23.04.2026
Erst in Runde 5
Der NFL Draft gilt als große Lotterie, bei der kaum jemand weiß, welche Spieler wann und von wem gedraftet werden. Fans und Experten versuchen dennoch, die Spieler und Picks in Mock Drafts und Big Boards einzuordnen und vorherzusagen. Doch Geschichten wie die von Shedeur Sanders zeigen, wie wenig alle Fans und Experten vor dem Draft wirklich wissen.

Beim NFL Draft versuchen alle, die Reihenfolge bestmöglich vorherzusagen und zu erraten, welcher Spieler wann von welchem Team gewählt wird. Dabei liegen die meisten auch häufig richtig und ordnen die meisten Spieler zumindest bezüglich der Runde, in der sie gedraftet werden, richtig ein. So gilt es beispielsweise als so gut wie sicher, dass die Las Vegas Raiders mit ihrem ersten Pick ihren neuen Franchise-Quarterback in Fernando Mendoza wählen werden. Doch egal, wie sicher sich Fans und Experten zu sein scheinen, am Ende kann es doch ganz anders kommen. Das zeigt die Geschichte von Shedeur Sanders.
Im Vorlauf des vergangenen Drafts gab es viele Spekulationen und Gerüchte über Spieler, die doch früher oder später gedraftet werden würden. Bei den Quarterbacks schien jedoch eine klare Meinung zu herrschen. Cam Ward war auf fast allen Big Boards der beste Quarterback und wurde in den meisten Mock Drafts an erster Stelle von den Tennessee Titans gewählt. Der zweitbeste Quarterback des Drafts war in den Augen der meisten Experten Shedeur Sanders von Colorado. Der Star-Quarterback hatte im College Football unter seinem Vater und Head Coach Deion Sanders gute Leistungen gezeigt und mit Receiver und Cornerback Travis Hunter ein gefährliches Duo gebildet. Bei den meisten Mock Drafts ging Sanders innerhalb der ersten Runde zu einem der Franchises, die dringend einen neuen Quarterback brauchten. Immer wieder wurde der Quarterback sogar in den Top 5 des Drafts gelistet. Die Erwartungen waren daher enorm und Sanders zeigte sich ebenfalls zuversichtlich, einer der Top-Picks des Drafts zu werden.
Am Tag des Drafts war Sanders nicht vor Ort, sondern veranstaltete seine eigene Draft-Party. Wie erwartet wurde an erster Stelle Cam Ward von den Titans ausgewählt. Von nun an hätte Sanders‘ Handy in jeder Sekunde und bei jedem nächsten Pick klingeln können und sein Name auf der großen Bühne verkündet werden können. Doch auch in den nächsten Picks blieb sein Handy stumm und ein Talent nach dem anderen fand seinen Weg in die NFL. Nach dem 32. Pick war die Überraschung klar: Sanders wurde nicht in der ersten Runde des Drafts gewählt und das, obwohl die Giants in die erste Runde erneut reingetradet waren, um einen Quarterback zu nehmen, sich aber für Jaxson Dart entschieden.
Während diese Entwicklung für fast alle überraschend war, sollten sich die nächsten Tage zu einer Farce für Sanders entwickeln. Denn auch in der zweiten, dritten und vierten Runde rief ihn kein NFL-Team an. Einzig ein Scherzanruf eines 21-Jährigen, der an die Handynummer von Sanders gekommen war, erreichte ihn. Neben Cam Ward und Jaxson Dart wurden mit Tyler Shough, Jalen Milroe und Dillon Gabriel noch drei weitere Quarterbacks gewählt, bis Sanders mit dem 144. Pick in der fünften Runde von den Cleveland Browns gedraftet wurde. Kurios: Die Browns hatten zuvor schon in der dritten Runde mit Dillon Gabriel einen Quarterback gewählt.
Der Downfall von Sanders von einem Top-10-Prospect zu einem Spieler, der erst in der fünften Runde gewählt wurde, war eine der verrücktesten Geschichten der letzten Draft-Jahre und zeigt, wie sehr die Meinungen zwischen Experten oder Fans und NFL-Scouts auseinandergehen.
Sanders fiel beim Draft bis in die fünfte Runde. Das bedeutet, dass alle 32 NFL-Teams mehrmals die Chance verstreichen ließen, den Quarterback zu wählen, obwohl einige Teams dringend Verstärkung auf der Position brauchten und Sanders als einer der besten im College Football galt. Doch Sanders zeigte in seinem Spiel einige Schwächen auf. Der junge Quarterback verließ sich sehr stark auf seine Athletik, warf nicht präzise genug und ging zu viel Risiko in der Pocket ein, was zu vielen Sacks führte. Zudem sorgten sich viele Teams um die mediale Aufmerksamkeit, die mit der Verpflichtung des Sohnes der NFL-Legende Deion Sanders einhergehen würde.
Doch die größten Zweifel kamen bei den NFL-Verantwortlichen wegen Sanders‘ Charakter auf. Sanders wurde von vielen NFL-Scouts als Selbstdarsteller empfunden. Der 24-Jährige war sich so sicher, in der ersten Runde gedraftet zu werden, sodass er einige Interviews vor dem Draft mit NFL-Teams absagte. Und selbst die Teams, deren Einladung zum Interview er gefolgt war, konnten nur wenig Positives über den Quarterback erzählen. Am Montag nach dem NFL Combine berichteten mehrere Medien unter Berufung auf anonyme Quellen aus den Teams, Shedeur sei "übermütig und arrogant" sowie "unprofessionell und desinteressiert" gewesen und habe in seinen Interviews beim Combine "einen schlechten Eindruck hinterlassen". Zudem soll Sanders als ein sehr schwer zu coachender Spieler eingeschätzt worden sein. Diese Charakterzüge schreckten viele Teams von vornherein ab.
Trotz der Enttäuschung vom NFL Draft stieg Sanders gegen mehrere Quarterbacks im Trainingscamp der Browns ein und arbeitete sich zum Backup hoch. Die letzten sieben Spiele der Browns führte Sanders sein Team als Starter auf den Platz und zeigte durchschnittliche Leistungen für einen Rookie-Quarterback. Er warf in seinen sieben Starts für 1400 Yards, sieben Touchdowns und zehn Interceptions und gewann mit dem Team aus Cleveland drei Spiele. Auch in der NFL zeigte sich, dass sein Name präsenter war als seine Leistungen, da er trotz der wenigen Starts und nur durchschnittlicher Leistungen zum Pro Bowler als Ersatz für andere Stars gewählt wurde.
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nhu