war ein unmissverständliches Signal: Green Bay wollte mehr als nur Playoffs, man wollte um den Super Bowl spielen. Parsons sollte eine ohnehin talentierte Defense in eine Elite-Unit verwandeln. Und Head Coach Matt LaFleur stand unter dem stillen Druck, mit seinem Team endlich den nächsten Schritt zu gehen.
Offensiv vertraute man weiter auf Quarterback Jordan Love, der nach dem Rodgers-Abgang längst als langfristige Lösung etabliert hat. Der Kader wirkte komplett, ausgewogen und reif. Alles andere als ein ernsthafter Run in der NFC wäre als Enttäuschung gewertet worden.
Der Start bestätigte die hohen Erwartungen zunächst. In Week 1 setzten die Packers mit einem 27:13 gegen Detroit sofort ein Ausrufezeichen - dominant, kontrolliert, selbstbewusst. In der Folge arbeitete sich Green Bay auf eine 9-3-1-Bilanz vor und blieb lange im erweiterten Favoritenkreis der NFC.
Doch bereits in dieser Phase zeigten sich erste Risse in der Fassade. Unerklärliche Niederlagen gegen Cleveland (Week 3) und Carolina (Week 9) passten nicht zu den eigenen Ansprüchen, hinzu kam ein Unentschieden gegen Dallas, das sich wie eine verpasste Chance anfühlte. Statt Konstanz entwickelte sich ein bekanntes Muster: starke Auftritte wechselten sich mit nahezu peinlichen Rückschlägen ab.
Zwar gewann Green Bay auch das zweite Duell gegen Detroit in Woche 13 und sweepte damit den Divisionsrivalen, doch selbst dieser Erfolg konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich kein stabiler Rhythmus einstellte. Die Packers blieben gefährlich, aber nie verlässlich.
Ab Dezember kippte die Spielzeit endgültig. Mit dem Kreuzbandriss von Parsons verlor Green Bay den wichtigsten Unterschiedsspieler, wenig später fehlte auch Love angeschlagen und verlor so seinen Rhythmus. Die Packers verloren vier Spiele in Folge und zitterten sich mit einer 9-7-1-Bilanz gerade so in die Postseason - ohne Momentum, ohne Sicherheit.
Der Tiefpunkt folgte prompt in den Playoffs. 27:31 gegen die Bears nach 21:3-Führung - eine der bittersten Niederlagen der Franchise-Geschichte. Green Bay dominierte die erste Hälfte, ging mit einem 15-Punkte-Vorsprung ins Schlussviertel und lag selbst sechs Minuten vor dem Ende noch klar in Führung. Doch ohne Parsons fand die Defense keinen Zugriff mehr auf Bears-Quarterback Caleb Williams. Auch offensiv fehlten die Antworten, als es darauf ankam.
In der Nachbetrachtung rückte vor allem Matt LaFleur in den Fokus. Nicht, weil er ein schlechter Coach wäre - sondern weil es erneut nicht gelang, ein wichtiges Spiel zuzumachen. Game Management, Playcalling in der Crunchtime und fehlende offensive Aggressivität wurden zurecht diskutiert. Besonders schmerzhaft: Während Divisionsrivale Chicago unter Ben Johnson binnen eines Jahres ein klares Profil entwickelte, wirkte Green Bay in den entscheidenden Momenten orientierungslos.
Viele Fans spürten diesen Trend bereits vor den Playoffs. Der Glaube an einen tiefen Run war da längst brüchig geworden.
Trotz des Endes bleibt das Ceiling dieses Teams hoch. Der Parsons-Trade war sportlich ein Volltreffer: 12,5 Sacks, konstante Pressure und ein sichtbarer Effekt auf die gesamte Defense. Mit ihm war Green Bay defensiv ein anderes Team. Dass sein Ausfall so schwer wog, unterstreicht seinen Wert. Auch Love zeigte wieder einmal, dass er auf NFL-Topniveau spielen kann - wenn auch noch ohne konstante Dominanz in den ganz großen Momenten.
Auch der Saisonstart und der Lions-Sweep zeigen: Das Potenzial ist real. Wenn Love gesund ist und die Defense vollständig, kann Green Bay mit jedem Team der Liga mithalten. Diese Saison war kein Absturz - sondern eine, die gezeigt hat, wie schmal der Grat zwischen Contender und Enttäuschung sein kann.
Das Ergebnis fühlt sich härter an, als die Bilanz klingt. 9-7-1 in der Regular Season ist solide, aber die Saison wird über zwei Dinge definiert: den späten Einbruch und den Playoff-Kollaps. Positiv bleiben der Parsons-Effekt und ein Kader, der grundsätzlich Super-Bowl-Potenzial hat. Negativ wiegen die fehlende Konstanz, die Probleme in den entscheidenden Momenten und die wachsenden Fragen, ob Green Bay unter LaFleur sportlich die Decke erreicht.
Trotz des bitteren Endes verlängerten die Packers nach der Saison den Vertrag des Head Coaches. Ein klares Vertrauenssignal, aber auch eine Verpflichtung. Der nächste Schritt muss nun folgen.
Alles in allem war es eine Saison, die gezeigt hat, was möglich ist - und gleichzeitig, wie schnell alles kippen kann, wenn der wichtigste Difference Maker wegfällt und die Antworten in der Crunchtime fehlen.
mhh